Cutter (Messer)

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Unter einem Teppichmesser, Stanley-Messer, Japanmesser oder Cutter(-messer) (englisch to cut „schneiden, trennen“) versteht man ein sehr scharfes Messer, das mit einer Klinge versehen ist, die man nach Gebrauch einziehen und nach Abnutzung schrittweise abbrechen und schließlich auswechseln kann, wobei der Schaft zur weiteren Benutzung zur Verfügung steht.


Teppichmesser mit Ersatzklingen

Allgemeines[Bearbeiten]

Ein Cutter mit Ersatzklinge

Diese Form von Messer stammt ursprünglich von der Firma Stanley Works aus New Britain in Connecticut, die Anfang des 20. Jahrhunderts auch erstmals Einmal-Skalpelle für den medizinischen und wissenschaftlichen Gebrauch herstellte. Der Name geht auf den Industriellen Frederick Trent Stanley zurück, welcher auch Inhaber der mittlerweile abgelaufenen Patente aus den 1930er Jahren war.

Grundsätzlich wird bei diesen Messern zwischen einer Abbrechklinge (Segmentklinge) und einer auswechselbaren Klinge unterschieden. Bei Messern mit auswechselbarer Klinge wird die gesamte Klinge nach der Abnutzung durch eine neue ersetzt. Diese Messer, egal ob mit starrer Klingenfixierung oder einziehbarer Klinge auf Schlitten, können sowohl mit Trapezklingen für allgemeine Schneidarbeiten wie auch Hakenklingen für Teppichböden bestückt werden. Bei moderneren Abbrechklingen hingegen weist die Klinge einige Sollbruchstellen auf, an der sie nach Abnutzung der vorderen Bereiche gebrochen werden kann, so dass ein hinterer und schärferer Teil nach vorn rückt.

Die Typen mit auswechselbarer Klinge werden für alle anstehenden Arbeiten so lange verwendet, bis sie den Anforderungen nicht mehr genügen. Danach wird eine neue Klinge in den Schaft eingesetzt. Bedingt durch die Bauart sind viele heute verwendeten Typen noch immer Auswechselklingen, insbesondere wenn es sich um geschwungene oder formhafte Klingenspitzen handelt. Abbruchklingen haben hingegen immer eine lineare Spitzenform und an ihnen können die vorderen Bereiche etwa 8- bis 15-mal gebrochen werden, bevor eine neue Klinge einzusetzen ist. Bei neueren Modellen sind auch geschwungene (hakenförmige) Klingen abbrechbar, darunter auch Klingen für Schaumstoffe.

Beide Typen sind überaus vielseitig verwendbar und preisgünstig. Aufgrund der auf kurzzeitigen Gebrauch ausgelegten Materialeigenschaften können sie extrem scharf hergestellt werden, wobei Merkmale, die den langzeitigen Gebrauch unterstützen würden, in den Hintergrund treten. Sie werden nicht nachgeschärft.

So eignen sie sich aufgrund ihrer guten Spitzenschärfe auch für die Papierbearbeitung, bei der die Klingenspitze wichtig ist. Die Firmen OLFA und NT in Japan haben 1956 bzw. 1958 unabhängig voneinander „papercutter-knifes“ entwickelt, die erstmals Abbrechklingen hatten.

Cutter finden auch im Modellbau häufig Anwendung, da sie universell auch für feine Arbeiten eingesetzt werden können und ihre Schärfe ohne große Umstände wiederherstellbar ist. Das glatte Schneiden von Polystyrol-Schaum (z. B. Styropor) geht fast nur mit Cuttermessern oder einer Thermosäge. Insbesondere die Gebrauchsmesser/Cutter mit Segmentklinge sind zum Schneiden von Teppichböden weniger geeignet, hier bieten sich eher Cutter mit Hakenklinge an, bei denen die Klinge feststeht und durch Handgrifföffnung gewechselt wird. Die Klingen sind, je nach Hersteller, mit einem Keilwinkel von 22° bis 30° geschliffen.

In Europa lehnten vor allem ältere Handwerker Cutter-Messer zunächst als „Wegwerfmesser“ ab. Dank der guten Gebrauchseigenschaften haben sie sich jedoch auf dem Markt durchgesetzt.

Alternative Begriffe[Bearbeiten]

In Israel, der Schweiz und Ostdeutschland wird dieses Messer auch als Japanmesser bezeichnet, in Brasilien als Estiletes oder Cortadores Olfa. In Österreich ist die Bezeichnung Stanley-Messer, in den Niederlanden parallel dazu Stanley mes üblich, in Dänemark ist die Bezeichnung Hobbykniv (Hobbymesser) üblich. Im amerikanischen Englisch ist die Bezeichnung utility knife gebräuchlich, während im britischen Englisch die Bezeichnung Stanley knife verwendet wird.

Cutter werden auch als Teppichmesser bezeichnet, was aber nicht der Herstellerbezeichnung entspricht, sich jedoch an eine häufige Verwendung anlehnt.

Formen[Bearbeiten]

Verschiedene Cuttermesser

Man unterscheidet Cutter mit Abbrechklinge (auch Segmentklinge genannt) und das Gebrauchsmesser mit feststehender Trapez- oder Hakenklinge. Während Cutter mit Segmentklinge meist für Pappe, Papier, Gipskarton und dünnere, meist thermoplastische Kunststoffe gedacht sind, können mit dem Gebrauchsmesser mit fester Klinge auch Teppichböden, Furniere, Säcke oder Kabel geschnitten werden.

