Cohousing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Cohousing-Siedlung ist eine geplante Gemeinschaft, die aus privaten Wohnungen oder Häusern besteht, die durch umfangreiche Gemeinschaftseinrichtungen ergänzt werden. Eine Cohousing-Siedlung ist Eigentum der Bewohner und wird gemeinsam geplant und bewirtschaftet, mit dem gemeinsamen Ziel die Interaktion mit Nachbarn zu fördern. Zu den Gemeinschaftseinrichtungen zählen normalerweise große Küchen und Speisezimmer, in denen die Bewohner abwechselnd für die Gemeinschaft kochen können. Andere Gemeinschaftseinrichtungen können beispielsweise Waschküchen, Kindertagesstätten, Büros, Internetcafés, Heimkinos, Bibliotheken, Werkstätten und Fitnessstudios sein.

Cohousing-Siedlungen fördern gemeinsame soziale Aktivitäten und Alltagsplanung zum Vorteil der gesamten Gemeinschaft. Darüber hinaus kann die Ressourcenplanung der Kommune erhebliche wirtschaftliche und Umweltschutz-Vorteile haben.

Herkunft des Cohousing[Bearbeiten]

Die modernen Grundlagen des Cohousing stammen aus Dänemark und wurden in den 1960ern von Gruppen von Familien entwickelt, die mit den existierenden Bebauungen und dem existierenden Gemeinwesen unzufrieden waren.

Cohousing wurde in Nordamerika von zwei Architekten, Kathryn McCamant und Charles Durrett, eingeführt, die mehrere Cohousing-Siedlungen besuchten und ein Buch darüber schrieben (Lit.: McCamant Durrett, 1994). Viele Cohousing-Siedlungen existieren in Dänemark und anderen Ländern in Nordeuropa. Es gibt mehr als 78 funktionierende Kommunen in den Vereinigten Staaten von Amerika und über 100 andere in der Planungsphase. In Kanada existieren 7 Gemeinschaften und etwa 15 in der Planungs- oder Aufbauphase. Es gibt auch Gemeinschaften in Österreich, Deutschland, Australien, England und anderen Teilen der Welt.

Definitionen und Merkmale des Cohousing[Bearbeiten]

Cohousing dient als Bezeichnung für ein großes Spektrum innovativer Wohnprojekte. Durch die Vielfältigkeit der so benannten Siedlungen wird gelegentlich der Blick auf die ureigensten Anliegen von Cohousing (speziell die nachhaltige Gemeinschaftsbildung) erschwert. Deshalb folgen hier einige definierende Kriterien des Begriffs.

Eine vielfach verwendete Definition von Cohousing (angeregt von den Urhebern des Begriffs) umfasst mindestens vier Merkmale (McCamant/Durrett 1994, S. 38):

  • Beteiligungsprinzip: Cohousing–Gemeinschaften werden unter aktiver Beteiligung der künftigen Bewohner gebildet, geplant und entwickelt.
  • Beabsichtigte Gemeinschaft: Als einer von mehreren Faktoren zur Schaffung eines starken Gemeinschaftsbewusstseins ist die Architektur auf größtmögliche Förderung der sozialen Kontakte ausgerichtet.
  • Großzügige Gemeinschaftseinrichtungen: Diese ergänzen und erweitern die individuellen Wohneinheiten im sozialen und praktisch-alltäglichen Bereich und beinhalten zumindest ein Gemeinschaftshaus mit Gemeinschaftsküche und Essbereich sowie diverse Infrastruktur (gemeinschaftliche Waschmaschinen und Wäschetrockner, Kinderspielräume, Hobbyräume und vieles andere mehr).
  • Selbstverwaltung: Die Bewohner sind eigenverantwortlich für Betrieb und Erhaltung der Wohnanlage (obwohl die praktische Durchführung dieser Aufgabe auch delegiert werden kann).

Weitere zwei Punkte werden gerne als selbstverständlich angesehen, seien hier aber dennoch ausdrücklich erwähnt:

  • Nicht-hierarchische Struktur: Die Bewohner übernehmen in der Gemeinschaft verantwortliche Positionen, generelle Entscheidungen werden jedoch von der Allgemeinheit getroffen.
  • Individuelles Einkommen und Finanzen: Jeder Haushalt ist finanziell von der Gemeinschaft unabhängig.

Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zu anderen innovativen Wohnformen sind die im Punkt 3 genannten Gemeinschaftseinrichtungen. Sie werden nämlich nicht nur im sozialen, sondern auch und speziell im praktisch-alltäglichen Bereich postuliert. Dabei geht es um die Möglichkeit, Haushaltsaufgaben aus dem individuellen Wohnbereich zu delegieren, um sie in gemeinschaftlich organisierter Form rationeller erledigen zu können. Daraus wird deutlich, dass es bei Cohousing im eigentlichen Sinn um eine in ihrer Kraft und Dynamik beständige oder sogar wachsende Gemeinschaft geht, denn Art und Umfang der Gemeinschaftseinrichtungen, aber auch das Ausmaß ihrer Nutzung haben entscheidenden Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung und Stärkung der Gemeinschaft

Wegen der unterschiedlichen sozialen Auswirkungen erscheint es also sinnvoll, Cohousings mit hohem Anspruch an die Gemeinschaftsbildung von solchen zu unterscheiden, bei denen diese Absicht nicht so konsequent eingeplant bzw. umgesetzt wird.

Cohousing im engeren Sinn verwirklicht stets die Rationalisierung und Vereinfachung alltäglicher Verrichtungen und Haushaltsaufgaben. Dadurch kann und soll eine wesentliche Einsparung beim individuellen Zeit- und Geldaufwand für diese Tätigkeiten erzielt werden, was natürlich auch das Vorhandensein und eine entsprechende Nutzung geeigneter Gemeinschaftseinrichtungen voraussetzt. Das Ausmaß dieser Einsparung ist ein höchst bedeutsamer Faktor für den langfristigen Erfolg einer (vermittels Cohousing) beabsichtigten Gemeinschaftsbildung.

Bei Cohousing im weiteren Sinn sind die Gemeinschaftseinrichtungen (soweit vorhanden) ganz vorwiegend bis ausschließlich freizeitorientiert. Eine Gemeinschaftsküche ist nicht vorhanden bzw. wird nicht genutzt, Zeit- und Geldersparnis durch gemeinschaftliche Erledigung von Haushaltsaufgaben spielen keine nennenswerte Rolle.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dolores Hayden: Redesigning the American Dream. The Future of Housing, Work, and Family Life. W. W. Norton & Company, New York NY u. a. 1984, ISBN 0-393-01779-6 (Revised and expanded edition. ebenda 2002, ISBN 0-393-73094-8), (Auszug).
  • id22: Institute for Creative Sustainability: experimentcity (Hrsg.): CoHousing Cultures. Handbuch für selbstorganisiertes, gemeinschaftliches und nachhaltiges Wohnen. JOVIS Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-148-4.
  • Kathryn McCamant, Charles R. Durrett: Cohousing. A Contemporary Approach to Housing Ourselves. 2. Auflage. Ten Speed Press, Berkeley CA 1994, ISBN 0-89815-539-8.
  • Elisabeth Millonig, Helmut Deubner, Elmar Brugger, Ingo Kreyer, Toni Matosic, Raimund Gutmann, Wilfried Posch: Evaluierung der Wohnform Cohousing am Beispiel bestehender Projekte in Niederösterreich. Wohnbauforschung Niederösterreich, St. Pölten 2010.
  • Chris Scotthanson, Kelly Schotthanson: The Cohousing Handbook. Building a Place for Community. New Society Publishers, New York NY 2004, ISBN 0-86571-517-3.

Weblinks[Bearbeiten]