David R. Hawkins

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David Ramon Hawkins (* 3. Juni 1927 in Milwaukee, Wisconsin, † 19. September 2012 in Sedona, Arizona) war ein US-amerikanischer Mystiker, Arzt, Psychiater, spiritueller Lehrer und Autor.

Hawkins arbeitete als Psychiater und leitete eine große psychiatrische Praxis im Staat New York. Nach der Niederlegung der klinischen Tätigkeit 1980 beschäftigte sich der in Zurückgezogenheit lebende Hawkins sieben Jahre lang vorwiegend mit Spiritualität und dem Bewusstsein. 1995 veröffentlichte er das Buch „Die Ebenen des Bewusstseins“.

Hawkins' Hauptanliegen war die Förderung der Spiritualität im Menschen. Nach seiner Lehre ist spirituelles Wachstum das grundlegendste und tiefgreifendste Mittel zur Linderung von Leid in dieser Welt. Nach seinen Vorstellungen leben Menschen auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen und nehmen Wirklichkeit und Wahrheit in Relation zu ihrer Ebene wahr.

Leben[Bearbeiten]

Hawkins wuchs in Wisconsin in den USA auf. Nach autobiografischen Angaben hatte er bereits als Kind und Heranwachsender außergewöhnliche spirituelle Erfahrungen. Er studierte Psychiatrie am Medical College of Wisconsin und war im Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit als Minensucher im Einsatz. In seinem frühen Berufsleben war er überzeugter Atheist. Eine lange und schwere Krankheit/Alkoholsucht brachte ihn an den Rand des Todes. Er berichtet, dass er eines Tages körperlich zusammenbrach und nach einer Phase der Bewusstlosigkeit aufwachte mit verändertem Bewusstsein und einem starken Wissen um die Existenz Gottes. Fortan bemühte er sich um spirituelle Bewusstseinsentwicklung.

Bis 1980 leitete Hawkins das North Nassau Mental Health Center in Manhasset, New York, die damals größte psychiatrische Praxis im Land. Mit 38 Jahren war ihm nach eigenen Worten „plötzliche Erleuchtung“ widerfahren. Danach suchten ihn Klienten aus der ganzen Welt auf, die von seinen angeblichen Heilfähigkeiten erfahren hatten. 1979 zog er nach Sedona, Arizona, um sich als Einsiedler „in der Stille spirituell zu vervollkommnen“. Nach seinem Wiedereintritt in die Gesellschaft war er fortan mit spiritueller Bewusstseinsforschung, mit Vorträgen und als Autor tätig. Durch sein Buch „Power vs. Force“ (Die Ebenen des Bewusstseins) wurde Hawkins im Bereich spiritueller Literatur bekannt. Das Buch wurde in bisher 15 Sprachen übersetzt und stand in mehreren Ländern auf den Bestsellerlisten. Hawkins bekam von verschiedenen Seiten Auszeichnungen verliehen. Insbesondere wurde ihm 2000 in Seoul die Ehre „Tae Ryoung Sun Kak Tosa“ (Große Seele und führender Lehrer auf dem Weg zur Erleuchtung) verliehen.

Hawkins' Lehre über Bewusstsein und Spiritualität[Bearbeiten]

Neben Vorträgen fasste Hawkins insbesondere in eigenen Büchern seine Lehre zusammen. Sein erstes spirituelles Buch Die Ebenen des Bewusstseins stellt eine Einführung in seine Bewusstseinstheorie dar. Die hierin vorgestellte Bewusstseinsskala stellt wohl den bekanntesten Teil seiner Lehre dar. Die nachfolgenden zwei Bücher Das All-sehende Auge und Die Wirklichkeit des Göttlichen (herausgegeben als „Licht des Alls“) sind umfangreicher, anspruchsvoller und tiefgehender und in der Thematik ausschließlich spirituell. Hawkins mochte dem spirituellen Sucher Einblick und Verständnis für die zentralen Themen bei der Suche nach Gott zur Hand geben. Themen sind daher u.a.: Bewusstseinsstufen und -entwicklung, Strukturen des Egos, Integrität, Verstand, Kausalität und lineares Denken, Nicht-Dualität, Eigenschaften Gottes und Hilfestellungen zu Problemen auf dem Weg zu Gott. Im vierten Buch Truth vs. Falsehood (bisher nicht in Deutsch erschienen) fasste Hawkins seine Aussagen über Bewusstsein stark zusammen und listet danach sehr ausführlich diverse Themenbereiche der US-amerikanischen Kultur mit Bewusstseinswerten in Tabellen auf.

Bewusstseinsebenen
nach Hawkins
(Auswahl)
700-1000 Erleuchtung
600 Frieden
500 Liebe
400 Verstand
200 Mut
150 Ärger
100 Angst
50 Apathie
20 Scham

Die Bewusstseinsebenen[Bearbeiten]

Hawkins entwickelte aus eigenen spirituellen Erfahrungen und seinen kinesiologischen Tests heraus eine „Skala des Bewusstseins“. Auf dieser ordnete er Dingen wie Personen, Konzepte, Bücher, Filme etc. Werte zwischen 1 und 1000 zu. Die Skala wird nach unten begrenzt von Null (Tod/kein Bewusstsein) und nach oben durch die Tausend, nach seiner Aussage die höchste von Menschen erreichbare Bewusstseinsebene.

Nach Hawkins stellt die 200 auf seiner Skala einen besonderen Schwellenwert dar, welcher die nicht-integren Ebenen von den integren trennt. Als nicht-integer bezeichnet Hawkins Dinge, die im kinesiologischen Test „schwach“ testen und von ihm als „lebensabgewandt“ bezeichnet wurden. Ebenen unter 200 auf seiner Skala sind dominiert von tierischen Trieben, die aufgrund der Entwicklungsgeschichte in uns eingeprägt wären. Aus diesen kann sich der Mensch aber mittels seinem Willen und Ausrichtung auf Positives und Wahrheit befreien. Allerdings, so Hawkins, ist dies dem Individuum nicht immer alleine möglich, sondern bedarf in bestimmten Fällen der Hilfe von außen. Bei der Entwicklung des Bewusstseins oberhalb von 200 werden zunehmend emotionale Reaktionen abgebaut und logisches Verständnis, wie auch Liebe und Einfühlungsvermögen aufgebaut. Die Anerkennung der Rechte Anderer sei ein klares Charakteristikum für Ebenen über 200. Verständnis und Empathie für Andere nimmt mit höheren Ebenen zu.

Die nächste größere Hürde bei der Entwicklung hin zu einem erleuchteten Wesen, stellt nach Hawkins die Ebene des Verstandes (400er) dar. Dies ist die Ebene moderner Demokratien, die als gesellschaftliche Normen Sachlichkeit und wissenschaftliche Leistungen hoch wertschätzen. Allerdings wären es gerade die Eigenschaften des Verstandes, mit seinem dualistischen Denken, die ein Hindernis für die weitere Entwicklung bilden würden. Höhere Bewusstseinsebenen wie Liebe, Freude und Frieden und die Existenz Gottes wirken auf das rationale Weltbild suspekt und entziehen sich als subjektive Erfahrungsebenen der wissenschaftlich-objektiven Untersuchung. Der Übergang von der Verstandesebene der 400er zur Ebene der Liebe der 500er würde daher einen Paradigmenwechsel im Denken verlangen.

Ab der Schwelle 500 weicht das Prinzip der Kausalität langsam einer nicht-dualistischen, nicht-linearen Wahrnehmungsweise, so Hawkins. Im 500er-Bereich gibt es eine Unterteilung, die mit 540 beziffert wird und die den Anfang der Bewusstseinsstufe der bedingungslosen Liebe darstellt - die Ebene der Freude. Ab 600 spricht Hawkins von Frieden und ab 700 von Erleuchtung. Die Ebene 1000 setzt er gleich mit Christus-Bewusstsein, Buddha-Natur und dem Bewusstsein der großen Avatare der Menschheitsgeschichte: Jesus, Buddha und Krishna.

Hawkins betonte, dass die Skala einen graduellen Verlauf darstellt und nicht in Vergleiche von besser/schlechter münden sollte, was aus seiner Sicht eine Einteilung des dualistischen Denkens ist. Die Ebenen und Bewusstseinswerte sollen keine Bewertung, sondern eine Qualitätsbeschreibung sein, so Hawkins. Jede Ebene hat ihre eigenen Charakteristika. Was auf einer Ebene als richtig und erstrebenswert angesehen wird, kann aus Sicht einer anderen Ebene „falsch“ sein. Bewertungen von richtig und falsch und damit die Beurteilung von Wahrheit ist abhängig vom Standpunkt bzw. Blickwinkel des Betrachters und daher abhängig vom Bewusstsein des Betrachters: „Wahrheit ist eine veränderliche Größe, relativ zu einer absoluten Konstanten“, schreibt Hawkins in Truth vs. Falsehood, S. ix.

Bewusstseinsentwicklung[Bearbeiten]

Nach Hawkins entwickelt sich Leben generell von niederen Bewusstseinsebenen zu höheren. So beschreibt er in seinem vierten Buch Truth vs. Falsehood die langsame Entwicklung des Bewusstseins in der Entwicklung des Lebens vom Bakterium über Tiere hin zum Menschen. Gegenüber Tieren hätte der Mensch durch das höhere Bewusstsein mehr Wahlfreiheiten und daher auch mehr Möglichkeiten das eigene Bewusstsein auszurichten und weiterzuentwickeln.

Schwerpunkte der Lehre[Bearbeiten]

Integrität vs. Nicht-Integrität[Bearbeiten]

In der Lehre hat das Konzept der Integrität eine Schlüsselposition für Hawkins. Er beschrieb integres Verhalten als wichtige Abgrenzung zu negativen, nicht-integren Verhaltensweisen, die er auf seiner Skala mit dem Bereich unter 200 gleichsetzte. Integrität ist nach Hawkins eine Ausrichtung an der Wahrheit, aus der lebenszugewandte, positive Handlungsweisen resultieren. Nach Hawkins ist die Stufe der Integrität eine wichtige Voraussetzung für kinesiologisches Testen. Der Tester wie auch der Getestete müssen nach seinen Aussagen im Bewusstsein über 200 sein und auch die Absicht der Frage muss integer sein, darf demnach nicht mit egoistischen Zielen oder Bestätigungen von Standpunkten verknüpft sein.

Inhalt und Kontext[Bearbeiten]

Hawkins empfahl in seiner Lehre die stärkere Beachtung von Kontext. Seiner Ansicht nach entstehen viele Probleme dadurch, dass lediglich Inhalt, z.B. ein Geschehnis, betrachtet wird und der Kontext (die umgebenden Bedingungen) nicht oder nur in geringem Umfang Berücksichtigung findet. Bei der Entwicklung des Bewusstseins wird mehr Kontext wahrgenommen, je höher die Ebene ist. Im Bereich der Nicht-Linearität (oberhalb von 500) dreht sich das Verhältnis um: Kontext wird zum eigentlichen Fokus und Inhalt zum Randaspekt. Die höchste Stufe reinen Bewusstseins, das Göttliche, ist der unendliche Kontext. Hier ist kein Inhalt mehr möglich.

Ego und Selbst[Bearbeiten]

In der Psychologie, so Hawkins, wird die Bezeichnung Ego für Eigenschaften des Ichs gebraucht, welche auf physisches Überleben und den Umgang mit alltäglichen Anforderungen gerichtet sind. Die Bezeichnung Ego hat nach Hawkins im spirituellen Sprachgebrauch eine erweiterte Bedeutung und bezeichnet allgemein ausgedrückt ein Hindernis für die Erkenntnis, da es linear und dualistisch strukturiert ist. Je höher sich das Bewusstsein entwickelt, je weniger identifiziert es sich mit dem Ego als Ich. Hawkins beschreibt das Ego als eine negativ ausgerichtete Struktur, die die Existenz Gottes leugnet und selbstständig leben will. Aus dieser Struktur heraus würden die grundlegenden Ängste von Tod und Sterben kommen. Das Ego selbst fürchtet seine Auflösung. Und diese rückt näher, wenn sich das Bewusstsein Gott zuwendet und höhere Bewusstseinsebenen erreicht. Es setzt starke Gegenenergien in Gang, um das Bewusstsein daran zu hindern, sich weiter in Richtung Gott zu entwickeln. Diese Ego-Energien beschreibt Hawkins als satanisch und als äquivalent zu Beschreibungen der Versuchungen aus religiösen Quellen. Der Tod des Egos - Hawkins beschreibt es als ein Zerplatzen - ist ein schwieriger Übergang, der viel Mut und Entschlossenheit voraussetzt. Das Ego vermittelt die Angst, dass ohne es nur Leere da wäre, was aber nach Hawkins sich als Konstrukt selbst widerspricht und nicht existent ist. Der Tod des Egos wird designiert mit dem Begriff „the Final Door“ oder „the Final Moment“ und stellt die Vollendung und Perfektion der subjektiven Realität von Erleuchtung dar. Die genaue Kalibrierung wird nie in seinen Werken spezifiziert. Der Tod des Egos ist nach dem „endgültigen Moment“ oder der „letzten Schwelle“ unumkehrbar.

Nicht-Dualität und Nicht-Linearität[Bearbeiten]

Linear Nicht-Linear
Form Formlosigkeit
Ego GEIST
sichtbar unsichtbar
wissenschaftlich mystisch
Eigenschaft Essenz
Inhalt Kontext
getrennt vereint
materiell spirituell
bewegen still
beobachten wissen
Wirkung Quelle
Illusion Wirklichkeit
Charakteristika des Bewusstseins
der Nicht-Linearität
Hawkins, Das All-sehende Auge, S. 413ff

Hawkins betonte in seiner Lehre, dass es in der nicht-linearen, nicht-dualistischen Wirklichkeit der höheren Bewusstseinsebenen keine Gegensätze gibt. Gegensatzpaare sind im alltäglichen Sprachgebrauch zwar praktikabel, würden aber schnell zu falschen Gedankenkonstrukten führen. So führte Hawkins als Beispiel den Gegensatz von heiß und kalt an. Physikalisch betrachtet sind dies keine Gegensätze, sondern graduelle Unterschiede auf einer Dimension/Skala. Kälte ist lediglich eine, je nach Standpunkt und Sichtweise, relative Abwesenheit von Wärme. Aus spiritueller Wirklichkeit betrachtet gelte dies für alle Dinge im Alltag, die als Gegensätze wahrgenommen werden. Hawkins sagte, dass es im „Eins-sein“ keine Trennung geben kann, alles sei vollkommen still, ohne Bilder, Worte oder Konzepte.

Innerhalb seines Skalenmodells beginnt die Durchdringung des Bewusstseins mit Nicht-Linearität/Nicht-Dualität bei 500 und nimmt nach oben hin zu. Linearität und Dualität sind immer in Nicht-Linearität und Nicht-Dualität enthalten, da sie kein Gegenteil, sondern einen geraduellen Unterschied darstellen. Die Schwelle von 500 sei bedeutungsvoll. Sie stelle für den Verstand eine große Hürde dar, da für ihn wichtige Konzepte wie Kausalität, Materialität, Kontrollierbarkeit, Objektivität und Abgegrenztheit ab dieser Grenze aufhören zu existieren bzw. an Bedeutung verlieren. Dagegen gewinnen Erfahrungsqualitäten wie Liebe, Inspiration, Achtung, Freude, Zufriedenheit und Erfüllung an Wichtigkeit. Dinge, die nicht im Fokus der 400er Ebene von Wissenschaft und Logik sind.

Leben und Tod[Bearbeiten]

In der Sichtweise nicht-dualer Bewusstseinsebenen gibt es allgemein keine Gegensätze (Dualität). Demnach kann es auch für das Leben keinen Gegensatz geben. Der Tod ist in der Auffassung von Hawkins lediglich eine Trennung vom Körper, ein Wechsel der Form. Leben an sich könne in seiner Existenz nicht bedroht werden. Ein wirklicher Tod, ein Ende des Selbst sei ebenso wenig möglich wie Nicht-Existenz, Nicht-Anwesenheit Gottes oder Nicht-Liebe. Möglich sei lediglich eine jeweils stärkere oder geringere Anwesenheit. Zum körperlichen Tod sagte Hawkins, dass dieser vom Selbst nicht wahrgenommen wird. Die Selbstidentität verlässt den Körper zum Todeszeitpunkt ohne eine merkliche Unterbrechung. Diese Identität würde darüber hinaus über verschiedene Leben als kontinuierlich wahrgenommen. Das Ego stirbt durch den physischen Austritt nicht, sondern bleibt erhalten.

Die Natur Gottes[Bearbeiten]

Gott/das Göttliche liegt nach Hawkins nicht im Bereich des Wissens, der Logik oder des Beweisbaren, sondern kann ausschließlich durch subjektive Erfahrung verifiziert werden. Wie in mystischen Schriften üblich, so umschrieb auch Hawkins die letztendliche Wirklichkeit mit verschiedenen Ausdrücken: Gott, das Göttliche, All-Sein, letztendliche Wirklichkeit, Quelle aller Existenz, unendliches Potential, Urgrund, An-Wesenheit, unendlicher Kontext, Selbst, unendliches Ich, letztendliches Zuhause-sein, Eins-sein.

In der Auffassung von Hawkins unterliegt das Göttliche keinerlei negativen menschlichen Eigenschaften wie Gewinnsucht, Vorteilsnahme, Bevorzugung, Parteilichkeit, Angst, Ärger, Neid oder Zorn. So schrieb Hawkins in Das All-sehende Auge Seite 222: „Das Allmächtige, Allwissende und Allgegenwärtige ist nicht verletzbar oder anfällig für Drohung oder emotionale Verstimmung. So ist Gott keine Beute von Rachegefühlen, Eifersucht, Hass, Gewalt, Eitelkeit, Egoismus oder Bedürfnis nach Schmeicheleien oder Komplimenten. Der Nutznießer von Anbetung ist der Anbetende.“ Man könne mit Gott nicht handeln, ihn nicht beschwatzen und nicht manipulieren. Jegliche Aussagen, die Gott/das Göttliche mit negativen menschlichen Eigenschaften versehen, seien starke Verzerrungen und aus spiritueller Sicht schlicht falsch. Dies trifft seiner Meinung nach auf große Teile des Alten Testamentes (Ausnahmen: Genesis, Psalmen, Sprüche) und die Offenbarung des Johannes im neuen Testament zu. Nach Hawkins ist alle Negativität alleine das Produkt des Egos. „Es ist das Ego, das die Quelle von Schuld, Sünde, Leiden, Verdammung und Erschaffung all der Höllen ist. Es sucht Erlösung, indem es alles auf Gott schiebt“, schrieb Hawkins in Das All-sehende Auge Seite 223.

Hawkins' Abgrenzung und Einordnung seiner Lehre[Bearbeiten]

Seine Kritik an Religion[Bearbeiten]

Hawkins ordnete seine Lehre der Spiritualität zu und grenzte sie deutlich von Religion und Esoterik ab. Obwohl historisch stark mit Religion verknüpft, beschrieb Hawkins Spiritualität als eigenständig und unabhängig von Religion oder Religiosität.

Religion ist nach seiner Ansicht eine menschliche Organisationsform mit der am Anfang stehenden Absicht, die ursprüngliche Lehre eines großen Lehrers zu erhalten und weiterzugeben. Hierzu merkte Hawkins folgende Schwierigkeiten an, die sich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung wiederholt gezeigt hätten: Schüler, die versuchen, die Lehre aufzuzeichnen und weiterzugeben, bringen in der Regel nicht solch eine hohe Bewusstseinsebene wie der ursprüngliche Lehrer mit. Somit herrscht von Anfang an eine gewisse Ungenauigkeit und Verzerrung der Originalaussagen. „Diese Art der Verfälschung beruht häufig auf der Tatsache, dass das Ego eine Tendenz zum wörtlichen Verständnis der Worte hat und nicht so sehr auf den Geist oder die Essenz der Lehre achtet.“ (Hawkins, Das All-sehende Auge, Seite 75)

Im Verlauf der Entwicklung der Religion und ihrer anschließenden Institutionalisierung kommen diverse eigennützige Interessen und Machtstrukturen innerhalb der geschaffenen Organisation hinzu. Hawkins schrieb (Das All-sehende Auge, Seite 75): „Die zweite Art, die offensichtlich zu gröberen Verfälschungen führt, sind geistliche Lehren, die aus dem entstehen, was man normalerweise als ‚Kirchendoktrin‘ bezeichnet. Diese Regelungen, oft in der Form von schuldeinflößenden Verboten, sind tatsächlich ganz und gar von offiziellen Vertretern und so genannten Autoritäten der Kirche aufgestellt worden, die in Wirklichkeit keinerlei Anspruch auf Autorität hatten, aber stattdessen eine gewisse politische Macht in der Struktur der jeweiligen Institution zu der betreffenden Zeit erwerben konnten.“

Die Lehre wird somit über die Zeit immer weiter verwaschen und fällt damit im Wahrheitsgehalt. In extremen Fällen würden sich Aussagen ergeben, die den Originalsinn ins Gegenteil verkehren (Inquisition, Religionskriege etc.). Aus diesen Gründen wäre eine ständige Erneuerung der ursprünglichen Lehre nötig. Veränderungen innerhalb der Religionen sind häufig aber nicht zugelassen worden, da sie den Meinungen und Interessen der Machtausübenden widersprachen, so Hawkins. Mystiker und Weise hätten somit häufig kein Gehör gefunden, sind verfolgt oder gar getötet worden.

Abgrenzung zur Esoterik[Bearbeiten]

In Abgrenzung der Lehre zur Esoterik beschrieb Hawkins u.a. folgende Konzepte für schlichtweg falsch (testen kinesiologisch schwach, also unwahr): die 12-Strang-DNA-Theorie, die Existenz von UFOs, Konzept der Indigo-, Kristall- und Sternenkinder, Erstellung der Kornkreise durch Außerirdische, Existenz von Außerirdischen auf der Erde, Bibelcode-Theorien von Michael Drosnin. Hawkins warnte vor Lehren und Konzepten, die spektakulär sind oder bestimmte Dinge/Personen als etwas ganz Besonderes herausstellen (wie im Falle von Indigokindern). Diese Inhalte würden lediglich das Ego füttern, nicht aber zu einer größeren Nähe zu Gott führen, was der Sinn der Spiritualität bzw. seiner Lehre sei.

Zuordnung zur Spiritualität[Bearbeiten]

Spiritualität war für Hawkins eine konsequente Ausrichtung auf Gott/das Göttliche. Der Sucher muss hierzu die Hindernisse, die einem Erkennen entgegenstehen, ausräumen. Hawkins legte hierbei einen Schwerpunkt auf den negativen Einfluss der Ego-Strukturen. Er schränkte allerdings ein, dass der Sucher lediglich den Anfang und die Ausrichtung machen kann. Der letztendliche Durchbruch zu den tiefen Erfahrungen der höheren Bewusstseinsebenen kann nicht willentlich vollbracht werden: hier ist der Sucher auf die Gnade Gottes angewiesen.

Die Grundaussagen der Spiritualität, so Hawkins, sind universell und über die verschiedenen Kulturen und Religionen über alle Zeiten gleich. Die offensichtlichen Unterschiede zwischen den großen Religionen seien lediglich kultur- bzw. zeitbedingt. Der spirituelle Kern sei bei allen gleich. In Licht des Alls, Seite 396, schrieb Hawkins: „Sobald man den Kontext richtig gestellt hat, lösen sich alle Verschiedenheiten im Verständnis der Bewusstseinsebenen auf. Wenn wir die Avatare, großen Lehrer und erleuchteten Weisen durch die Geschichte hindurch betrachten, so sind ihre Beschreibungen der letzten Wirklichkeit (Gott) dieselben. Es besteht absolute Übereinstimmung dahingehend, dass das Göttliche unendlich mitfühlend, liebend, friedvoll, still, allwissend, allmächtig, allgegenwärtig und voller Güte ist.“ Aussagen über das Göttliche, die hiermit nicht übereinstimmen, wären eine Verzerrung durch das menschliche Ego und Ausdruck eines geringeren Verständnisses bzw. würden eine niedrigere Bewusstseinsebene widerspiegeln. Als Avatare bezeichnet Hawkins Jesus, Buddha und Krishna, die unter allen Wesen die höchst mögliche Bewusstseinsebene auf der Erde (1000) erreicht hätten.

Kritik[Bearbeiten]

Hawkins wurde in erster Linie wegen seiner Anwendung und speziellen Auslegung der Kinesiologie kritisiert. Da das Instrument der Kinesiologie nicht wissenschaftlich anerkannt ist, seien seine Ergebnisse weder wissenschaftlich noch objektiv nachvollziehbar. Von einigen Kinesiologen selbst wird kritisiert, dass Hawkins die Kinesiologie sehr speziell auslegt, was nicht mehr in Übereinstimmung mit der klassischen Methode ist. Kinesiologen sehen im Testen eher eine lokale Körperreaktion auf einen Reiz und Hawkins im Gegensatz dazu betonte, dass dies eine vom Getesteten unabhängige (nichtlokale) Reaktion sei.

Kritik an der Skala: Die zugewiesenen Bewusstseinswerte von 1-1000 sehen Kritiker als zu reduktionistisch an. Der Aussagewert einer einzelnen Zahl sei zu gering und könne nicht als charakteristische Beschreibung dienen. Weitere Probleme sehen Kritiker beim Vergleich verschiedener Objekte auf der Skala.

Vermutung von Hybris: Hawkins wies seinen eigenen Büchern sehr hohe Werte auf der Skala zu. Bspw. kalibrierte er Licht des Alls bei 999,8 und damit am oberen Rand seiner Skala, weit höher als viele andere religiöse oder spirituelle Schriftstücke der Menschheitsgeschichte. Des Weiteren beschrieb sich Hawkins selbst als spirituell weit vorgeschritten. Kritiker sehen hierin eine Selbsterhöhung, mit der er sich immun mache gegen Argumentation und Kritik.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Huxley Award, 1979 (Orthomolekulare Psychiatrie)
  • Physicians Recognition Award der American Medical Association, 1992
  • Aufnahme in die Orthomolecular Medicine Hall of Fame, 2006
  • 50-year Distinguished Life Fellows honor der American Psychiatric Association, 2006

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Spirituelle Literatur

  • Die Ebenen des Bewusstseins - Von der Kraft die wir ausstrahlen. VAK, Freiburg 1997, ISBN 3-932098-02-1
    • Originaltitel: Power vs. Force: An Anatomy of Consciousness - The Hidden Determinants of Human Behavior. Original: Veritas, Sedona 1995 / Überarbeitete Neuauflage: Hay House Carlsbad, CA/USA 2002 ISBN 978-1-56170-933-5
  • Das All-sehende Auge - “The Eye of the I”. Sheema-Medien, Wasserburg/Inn 2005, ISBN 3-931560-19-8
    • Originaltitel: The Eye of the I - From which nothing is hidden. Veritas, Sedona 2001, ISBN 0-9643261-9-1
  • Licht des Alls - Die Wirklichkeit des Göttlichen. Sheema-Medien, Wasserburg/Inn 2006, ISBN 3-931560-20-1
  • Originaltitel: Truth versus Falsehood. Veritas, Sedona 2005, ISBN 0-9715007-2-X / Axial, Toronto 2005, ISBN 0-9715007-3-8
  • Erleuchtung ist möglich - Wie man die Ebenen des Bewusstseins durchschreitet. Sheema-Medien, Wasserburg/Inn 2007, ISBN 978-3-931560-21-8
    • Originaltitel: Transcending the Levels of Consciousness - The Stairway to Enlightenment. Veritas, Sedona 2006, ISBN 0-9715007-4-6
  • Hingabe an Gott. Der mystische Weg aus der Dualität. Sheema-Medien, Wasserburg/Inn 2009, ISBN 978-3-931560-22-5
    • Originaltitel: Discovery of the Presence of God - Devotional Nonduality. Veritas, Sedona 2006, ISBN 0-9715007-6-2
  • Originaltitel: Reality, Spirituality And Modern Man. Veritas, Sedona 2008 / Axial, Toronto 2008 ISBN 978-1-933391-88-5
  • Originaltitel: Healing and Recovery. Veritas, Sedona 2009 ISBN 978-0-9715007-3-0

Medizinische Literatur

Weblinks[Bearbeiten]

Kritik (deutsch)

Kritik (engl.)