Charles de Brosses

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Charles de Brosses

Charles de Brosses, Comte de Tournay, Baron de Montfalcon, Seigneur de Vezins et de Prevessin (* 7. Februar 1709 in Dijon, Frankreich; † 7. Mai 1777 in Paris) war ein französischer Jurist und Philologe des 18. Jahrhunderts. Als einer der Enzyklopädisten[1] verfasste er Artikel für die Encyclopédie.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Charles de Brosses war ein enger Freund des Naturforschers Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707–1788), der die Histoire naturelle verfasste, und ein persönlicher Gegner Voltaires, der de Brosses’ Aufnahme in die Académie française im Jahre 1770 verhindert hatte. Da er sich gegen die absolute Macht des französischen Königs stellte, wurde er 1744 und 1771 verbannt.

De Brosses verfasste zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen zur Geschichte der Antike, Philologie und Sprachwissenschaft, die vor allem von Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d'Alembert für die Encyclopédie genutzt wurden. Auf de Brosses ist auch der Begriff „Polynesien“ zurückzuführen, den er 1756 das erste Mal in Bezug auf die Gesamtheit der Inseln im Pazifik verwendete.

Ferner führte er mit seinem 1760 erschienenen Du culte des dieux fétiches, von Christian Brandanus Hermann Pistorius unter dem Titel Über den Dienst der Fetischengötter oder Vergleichung der alten Religion Egyptens mit der heutigen Religion Nigritiens übersetzt, den Begriff des Fetischismus ein.

Er war ab 1741 Präsident des Parlements in Dijon und Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (ab 1746) in Paris und der Académie des Sciences, Arts et Belles-Lettres (ab 1761) in Dijon.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lettres sur Herculanum (1750), das erste veröffentlichte Werk zu diesem Thema
  • Histoire des navigations aux terres australes (1756)
  • Du culte des dieux fétiches (1760)
  • Formation mécanique des langues (1765), ein wichtiges Werk für Etymologen
  • l'Histoire du IVe siècle de la République romaine (1777), eine französische Übersetzung von Sallusts Historia, teilweise anhand antiker Fragmente wiederhergestellt und mit topographischen Karten und archäologischen Fundorten illustriert.
  • L'Italie il y a cent ans, ou Lettres écrites d'Italie à quelques amis en 1739 et 1740 (1795 und 1836). De Brosses ist in Frankreich vor allem für diese posthum veröffentlichten Briefe aus Italien an Freunde in Dijon bekannt. Unter anderem Puschkin und Stendhal haben diese Publikation sehr geschätzt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Charles de Brosses – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Frank A. Kafker: Notices sur les auteurs des dix-sept volumes de « discours » de l'Encyclopédie. In: Recherches sur Diderot et sur l'Encyclopédie. Band 7, Nr. 7, 1989, S. 133 (online).