Colin A. Ross

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Colin A. Ross (* 1952 in Manitoba) ist ein kanadischer Psychiater. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Behandlung und der Erforschung von psychischen Traumata und der Dissoziativen Identitätsstörung.

Leben und Forschung[Bearbeiten]

1995 gründete er das „Colin A. Ross Institute for Psychogical Trauma“, welches in verschiedenen Krankenhäusern der Vereinigten Staaten spezielle Traumabehandlungen anbietet. Während seiner Facharztausbildung kam er mit Patienten, die vermeintlich an der damals noch relativ unerforschten und umstrittenen multiple Identitätsstörung litten, in Kontakt. Einige Patienten berichteten in der Therapie über praktizierte angebliche satanistische Rituale, was Ross zu Recherchen und Forschungen zum Thema rituelle Gewalt bewog. Seine Arbeit führte zu einem Buch über rituelle Praktiken in satanischen Kulten. Ross konnte aber keine Beweise für die Existenz solcher geheimen Kulte erbringen, die entsprechenden Befürchtungen gelten als großangelegte Moral Panic.

Thesen zu Mind Control-Programmen[Bearbeiten]

Im Verlauf seiner ärztlichen Tätigkeit behandelte er Patienten mit ähnlichen Krankheitsbildern, die über militärische und geheimdienstliche Experimente in Verbindung mit Mind Control-Programmen in den USA, Kanada und Großbritannien berichteten. Dies bewog Ross zu weiteren Forschungen auf diesem Gebiet, wobei er die Möglichkeit hatte, freigegebene Akten der CIA über den Freedom of Information Act (FOIA) zu beziehen und auszuwerten. Ross kam zu der Erkenntnis, dass die amerikanische CIA unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg damit begonnen hatte, umfangreiche Forschungsprogramme zur Bewusstseinskontrolle und zur Erforschung von Drogen sowie zum Entwickeln neuer Verhörmethoden zu starten. Dies geschah mit enormer finanzieller Unterstützung der US-Regierung.

Ross ist der Ansicht, dass es der CIA gelungen sei, einen so genannten „Manchurischen Kandidaten“ zu erschaffen und zum Einsatz zu bringen. Das wichtigste Element dabei sei die künstliche Erzeugung multipler Persönlichkeiten mittels extremer Folter, Medikamenten, Drogen und Hypnose. Bestimmte Dokumente, so Ross, gäben Hinweise darauf, dass die CIA schon Ende der fünfziger Jahre damit begonnen habe, Kinder in speziellen Programmen zu Spionen und Attentätern zu trainieren und zu programmieren.[1] Eltern und Pflegeeltern von Adoptivkindern sollen mit involviert gewesen sein, denn nur so sei es möglich, einen Menschen dauerhaft zu kontrollieren. Oft seien die Eltern ebenfalls Geheimdienst- oder Militärangehörige gewesen.[2] Auch hält es Ross für unwahrscheinlich, dass diese Programme, anders als behauptet, Anfang der 1970er Jahre eingestellt wurden, da sie keine brauchbaren Resultate erbrachten. Ross beschäftigt sich auch mit Überlebenden von geheimen Bewusstseinskontrollprogrammen wie zum Beispiel Cathy O’Brien und Carol Rutz (siehe auch MKULTRA).

Paranormale Fähigkeiten[Bearbeiten]

2008 bewarb sich Ross bei der James Randi Educational Foundation um deren Preis mit der Behauptung, er könnte mit der Kraft seines Blickes einen Lautsprecher zu einer Tonäußerung bringen.[3] 2010 veröffentlichte Ross dazu eine Studie bei der American Anthropological Association.[4] In einem Briefwechsel mit dem Skeptiker Steven Novella vom The Skeptic's Guide to the Universe gab er allerdings zu, dabei einen Biofeedbacksensor an seinem Laptop angeschlossen zu haben, der in bekannter Weise auf seinen Lidschlag reagierte. Bei JREF wurde kein Test durchgeführt, 2008 erhielt Ross den eher ironisch gemeinten Pigasus Award.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Recognizing Multiple Personality Disorder. Ross, C.A., Fraser, G.: In:Annals of the Royal College of Physicians and Surgeons, 20(5):357-360, 1987.
  • The Effects of Hypnosis on Dissociative Identity Disorder (letter). Ross, C.A.: In:Canadian Journal of Psychiatry, 2000, 45, 34.
  • Techniques in the Treatment of Multiple Personality Disorder. Ross, C.A., Gahan, P.In: American Journal of Psychotherapy, 42(1):40-52, 1988.
  • Ross, C.A., Gahan, P: Cognitive Analysis of Multiple Personality Disorder In:American Journal of Psychotherapy, 42(2):229-239, 1988.
  • Multiple Personality Disorder in Canada. Ross, C.A.: Psychiatry in Canada, 11-13, January 1988.
  • Ross, C.A., Norton, G.R.: Differences Between Men and Women With Multiple Personality Disorder. In: Hospital and Community Psychiatry, 40(2):186-188, 1989.
  • oss, C.A., Norton, G.R., Wozney: Multiple Personality Disorder: An Analysis of 236 Cases.RK.In:Canadian Journal of Psychiatry, 34(5):413-418, 1989.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Military Mind Control: A Story of Trauma & Recovery Manitou Communications, Inc. (January 9, 2009) ISBN 978-0-9765508-9-1
  • Satanic Ritual Abuse: Principles of Treatment University of Toronto Press (October 2, 1995) ISBN 978-0-8020-7357-0
  • Bluebird: Deliberate Creation of Multiple Personality by Psychiatrists; 406 Seiten; ISBN 0-9704525-1-9
  • Trauma Model Therapy: A Treatment Approach for Trauma Dissociation and Complex Comorbidity Manitou Communications Inc (Oktober 2009) ISBN 978-0-9821851-2-4
  • The Search for the “Manchurian Candidate”: The CIA and Mind Control: The Secret History of the Behavioral Sciences. from John D. Marks (April 1997) ISBN 978-0393307948

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Government Mind Control Experiments On Children: With an Essay, They Want to Know Jon Rappoport (1995)
  2. http://www.cchrint.org/tag/project-bluebird/
  3. http://blogs.dallasobserver.com/unfairpark/2008/08/colin_ross_has_an_eyebeam_of_e.php
  4. http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/123310535/PDFSTART