Verschwörungstheorie

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Dieses Bildelement der Ein-Dollar-Note zeigt das Auge der Vorsehung – für viele Verschwörungstheoretiker ein wichtiger Beweis einer globalen Verschwörung des Illuminatenordens oder der Freimaurer.

Als Verschwörungstheorie bezeichnet man im weitesten Sinne jeden Versuch, ein Ereignis, einen Zustand oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken von Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck. Der Begriff Verschwörungstheorie wird zumeist kritisch oder abwertend verwendet.

Prinzipiell unterscheiden lassen sich Zentralsteuerungshypothesen, die im Grundsatz rationale und überprüfbare Aussagen über angenommene Verschwörungen machen, und Verschwörungsideologien, die Vorstellungen über Verschwörungen in quasi wahnhafter Weise gegen kritische Revision immunisieren.

Merkmale und Haupttypen[Bearbeiten]

Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist – insofern er, wie in den allermeisten Fällen, für Verschwörungsideologien verwendet wird – aufgrund seiner beiden Bestandteile problematisch. „Verschwörung“ ist ein negativ konnotiertes Wort, welches im angelsächsischen Rechtsbereich sogar strafrechtliche Aspekte umfasst; Aber auch der Wortteil Theorie ist irreführend: „Theorie“ bezeichnet eine modellhafte, korrekturfähige Vereinfachung der Wirklichkeit, die von Einzelereignissen oder Umständen abstrahiert, um übergreifende Zusammenhänge zu beschreiben. Genau das leistet eine Verschwörungstheorie aber nicht, da sie zwar vereinfachende Muster anbietet, aber kein Modell:[1] Verschwörungstheorien leisten keine Abstraktion, sondern nehmen im Gegenteil eine Konkretisierung vor, die unzulässigerweise verallgemeinert wird. Während die Abstraktion Komplexität erhält und nur die Beobachtungsebene verändert, ist die unzulässige Konkretisierung verlustbehaftet. Die nachgelagerte Verallgemeinerung basiert auf einer Vereinfachung bzw. Vereindeutigung (Disambiguierung). Verschwörungstheorien vermengen bei ihrer Simplifikation zudem die Kategorien Sein und Sollen. Wenn Begriffe unterschiedlicher Kategorien durch Konjunktionen verknüpft werden, spricht man aber von einem Kategorienfehler. Kurz gesagt: Verschwörungstheorien sind nicht neutral, sondern selbst interessengeleitet. Dieses Interesse verzerrt die „Theorie“ schon im Ansatz (s. auch Kognitive Verzerrung, vor allem Illusorische Korrelation). Ein wesentliches Merkmal ist somit das Vorhandensein eines normativen Maßstabes. Die als „Verschwörung“ bezeichneten Vorgänge werden nicht wertneutral konstatiert, sondern von einem normativen Standpunkt aus kritisiert. Verschwörungstheorien beschränken sich also nicht auf eine Diagnose, sie enthalten immer auch eine mitlaufende, aber nicht explizierte, meist weltanschauliche Beurteilung von Ereignissen.[2] Abweichungen werden als absichtliche Manipulationen verstanden, die ihrerseits manipulativ verändert werden müssen.

Vertreter von Verschwörungstheorien weigern sich – anders als Wissenschaftler, die Modelle vertreten –, ihre Hypothesen zu explizieren und überprüfbare Bedingungen zu nennen, bei deren Nachweis sie ihre Hypothesen für widerlegt betrachten.[3] Es ist gerade das Charakteristikum von Verschwörungstheorien, dass sie von Gegenständen handeln, die sich tatsächlich oder vermeintlich jeder Nachprüfbarkeit entziehen. In diesem Sinne sind Verschwörungstheorien nicht deskriptiv, sondern präskriptiv, wobei ihnen das Ziel der empirischen Verifizierung fehlt. Das unterscheidet Verschwörungstheorien von wissenschaftlichen Hypothesen. Aufgrund der hochgradig stereotypen und festgefügten Struktur sind Verschwörungstheorien in der Theorie von erklärungsbezogenen Deutungsmustern abgrenzbar. Die Deutungsmuster einer Verschwörungstheorie sind nämlich nicht auf korrekturbasierte Weiterentwicklung hin angelegt.

Grundlage vieler Verschwörungstheorien ist ein dezidiertes und vereinfachendes Welt- und Geschichtsbild, das auf der Grundannahme basiert, dass Strukturen der sozialen Wirklichkeit durch Handlungen von Personen direkt steuernd beeinflusst werden können.[3] Vor dem Hintergrund der gegenseitigen strukturellen Abhängigkeiten und hochgradigen Vernetzungen komplexer sozialer Systeme gilt diese Voraussetzung heute jedoch allgemein als unplausibel. Sozialwissenschaftliche Modelle zeigen, dass sich weitreichende Ereignisse in Gesellschaft, Wirtschaft oder Staat nicht allein durch das zielgerichtete Handeln von Personen oder Personengruppen verursachen lassen. Man geht hier vielmehr vom Zusammenwirken vieler verschiedener subjektiver Gründe und objektiver Bedingungen aus, die aus Strukturen, Konjunkturen, Absichten, Gegenabsichten, Irrtümern und schlichten Zufällen bestehen und sich zudem gegenseitig beeinflussen. Die Auffassung, eine relativ kleine Personengruppe könne wichtige gesellschaftliche Ereignisse zentral steuern, gilt daher als unterkomplex.

Karl Popper (1902-1994) drückte dies – bezogen auf einen speziellen Typus von Verschwörungstheorie – folgendermaßen aus:

„Um meine Gedanken zu verdeutlichen, werde ich in kurzen Zügen eine Theorie beschreiben, die weit verbreitet ist, aber das genaue Gegenteil dessen annimmt, was ich für das eigentliche Ziel der Sozialwissenschaften halte; ich nenne sie die Verschwörungstheorie der Gesellschaft. […] Diese Ansicht von den Zielen der Sozialwissenschaften entspringt natürlich der falschen Theorie, daß, was immer sich in einer Gesellschaft ereignet, das Ergebnis eines Planes mächtiger Individuen oder Gruppen ist.“

Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – Band II – Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen (geschrieben um 1941)[4]

Für die Anwendung einer solchen Hypothese auf größere Zeiträume und die stereotype Vermutung, hinter verschiedensten Erscheinungen steckten Verschwörungen als Lenkungsursachen, schlug der Historiker Richard Hofstadter in den 1960er Jahren die Bezeichnung „paranoider Stil“ der Welterklärung vor.[5] Der US-amerikanische Journalist Frank P. Mintz prägte dafür den Begriff „conspiracism“,[6] im Deutschen haben sich die Begriffe „Verschwörungsmythos“, „Verschwörungsideologie“ oder „Verschwörungsdenken“ eingebürgert.[7]

Um dem stark wertenden Gebrauch des Wortes „Verschwörungstheorie“ zu begegnen, wird im Folgenden zwischen zwei Hauptformen von Verschwörungstheorien unterschieden: der Verschwörungstheorie als Zentralsteuerungshypothese, die ein Phänomen rational mit einer Verschwörung erklärt, und der irrationalen Verschwörungsideologie.[8]

Zentralsteuerungshypothesen[Bearbeiten]

Eine Zentralsteuerungshypothese[9] sieht hinter bestimmten Ereignissen oder Entwicklungen das gezielte, verborgene Wirken von Personen oder Personengruppen, etwa von Geheimbünden oder Geheimdiensten. Dafür kann es gute Gründe geben, da solche Verschwörungen in vielen Bereichen der Wirklichkeit tatsächlich vorkommen. Als Beispiele können Staatsstreiche, mafiose Strukturen, verschiedene Formen der Wirtschaftskriminalität und Lobbyismus angeführt werden. Auch wenn sie das Geschehen in der Regel nur als ein Faktor von vielen beeinflussen, können verborgene Steuerungszusammenhänge für manche Ereignisse von ausschlaggebender Bedeutung sein.

Die breite Erforschung verschiedener Geheimdiensttätigkeiten im Zweiten Weltkrieg kann als Beispiel für wissenschaftliche Zentralsteuerungshypothesen gelten: Die Forschung nimmt in verschiedenen Bereichen verabredete Geheimpläne kleiner Führungsgruppen an, etwa in der psychologischen Kriegführung oder dem Kampf um die Entschlüsselung von Geheimcodes wie der Chiffriermaschine Enigma. Sie unterstellt hier also konspirative und – aus der Sicht des Spionageziels – illegale Tätigkeiten mit weitreichender Wirkung. Sie versucht diese aufzudecken, um sie zur Erklärung wichtiger historischer Ereignisse heranzuziehen.

Auch in der Kontroverse um die Hintergründe des Reichstagsbrands vom 27. Februar 1933 wird eine solche seriöse Verschwörungstheorie diskutiert: Deren Anhänger glauben, die Nationalsozialisten hätten sich planvoll mit der Brandstiftung einen Vorwand für die am nächsten Tag erfolgte Verordnung zum Schutz von Volk und Staat verschafft. Die Anhänger der Einzeltäterthese nehmen dagegen an, die Nationalsozialisten hätten die günstige Gelegenheit, die Marinus van der Lubbe ihnen bot, in geschickter Improvisation ausgenutzt.

Im Zusammenhang mit dem politischen Einfluss einer kleinen Gruppe von US-Neokonservativen auf die Eröffnung des Irak-Krieges wird der Begriff der „Schattenelite“ der Sozialanthropologin Janine R. Wedel als wissenschaftlich adäquat bevorzugt.[10]

Eine Zentralsteuerungshypothese, die den Anspruch der Wissenschaftlichkeit erhebt, muss in jedem Fall durch empirische Untersuchungen falsifizierbar, also korrekturfähig sein. Sonst wäre sie eben keine Hypothese mehr, sondern bereits eine zum Vorurteil erstarrte pseudowissenschaftliche Glaubensüberzeugung, wie es bei Verschwörungsideologien der Fall ist.[3]

Siehe auch: Strategie der Spannung

Verschwörungsideologien[Bearbeiten]

Während Verschwörungs- oder Zentralsteuerungshypothesen in Einzelfällen auf der Realität basieren und zu ihrer Erklärung dienen können, schließen Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie aus, dass die Weltgeschichte durch Verschwörungen gesteuert wird oder dass gar eine geheime Weltregierung (Synarchie) existiert. Solche Theorien haben demnach von vornherein irrealen Charakter. Sie sind nicht auf befürchtetes, tatsächlich mögliches und empirisch überprüfbares konspiratives Handeln bezogen, sondern auf eine eingebildete, feststehende und empirisch nicht nachweisbare Zentralsteuerung des „großen Ganzen“.

Werden Zentralsteuerungshypothesen auf größere Ereigniszusammenhänge ausgedehnt und verlieren sie ihren hypothetischen, durch neue Fakten revidierbaren Charakter, dann liegt ein geschlossenes verschwörungsideologisches Welt- und Geschichtsbild vor.[11] US-amerikanische Psychologen haben nachgewiesen, dass Menschen, die an eine Verschwörungstheorie glauben, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für weitere Erklärungen dieser Art aufnahmebereit sind.[12] Sie neigen also dazu, dasselbe Erklärungsmuster stereotyp auf mehrere oder sogar alle zunächst undurchschaubaren Phänomene, die ihnen begegnen, anzuwenden. Um die imaginäre Sichtweise im Unterschied zu diskutablen Verschwörungshypothesen hervorzuheben, spricht Geoffrey T. Cubbit von „Verschwörungsmythos“. Der deutsche Extremismusforscher Armin Pfahl-Traughber sieht darin eine durch Fakten nicht korrigierbare, „festgefügte, monokausale und stereotype Einstellung“ oder „Verschwörungsideologie“. Für Slavoj Žižek, einen slowenischen Theoretiker in der Nachfolge Lacans, stehen Verschwörungstheorien sogar paradigmatisch für die Suche nach dem imaginären „großen Anderen“, der im sozialen Leben die Fäden in der Hand hält.

Allgemeines Merkmal solcher Ideologien ist ein personalisiertes, d. h. an Einzeltätern oder Gruppen orientiertes, monokausales Erklärungsmuster zur Vereinfachung historischer und gesellschaftlicher Komplexität. Verschwörungsideologien dienen somit in einer unüberschaubar gewordenen Gesellschaft der Selbstvergewisserung. Die Tätigkeit der Verschwörer wird als die wichtigste oder sogar einzige Ursache des zu erklärenden Phänomens betrachtet; andere Ursachen und Faktoren werden dabei abgewertet oder ausgeblendet. Damit erscheinen die Verschwörer zugleich als extrem mächtig, weshalb sie trotz ihrer geringen Zahl und Verbreitung Ereignisse von welthistorischer Bedeutung inszenieren können. Auch sollen sie über ausgeklügelte Geheimhaltungsmechanismen verfügen, weshalb außer dem geübten Verschwörungstheoretiker niemand ihre verborgenen Pläne und Absichten erkennen könne.

Diese Personalisierung von Geschichtsursachen vollzieht sich immer in Verbindung mit einer auf der „Idee des Bösen“ beruhenden Zuschreibung. „Das Böse“ wird als überpersonale, weltbeherrschende Macht gedacht, die sich aber in ganz bestimmten Personengruppen manifestiert. Verschwörungsideologien bieten eine vereinfachende Antwort auf die Frage, wie das Böse in die Welt komme. Damit berühren sie das Theodizeeproblem: In verschwörungsideologischer Perspektive „ist nicht Gott schuld, wenn guten Menschen Böses passiert, sondern die Verschwörer sind es, die sich z. B. mit dem Teufel verbünden“.[13] Der Historiker Wolfgang Wippermann vertritt daher die These, dass der Glaube an den Teufel die geistesgeschichtliche Wurzel aller Verschwörungsideologien sei.[14] Hier zeigt das verschwörungsideologische Weltbild seine mythischen Wurzeln.

Das Ausfindigmachen von „Schuldigen“ geht mit der Schwarz-Weiß-Malerei eines moralisierenden Dualismus einher und folgt dem Wunsch, die unterstellten Geheimpläne aufzudecken, abzustellen und zu bestrafen, um so das Böse „ein für allemal“ aus der Welt zu schaffen. Daher bezeichnet man diese Verschwörungsideologien als handlungsleitend. Dass sie sich in der Realität rasch als untauglich erweisen, bestätigt dann scheinbar die ungeheure Macht alter oder neuer Sündenböcke, so dass sich das verschwörungsideologische Weltbild stets selbst erneuert. Die Katastrophensoziologie geht davon aus, dass bei schweren Unglücken regelmäßig zu erwarten ist, dass magische (dämonische) Zusammenhänge als Ursachen formuliert und auch geglaubt werden (Magisierung).[15]

Ein Beispiel für eine solche monokausale Personalisierung ist die Erklärung der Französischen Revolution aus dem geheimen Zusammenwirken der Freimaurer und Illuminaten. Der bayerische Illuminatenorden wird bis heute dämonisiert, obwohl er zur Zeit der Revolution bereits verboten war und in Frankreich nie mehr als ein Dutzend Mitglieder hatte. Dennoch traute man ihm den 1789 in wenigen Monaten herbeigeführten Sturz einer jahrhundertealten Gesellschaftsordnung zu. Gegenüber dem hochkomplexen Ursachengeflecht, auf das die seriöse Geschichtsforschung die Revolution zurückführt, kann diese Verschwörungstheorie sie scheinbar leichter verständlich machen und zudem konkrete Personen als Schuldige vorweisen.

Auffällig ist, dass sehr viele Verschwörungsideologien den Verschwörern ein weltweites Beziehungsnetz zuschreiben: Diese Unterstellung internationaler Verbindungen appelliert an die nationalen und xenophoben Gefühle der Rezipienten und lässt die Verschwörer noch bedrohlicher, weil schwerer fassbar, erscheinen. Außerdem sollen Auslandsverbindungen den Umstand erklären, dass außer den Verschwörungstheoretikern selbst noch niemand dem Treiben der Konspirateure auf die Spur gekommen ist.

Typisch für conspiracism ist dabei seine Immunisierung gegen jede Form von Widerspruch. Wer an den angebotenen Erklärungen zweifelt, gilt entweder als getäuscht, erpresst oder gar als Mitwisser der Verschwörung. Die Verschwörungsideologie kann dann nicht mehr widerlegt werden. Gerne wird von Verschwörungstheoretikern gerade das Fehlen von Beweisen als Beweis für eine Verschwörung gewertet, da dies eben die unheimliche Effektivität der Verschwörer zeige. Eine Parodie auf diesen Umstand ist etwa die im Internet zirkulierende Bielefeldverschwörung. Da die vermuteten Verschwörungen als strukturell unbeweisbar konstruiert werden, gilt ihnen eine Expertenmeinung nicht als höherwertig als eine private Spekulation.

Unterscheidung von Verschwörungshypothese und Verschwörungsideologie[Bearbeiten]

In der Theorie lassen sich diskutable Verschwörungstheorien mit realen Anhaltspunkten von einer Verschwörungsideologie, die das absichtsvolle Handeln einzelner Individuen oder Gruppen hinter nahezu allen Erscheinungen ausmacht, relativ leicht unterscheiden. In der Praxis ist dies hingegen weitaus schwieriger.[16]

Der Mord an US-Präsident Kennedy führte zu einer der meistdiskutierten Verschwörungstheorien der jüngeren Geschichte.

Zwar finden Theorien wie David Ickes Behauptung einer Unterwanderung der Menschheit durch reptilartige Außerirdische in der öffentlichen Meinung kaum Rückhalt. Analoge Stoffe sind durch zahlreiche Romane und Drehbücher – bis hin zu Krieg der Welten, einem legendären Hörspiel von Orson Welles (nach dem Roman The War of the Worlds von H. G. Wells) – verbreitet; doch das Publikum zieht solche Fiktionen meist nicht zur Wirklichkeitserklärung heran. Häufig sind aber die Grenzen zwischen einer realistischen Befürchtung und einem wahnhaften Verschwörungsmythos fließend.[3] Rationale und ideologische Realitätsdeutung gehen vor allem dort ineinander über, wo eine Zentralsteuerungshypothese sich nicht überprüfen lässt. Denn tatsächliche Verschwörungen sind meist durch strikte Geheimhaltung gekennzeichnet und daher schwer nachweisbar.[17] So halten viele Zeitbeobachter z. B. den Verdacht für diskutabel, dass am Attentat auf John F. Kennedy mehr Menschen beteiligt waren als nur Lee Harvey Oswald.[18] Unaufgeklärte Ursachen für einzelne Geschichtsereignisse können also den Glauben an weitere, bisher noch nicht entdeckte Verschwörungen stützen. Dies kann einer Verschwörungsideologie den Anschein einer Faktenbasis und legitimen Geschichtsdeutung verleihen, so dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung scheinbar eine seriöse Diskussion verdient. Umgekehrt können seriöse Vermutungen aber auch als irrationale Verfolgungshysterie dargestellt und Aufklärungsbemühungen damit abgeblockt oder diskreditiert werden. Es ist auch denkbar, dass eine Verschwörung vorliegt, der Verweis auf sie dennoch verschwörungsideologische Züge trägt. Dies trifft etwa auf viele arabische Länder, oder zuletzt auch Russland, zu, wo unliebsame Ereignisse reflexartig mit "westlichen Umtrieben" erklärt werden. Diese Erklärung bleibt auch dann unterkomplex, interessengeleitet und desinformativ, wenn, wie zuletzt, durch interne Informanten aufgedeckt wird, in welchem Maß westliche Geheimdienste tatsächlich konspirative und sogar illegale Methoden verwenden. Dieses Paradox wird in einem bekannten, Joseph Heller und Henry Kissinger zugeschriebenen, Bonmot zum Ausdruck gebracht: “Just because you’re paranoid doesn’t mean they’re not after you” (deutsch: „Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.“) (vgl. Paranoia).

Bei folgenden Beispielen ist fraglich, ob sie einer Verschwörungshypothese oder einer Verschwörungsideologie zuzuordnen sind:

  • Präsident Franklin D. Roosevelt habe ihm bekannte Informationen über den bevorstehenden Angriff der Japaner auf Pearl Harbor absichtlich zurückgehalten, um so den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg in der Öffentlichkeit durchsetzen zu können – siehe hierzu Verschwörungstheorien zum Angriff auf Pearl Harbor.[19]
  • Die Lampenindustrie betreibe die technisch längst mögliche Produktion von Ewigkeitsglühbirnen absichtlich nicht, weil sie an rasch durchbrennenden Glühlampen mehr verdiene.
  • Die Außenpolitik der USA beruhe aufgrund der hohen Abhängigkeit der US-Wirtschaft von Erdölimporten ganz überwiegend auf dem Versuch, Ölreserven in aller Welt in amerikanische Hände zu bringen bzw. zu verhindern, dass sie in die Hände von Gegnern der USA gelangen.
  • Die soziologische Erforschung von Machteliten und ihres demokratisch nicht legitimierten Einflusses auch auf das politische System, die in den 1950er Jahren von Charles Wright Mills angestoßen wurde, tat Ralf Dahrendorf als „Verschwörertheorie“ ab.[20]

Solche Thesen sind bis auf weiteres weder beweisbar noch widerlegbar, da die Faktenbasis dafür nicht ausreicht und die Deutung der zugänglichen Fakten Werturteilen unterliegt, die nicht objektiv überprüfbar sind. Zwischen Wahrheit und Täuschung kann hier also nicht entschieden werden. Allenfalls können sich Gruppen von Interessierten durch kommunikatives Handeln auf Sichtweisen einigen, die aber keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können.

Als Kriterien zur Unterscheidung diskutabler Hypothesen von unseriösen Verschwörungsideologien können zwei Aspekte gelten:

  • der Grad der Abschottung von oder der Offenheit für alternative Erklärungsmodelle
  • ihre Funktion im politischen Diskurs.[21]

Dient eine Verschwörungstheorie einem offenkundig politischen Zweck und wird aus ihr ein Machtanspruch oder gar die Forderung nach gewaltsamem Handeln abgeleitet, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Verschwörungsideologie handelt.[22] Ihre Aufgabe ist dann offenkundig nicht, Transparenz zu schaffen, sondern Mehrheiten zu organisieren oder – mithilfe des Faktors Angst – zu erpressen. Korrekturfähigkeit durch eine rationale Diskussion besteht damit kaum oder gar nicht mehr.

Andererseits muss man sich manchmal in der Geschichtswissenschaft damit abfinden, dass gewisse Fragen nicht mehr zufriedenstellend genau geklärt werden können und dann nur noch Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich sind.

Historische Beispiele[Bearbeiten]

Antike, Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Verschwörungstheorien hat es wahrscheinlich immer gegeben – der Historiker Dieter Groh spricht daher auch von einer „anthropologischen Konstante“. Auffällig ist aber, dass sie vor Beginn der Neuzeit nur vereinzelt Massenwirksamkeit erlangten.[23] Aus der Antike sind zwar mehrere große Verschwörungen überliefert (beispielsweise die catilinarische des Jahres 63 v. Chr. oder die pisonische des Jahres 65 n. Chr). Dennoch gibt es nur wenige Beispiele für konspirationistisches Denken – es spielte aber vermutlich im Jahr 415 v. Chr. beim athenischen Hermenfrevel eine Rolle, als es Alkibiades in die Desertion trieb, oder als im Jahre 19 die Erkrankung des allseits beliebten Germanicus als allzu triviale Erklärung für dessen als traumatisch empfundenen frühen Tod angesehen wurde und man stattdessen annahm, er wäre einem Mordkomplott zum Opfer gefallen.[24] Als hoch wirksame Verschwörungstheorie kann man die Brandstiftertheorie nennen, die die neronische Christenverfolgung auslöste.

Andererseits führte man im Mittelalter die Pest auf angebliche Brunnenvergiftungen durch die Juden zurück oder wähnte geheimes und illegales (nämlich den Lehren der Kirche widersprechendes) Glauben und Handeln bei so genannten Ketzern wie den Katharern, Waldensern oder den Templern. Die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit funktionierten nach demselben Schema: Ein Unglück war geschehen, man identifizierte einen greifbaren Sündenbock, dem man dann den Prozess machte.

Allgemein aber waren Verschwörungstheorien im Mittelalter eher selten, da die meisten unerfreulichen Ereignisse nicht mit den Machenschaften menschlicher Verschwörer, sondern mit dem unerforschlichen Ratschluss Gottes erklärt wurden.

17. Jahrhundert: Antijesuitische Verschwörungstheorien[Bearbeiten]

Das Vollbild einer Verschwörungstheorie als Geschichtsbild lässt sich das erste Mal im England des elisabethanischen Zeitalters nachweisen, als Jesuiten versuchten, auf illegalem Wege nach England zu kommen, um für die Rekatholisierung des Landes zu wirken. Unter der Folter gestanden diese Jesuiten dann ihre Verwicklung in verschiedene Mordanschläge auf die Königin oder den Sprengstoffanschlag auf das Parlament.

Dieses Musterbild der vom Ausland gesteuerten Jesuiten-Verschwörung[25] fand ihren Höhepunkt 1678 in der Papisten-Verschwörung, dem so genannten popish plot: Angeblich hätten Katholiken geplant, den König umzubringen, um seinen Bruder, den späteren James II. auf den Thron zu setzen. Diese unbegründeten Unterstellungen nahm die Whig-Opposition zum Anlass, gegen Königstreue, Konservative und Katholiken Front zu machen, von denen insgesamt 35 wegen Hochverrats unschuldig hingerichtet wurden.[26]

Nachdem der popish plot als Schwindel aufgedeckt und sich nach der Glorious Revolution von 1688 die Gegner des neuen Königs Wilhelm von Oranien als „die loyale Opposition seiner Majestät“ bezeichnet hatten und damit verschwörerischer Umtriebe nicht mehr verdächtig waren, kam es zu einer Beruhigung der politischen Öffentlichkeit in England. Das Bild vom Jesuiten als konservativ-katholischem Konspirateur, der von Rom aus seine verderblichen Fäden zieht, fand aber Eingang in den Diskurs der französischen Aufklärung, zum Beispiel in die Encyclopédie Diderots und d’Alemberts.[27]

Nicht zuletzt als Folge dieser Verschwörungstheorie wurde der Orden 1773 aufgelöst. Im 18. Jahrhundert hatten sich im Zusammenhang mit dem Jesuiten-Staat von Paraguay und dessen Zerschlagung einige Jesuiten nämlich gegen die Herrschaftsansprüche der spanischen und der portugiesischen Krone gewandt und schienen damit die antijesuitische Verschwörungstheorie zu bestätigen. In den USA lassen sich antijesuitische Verschwörungstheorien bis ins 19. Jahrhundert hinein nachweisen, als etwa der bekannte Erfinder Samuel F. B. Morse wähnte, der österreichische Staatskanzler Metternich würde jesuitische Agenten mit dem Auftrag nach Amerika schleusen, einen Habsburger als Kaiser der Vereinigten Staaten zu installieren.[28]

18. Jahrhundert: Französische Revolution[Bearbeiten]

Anonymes Porträt von M. de Robespierre, um 1793, Musée Carnavalet

Einer Verschwörungsideologie entsprach in der Französischen Revolution auch die Verfolgung politischer Gegner mit Hilfe der Guillotine. Maximilien de Robespierre etwa rechtfertigte die Machtergreifung des Wohlfahrtsausschusses mit vielfältigen Verschwörungen des absolutistischen Auslands und seiner Helfershelfer, die bereits die gesamte Gesellschaft unterwandert hätten:

„Die Höfe des Auslands beratschlagen in unseren Verwaltungen und in unseren Sektionsversammlungen mit; sie verschaffen sich Zutritt zu unseren Klubs. Sie haben sogar Sitz und Stimme im Heiligtum der Volksvertretung. […] Zeigt ihr Schwäche, preisen sie eure Vorsicht; legt ihr Vorsicht an den Tag, zeihen sie euch der Schwäche. Euren Mut heißen sie Tollkühnheit, euren rechtlichen Sinn Grausamkeit. Laßt ihr ihnen Schonung angedeihen, zetteln sie vor aller Augen Verschwörungen an.“[29]

Diese Verschwörungstheorien hatten zwar insofern einen realen Kern, als sich Frankreich im Krieg mit seinen Nachbarländern befand und in der Vendée ein Aufstand gegen die revolutionäre Regierung ausgebrochen war. Auch standen die königliche Familie, der Hochadel und der romtreue Klerus tatsächlich häufig insgeheim mit dem Ausland in Verbindung und waren ausgesprochen katholisch. Der paranoide Anteil wird aber zum Beispiel an der so genannten Verschwörung des Auslands deutlich, als im Frühjahr 1794 die Hébertisten hingerichtet wurden, radikale Jakobiner, die sich angeblich vom Ausland hätten dafür bezahlen lassen, durch absichtlich übersteigerte Maßnahmen die Republik zu Grunde zu richten. Der Historiker Geoffrey T. Cubitt bescheinigt Robespierre deshalb nachgerade eine „conspiratorial obsession“, eine „Besessenheit von Verschwörungen“.[30]

19. Jahrhundert: Revolution versus Reaktion[Bearbeiten]

Die massiven antikatholischen Angriffe durch die Aufklärer und die Verfolgungen in der Revolution führten einige konservative Theoretiker dazu, die Verschwörungstheorie einfach umzudrehen.[31] Der ehemalige Jesuit Abbé Augustin Barruel und der schottische Gelehrte John Robison stellten um 1798 die Gegenthese auf, nicht die Jesuiten hätten eine Verschwörung gestartet, sondern ihre Feinde, die aufklärerischen Philosophen, die Freimaurer und vor allem die Illuminaten.[32] Der Illuminatenorden Adam Weishaupts bot sich besonders an, weil er – im Unterschied zur politisch und religiös grundsätzlich toleranten Freimaurerei – tatsächlich die radikaldemokratische Umgestaltung der Gesellschaft mit den Mitteln eines Geheimbunds zum Ziele gehabt hatte. Zwar war er bereits 1785, also vier Jahre vor der Revolution, zerschlagen worden (andernfalls hätten Barruel und seine deutschen Quellen auch gar nicht aus seinen geheimen Papieren zitieren können), doch schien manches für seine Weiterexistenz zu sprechen: Zum einen war das ehemalige Mitglied Johann Joachim Christoph Bode, ein sächsisch-weimarischer Geheimrat, ausgerechnet wenige Wochen vor Ausbruch der Revolution nach Paris gereist – eine Koinzidenz, an der kein Verschwörungstheoretiker vorbeigehen kann. Auf der anderen Seite existierte in Frankreich selbst eine freimaurerartige Bruderschaft namens Les Illuminés, die zwar eher konservativ-mystisch ausgerichtet war und mit den bayrischen Illuminaten nur den Namen gemein hatte, doch schien das auszureichen.

Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert jedenfalls ist das Bild des politischen Verschwörers von links, der international vernetzt ist, überall Werte wie Vaterland, Glaube und Familie unterminiert und versucht, Revolutionen anzuzetteln, fester Bestandteil des konservativen Diskurses. Dies Bild steht auch deutlich hinter den Karlsbader Beschlüssen von 1819, mit denen der österreichische Staatskanzler Metternich überall so genannte Demagogen verfolgen, zensieren und einsperren ließ.[33]

20. Jahrhundert: Antisemitismus und die Folgen[Bearbeiten]

Eine Übertragung dieser Verschwörungstheorie auf die Juden lässt sich mit Sicherheit erst für das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts nachweisen, als der französische Rechtskatholik Henri Roger Gougenot des Mousseaux 1869 in dem Werk Le Juif, le judaisme et la judaisation des peuples chrétiennes die Freimaurerei zu einer Deckorganisation der Juden erklärte. Diese kombinierte Verschwörungstheorie wurde 1921 von der britischen Autorin Nesta Webster noch erweitert, die sämtliche nicht- oder nicht orthodox christlichen Strömungen seit der Antike von den Gnostikern, über Assassinen, Illuminaten und Freidenkern bis hin zu Lenin und den russischen Revolutionären zu einer einzigen weltumspannenden Verschwörung wahlweise unter jüdischem oder unter satanistischem Vorzeichen zusammenstellte. Diese verschwörungsideologische Großkonstruktion wurde in den zwanziger Jahren von Erich Ludendorff, dem ehemaligen Generalquartiermeister des kaiserlichen Heeres, zum Wahnbild einer „jesuitisch-freimaurerisch-jüdischen Weltverschwörung“ erweitert.

Ihre ganze mörderische Potenz gewannen antisemitische Verschwörungstheorien Anfang des 20. Jahrhunderts, als der russische Geheimdienst unter Verwendung von Schauerliteratur und einer französischen liberalen Polemik gegen Napoléon III., die einfach umgedreht wurde, die Protokolle der Weisen von Zion fabrizierte. Diese Fälschung sollte einer der Schlüsseltexte des Antisemitismus werden. In diese antisemitische Verschwörungstheorie, die im Kern immer noch starke Ähnlichkeit mit ihrem antijesuitischen Urbild hat, wurden nach der Oktoberrevolution noch antibolschewistische Elemente eingefügt.

Das so entstandene Gerücht eines Weltjudentums, das seine Feinde im „Zangenangriff“ durch amerikanischen Finanzkapitalismus einerseits, sowjetischen Kommunismus andererseits halte, bildete den Kern von Hitlers Weltanschauung, der sich in Mein Kampf explizit auf die Protokolle der Weisen von Zion berief. Daher wird der Nationalsozialismus von einigen Historikern als eine große Verschwörungstheorie betrachtet, die davon ausging, dass die vermeintlichen Verschwörer nicht durch Absprache, sondern durch Abstammung Teil der Verschwörung geworden seien[34]. Diese biologistische Ideologie der Nationalsozialisten forderte die physische Vernichtung der Juden und führte in völkermörderischer Konsequenz schließlich zum Holocaust[35].

Verhängnisvoll aufgeladen wurde die antisemitische Verschwörungsthese noch zusätzlich durch die Dolchstoßlegende: Bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Oberste Heeresleitung verbreitet, schuld an der deutschen Niederlage sei nicht etwa die materielle, technische und zahlenmäßige Überlegenheit der Alliierten spätestens seit dem Kriegseintritt der USA gewesen, sondern die Wühltätigkeit der deutschen Sozialdemokratie, die dem angeblich „im Felde unbesiegten“ deutschen Heer mit der Novemberrevolution in den Rücken gefallen sei.

Das verschwörungsideologische Denken der Nationalsozialisten zeigte sich auch während des Krieges. Hitler erklärte zum Beispiel den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stets mit angeblichen Machenschaften des Judentums, dessen „Agent“ Winston Churchill sei:

„Der Mann, der es gemixt hat, ist Churchill; hinter ihm das Judentum, das sich seiner bedient.“

– Monologe im Führerhauptquartier[36]

Heinrich Himmler begründete in seiner bekannten Posener Rede vom 4. Oktober 1943 die „Ausrottung des jüdischen Volkes“ mit der Befürchtung, die Juden würden sonst als Fünfte Kolonne der Feindmächte fungieren:[37]

„Wir wissen, wie schwer wir uns täten, wenn wir heute noch in jeder Stadt – bei den Bombenangriffen, bei den Lasten und bei den Entbehrungen des Krieges – noch die Juden als Geheimsaboteure, Agitatoren und Hetzer hätten. Wir würden wahrscheinlich jetzt in das Stadium des Jahres 1916/17 gekommen sein, wenn die Juden noch im deutschen Volkskörper säßen.“

Hitler war bis zum Ende seines Lebens von der Notwendigkeit des Kampfes gegen das „Weltjudentum“ überzeugt. Sein Politisches Testament, das er am 29. April 1945, einen Tag vor seinem Suizid, verfasste, schließt mit einem Aufruf „zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum.“

Auch heute noch werden Versatzstücke aus dem Text „Protokolle der Weisen von Zion“ zur Untermauerung antisemitischer Verschwörungstheorien verwandt. Sie sind z. B. integraler Bestandteil der Ideologie der Hamas. Eine andere Version der Theorie von der jüdisch-freimaurerisch-atheistischen Weltregierung findet sich im Umfeld der katholischen Piusbruderschaft.

Verschwörungstheoretische Elemente im Marxismus-Leninismus[Bearbeiten]

Zwischen den Weltkriegen zeitigte das verschwörungsideologische Weltbild auch in der Sowjetunion Stalins verheerende Folgen. Während des Großen Terrors von 1934 bis 1939, insbesondere während der Moskauer Prozesse, gestanden fast alle Altbolschewiken und die übergroße Mehrheit des Offizierkorps der Roten Armee in Schauprozessen unter der Einwirkung von Folter, sie seien Teil einer antisowjetischen, entweder von Trotzki oder vom kapitalistischen Ausland gesteuerten Verschwörung.

Ob Stalin tatsächlich diesem Wahn anhing, dem mehrere Millionen Menschen zum Opfer fielen, oder ob er seine Verschwörungstheorie in kühlem Kalkül nur deswegen propagieren ließ, um potentielle Rivalen ausschalten zu können, ist ungeklärt.[38] In den 1950er Jahren startete der Diktator dann eine ebenfalls verschwörungsideologische antisemitische Kampagne gegen so genannte wurzellose Kosmopoliten.

In jüngerer Zeit wurde vereinzelt versucht, den gesamten Leninismus als eine Verschwörungstheorie zu begreifen. Der deutsche Historiker Gerd Koenen etwa argumentiert, Lenins Imperialismustheorie enthielte, ebenso wie die verwandte Stamokap-Theorie, in ihrem Kern die Behauptung, Vertreter von Bank- sowie Industriekapital, die fusioniert hätten, nähmen als so genannte Monopolherren zunehmend Einfluss auf den Staat und seine Entscheidungsstrukturen. Durch geheime Lobby-Arbeit, wechselseitigen Personalaustausch zwischen Wirtschaft und Politik, sowie institutionalisierte Bündnisse (Sozialpartnerschaft) würden die Monopolherren zunehmend Einfluss auf die Staatsleitung gewinnen, um diese schließlich vollständig ihren dubiosen Zwecken zu unterwerfen. Zu diesen Zwecken gehöre auch, den von Marx vorausgesagten tendenziellen Fall der Profitrate durch ökonomische und territoriale Expansion auszugleichen. Dies führe den so agierenden imperialistischen Staat in Konflikte mit anderen imperialistischen Staaten, was nahezu unausweichlich in kriegerische Auseinandersetzungen, wie den Ersten Weltkrieg münde.

Damit hätten Lenin und andere Theoretiker die ihm folgten unterstellt, dass z. B. der Imperialismus und der durch ihn verursachte Erste Weltkrieg das Ergebnis illegitimer und geheimer Einwirkungen eines vergleichsweise kleinen Personenkreises sei, nämlich der „Agenten des Monopolkapitals“.[39] So sah z. B. die Kommunistische Internationale von 1919 eine internationale, imperialistische Verschwörung des Kapitals:

„Dagegen rüstet sich das Weltkapital zum letzten Kampf. Unter dem Deckmantel des »Völkerbundes« und eines pazifistischen Phrasenschwalls macht es die letzten Anstrengungen, die spontan zerfallenden Teile des kapitalistischen Systems wieder zusammenzukleben und seine Kräfte gegen die immer mehr wachsende proletarische Revolution zu richten. Diese neue ungeheure Verschwörung der Kapitalistenklasse muss das Proletariat mit der Eroberung der politischen Macht beantworten, diese Macht gegen seine Klassenfeinde richten und als Hebel der ökonomischen Umwälzung in Bewegung setzen. […] Nieder mit der imperialistischen Verschwörung des Kapitals!“

– Richtlinien der Kommunistischen Internationale[40]

Zwar stießen die Versuche, den gesamten Leninismus als Verschwörungstheorie zu beschreiben, in der Forschung kaum auf positives Echo, der Politologe Reinhard Kühnl sieht jedoch in späteren Formen dieser Theorien einzelne verschwörungsideologische Elemente auf der Hand liegen. In den siebziger und achtziger Jahren seien vielfach so genannte Kartell- oder Agenturtheorien diskutiert worden, nach denen der bürgerliche Staat und seine Repräsentanten nichts als Weisungsempfänger von personal auftretenden Vertretern industrieller Interessen seien. Diese – laut Kühnl – schlichte und personalisierende Beschreibung des Verhältnisses zwischen Staat und Kapitalinteressen würde heute auch von den meisten Marxisten abgelehnt, die den Einfluss industrieller Interessen nicht leugnen, ihn aber nicht als die einzige Ursache für die Machtübernahme Hitlers betrachten.[41]

Ein Beispiel für eine solche Agententheorie ist etwa die in der DDR-Geschichtswissenschaft einhellig vertretene Auffassung, vor allem die Großindustrie habe in der Weimarer Republik die NSDAP finanziert und durch direkte Einwirkung auf Entscheidungsträger wie durch die Industrielleneingabe vom November 1932 an die Macht gebracht. Daher sei das personale Handeln der Großindustriellen der wichtigste Faktor, der zu der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten beigetragen hätte. Hier wird im Sinne einer Verschwörungsideologie ein zentrales weltgeschichtliches Ereignis auf das zielgerichtete verborgene Wirken einer kleinen Minderheit zurückgeführt.[42] Die Kanzlerschaft Hitlers wird in dieser Auffassung mit einem „monokausalen Kaufakt“ verborgen handelnder Kapitalisten erklärt, die damit angeblich ihre Expansionsinteressen wahren wollten.[43] Andere Faktoren wie die nationalsozialistische Massenbewegung, die Weltwirtschaftskrise, die Folgen des als nationale Schmach empfundenen Versailler Vertrags und der Mangel an genügend entschiedenen Verteidigern der Republik werden demgegenüber ausgeblendet. Die historische Forschung nimmt heute dagegen an, dass der Anteil der Großindustrie an der Finanzierung der NSDAP gering war, unbeschadet der Tatsache, dass sie durchaus aktiv an der Zerstörung der Weimarer Republik mitgewirkt hat.[44] Die Einflussnahme einzelner Großindustrieller wird dabei nicht geleugnet, aber in ein komplexes multifaktorielles Ursachengeflecht aus institutionellen Rahmenbedingungen, ökonomischer Entwicklung, politischer Kultur, sozialem Gefüge und ideologischen Einflüssen eingeordnet.

Verschwörungstheorien in den USA seit 1945[Bearbeiten]

Während nach 1945 Verschwörungstheorien in Westeuropa bis in die 1990er Jahre kaum Resonanz erhielten, wurden sie in den USA nach 1945 und noch stärker nach der Ermordung Kennedys 1963 und den Anschlägen vom 11. September 2001 zu einem verbreiteten Erklärungsmuster im kulturellen und politischen Leben und Denken vieler Menschen.[45] Auslöser waren der Ausschuss für unamerikanische Umtriebe unter dem Vorsitz Richard Nixons und das Government Operations Committee von Senator Joseph McCarthy, die in den frühen fünfziger Jahren regelrechte Musterbeispiele für Verschwörungstheorien produzierten. Ähnliche Überlegungen äußerte der amerikanische Präsident John F. Kennedy am 27. April 1961 vor amerikanischen Zeitungsverlegern:[46]

„Denn uns stellt sich auf der ganzen Welt eine monolithische und rücksichtslose Verschwörung entgegen, die sich vor allem auf versteckte Mittel für den Ausbau ihrer Einflusssphäre verlässt – auf Infiltration statt Invasion, heimliche Umstürze statt Wahlen, Einschüchterung statt Wahlfreiheit, Guerillas in der Nacht statt Armeen am Tage.“

Kennedy-Attentat[Bearbeiten]

Auch in der Folge nahm deren Zahl und Verbreitung in den USA nicht ab. Seit 1963 bietet das Attentat auf John F. Kennedy Anlass zu verschiedenen Verschwörungstheorien, die beispielsweise nachzuweisen versuchen, die CIA habe gemeinsam mit der Mafia, Exilkubanern, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und Vertretern des militärisch-industriellen Komplexes den Mord an dem Präsidenten zu verantworten. Dahinter stecke ein Staatsstreich, der Kennedys Politik zunichtegemacht habe. Manche sehen die Mafia auch als alleinigen Drahtzieher des Attentats, weil die US-Regierung für die organisierte Kriminalität eine akute Bedrohung dargestellt habe. Eine weitere Version sieht, in Analogie zu den tatsächlichen Attentatsversuchen gegen den kubanischen Anführer, hinter dem Mord das Castro-Regime, das den ständigen Widersacher Kennedy habe beseitigen wollen.

Mondlandung[Bearbeiten]

Auch Verschwörungstheorien zur Mondlandung haben in der Bevölkerung und in den Medien Resonanz gefunden. Demnach soll die Mondlandung niemals stattgefunden haben. Sie sei stattdessen der Weltbevölkerung mit Hilfe von Fernseh-Inszenierungen vorgetäuscht worden.

October Surprise[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre führte die so genannte October Surprise-Verschwörung sogar zu einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss: Danach sollen Persönlichkeiten aus dem Umfeld von Ronald Reagan den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini dazu gebracht haben, die Geiseln in der amerikanischen Botschaft erst nach seiner Wahl zum Präsidenten freizulassen. Obwohl Reagans Vorgänger Jimmy Carter diese These unterstützte, konnte der Untersuchungsausschuss keine stichhaltigen Belege für ein solches Komplott finden.

Neue Weltordnung[Bearbeiten]

Gegenstand der Verdächtigungen ist häufig die eigene Regierung. In der Ideologie z. B. der rechtsgerichteten Milizbewegung, einem Konglomerat aus rechtem Libertarismus, christlichem Fundamentalismus und Antisemitismus, wird der amerikanischen Bundesregierung unterstellt, im Bunde mit der UNO oder den Juden (siehe ZOG), anderen übernationalen Mächten oder sogar Außerirdischen daran zu arbeiten, Freiheit und Moral der Bevölkerung zu unterminieren und eine „neue Weltordnung“ errichten zu wollen. Ein erster Schritt dazu sei die Beschränkung des im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung jedem Bürger garantierten Rechts, Waffen zu tragen. Anlass zu diesen Befürchtungen bot das Massaker von Waco (Texas) 1993, das durch den Versuch der Bundespolizei ausgelöst wurde, die geltenden Waffengesetze auch bei der kleinen Sekte der Davidianer durchzusetzen.[47]

Verdächtigungen gegen die Regierung[Bearbeiten]

Gegen die eigene Regierung gerichtete Verdächtigungen gab es auch im Zuge der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Sie fanden auch in Europa weite Verbreitung. Demnach sei die Bush-Regierung selbst für die Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich (Angriff unter Falscher Flagge), um ihre Kriegspläne gegen Afghanistan und den Irak umzusetzen und eine unilaterale Dominanz zu etablieren – siehe hierzu Verschwörungstheorien zum 11. September 2001.

Viele aktuelle Verschwörungstheorien in den USA kreisen um die Tätigkeit der nationalen Geheimdienste. Beispielsweise wird behauptet, dass ein Versuchsprojekt der CIA zur Bewusstseinskontrolle mit dem Codenamen MKULTRA, das von den 1950ern bis in die 1970er Jahre mit Wahrheitsseren experimentierte, keineswegs eingestellt worden sei. Auch die NSA mit ihrem mächtigen Abhörapparat Echelon weckt verschwörungstheoretische Befürchtungen, wie sie 1998 der Film Der Staatsfeind Nr. 1 mit Will Smith und Gene Hackman illustrierte. Nach Ansicht des amerikanischen Politologen Daniel Pipes sind Verschwörungstheorien besonders stark unter der afroamerikanischen Bevölkerung der USA verbreitet: Hinter den Morden an Malcolm X und Martin Luther King würden innerhalb dieser sozialen Gruppe oftmals Geheimdienste oder die Regierung vermutet. Auch die Thesen, dass Schusswaffen, Crack und AIDS – Phänomene, die bei der afroamerikanischen Bevölkerung überdurchschnittlich verbreitet sind – aus rassistischen Gründen absichtlich in deren Wohngebiete gebracht worden wären, fänden hier weite Verbreitung.[48]

Genährt werden solche Theorien auch durch offiziell bestätigte Vorschläge und Aktionen von Militärs und Geheimdiensten. Etwa die Operation Northwoods, wo Amerikaner im eigenen Land durch inszenierte Anschläge der eigenen Regierung in Mitleidenschaft gezogen werden sollten, nur um einen Vorwand für eine militärische Invasion Kubas zu schaffen.

Verschwörungstheorien in der islamischen Welt heute[Bearbeiten]

Ähnlich wird auch in den Verschwörungsideologien argumentiert, die gegenwärtig in der islamischen Welt florieren.[49] Hier ist eine Mischung zu beobachten, die sich aus den Verschwörungstheorien zum 11. September, aus teils klassischen, teils antiimperialistisch modernisierten antisemitischen Verschwörungstheorien und aus verschwörungstheoretischen Versuchen zusammensetzt, für die geringen Entwicklungserfolge, die die arabische Welt in den letzten hundert Jahren erzielt hat, einen Sündenbock zu finden. Obwohl diese antisemitischen Verschwörungstheorien an einige judenfeindliche Stellen im Koran anknüpfen können (z. B. Sure 4, Vers 155), werden sie von einigen Islamwissenschaftlern nicht als genuine Frucht des Islam, sondern als Import ursprünglich europäischen Gedankenguts interpretiert.[50] Virulent wurden diese Verschwörungstheorien vor allem seit dem Sechstagekrieg 1967 – spätestens seitdem wird Israel als Agent der imperialistischen USA hingestellt, deren Ziel es sei, eine Weltherrschaft zu errichten und entweder den Islam oder die Besonderheiten der Völker zu vernichten.[51] So behauptete der damalige malaysische Premierminister Mahathir bin Mohamad auf einer Tagung der Organisation der Islamischen Konferenz 2003, „die Juden“ würden die Welt durch Stellvertreter regieren und hätten zu diesem Zweck den Sozialismus, den Kommunismus, die Demokratie und die Menschenrechte erfunden.[52][53] Besonders Israel als jüdischer Staat steht seit jeher im Fokus von antisemitischen Verschwörungstheorien, oftmals im Zusammenhang mit Holocaustleugnung, so beispielsweise der Behauptung, Israel hätte den Holocaust erfunden, um die Besetzung der Palästinensergebiete zu legitimieren.[54] Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad verkündete am 26. Oktober 2005 auf einer Konferenz zum Thema Die Welt ohne Zionismus:[55]

„Dieses Besatzerregime [gemeint war Israel] stellt tatsächlich einen Brückenkopf der Welt der Arroganz im Herzen der islamischen Welt dar. Sie haben eine Festung errichtet, von der sie ihre Herrschaft auf die gesamte islamische Welt ausdehnen wollen. Darüber hinaus gibt es weder Grund noch Zweck für dieses Land.“

Seit Dezember desselben Jahres erklärte Präsident Ahmadinedschad öffentlich im Zuge eines Konfrontationskurses mit dem Westen, dass er die Geschichte des Holocaust in Frage stellt (siehe hierzu Holocaustleugnung).

Auch bei Kritikern der islamistischen oder patriarchal-autoritären Regime sind teils verschwörungstheoretische Elemente zu finden. Die ägyptische Menschenrechtlerin Nawal al-Saadawi zum Beispiel ist der Meinung, die arabischen Despoten hätten auch immer im Auftrag des amerikanischen und israelischen Kolonialismus gestanden.[56]

Esoterische Verschwörungstheorien in Europa heute[Bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren werden antisemitische Verschwörungstheorien auch wieder in Europa rezipiert, und zwar in esoterischem Gewand. Der britische ehemalige Sportreporter David Icke verbreitet die Mär, die Welt wäre von „reptiloiden“ Außerirdischen unterwandert, die er zum Teil als Juden, zum Teil als Illuminaten darstellt. Dabei zitiert er zustimmend die Protokolle der Weisen von Zion. Icke selbst bestreitet antisemitisch zu sein, da er ja nicht gegen alle Juden polemisiere, sondern nur gegen die Rothschilds, „eine der notorischsten schwarz-okkulten Blutlinien des mittelalterlichen Europa“. Sie wären auch die geheimen Drahtzieher hinter Hitler gewesen, den sie aufgebaut und bezahlt hätten. Ickes Webseite, auf der er diese und ähnliche Behauptungen verbreitet, wird nach seinen eigenen Angaben mehrere hunderttausend Mal pro Woche angeklickt.[57]

Mit ähnlichen Behauptungen erzielte der deutsche Autor Jan Udo Holey einen Bestseller: In seinem 1993 erschienenen Buch Geheimgesellschaften und ihre Macht im zwanzigsten Jahrhundert, das vornehmlich über esoterische Buchläden vertrieben wurde, behauptet er, Mayer Amschel Rothschild hätte 1773 mit zwölf anderen jüdischen Geldgebern den Plan gefasst, bis zum Jahr 2000 den Weg für ihre Weltregierung freizumachen. Er entwirft eine umfassende Verschwörungstheorie, die vom alten Mesopotamien über den Mythos von den NS-Flugscheiben bis zu einem angeblich bevorstehenden Dritten Weltkrieg reicht, und nach der die Juden am Holocaust selber schuld seien. Dabei bezieht er sich explizit auf die Protokolle der Weisen von Zion und auf Werke von Holocaustleugnern wie Germar Rudolf.[58] Holeys „esoterische Verklärung des Nationalsozialismus“[59] unterlag von 1996 bis 2001 auf Beschluss des Landgerichts Mannheim wegen Volksverhetzung der Beschlagnahme.

Diese und ähnliche antisemitische Verschwörungstheorien werden in Europa heute unter anderem von dem Deutschen Jo Conrad oder dem Niederländer Robin de Ruiter verbreitet.[60] Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz sieht die Gefahr, dass an sich unpolitische, zumeist höher gebildete Leser durch Rezeption dieser rechtsesoterischen Verschwörungstheorien in Kontakt mit rechtsextremistischem Gedankengut kommen, was perspektivisch zu einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz antisemitischer Ressentiments über die rechtsextremistische Szene hinaus beitragen könne.[61]

Die Frage, wieso esoterisch Interessierte im modernen Europa anfällig für antisemitische Verschwörungstheorien sind, wird in der Forschung unterschiedlich beantwortet. Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann glaubt, die Esoterik biete über den Begriff der Ganzheitlichkeit ein einfaches und zugleich binäres Welterklärungsmodell an: Das Universum werde in einem Zustand quasi natürlicher Stabilität und Harmonie gedacht, die sich aber nur einstelle, wenn sich die Menschen „mit ihrem durch Abstammung, Geschlecht, Klasse und Rasse determinierten Platz“ abfänden. Jedes Ausbrechen aus der angeblich kosmischen Bestimmung werde als Verursachung von Instabilität und Unordnung gedeutet, weswegen es naheliege, Menschen, die diese Ordnung ablehnten und sich außerhalb der Gemeinschaft stellten, zu denunzieren.[62] Die Schweizer Soziologinnen Chantal Magnin und Marianne Rychner nehmen dagegen an, dass sowohl Esoterik als auch Verschwörungstheorie von einem Ohnmachtsgefühl der Rezipienten ausgehen: Hier gegenüber den als allmächtig gedachten Verschwörern, dort gegenüber den geheimnisvollen kosmischen Kräften, die die Welt angeblich lenken. Die von der Esoterik empfohlenen magischen Praktiken zur Beeinflussung dieser Kräfte führten aber regelmäßig zu Frustrationserfahrungen, die wiederum zur Akzeptanz verschwörungstheoretischer Erklärungsmodelle beitrügen:

„Irgend jemand wird ja wohl dahinterstecken, wenn es einem im täglichen Leben nicht gelingt, die kosmischen Kräfte endlich zu beherrschen, wenn das Schicksal nicht zur Chance werden will.“[63]

Erklärungsansätze[Bearbeiten]

Die Popularität von Verschwörungsideologien unterliegt Schwankungen: In einigen Gesellschaften tritt es über einen gewissen Zeitraum als Massenphänomen auf, in anderen scheint es konstantes Merkmal der politischen Kultur zu sein, während wieder andere nur in geringem Maße davon betroffen sind. Wie der historische Überblick gezeigt hat, waren z. B. die Epoche der französischen Revolution oder Jahre um den Zweiten Weltkrieg herum Zeiten konspirationistischer Hochkonjunktur. Mehrere Erklärungen für diese Phasenwechsel bieten sich an:

Der unterschiedliche Bedrohungsgrad einer Gesellschaft[Bearbeiten]

Verschwörungsideologien sind gerade dort vertreten, wo sich mehr oder minder große Teile einer Gesellschaft von außen bedroht fühlen. Das war etwa bei der Pest des Mittelalters genauso der Fall wie im elisabethanischen England, im revolutionären Frankreich oder auch im Deutschland der 1920er Jahre, als die unerwartete Niederlage im Weltkrieg und der als nationale Schmach verrufene Versailler Vertrag die Suche nach einem Sündenbock motivierten. Dies gilt unbeschadet der Tatsache, dass das Ergebnis dieser Suche stets irrational ist und in Wirklichkeit mit der Verursachung der als unerfreulich empfundenen Lage oft nur wenig oder – wie im Falle des deutschen Antisemitismus – überhaupt nichts zu tun hat. Gegen die Annahme, dass eine äußere Bedrohung alleine für die Verbreitung von Verschwörungsideologien in einer Gesellschaft ausreicht, spricht die Tatsache, dass nicht jede Gesellschaft in Not mit Verschwörungstheorien auf ihre Bedrohung von außen reagiert: Obwohl Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs in der Tat schwer bedroht war, fanden Verschwörungstheorien keinen Massenanhang.

Die unterschiedliche Aufgeklärtheit einer Gesellschaft[Bearbeiten]

Verschwörungstheorien im konspirationistischen Sinne reduzieren Komplexität: Sie lösen unübersichtliche und diffuse Situationen dadurch auf, dass sie sie auf einzelne bekannte Phänomene zurückführen und damit bearbeitbar machen. Die Situation mag immer noch bedrohlich sein, unerklärlich ist sie nicht mehr. Der Mythos als Verarbeitungsform von Wirklichkeit besteht nach Hans Blumenberg darin, das Subjekt einer Geschichte zu finden und zu benennen (Arbeit am Mythos, 1979). Dementsprechend müssten Gesellschaften, die über die zahlreichen und sich obendrein wechselseitig bedingenden Kausalverhältnisse in Geschichte, Wirtschaft und Politik besser aufgeklärt sind, weniger anfällig für Verschwörungsideologien sein. Tatsächlich aber lässt sich eine Abnahme der Verschwörungstheorien im Lauf der Zeit nicht in allen Gesellschaften finden. Gerade im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Vernunft, gab es eine deutliche Häufung von Verschwörungstheorien. Ähnliches ist in den USA zu beobachten, einer Gesellschaft mit einem guten, wenn auch inhomogenen Bildungssystem: Hier scheint die Popularität von Verschwörungstheorien seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konstant zu bleiben, wenn nicht sogar zuzunehmen, weswegen 1964 Richard Hofstadter den „paranoiden Stil“ nachgerade als Merkmal für die politische Kultur seines Landes beschrieb:.[64] Einen Rückgang der Verschwörungsideologien bei vermehrter Bildung scheint es nicht zu geben.

„Dialektik der Aufklärung“[Bearbeiten]

Der Zusammenhang zwischen Verschwörungsideologie und Vernunft kann auch umgedreht werden. Der Historiker Dieter Groh vermutet hier eine „Dialektik der Aufklärung“ im Sinne Adornos: Verschwörungstheorien sind als „das Andere der Vernunft“ Schattenseite und gleichzeitig Gegenbewegung einer zu schnell sich vollziehenden Rationalisierung aller gesellschaftlichen Beziehungen; denn das Aufkommen der Verschwörungsideologien hängt gerade mit der Aufklärung und Säkularisierung zusammen, die irrationale Welterklärungen durch rationales Wissen ablösen und zurückdrängen will; wenn man nicht mehr alles mit dem Wirken eines allmächtigen Gottes erklären kann, wächst die Neigung, unerfreuliche Phänomene den Machenschaften einer Verschwörergruppe zuzuschreiben, da irgendjemand ja dafür verantwortlich sein muss.[65] Für diesen Zusammenhang von technischem Fortschritt und Rationalität auf der einen Seite sowie mentaler Modernitätsverweigerung und Antirationalismus auf der anderen prägte der Philosoph Ernst Bloch auch den Begriff der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Jüngere ethnologische Untersuchungen legen einen ähnlichen Zusammenhang nahe zwischen Verschwörungsideologien und der Bedrohung einer traditionalen Gesellschaft durch Modernisierung. J. Clyde Mitchell hat bei seinen Untersuchungen der Volksgruppe der Yao in Sambia aufgedeckt, dass mit der Unübersichtlichkeit des sozialen Wandels dort die Anklagen wegen witchcraft (allgemeiner magischer Schädlichkeit) zunahmen, wohingegen die angeblichen Fälle von sorcery (konkretem Schadenzauber) abnahmen: Sie dienen offenkundig dazu, soziale oder stammespolitische Konflikte auszutragen.

Verschwörungstheorie als politische Religion[Bearbeiten]

In Anlehnung an Eric Voegelin werden Verschwörungstheorien als Elemente politischer Religion oder als solche selbst beschrieben. Gerade dort, wo die Welt säkularisiert ist, wo also kein Gottesbezug mehr die Kontingenz der Welt erklärt, setzt die Verschwörungstheorie zur Welterklärung ein. Nicht mehr widergöttliche Kräfte sind Ursache des Bösen, sondern eine „große Verschwörung“ gilt als die treibende Kraft der Geschichte. Norman Cohn vermutet dabei nicht nur phänomenologische Parallelen zu den chiliastischen Bewegungen des Mittelalters, sondern eine gewisse Kontinuität, wobei die alten religiösen Ausdrucksformen durch weltliche ersetzt worden seien. Einzelne Verschwörungstheorien sind Gegenstand der Religionswissenschaft geworden.

Die unterschiedliche Akzeptanz oppositioneller Gruppen[Bearbeiten]

Nach der letzten Hypothese wäre eine notwendige Bedingung für die Beliebtheit von Verschwörungsideologien in einer Gesellschaft die fehlende Akzeptanz einer Opposition. Wenn es erlaubt ist, gegen die Regierung aufzutreten, schwindet die Versuchung, derartige Bestrebungen als Verschwörung zu ächten: Sie sind dann keine Verschwörung mehr, die sich vielleicht schon aus Furcht vor politischer Verfolgung konspirativer Mittel bedienen muss, sondern eine legitime Oppositionspartei. In der Tat fällt auf, dass in den Staaten Europas jeweils mit dem Aufkommen des Parteienwesens die Neigung zu Verschwörungsideologien zurückgeht. In England ist dieser Moment 1688 mit der Glorious Revolution gekommen, als sich die Gegner des neuen Königs Wilhelm von Oranien als „die loyale Opposition seiner Majestät“ bezeichneten und damit verschwörerischer Umtriebe nicht mehr verdächtig waren – danach hat es keine Verschwörungstheorie in England mehr zu Massenanhang gebracht. Ähnlich in Frankreich, wo während der Revolution der Glaube an eine einheitliche Volonté générale im Sinne Jean-Jacques Rousseaus zu der Überzeugung beitrug, interessegeleitete Abweichungen von diesem allgemeinen Volkswillen seien Verschwörungen und müssten gewaltsam unterdrückt werden.[66] Die Furcht vor Verschwörungen ließ erst nach der Julirevolution 1830 nach, als sich ein Mehrparteiensystem etablierte, ähnlich wie in Deutschland nach der von 1848: Mit dem Pluralismus und der damit einhergehenden Institutionalisierung von Parteien verbreitet sich eine moderne Vorstellung von Politik, die der traditionalen oder charismatischen Herrschaft eine rationale Form der Konsensbildung durch öffentliche Diskussion gegenüberstellt. Mit zunehmender Transparenz und Verfahrenslegitimation, wie sie die dritte Form in Max Webers Typologie kennzeichnen, nämlich die rationale Herrschaft, verlieren verschwörungsideologische Vorstellungen somit ihre Glaubwürdigkeit. In diesem Sinne könnte dann die breite Annahme der antisemitischen Verschwörungstheorien des Nationalsozialismus als besonders schwerer Rückfall in das eigentlich bereits überwundene Zeitalter der Verschwörungsideologien verstanden werden.

Psychologische Grundlagen[Bearbeiten]

Laut den amerikanischen Psychologen Jennifer Whitson und Adam Galinsky sind Personen, wenn sie glauben, keine Kontrolle über die Situation zu haben, in der sie sich befinden – also Personen mit einer situativ bedingt niedrigen Selbstwirksamkeitserwartung – anfälliger für Verschwörungstheorien und Aberglauben. Sie tendieren dann dazu, überall Muster und Verbindungen zu sehen – selbst dort, wo es gar keine gibt – oder abergläubische Rituale mit einer Situation zu assoziieren.[67] Suggeriert man Menschen, die Kontrolle über eine Situation verloren zu haben, so suchen sie auch im scheinbaren Chaos nach Halt. Kontrollverlust wird von der Psyche als extrem starke Bedrohung wahrgenommen. Der starke Versuch, sie wieder herzustellen, kann auch die Wahrnehmung der Realität beeinflussen und man erzeugt sich mit Hilfe von „mentaler Gymnastik“ eine imaginäre Ordnung. Eine Möglichkeit ist, nach Strukturen zu suchen, um die Situation besser verstehen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen zu können. Man sucht nach Mustern – und, wenn es keine gibt, baut man durch Sinnestäuschungen welche ein. Man sieht Muster und Verbindungen, welche intersubjektiv bzw. objektiv nicht existieren. Um auszuschließen, dass es sich bei den Versuchspersonen um generell verunsicherte Menschen handelte, die unabhängig vom Kontext ordnende Strukturen suchen, suggerierte man ihnen Sicherheit. Dann unterschieden sich die Ergebnisse nicht mehr von den anderen Versuchspersonen. Bei Kontrollverlust werden auch angebotene einfache Zusammenhänge und Lösungen dankbar angenommen.[68][69]

Gesellschaftliche Faktoren[Bearbeiten]

Ein 1994 in der amerikanischen Zeitschrift Political Psychology erschienener Artikel untersuchte anhand einer Umfrage den Einfluss verschiedener gesellschaftlicher Faktoren auf den Glauben an Verschwörungstheorien.[70] Den 348 Umfrageteilnehmern wurden zehn in den USA zur damaligen Zeit populäre Verschwörungstheorien präsentiert, darunter etwa:

  • John F. Kennedy wurde nicht Opfer eines Einzeltäters, sondern einer organisierten Verschwörung
  • das FBI war in die Ermordung von Martin Luther King verwickelt
  • die Air Force hält Beweise für die Existenz fliegender Untertassen zurück
  • das AIDS auslösende HI-Virus wurde von der Regierung erschaffen, darauf aufsetzend die Theorie, sie habe es danach absichtlich unter Schwarzen oder Homosexuellen verbreitet
  • die Regierung bringt in den Städten absichtlich Drogen in Umlauf
  • die Japaner planen die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft

Die Teilnehmer wurden befragt, welchen Wahrheitsgehalt sie der jeweiligen Theorie beimessen, basierend auf einer Vier-Punkte-Skala von "definitiv wahr" bis "definitiv falsch".

Die Umfrage ergab eine überwiegende Ablehnung der Theorien. Zwei der zehn Theorien wurden als eher wahrscheinlich bewertet, sechs hingegen als eher unwahrscheinlich, die restlichen zwei ergaben ein Unentschieden. Der Grad der Zustimmung variierte stark zwischen den verschiedenen Theorien. Den höchsten Zustimmungsgrad erreichte die Verschwörungstheorie zur Ermordung von John F. Kennedy mit 69 %. Die Theorien zum HI-Virus fanden hingegen nur wenig Anhänger.

Der Glaube an eine Verschwörungstheorie erhöhte die Neigung, auch weitere als plausibel einzustufen. Er korrelierte mit einer Neigung zu Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und zwischenmenschlichem Umfeld, Unsicherheit in Hinblick auf den Arbeitsplatz, ethnischer Herkunft und sexueller Orientierung. Menschen, die ihre Lebenssituation als ungerecht empfanden und sich von der Politik allein gelassen fühlten, glaubten signifikant häufiger an Verschwörungstheorien, ebenso Afro- und Hispanoamerikaner, was der Autor mit ihrem Status als ethnische Minderheiten in Verbindung bringt. Jüngere Menschen glaubten etwas häufiger an Verschwörungstheorien. Hinsichtlich Bildungsstand, Geschlecht oder Berufsfeld konnten keine Zusammenhänge festgestellt werden.

Verschwörungstheorien, die bestimmte Volksgruppen in besonderer Weise betrafen, erreichten unter deren Angehörigen einen höheren Zustimmungsgrad. Afroamerikaner sind etwa bei der Drogenkriminalität deutlich überrepräsentiert und häufiger von AIDS betroffen. 62 % von ihnen stimmten der Theorie zu, die Regierung habe in den Städten absichtlich Drogen in Umlauf gebracht (alle Teilnehmer: 21 %). 31 % stimmten der Theorie zu, die Regierung habe das HI-Virus absichtlich unter Schwarzen verbreitet (alle Teilnehmer: 10 %). 68 % glaubten, die Regierung war in die Ermordung des dunkelhäutigen Martin Luther King verwickelt (alle Teilnehmer: 42 %). Diese Beobachtung deckte sich mit den Erkenntnissen einer früheren Umfrage unter afroamerikanischen Kirchenmitgliedern, bei der thematisch ähnliche Fragen gestellt wurden.

Wissenssoziologisches Erklärungsmodell[Bearbeiten]

Der Soziologe Andreas Anton geht davon aus, dass es sich bei Verschwörungstheorien um eine Art wiederkehrendes Deutungsmuster oder -schema handelt, welches, eingebunden in historisch bedingte soziale Kontexte, Mentalitäten oder Weltbilder, sehr unterschiedliche Ausprägungen, aber auch gleich oder ähnliche bleibende strukturelle Merkmale aufweisen kann. Verschwörungstheorien wären damit gleichsam als eine Art 'historische Konstante' zu sehen. Bei der absoluten Zunahme verschwörungstheoretischer Erklärungsmodelle im Internet in den letzten Jahren könnte es sich nach Anton bei genauerem Hinsehen lediglich um eine „mediale Verschiebung eines strukturell konstanten Musters“ handeln.[71] Anton definiert Verschwörungstheorien wissenssoziologisch als „Spezial- oder Sonderwissen“, grenzt sie von anderen Wissensformen wie Ideologien, Mythen, Alltagstheorien oder bloßen Meinungen ab und ordnet ihnen vier grundlegende sozialpsychologische Funktionen zu: die Reduktion von Komplexität, die Antizipation von Situationsentwicklungen, die Verständigung über Grenzsituationen und die Erzeugung sozialer Gemeinschaft.[72] Als konkrete Ursache für die Entstehung von Verschwörungstheorien nennt der Autor den Konflikt, dass bestimmte Ereignisse oder Prozesse, so, wie sie sich zunächst darstellen oder gedeutet werden, oftmals nicht oder nur schwer in individuelle oder kollektive Denkmuster bzw. Weltbilder eingebettet werden können (ähnlich wie bei einer kognitiven Dissonanz) – in vielen Fällen ermögliche erst die Annahme des Vorliegens einer ‚Verschwörung‘ diese Integration. Verschwörungstheorien reagierten damit nicht auf einen Mangel konsistenter Erklärungs- oder Deutungsangebote, sondern vielmehr auf das Problem, Ereignisse oder Prozesse nicht in diese integrieren zu können, sofern sie nicht als Verschwörung gedeutet werden.[73] Anton betont darüber hinaus, dass Verschwörungstheorien nicht pauschal als falsch abgetan werden dürften, da sie, wie die Geschichte gezeigt habe, durchaus auch von einer realen Substanz getragen sein können. Somit sei eine „apriorische Fixierung ihres Wahrheitsgehaltes" unzulässig.[74]

Verschwörungsideologien und Gewalt[Bearbeiten]

Der historische Überblick über die Konjunkturen der Verschwörungsideologien zeigt die immense Gewaltbereitschaft, die mit diesem Denken einhergeht: Vom mittelalterlichen Inquisitionsterror gegen Andersgläubige über die englischen Verfolgungen von Kryptokatholiken und Jesuiten zur grande terreur der Französischen Revolution, dann vom Schrecken des stalinistischen Gulag bis schließlich zum Grauen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten: Stets folgte auf die Entlarvung vermeintlicher Verschwörer und Volksfeinde deren Eliminierung. Und noch in der jüngsten Vergangenheit zeigt der Bombenanschlag von Oklahoma City von 1995 die mörderische Potenz von Verschwörungsideologien.

Der Zusammenhang ist notwendiger Bestandteil der scheinrationalen Logik der Verschwörungsideologien: Wenn die Bedrohung durch die als übermächtig vorgestellten Verschwörer so groß ist und wenn es aufgrund der ideologischen Selbstabdichtung keinerlei Mittel gibt, diese Phantasievorstellung zu widerlegen, muss buchstäblich jedes Mittel recht sein, sich ihrer zu erwehren.

Aufgrund der Erfahrungen des griechischen Unabhängigkeitskrieges (1821 – 1829), als eine christliche Minderheit sich gewaltsam mit Hilfe von Großbritannien aus dem Osmanischen Reich gelöst hatte, fürchtete die jungtürkische Regierung im Jahre 1915 Ähnliches: Sie vermutete, die christlichen Armenier stünden insgeheim mit Russland, das schon lange Interesse an der Kontrolle der Meerengen besaß, im Bunde. Daher schalteten sie mit Massakern und Todesmärschen in die mesopotamische Wüste diese vermeintliche fünfte Kolonne des Kriegsgegners aus.[75]

Doch Gewalt ist nicht nur die Folge staatlicher Verschwörungstheorien „von oben“: In den beiden großen Freiheitskämpfen des 18. Jahrhunderts spielen Verschwörungstheorien „von unten“ für die Motivation der Revolutionäre eine nicht zu unterschätzende Rolle. Von George Washington etwa ist bekannt, dass er hinter dem konfliktträchtigen Handeln der britischen Regierung, das zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führte, eine Verschwörung witterte: Die Besteuerung der Kolonisten ohne ihre Repräsentation im Parlament erschien ihm nicht als rationale Verfolgung britischer Interessen, die nur eben den seinen widersprachen und die politisch, das heißt durch Verhandlung und Kompromiss, zu regeln wären, sondern als absichtliche und vor den Amerikanern lange geheim gehaltene Böswilligkeit, die es zu bekämpfen gelte – eine Interpretation, die den Kämpfern für die Unabhängigkeit gewiss mehr Anhänger zuführte, als wenn er sie rein rational dargestellt hätte.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang von revolutionärer Gewalt und Verschwörungstheorie im vorrevolutionären Frankreich, wo unter der Landbevölkerung immer wieder Gerüchte von Hungerverschwörungen aufflackerten.[76] Die berühmteste und wohl auch folgenreichste war das im Frühjahr 1789 massenhaft kolportierte Gerücht, Adel und König würden absichtlich die Getreideversorgung verknappen, um in der folgenden Hungerkrise den beim Volk beliebten Finanzminister Jacques Necker entlassen und die von ihm empfohlene Einberufung der Generalstände aussetzen zu können. Diese Verschwörungstheorie trug nicht unwesentlich zur Delegitimierung des Ancien Régime und zur Bereitschaft der von einer Hungersnot bedrohten Massen bei, auch Gewalt einzusetzen.

Die Gerüchte um Hungerverschwörungen ließen in der Folgezeit aber nicht nach. Tatsächlich waren ähnliche Sorgen der Pariser Sansculotten im Zusammenhang mit der durch Inflation bedrohten Revolutionswährung, den Assignaten, einer der Auslöser für den massenhaften Terror des Wohlfahrtsausschusses. Die Verschwörungstheorie, die revolutionäre Gewalt „von unten“ motiviert hatte, war zur Rechtfertigung staatlichen Terrors „von oben“ geworden.

Verschwörungstheorien in der Literatur[Bearbeiten]

Verschwörungstheorien, ihre intrigante Lancierung oder Aufdeckung sind seit je Stoff zahlreicher Bühnenstücke und Prosawerke.

Seit einiger Zeit werden Verschwörungstheorien vor allem in der amerikanischen Literatur thematisiert. Hier lassen sich drei Aspekte ausmachen, die sie für Autor und Leserschaft interessant machen: Spannung, Satire und Postmoderne; bei vielen Büchern kommen mehrere dieser Aspekte zum Tragen:

  • (Welt-)Verschwörungstheorien eignen sich hervorragend dazu, Spannung zu erzeugen: Der Held dringt mit dem Leser immer tiefer in die Geheimnisse einer ungeheuerlichen Konspiration ein, gerät eben dadurch mehrfach in größte Gefahr und entkommt den finsteren Geheimbündlern nur knapp, wenn überhaupt. Dieser Dramaturgie gehorchen z. B. die Romane von Dan Brown. Ein weiteres Beispiel ist der Roman Welt in Angst von Michael Crichton, der der Angst von Umweltskeptikern vor einer Verschwörung von Umweltschützern gegen den westlichen Lebensstil Ausdruck verleiht.
  • Satirisch werden Verschwörungstheorien zum Beispiel in William S. Burroughs berühmter Kurzgeschichte 23 Skiddoo behandelt, die in schnoddrigem Insider-Jargon schildert, wie einem obskuren Geheimdienst seine telepathisch kontrollierten Mörder aus dem Ruder laufen. Auch die Romantrilogie Illuminatus! von Robert Anton Wilson und Robert Shea benutzt vielfach satirische Momente, etwa wenn gleich zu Beginn des ersten Bandes das Denken in Verschwörungstheorien als Ideologie entlarvt wird mit dem das Kommunistische Manifest parodierenden Motto: „Die Geschichte der Welt ist die Geschichte der Kriege zwischen Geheimbünden.“
  • In der postmodernen Literatur tritt das Motiv der Verschwörungstheorie besonders häufig auf. Hier dient es dazu zu belegen, dass alles, was gemeinhin für Wirklichkeit gehalten wird, letztlich eine Konstruktion und bloße Vereinbarung ist: So offenkundig konstruiert wie eine Verschwörungstheorie ist demnach überhaupt jede Vorstellung der Realität. Dies wird in Illuminatus! mit dem von Timothy Leary entlehnten Begriff des „Realitätstunnels“ sogar explizit erklärt: Aus der gegen unendlich laufenden Zahl der möglichen Interpretationen der Welt einigt sich eine Gesellschaft auf eine, die dann als verbindlich indoktriniert wird. Erleuchtung erfahren die Protagonisten der Romantrilogie durch einen so genannten Mindfuck, der ihren Realitätstunnel zerstört und sie so in Stand setzt, einen eigenen zu konstruieren. Weniger optimistisch zeigt sich Umberto Eco in seinem Roman Das Foucaultsche Pendel, in dem er beschreibt, wie neugierige Wissenschaftler selber eine Verschwörungstheorie spinnen, die eben dadurch Realität gewinnt und einen von ihnen auf schaurige Weise das Leben kostet – er stirbt, gehenkt am titelgebenden Foucaultschen Pendel. Wesentlich schwieriger zu deuten sind die frühen Romane von Thomas Pynchon wie V. oder The Crying of Lot 49, in denen Verschwörungstheorien zugleich ironisiert und als Chiffre für die untergründigen Zusammenhänge der Welt gesetzt werden. Pynchon nimmt hier jedoch – weit vom postmodernen Pop-Eklektizismus Wilsons entfernt – die Tradition der literarischen Moderne auf; die Unverständlichkeit der Bedrohung in The Crying of Lot 49 erinnert an Kafkas Albtraumwelten und auch die „mythologische Ordnungsmethode“ aus Joyces Ulysses wird reflektiert, bei der die Mythologie zu einer zweiten, die bunte Oberfläche gliedernden Wirklichkeitsebene wird. In The Crying of Lot 49 stößt die Protagonistin Oedipa Maas auf immer mehr Indizien für die Existenz einer geheimnisvollen Post-Verschwörung, bis sie schließlich vor der Alternative steht, sich entweder außerhalb dessen zu stellen, was die anderen Menschen für Realität halten, oder innerhalb des gesellschaftlichen Konsenses zu bleiben, was aber bedeutet, dass sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann – sie müsste sich dann selbst für verrückt erklären. Eine positivere Darstellung erfahren die Verschwörungstheorien in Pynchons Roman Die Enden der Parabel: Hier dienen sie, ähnlich wie bei Wilson, als selbstkonstruierte Fluchtmöglichkeiten, als Wege aus dem gigantischen Todes-, Indoktrinations- und Verwertungszusammenhang der geschilderten Welt. Negativ werden Verschwörungstheorien dagegen im Werk Don DeLillos gesehen: In dem Roman Sieben Sekunden, in dessen Mittelpunkt der Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald steht, wird geschildert, wie er von CIA-Agenten dahingehend manipuliert wird, sich selbst für einen Mord verantwortlich zu zeigen, den er nicht begangen hat: Verschwörungstheorie wird hier zur Metapher der Fremdbestimmung und Manipulation des Menschen. Zugleich knüpft DeLillos Version der Ereignisse selbst an eine bekannte Verschwörungstheorie an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Deutschsprachige Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten. Zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien. Logos, Berlin 2011, ISBN 978-3-8325-2798-3.
  • Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (Hrsg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-5311-9323-6.
  • Ute Caumanns, Mathias Niendorf (Hrsg.): Verschwörungstheorien. Anthropologische Konstanten – historische Varianten. In: Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau Nr. 6, fibre, Osnabrück 2001, ISBN 3-929759-47-0.
  • Thomas Grüter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren. Fischer, Frankfurt am Main 2008, ISBN 3-596-17040-0.
  • Tobias Jaecker: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters. LIT, Münster 2004. ISBN 3-8258-7917-8.
  • Gerd Koenen: Marxismus-Leninismus als universelle Verschwörungstheorie. In: Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte. Dietz, Bonn 1999, S. 127–132. ISSN 0177-6738
  • Wolfram Meyer zu Uptrup: Kampf gegen die „jüdische Weltverschwörung“. Propaganda und Antisemitismus der Nationalsozialisten 1919 bis 1945. Metropol, Berlin 2003, ISBN 3-932482-83-2.
  • Karl Markus Michel, Tilman Spengler (Hrsg.): Verschwörungstheorien. In: Kursbuch Heft 124. Rowohlt, Berlin 1996, ISBN 3-87134-124-X.
  • Claus Oberhauser: Die verschwörungstheoretische Trias: Barruel-Robison-Starck. Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2013 ISBN 978-3-7065-5307-0.
  • Ernst Piper: Achtes Bild: Die jüdische Weltverschwörung. In: Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus – Vorurteile und Mythen. Bechtermünz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2, S. 127–135.
  • Helmut Reinalter (Hrsg.): Verschwörungstheorien. Theorie – Geschichte – Wirkung. Studienverlag, Innsbruck 2002, ISBN 3-7065-1510-5.
  • Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer: Was Sie eigentlich alles nie erfahren sollten. Ecowin Verlag, Salzburg 2010, ISBN 3-902404-85-X.
  • Johannes Rogalla von Bieberstein: Die These von der Verschwörung 1776–1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung 1776–1945. Bern 1976, Flensburg 1992, ISBN 3-926841-36-2 (Neuauflage unter dem Titel: Der Mythos von der Verschwörung. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-162-9.)
  • James Webb: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-152-0.
  • Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. Bebra. Berlin 2007, ISBN 3-89809-073-6.
  • Kate Tuckett: Verschwörungstheorien von A-Z. (Originaltitel: The A–Z of conspiracy theories. Übersetzt von Antje Schönhofen). Heel, Königswinter 2001. ISBN 3-89365-910-2.

Englischsprachige Literatur[Bearbeiten]

  • Cornel Zwierlein, Beatrice de Graaf (Herausg.), Security and Conspiracy in History, 16th to 21st Century. Historical Social Research 38, Special Issue, 2013.
  • S. Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Science. 32, 2002, S. 131–150.
  • D. Coady: Conspiracy Theories and Official Stories. In: International Journal of Applied Philosophy. 17/2, 2003, S. 199–211.
  • Norman Cohen: Warrant for Genocide. London 1967.
  • Mark Fenster: Conspiracy Theories. Secrecy and Power in American Culture. Minneapolis 1999 (zweite Auflage Minneapolis 2008), ISBN 0-8166-3242-1.
  • Carl F. Graumann, Serge Moscovici (Hrsg.): Changing Conceptions of Conspiracy. Springer Series in Social Psychology. New York u. a. 1987, ISBN 0-387-96223-9.
  • Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966. (Nachdruck: Chicago 1990, ISBN 0-226-34817-2.)
  • B. Keeley: Of Conspiracy Theories. In: The Journal of Philosophy. 96, 1999, S. 109–26.
  • Frank P. Mintz: The Liberty Lobby and the American Right. Race, conspiracy and culture. Greenwood Press Westport, Connecticut 1985, ISBN 0-313-24393-X.
  • Jane Parish, Martin Parker (Hrsg.): The Age of Anxiety. Conspiracy Theory and the Human Sciences. Oxford-Malden 2001, ISBN 0-631-23168-4.
  • Daniel Pipes: Conspiracy. How the Paranoid Style Flourishes and Where It Comes From. Free Press, New York 1997 (dt.: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling, München 1998, ISBN 3-932425-08-1.)
  • J.M. Roberts: The Mythology of the Secret Societies. Secker & Warburg, London, New York 1972, ISBN 0-684-12904-3.
  • Robert A. Wilson, Miriam J. Hill: Everything is under Control. Conspiracies, Cults, and Cover-Ups. HarperPerennial, New York 1998. (dt.: Das Lexikon der Verschwörungstheorien. Piper, München 2004, ISBN 3-492-24024-0.)

Dokumentationen[Bearbeiten]

Radiobeiträge und Podcast[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Verschwörungstheorie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die folgende Darstellung sehr ähnlich auch bei Johannes Rogalla von Bieberstein: Die These von der Verschwörung 1776–1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die soziale Ordnung, Bern 1976, S. 11 ff.; Dieter Groh, Die verschwörungstheoretische Versuchung, oder: Why do bad things happen to good people, in: ders., Anthropologische Dimensionen der Geschichte, Frankfurt am Main 1992, S. 267–304; Jürgen Roth und Kay Sokolowsky, Wer steckt dahinter? Die 99 wichtigsten Verschwörungstheorien, Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 1998, S. 11–24.
  2. Helmut Reinalter, Die Weltverschwörer. Was sie eigentlich alles nie erfahren sollten, Ecowin, Salzburg 2010, S. 9
  3. a b c d Helmut Reinalter, Die Weltverschwörer. Was sie eigentlich alles nie erfahren sollten, Ecowin, Salzburg 2010, S. 10
  4. Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – Band II – Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen, Seite 111 und 112
  5. Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 online, Zugriff am 6. März 2011
  6. Frank P. Mintz: The Liberty Lobby and the American Right. Race, conspiracy and culture. Greenwood Press Westport, Connecticut 1985
  7. Armin Pfahl-Traughber, Der antisemitisch-antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der Weimarer Republik und im NS-Staat, Vergleichende Gesellschaftsgeschichte und politische Ideengeschichte der Neuzeit 9, Braumüller, Wien 1993; Daniel Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, Gerling Akademie Verlag München 1998, S. 11f und passim; Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 7 und passim
  8. Helmut Reinalter, Die Weltverschwörer, 2010, S. 10: "Zur besseren Erklärung des wertenden Gebrauchs des Begriffs 'Verschwörungstheorie' ist es zweckmäßig, zwischen zwei Hauptformen von Verschwörungstheorien zu unterscheiden: Verschwörungstheorie als 'Zentralsteurungshypothese' und als irrationaler Konspirationismus"
  9. Wie Reinalter spricht etwa auch Björn Theis von Zentralsteuerungshypothsen, S. ders. Diskretion und Diffamie: Innensicht und Fremdbild am Beispiel der Freimaurerei, Kölner Ethnologische Beiträge, Heft 20, 2006, S. 79; Tobias Jaecker, Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters, LIT, Münster 2004, S. 14, verwendet den Begriff Verschwörungshypothese
  10. Stephen M. Walt: On ‘conspiracy theories’, Foreign Policy, 26. März 2010.
  11. Helmut Reinalter, Die Weltverschwörer, 2010, S. 10 f.
  12. Erich Wulff, Paranoic Conspiracy Delusion, in: Carl F. Graumann und Serge Moscovi (Hg.), Changing Conceptions of Conspiracy, New York 1987, S. 171–190.
  13. Dieter Groh, Verschwörungen und kein Ende, in: Kursbuch 124: Verschwörungstheorien, Rowohlt Verlag, Berlin 1996, S. 12; Satzstellung angepasst
  14. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 7 ff. u.ö.
  15. Lars Clausen/Elke M. Geenen/Elísio Macamo, Entsetzliche soziale Prozesse. Theorie und Empirie der Katastrophen, LIT-Verlag, Münster 2003.
  16. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. 2010, S. 12: „In der Theorie kann man das Verschwörungsdenken von einem ideologischen Konspirationismus durchaus unterscheiden, in der Praxis scheint dies allerdings schwieriger, weil die Grenzen zwischen einer realistischen Befürchtung und einem wahnhaften Verschwörungsmythos manchmal verschwinden.“
  17. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. 2010, S. 10: „Tatsächliche Verschwörungen, die in der Weltgeschichte stattgefunden haben, waren meist durch strikte Geheimhaltung geprägt und daher nicht leicht nachweisbar.“
  18. Siehe z.B. James D. Perry: Kennedy, John F. Assassination of. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 383 – 397; Michael L. Kurtz: The JFK Assassination Debates. Lone Gunman Versus Conspiracy, University Press of Kansas, Lawrence (Kansas) 2006; David E. Kaiser: The Road to Dallas. The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge, MA 2008.
  19. Donald E. Heidenreich Jr: Pearl Harbor. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Bd. 2. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, S. 579-582
  20. Ralf Dahrendorf: Die angewandte Aufklärung. Gesellschaft und Soziologie in Amerika. Piper, München 1962.
  21. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. 2010, S. 12: „In der neueren Forschung hat man als Kriterien zur Unterscheidung unseriöser Verschwörungsideologien besonders zwei Aspekte hervorgehoben: 1. den Grad der Abschottung von der Offenheit alternativer Erklärungsmodelle, 2. ihre Funktion und Macht im politischen Diskurs.“
  22. Helmut Reinalter: Die Weltverschwörer. 2010, S. 12: „Verfolgt eine Verschwörungstheorie einen ausdrücklich politischen Zweck und wird aus ihr ein Machtanspruch oder die Forderung nach gewaltsamen Handeln abgeleitet, kann man von einer ‚Verschwörungsideologie‘ sprechen.“
  23. Dieter Groh, Die verschwörungstheoretische Versuchung, oder: Why do bad things happen to good people, in: ders., Anthropologische Dimensionen der Geschichte, Frankfurt am Main 1992, S. 267 ff.
  24. Andreas Hartmann, Germanicus und Lady Di. Zur öffentlichen Verarbeitung zweier Todesfälle, in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Der Vergleich. Eine Methode zur Förderung historischer Kompetenzen. Ausgewählte Beispiele, ars una Verlagsgesellschaft, Neuried 2005, S. 61-126
  25. Zu antijesuitischen Verschwörungstheorien s. Stephen Luckert, Jesuits, Freemasons, Illuminati, and Jacobins. Conspiracy Theories, secret societies, and politics in late 18th century Germany, Diss. Binghampton University 1993, S. 75–96
  26. Douglas C. Green (Hg.), Diaries of the Popish Plot, New York 1977
  27. so z. B. Denis Diderot: Jesuit, in: Anette Selg und Rainer Wieland (Hg.), Die Welt der Encyclopédie, Eichborn Verlag, Frankfurt/M 2001, S. 183ff
  28. Samuel F. B. Morse, Conspiracy Against the Liberties of the United States, Leavitt & Lord, New York 1835, zit. bei Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 online, Zugriff am 6. März 2011
  29. Zitiert nach Walter Markov: Revolution im Zeugenstand. Frankreich 1789–1799. Band 2, Leipzig 1982, S. 566 f.
  30. Geoffrey T. Cubitt, Robespierre and Conspiracy Theories, in: Colin Haydon und William Doyle (Hgg.), Robespierre, Cambridge University Press 1999, S. 75 – 91, das Zitat S. 83.
  31. Volker Jordan: Der protestantische Frühkonservativismus in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Seite 105 ff.
  32. Roland Sonntag: Verschwörungstheorien – Zur Variabilität eines aktuellen Phänomens, Seite 11
  33. Johannes Rogalla von Bieberstein: Die These von der Verschwörung 1776–1945. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die soziale Ordnung, Bern 1976, S. 139f
  34. So Wolfram Meyer zu Uptrup: Kampf gegen die „jüdische Weltverschwörung“. Propaganda und Antisemitismus der Nationalsozialisten 1919 bis 1945. Metropol, Berlin 2003, und Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 78–93.
  35. Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933–1945. Hrsg., eingeleitet und dargestellt von Walther Hofer. Fischer Bücherei, Frankfurt am Main 1957; überarbeitete Neuausgabe: Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-26084-1, S. 268 f.
  36. Werner Jochmann: Monologe im Führerhauptquartier, Hamburg 1980, S. 93
  37. [www.nationalsozialismus.de/dokumente/textdokumente/heinrich-himmler-posener-rede-vom-04101943-volltext Text der Posener Rede auf www.nationalsozialismus.de]
  38. vgl. Oleg Gordievsky, Oleg und Christophe Andrew, KGB: The Inside Story. Hodder & Stoughton. 1990, ISBN 0-340-48561-2, S. 114; Dimitri Wolkogonow, Stalin. Triumph und Tragödie. Ein politisches Porträt, Econ Taschenbuch Verlag 1989, ISBN 3-612-26011-1, S. 18
  39. Gerd Koenen: Marxismus-Leninismus als universelle Verschwörungstheorie. in: Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte. Dietz, Bonn 1999,2, S. 127–132; ähnlich auch Daniel Pipes, Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen, Gerling Akademie Verlag München 1998, S. 153 ff., und Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 109–117.
  40. Richtlinien der Kommunistischen Internationale – angenommen vom Kongress der Kommunistischen Internationale in Moskau (2. bis 6. März 1919).
  41. S. z. B. Reinhard Kühnl, Faschismustheorien. Ein Leitfaden, aktualisierte Neuauflage, Distel Verlag Heilbronn 1990, S. 249f
  42. Ein Beispiel für viele: Eberhard Czichon, Wer verhalf Hitler zur Macht, Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1967.
  43. Eike Hennig, Industrie und Faschismus. Anmerkungen zur sowjet-marxistischen Interpretation, in: NPL 15 (1970), S. 438
  44. Vgl. Reinhard Neebe, Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik, Vandenhoeck und Rupprecht, Göttingen 1981; Henry A. Turner, Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Siedler Verlag, Berlin 1985.
  45. Peter Knight: Conspiracy Culture – From the Kennedy Assassination to the X-Files, Seite 2
  46. Text der Rede auf www.jfklibrary.org: “For we are opposed around the world by a monolithic and ruthless conspiracy that relies primarily on covert means for expanding its sphere of influence--on infiltration instead of invasion, on subversion instead of elections, on intimidation instead of free choice, on guerrillas by night instead of armies by day.”
  47. Claus Leggewie, Fed up with the Feds. Neues über die amerikanische Paranoia, in: Kursbuch 124: Verschwörungstheorien, Rowohlt, Berlin 1996, S. 115–128.
  48. Daniel Pipes, Verschwörung, a. a. O., S. 245 ff. u. ö.; Jack Z. Bratich: AIDS und Ted Remington: Cocaine. Beides in: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Bd. 1. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, S. 45 f. und S. 178 - 184
  49. Zum Folgenden s. Bassam Tibi, Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik, dtv, München 1994
  50. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 119f
  51. Daniel Pipes, The Hidden Hand. Middle East Fears of Conspiracy, St. Martin’s Press, New York 1998, S. 49–74
  52. Jeff Jacoby: Rousing Muslim bigotry. In: Boston Globe 23. Oktober 2003, Zugriff am 10. Oktober 2012.
  53. http://findarticles.com/p/articles/mi_m0WDQ/is_2003_Oct_20/ai_109021654
  54. Mitchell G. Bard, Behauptungen und Tatsachen. Negative arabisch/ moslemische Einstellungen gegenüber Israel, 2011, (online, Zugriff am 4. Mai 2011)
  55. Deutsche Übersetzung der Rede
  56. Philipp Gessler, Die Juden als Weltfeinde, in: taz vom 15. Dezember 2005.
  57. Ulrike Heß-Meining: Right-wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes und Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europa. Current trends and Perspectives. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, S. 398 ff., das Zitat („One of the most notorious black occult blooodlines of middle age Europe“) S. 399.
  58. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 148.
  59. Klaus Bellmund und Kareel Siniveer: Kulte, Führer, Lichtgestalten. Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda. Droemer Knaur, München 1997, S. 199.
  60. Zu Conrad siehe Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 149–152; zu de Ruiter Ulrike Heß-Meining: Right-wing Esotericism in Europe. In: Uwe Backes und Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current trends and Perspectives. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, S. 400 ff.
  61. Bundesamt für Verfassungsschutz: Argumentationsmuster im rechtsextremistischen Antisemitismus (PDF; 1,4 MB). November 2005, S. 10 f., Zugriff am 31. Mai 2014
  62. Wolfgang Wippermann: Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute. be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 146 f.
  63. Chantal Magnin und Marianne Rychner: Strukturelle Gemeinsamkeiten zweier Weltdeutungen: Esoterik und antisemitische Verschwörungstheorie. In: Tangram. Bulletin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Nr. 6 (1999), S. 43 (online, Zugriff am 31. Mai 2014).
  64. Richard Hofstadter: The Paranoid Style in American Politics and Other Essays. London 1966, Chicago 1990 (Nachdr.), S. 77–86 online, Zugriff am 6. März 2011
  65. Dieter Groh, Die verschwörungstheoretische Versuchung, oder: Why do bad things happen to good people, in: ders., Anthropologische Dimensionen der Geschichte, Frankfurt am Main 1992, S. 287–304.
  66. Geoffrey T. Cubitt, Robespierre and Conspiracy Theories, in: Colin Haydon und William Doyle (Hgg.), Robespierre, Cambridge University Press 1999, S. 83 f.
  67. Jennifer A. Whitson, Adam D. Galinsky: Lacking Control Increases Illusory Pattern Perception, Science, Vol. 322. no. 5898, S. 115–117, 3. Oktober 2008
  68. Elke Ziegler: Kontrollverlust lässt Verschwörungstheorien gedeihen, science.ORF.at, 3. Oktober 2008
  69. Meg Washburn: When seeing IS believing, eurekalert.org, 2. Oktober 2008
  70.  Ted Goertzel: Belief in Conspiracy Theories. In: International Society of Political Psychology (Hrsg.): Political Psychology. Nr. 15, 1994, S. 733-744 (Unredigierte Originalfassung des Autors im DOC-Format).
  71. Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten, 2011, S. 47f.
  72. Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten, 2011, S. 77f.
  73. Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten, 2011, S. 122f.
  74. vgl. Thorsten Benkel. Rezension vom 16. Mai 2011 zu: Andreas Anton: Unwirkliche Wirklichkeiten. In socialnet Rezensionen
  75. Siehe z. B. Donald Bloxham, The Great Game of Genocide. Imperialism, Nationalism, and the Destruction of the Ottoman Armenians, Oxford University Press, New York 2005, S. 116, 118, 1196, 199 u.ö.
  76. Steven L Kaplan, The famine plot persuasion in eighteenth-century France, Transactions of the American Philosophical Society, New Series, Volume 72, Philadelphia 1982