Abbrechklingen haben nahe dem hinteren Ende ein rundes Loch, die 9 mm schmale z.B. eines mit 3 mm Durchmesser, um die Klinge formschlüssig mit dem Schieber zu verbinden. Dieser Schieber rastet selbsttätig in Segmentlängenschritten ein, oder wird durch Klemmhebel oder -schraube fixiert. Bei manchen Messern wird durch eine extra Klemmung der Klinge an der Austrittsstelle ein besonders spielfreier Halt hergestellt.

Abbrechklingen werden aus endlosem Stahlband durch Schleifen, Lochstanzen, das Einprägen der schrägen Abbrechrillen und Härten erzeugt. Die schmale Standardklingen ist 9 mm breit, 0,38 mm dick und weist 80 mm Schneidenlänge auf. Durch 12 Abbrechrillen kann die Klinge 13 mal neu verwendet werden. Die breite Standardklinge ist 18 mm (=Nennmass, tatsächlich jedoch gut 19 mm = 0,75 Zoll) breit, an der Schneide 100 mm lang, 0,5 mm stark und ist dank 7 Rillen 8 mal nutzbar. Abbrechsegmente und Gesamtklinge haben Parallelogrammform, die Klinge ist bis zum schrägen Ende insgesamt etwas länger als die Schneidkante. Je nach Schwere der Schneidaufgabe gibt es je Klingenbreite auch unterschiedliche Dicken, die - für alle Nennbreiten von 9, 12, 18, 22 und 25 mm - insgesamt von 0,25 bis fast 1 mm reichen. Als Korrosionsschutz sind die Klingen eingeölt und stecken als etwas haftender Stapel in einer Kunststoffbox. Typen aus rostfreiem Stahl werden kaum verwendet, da die Klingen meist schneller aufgebraucht als störend rostig werden.

Trapezklingen und Hakenklingen haben als festgeklemmte Typen ein bis drei Löcher oder aber Passkerben am Rücken. Solche mit 2 oder 3 Passkerben können in unterschiedliche Längenposition eingesetzt werden. Zumeist sind durch Wenden um 180° an beiden Enden verwendbar. Breitere Trapezklingen werden auch in Schabern etwa zur Reinigung von Flachglas eingesetzt.

Kreisrunde, rotierende Typen gibt es auch in Sonderformen zur Perforation von dünnem Karton oder zur Erzeugung eines Wellenschnitts, das jedoch eher in Schneidmaschinen. Extra kleine Klingen dienen nur dem Durchtrennen von Klebebändern mit denen Verpackungskartons aus Wellpappe verschlossen sind oder in Zirkelschneidern für Kreise. Es gibt Abbrechklingen mit Abbrechrillen im rechten Winkel und solche, die hintereinander mehrere Hakenklingen zur Verfügung stellen. Klingen ohne Abbrechrillen erlauben tiefes Schneiden in weichen Schaumstoff ohne die Gefahr des Abbrechens. Im Bereich der stärkeren Klingen gibt es auch solche mit Sägezähnen für Holz. Für spezielle Aufgaben dienen besonders ausgeformte Klingen mit verschieden orientierten Schneiden oder auch zur Spitze zulaufenden zweischneidigem Anschliff. Viele können in Standardklingenhalter eingesetzt und zum Schutz völlig in diesen zurückgezogen werden, andere werden bloß fixiert.

Meist sind die Klingen aus Kostengründen nur aus HCS-Stahl. Es gibt aber auch Klingen mit Titannitridbeschichtung, die von ihrer Härte her auch Aluminium und Weichstahl gut schneiden können. Neu auf dem Markt sind Klingen aus Mangan-Silizium-Stählen. Es gibt auch Magazinmesser, die automatisch einen neuen Klingenstreifen nachladen, wenn der alte aufgebraucht und ausgeworfen ist.

Klingen oder Klingenteile (ohne Abbrechrillen) können - mit Vorsicht - an manchen Stanzkanten als Schaber zum Glätten von Holz oder zum Entgraten von geschnittenem Kunststoff und Metall verwendet werden.

Unfallgefahr[Bearbeiten]

Cutter/Segmentmesser haben relativ hohe Unfallzahlen, was auf fehlende Übung der Benutzer und Sorglosigkeit im Umgang mit „verbrauchten“ Klingen zurückgeführt werden kann. Arbeitet man mit einer weit ausgefahrenen Segmentklinge, besteht Bruchgefahr, wobei die brechende Klinge den Benutzer verletzen kann. In einigen Ländern wie Australien sind diese Messer als gefährlich eingestuft und dürfen nur von Personen über 18 Jahren erworben werden. In manchen Betrieben werden nur Messer zugelassen, deren Klingen sich selbsttätig durch Federkraft einziehen und daher mit Daumenkraft an einem Schieber ausgeschoben und gehalten werden müssen.

Missbrauch[Bearbeiten]

Cuttermesser eignen sich wegen ihrer hohen Schärfe auch als Hilfsmittel für kriminelle Zwecke. Bei den Anschlägen auf das World Trade Center vom 11. September 2001 wurden von den Terroristen laut offiziellen Angaben handelsübliche Cutter benutzt. Sie überwältigten damit die Flugzeugbesatzung.

Einige Schulen in den USA verbieten ihren Besitz auf Grund einer Kampagne gegen den Verkauf von Cuttermessern an junge Menschen. Diese Kampagne wurde in den 1990er Jahren vom Bürgermeister New York Citys, Rudy Giuliani, initiiert.

Am 1. Juni 2004 wurde Satomi Mitarai in einer japanischen Grundschule von einer ungenannten Mitschülerin („Nevada-tan“) mit einem Cuttermesser getötet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Utility knives – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Cutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Cutter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen