Cream-Gen des Pferdes

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Fohlen mit dem Cream-Gen werden hell geboren

Als Cream-Gen (Cr) bezeichnet man ein Gen, das eine Aufhellung des Felles beim Pferd bewirkt und deshalb als Dilute-Gen geführt wird.

Genetik: Okulokutaner Albinismus Typ 4[Bearbeiten]

Die Abwesenheit des Cream-Genes (auch Creme-Gen) bezeichnet man mit einem kleinen cr. Es handelt sich um eine Mutation des MATP-Gens und entspricht deshalb dem Okulokutanen Albinismus Typ 4 (OCA4) des Menschen. Das Gen befindet sich auf Chromosom 21 des Pferdes.[1] [2]

Dieses Gen hellt sowohl rote als auch schwarze Farbpigmente auf und kann somit alle Basisfarben des Felles verändern. Es werden dabei sowohl das Kurzhaar als auch das Langhaar unterschiedlich stark silbern bis weiß aufgehellt. Dieser Effekt ist bei der roten Basisfärbung des Fuchses stärker als bei einem schwarzen Fell. Außerdem hat das Cream-Gen Einfluss auf die Augenfarbe des jeweiligen Pferdes. Das Cream-Gen vererbt sich nicht wie Albinismus dominant-rezessiv, sondern intermediär, was man auch unvollständig dominant nennt, weil es nicht durch andere vererbte Merkmale überdeckt werden kann, sondern sich immer auch äußerlich sichtbar auswirkt.

Ohne Cream-Gen findet keine Aufhellung der Grundfarbe statt. Das absolute Nichtvorhandensein des Cream-Gens wird durch zwei kleine crcr gekennzeichnet. Wird nur ein betroffenes Gen vererbt, so ist die dadurch hervorgerufene Aufhellung nur mäßig, man kennzeichnet das durch ein großes und ein kleines Crcr. Bei zwei vererbten Cream-Genen hingegen, als CrCr gekennzeichnet, kann das Pferd fast weiß aussehen. Es hat immer blaue Augen. Ein Cremello ist also ein doppelt aufgehellter Fuchs, der mit Füchsen ohne Cream-Gen nur Palominofohlen produziert. Perlino nennt man einen doppelt aufgehellten Braunen, der mit Braunen ohne Cream-Gen ausschließlich Fohlen mit einem Cream-Gen (Buckskins oder Palominos) hervorbringt.

Oculocutaner Albinismus Typ 1, bei dem keine Restfunktion der Tyrosinase erhalten ist, tritt bei Pferden nicht auf. Deshalb wird vermutet, dass diese Mutation lethal (tödlich) wäre.[3]

Grundlegende Farbveränderungen durch das Cream-Gen[Bearbeiten]

Dunkle Isabellen können aussehen wie diese beiden Pferde. Ob es sich bei ihnen um Palominos handelt, ist unbekannt.
Heller Isabell
Isabell/Palomino bei einem American Quarter Horse

Die Intensität und Tönung der Aufhellungen sowie die Augenfarbe können individuell von Pferd zu Pferd deutlich variieren. In erster Linie hängen sie jedoch von der grundlegenden Ausgangsfarbe und davon ab, ob nur ein oder zwei Cream-Gene vererbt werden. In der folgenden Tabelle werden jeweils von oben nach unten die Effekte der Fellaufhellung und die Auswirkungen auf die Augenfarbe der Tiere aufgeführt, ausgehend von der zuoberst genannten Grundfarbe, dann bei der jeweiligen Grundfarbe mit einem vererbten Cream-Gen und schließlich mit zwei vererbten Cream-Genen:

Aufhellung beim Fuchs[Bearbeiten]

Fuchs crcr rotes Fell rotes oder helleres Langhaar braune Augen
Palomino oder Isabell Crcr gelbliches Fell cremefarbene oder weiße Mähne hellbraune Augen
Weißisabell oder Cremello CrCr weißliches Fell schneeweiße Mähne hellblaue Augen

Fuchs mit einem Cream-Gen: Isabell, Goldisabell oder Palomino[Bearbeiten]

Die durch ein Cream-Gen erfolgte Aufhellung des Fuchses, Isabell im Unterschied zum Weißisabell oder Cremello auch Goldisabell, wird international auch als Palomino bezeichnet. Zur Namensherkunft siehe Isabellfarbe.

Füchse mit diesem Gen können als nahezu weiße Fohlen geboren werden, die aber später noch ein wenig nachdunkeln. Sie können aber auch alle Schattierungen von einer sehr hellen Sandfarbe bis hin zu normal-fuchsfarbenem Deckhaar annehmen. Bei Tieren mit noch dunklerem Fell und heller Mähne handelt es sich allerdings in dem meisten Fällen nicht um Isabellen, sondern um Lichtfüchse. Deren Langhaar wird durch das Gen Flaxen aufgehellt, während das Deckhaar unverändert bleibt. Die bekanntesten Beispiele für (Dunkel-)Lichtfüchse sind Haflinger und Schwarzwälder.

Rassen[Bearbeiten]

Insbesondere in den USA werden Palomino-Pferde traditionell gezüchtet und dort als Rasse deklariert, obgleich es sich genetisch betrachtet um keine eigenständige Rasse handelt. In der Regel (ca. 97 %) werden für diese Züchtungen American Quarter Horses verwendet, sowie andere Pferde, die dem sogenannten Stock Type entsprechen, also Westernpferde des alten, schweren Typs.

In Großbritannien gibt es hingegen eine Palomino-Zucht-Tradition der British Palomino Society, die auf den britischen Ponyrassen sowie Warmblut-Pferden, englisch Hunter, basiert.

Beim Kinsky-Pferd sind Isabellen und erdfarbene Pferde Zuchtziel.

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Dunklere Palominos können genauso oder sehr ähnlich aussehen wie Füchse mit Flaxen oder wie braunwindfarbene Pferde.
  • Classic Champagne: Pferde dieser Farbe unterscheiden sich durch die rosa Haut mit dunklen Punkten von den helleren Palominos.
  • Durch Pearl aufgehellte Füchse unterscheiden sich von Isabellen dadurch, dass ihr Langhaar dieselbe Farbe hat wie das restliche Fell.

Mythologie, Religion, Folklore[Bearbeiten]

Im alten Griechenland galten helle Pferde mit weißer Mähne als heilig. Ob es sich dabei um Isabellen oder Fuchsfalben mit Flaxen gehandelt hat, ist unbekannt und kann wahrscheinlich auch nicht mehr herausgefunden werden.

Aufhellung beim Braunen[Bearbeiten]

Brauner crcr rotes, braunes Fell schwarzes Langhaar braune Augen
Buckskin, Erdfarben Crcr gelbliches Fell, schwarze Beine schwarze Mähne braune oder hellbraune Augen
Perlino CrCr fast weißes Fell, Beine dunkler etwas dunkler, gelbliche, fast weiße Mähne hellblaue Augen
Buckskin New Forest pony.JPG Jerome Kinsky Zlosyn 2005.jpg Mare and colt from directly above.jpg
Erdfarbenes New-Forest-Pony Erdfarbenes Kinsky-Pferd Erdfarbenes Pferd (mit isabellfarbenen Fohlen) von oben: im Gegensatz zum Falben ist kein Aalstrich auf dem Rücken vorhanden

Buckskin/Erdfarben[Bearbeiten]

Die Farbe von genetisch erdfarbenen Pferden variiert von einer hellen Falbfarbe, die man leicht mit der eines echten Falben verwechseln kann, bis hin zu einer Fellfarbe, die nicht von der eines echten Braunen zu unterscheiden ist. Schweif, Mähne und Beine sind gewöhnlich schwarz. Die Wildfarbigkeitsabzeichen, die man von echten Falben kennt (Aalstrich, Schulterkreuz, Zebrastreifen an den Beinen) fehlen üblicherweise.

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Dunkle Erdfarbene sehen oft wie normale Braune aus.
  • Der Falbe unterscheidet sich durch den Aalstrich und seine oft zweifarbige Mähne
  • Aufhellung des Braunen durch Pearl
  • Amber Champagne: Pferde dieser Farbe unterscheiden sich durch die einfarbig schokoladenbraune Mähne und Schweif und die rosa Haut mit dunklen Punkten vom Erdfarbenen.

Aufhellung beim Rappen[Bearbeiten]

Rappe crcr schwarzes Fell schwarzes Langhaar braune Augen
Leuchtrappe, Erdbraun, Smoky Black Crcr graues Fell graue Mähne braune oder hellbraune Augen
Smoky Cream CrCr weißliches Fell weiße Mähne hellblaue Augen
Leuchtrappe

Leuchtrappe, Erdbraun, Smoky Black[Bearbeiten]

Die Farbe des einfach durch das Cream-Gen aufgehellten Rappen kann sehr stark variieren. Die dunkleren Varianten können wie helle Rappen wirken und nur durch ihre helleren Augen auffallen, hellere Tiere erscheinen wie Dunkelfüchse.

Doppeltes Cream Gen: Weißisabell, Cremello, Perlino, Smoky Cream[Bearbeiten]

Cremello (Fuchs mit doppeltem Cream-Gen)
Perlino - Am rechten Hinterbein ist ein weißes Abzeichen zu erkennen. Da Schwarz weniger aufgehellt wird als die braune Farbe, ist der Körper erkennbar heller als der untere Teil der Beine.
Auge eines Smoky Creams

Durch ein doppeltes Cream-Gen aufgehellte Pferde erscheinen nahezu weiß mit rosa Haut. Sie sind jedoch nicht absolut weiß, sondern ihr Weiß hat beim Weißisabell (Cremello) einen leicht goldenen Schimmer und beim Smoky Cream einen leicht grauen Anflug.

Die Augen sind blau. Wenn die Augen durch eine Form des Albinismus (hier OCA4, MATP-Gen) so weit aufgehellt sind, ist davon auszugehen, dass die betroffenen Tiere deutlich schlechter sehen können als ihre normalfarbigen Artgenossen und durch helles Sonnenlicht stärker geblendet werden. Diese Behinderung scheint sich aber so weit in Grenzen zu halten, dass sie von Menschen nicht am Verhalten des Pferdes erkannt wird.

American Creme Horse[Bearbeiten]

Das American Creme Horse entstand 1937 in Nebraska in den USA dank der Bemühungen von Caleb und Hudson Thompson. Als Stammvater wählte man einen Hengst namens Old King. Old King war eine Kreuzung zwischen Araber und Morgan und ein weißgeborenes Pferd. Da der Hengst Old King seine seltene Farbe gut weitervererbte, kamen die Thompsons auf die Idee, eine Rasse von weißgeborenen Pferden zu entwickeln. Da alle weiß geborenen Pferde registriert werden konnten, könnten einzelne Tiere auch das Gen für Dominant weiße Farbe tragen. Allerdings handelt es sich beim American Creme Horse nicht um eine Rasse im eigentlichen Sinn; das Exterieur variiert bis heute sehr stark, und es sind unterschiedlich starke Einflüsse von Arabischem Vollblut, Quarter Horse, Morgan und Englischem Vollblut bei den einzelnen Pferden zu erkennen. Die Augen sind meist hellblau, was man Fischauge nennt, oder hellbraun, selten auch dunkelbraun. Die Gänge sind oft flach und weich. Das American Creme Horse gilt als intelligent und lernwillig und wird daher häufig im Zirkus, auf Shows oder bei Paraden verwendet. Sein angenehmes Temperament macht es zu einem geeigneten Freizeitpferd. Früher waren solche weißgeborenen Pferde bei Königen und Fürsten beliebt.

Verwechslungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Ältere Schimmel haben oft völlig weißes Fell, sind aber an ihrer dunklen Haut zu erkennen.
  • Pferde mit dominant weißer Farbe haben völlig weißes Fell, rosa Haut und hellbraune Augen.
  • Maximale Schecken sehen aus wie dominant weiße Pferde, können jedoch unterschiedliche Augenfarben (auch blau) haben.
  • Doppelt durch Champagne aufgehellt Die rosa Haut hat dunkle Punkte, das fast weiße Fell beim doppelt aufgehellten Fuchs einen goldenen Schimmer. Das Fell ist meist dunkler als das eines Cremellos, eher wie bei helleren Isabellen oder Erdfarbenen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sidney David Markman: Horse in Greek Art (= Johns Hopkins University studies in Archaeology 35, ISSN 974514-2). The Johns Hopkins Press, Baltimore MD 1943 (Nachdruck: Biblo & Tannen Booksellers & Publishers Incorporated, New York NY 1969, ISBN 0-8196-0247-7).
  • S. Adalsteinsson: A new interpretation of the inheritance of the horse colors dun and Isabella in a Russian stud during the period 1854–1894. In: The Journal of Heredity. 69, 6, 1978, ISSN 0022-1503, S. 426–428.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denis Mariat, Sead Taourit, Gérard Guérin: A mutation in the MATP gene causes the cream coat colour in the horse. Genet. Sel. Evol. 35 (2003) S.119–133 PMID 12605854
  2. Locke MM, Ruth LS, Millon LV, Penedo MC, Murray JD, Bowling AT.: The cream dilution gene, responsible for the palomino and buckskin coat colours, maps to horse chromosome 21. Anim Genet. 2001 Dec;32(6):340-3. PMID 11736803
  3. Krista Siebel: Analyse genetischer Varianten von Loci für die Fellfarbe und ihre Beziehungen zum Farbphänotyp und zu quantitativen Leistungsmerkmalen beim Schwein. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterinärmedizin. Institut für Nutztierwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Juli 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cream gene of the horse – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien