Der Schrei (1957)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Schrei
Originaltitel Il grido
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1957
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Michelangelo Antonioni
Drehbuch Michelangelo Antonioni
Elio Bartolini
Ennio De Concini
Produktion Franco Cancellieri
Musik Giovanni Fusco
Kamera Gianni Di Venanzo
Schnitt Eraldo Da Roma
Besetzung

Der Schrei ist ein Film von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1957. Der Film erinnert in seiner formalen Struktur an die neorealistische Tradition, geht aber mit seiner äußerst stilisierten Bildsprache und seiner existenzialistisch geprägten Psychologie der Figuren weit darüber hinaus.

Handlung[Bearbeiten]

Ein kleiner Ort mit einer Fabrik in der italienischen Po-Ebene. Es ist Winter. Dichter Nebel liegt über der Landschaft, den Häusern und den Menschen. Als Irma vom Tod ihres vor Jahren nach Australien ausgewanderten Mannes erfährt, trennt sie sich von Aldo, mit dem sie seit sieben Jahren eine Beziehung hatte. Sie möchte mit einem anderen Mann, den sie seit kurzem liebt, noch einmal neu anfangen. Aldo ist erschüttert und möchte sie zurückgewinnen. In seiner Verzweiflung schlägt er ihr auf offener Straße mehrmals ins Gesicht. Stumm schauen die Bewohner des Ortes zu.

Mit der gemeinsamen Tochter Rosina verlässt Aldo den Ort. Wehmütig blickt Rosina zurück. Sie besuchen Elvia, Aldos ehemalige Freundin, die ihn immer noch liebt. Elvia freut sich über seine Anwesenheit, aber als Irma einen Koffer mit Kleidung für Aldo und Rosina vorbeibringt, spürt sie, dass Aldo nur gekommen ist, weil Irma ihn verlassen hat. Elvia fordert ihn auf, wieder zu gehen. Am nächsten Morgen ist er mit seiner Tochter verschwunden.

Ziellos ziehen Vater und Tochter durch verlassene Landschaften und über einsame Landstraßen. Schließlich stranden sie bei der attraktiven und selbstbewussten Virginia, die mit ihrem alten Vater eine Tankstelle betreibt. Rosina versteht sich gut mit dem Alten, einem Anarchisten und Trinker. Als sich zwischen Virginia und Aldo eine Affäre entwickelt, ist Rosina verstört.

Mit dem Bus schickt Aldo seine Tochter nach Hause zu ihrer Mutter. Er weiß, dass das Kind unter der Situation leidet. Auch in der Beziehung mit Virginia sieht er keine Zukunft und verlässt sie, während sie im Café auf ihn wartet.

Aldo lernt Adriana kennen, eine lebenslustige, hübsche junge Prostituierte, die in einer kleinen Hütte am Fluss lebt. Er gefällt ihr, aber seine Antriebslosigkeit macht ihr zu schaffen. Als sie Hunger leidend einen Freier aufsucht, um ein paar Lire zu verdienen, folgt ihr Aldo. Aber auch in dieser Situation ist er nicht in der Lage, ihr eine Stütze zu sein. Er geht und lässt sie verzweifelt zurück.

Per Anhalter kehrt Aldo in seinen Heimatort zurück. Er sieht seine Tochter in dem Haus des neuen Mannes von Irma verschwinden. Durch das Fenster entdeckt er, wie Irma ein Baby wickelt. Er wendet sich ab und geht davon. Doch sie hat ihn entdeckt und folgt ihm. Während sich der ganze Ort zu einer Demonstration gegen den Bau eines Flugplatzes versammelt, geht Aldo zu der Fabrik, in der er einst gearbeitet hat. Irma läuft ihm hinterher. Er steigt auf den Turm der Firma. Irma ruft seinen Namen, wie in Trance winkt er ihr zu, dann stürzt er sich hinab. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stößt sie einen gellenden Schrei aus.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

„Einer der großen Meister des italienischen Films, Regisseur Michelangelo Antonioni, drehte dieses ergreifende Psychogramm eines verlassenen Mannes. In diesem Film, der 1957 auf den Festspielen in Locarno mit dem Großen Preis der Kritik ausgezeichnet wurde, fand Antonioni erstmals zu seinem eigenen Stil.“

Film-Lexikon.de[1]

„Antonioni gelangte mit diesem pessimistischen Außenseiterporträt erstmals zu einer konsequenten Ausformung seines Stils: In den grauen, trostlosen Schauplätzen teilt sich die innere Verfassung seines Helden unaufdringlich mit; ohne viele Worte, aber reich an symbolischen Details entsteht das Bild einer Grenzsituation, in der sich später vor allem Antonionis Frauengestalten wiederfinden.“

Lexikons des Internationalen Films[2]

„Wer einmal "Der Schrei" (1957) sah, für den werden sich die schwermütige Flußlandschaft am Po mit den ärmlichen Hütten, der vom Leben enttäuschte Arbeiter Aldo, der mit seiner Tochter an einer Straße entlang geht, und sein Sprung am Ende von einem Fabrikturm für immer als etwas Zusammengehöriges eingeprägt haben.“

Welt.de[3]

„In diesem pessimistischen Werk über ein Außenseiterdasein wirkt sogar die schöne Landschaft völlig trostlos. So spiegelt sich die innere Verzweiflung der Hauptperson nicht in den Worten, sondern vor allem in den Bildern seiner Umgebung wider.“

Frankfurter Rundschau[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. film-lexikon.de: [1]
  2. Der Schrei (1957) im Lexikon des Internationalen Films
  3. welt.de: [2]
  4. fr-online.de: [3]

Literatur[Bearbeiten]

Alfred Andersch: Das Meer, Erzählung frei nach "Der Schrei" von Michelangelo Antonioni, im Roman "Die Rote" (Diogenes 1972, Neufassung), einzeln in "Gesammelte Erzählungen" (Diogenes 1999)

Weblinks[Bearbeiten]

Der Schrei (1957) in der Internet Movie Database (englisch)