Alida Valli

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Alida Valli mit Frank Sinatra bei einem Armed-Forces-Radio-Service-Interview (1944)

Alida Valli (* 31. Mai 1921 in Pola, Halbinsel Istrien, damals Italien; † 22. April 2006 in Rom; eigentlich Baroness Alida Maria Laura Altenburger von Marckenstein und Frauenberg) war eine italienische Schauspielerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Alida Valli entstammte väterlicherseits einer alten österreichisch-italienischen Adelsfamilie aus Trient und mütterlicherseits der alten italienisch-istrianischen Familie della Martina aus der Marine- und Hafenstadt Pola in Italien (heute Pula/Pola in Istrien, Kroatien). Ihr Vater, Baron Gino von Altenburger, war Lehrer für Geschichte und Philosophie am k.k. Staats-Real-Gymnasium und nach 1918 unter italienischer Herrschaft am italienischen Gymnasium „Giosue Carducci“ in Pola. Ihre Mutter Silvia Oberecker della Martina war deutsch-italienischer Abstammung, besuchte das deutsche humanistische k.k. Staats-Real-Gymnasium in Pola und studierte anschließend am Konservatorium in Laibach. Später gab sie Klavierunterricht. Alida besuchte die Grundschule Dante Alighieri in Pola. Sie verbrachte ihre Kindheit bei der Familie in Istrien, im Trentino und in Südtirol. Ende der zwanziger Jahre zog die Familie nach Como.[1]

Bereits im Alter von 15 Jahren übernahm Alida Valli kleinere Rollen beim italienischen Film und verwendete ab dann diesen Künstlernamen. Bald wurde sie zur beliebtesten und gefragtesten Schauspielerin Italiens und galt als „La Fidanzata d'Italia“ (Die Verlobte Italiens). Das von ihr im Film Stasera niente di nuovo 1942 gesungene Lied Ma l'amore no[2] war jahrelang das erfolgreichste und am häufigsten gespielte Lied in Italien. Im selben Jahr fiel ihr Verlobter Carlo Cugnasca als Pilot in Libyen. 1943 wirkte sie neben Beniamino Gigli in der deutsch-italienischen Koproduktion des Films I pagliacci (Lache, Bajazzo) nach der Oper von Ruggiero Leoncavallo mit. Nicht nur die Nazi-Diktatur in Deutschland, auch der Faschismus in Italien versuchte, die Schauspieler für Propagandazwecke einzuspannen. Valli wollte das nicht mitmachen und verzichtete deshalb zunächst auf jegliche Produktion.

1944 heiratete sie den Jazzmusiker Oscar de Mejo, mit dem sie zwei Söhne bekam. Nach dem Krieg drehte sie wieder einige Filme in Italien, unter anderem La vita ricomincia. In dem Film Eugenia Grandet (1946) spielte sie die Hauptrolle und bekam aufgrund ihres Erfolges ein Vertragsangebot aus Hollywood von dem Produzenten David O. Selznick, der sie als zweite Greta Garbo aufbauen wollte. Die Rolle der Magdalena Paradine in Alfred Hitchcocks Der Fall Paradin (1947) war für Greta Garbo angedacht, die jedoch ablehnte, da sie sich aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatte. Daraufhin wurde die Rolle Alida Valli angeboten.

Neben Orson Welles und Joseph Cotten spielte sie dann die weibliche Hauptrolle in der berühmten Graham-Greene-Verfilmung Der dritte Mann (1949, Regie: Carol Reed), womit ihr der internationale Durchbruch gelang. Anschließend erhielt sie von Selznick nur noch kleinere Rollen, da dieser enorme finanzielle Schwierigkeiten hatte. Valli empfand dies als unpassend und für ihre Karriere wenig förderlich; sie entschloss sich dazu, den Vertrag mit Selznick zu beenden. Dafür nahm sie auch eine hohe Strafzahlung in Kauf, nur um nach Europa zurückkehren zu können.

Sie trennte sich von Hollywood und von ihrem Ehemann, der in den USA bleiben wollte und die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Mit ihren beiden Söhnen kehrte sie zurück in ihr geliebtes Italien, wo sie unter Luchino Visconti das Meisterwerk Senso drehte, das den Höhepunkt ihrer Karriere bedeuten sollte. Auch mit Bernardo Bertolucci drehte sie erfolgreich Filme. In dem Film 1900 trat sie neben Gérard Depardieu und Robert De Niro auf.

1954 wurde Alida Valli in einen Skandal aus dem römischen Dolce-Vita-Milieu verwickelt [3]: Eine junge Frau, Wilma Montesi, wurde tot an einem Strand bei Rom aufgefunden. Unter anderem wurde der Jazzmusiker Piero Piccioni, Sohn des damaligen italienischen Außenministers, verdächtigt, für den Tod Wilmas verantwortlich zu sein. Auch Moritz von Hessen (Maurizio d'Assia), der Sohn der italienischen Königstochter Prinzessin Mafalda di Savoia, war in den Skandal verwickelt. Piccioni wurde durch eine Alibiaussage von Alida Valli, die mit ihm befreundet war, entlastet, da sie zur fraglichen Zeit das Wochenende gemeinsam im Haus des Produzenten Carlo Ponti (des späteren Ehemanns von Sophia Loren) in Amalfi verbrachten. Alle Verdächtigen wurden freigesprochen, da das Geschehen nicht aufgeklärt werden konnte. Der Prozess ging in die Geschichte ein, da er großteils auf fragwürdigen Indizien, Tratsch und Klatsch der Presse basierte. Die juristischen Vorgänge und die Medienkampagne beeinträchtigten Valli gesundheitlich derart, dass sie für einige Zeit nicht arbeitete. Später inspirierte der Montesi-Skandal Federico Fellini zu dem Film La dolce vita (Das süße Leben)[4]. Darin kreierte Fellini die Figur des Paparazzo, der später zum Synonym für aufdringliche Fotografen der Klatschpresse, der Yellow Press, auf der ganzen Welt wurde.

Auch am Theater war Valli zu sehen. 1971 spielte sie am Mailänder Piccolo Teatro die Gräfin Geschwitz in Frank Wedekinds Lulu in der Inszenierung von Patrice Chéreau. Sie brillierte auch in Stücken von Gabriele D'Annunzio und Henrik Ibsen.

1999 wirkte Alida Valli in dem österreichischen Fernsehfilm Vino Santo unter der Regie von Xaver Schwarzenberger mit. Sie war noch in einigen italienischen und französischen Fernsehproduktionen zu sehen, zuletzt sah man sie 2002 in dem Film Semana Santa. Insgesamt war sie an mehr als 130 Kino- und Fernsehproduktionen beteiligt.

Alida Valli starb am frühen Morgen des 22. April 2006 in ihrem Haus in Rom. Die offizielle Verabschiedung fand zwei Tage später unter großer Anteilnahme am Sitz des römischen Senats auf dem Campidoglio (Kapitolsplatz) und in der nahen Chiesa dell'Aracoeli statt. Sie wurde auf dem Verano-Friedhof in Rom bestattet.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Alida Valli mit Farley Granger, Szene aus dem Film Sehnsucht aus dem Jahre 1954
  • 1936: I due sergenti
  • 1937: L'ultima nemica
  • 1937: Sono stato io!
  • 1937: Il feroce Saladino
  • 1938: Mille lire al mese
  • 1938: Ma l'amor mio non muore
  • 1938: L'ha fatto una signora
  • 1938: La casa del peccato
  • 1939: Ballo al castello
  • 1939: Assenza ingiustificata
  • 1940: Taverna rossa
  • 1940: La prima donna che passa
  • 1940: Oltre l'amore
  • 1940: Manon Lescaut
  • 1940: Kleine alte Welt (Piccolo mondo antico) – Regie: Mario Soldati
  • 1941: Reifende Mädchen (Ora nove, lezione di chimica) – Regie: Mario Matolli
  • 1942: Heimatlos (Le due orfanelle) – Regie: Carmine Gallone
  • 1942: Lache Bajazzo (I pagliacci) – Regie: Giuseppe Fatigati
  • 1942: Stasera niente di nuovo
  • 1945: Zu neuem Leben (La vita ricomincia) – Regie: Mario Matolli
  • 1946: Eugenie Grandet (Eugenia Grandet) – Regie: Mario Soldati
  • 1947: Der Fall Paradin (The Paradine case) – Regie: Alfred Hitchcock
  • 1948: Die Glocken von Coaltown (The miracle of the bells)
  • 1949: Der dritte Mann (The Third Man) – Regie: Carol Reed
  • 1949: Glücksspiel des Lebens (Walk softly, stranger) – Regie: Robert Stevenson
  • 1950: Hölle am weißen Turm (The white tower) – Regie: Ted Tetzlaff
  • 1950: Einmal nur leuchtet die Liebe (Les miracles n’ont lieu qu’une fois) – Regie: Yves Allégret
  • 1951: Erotik (Ultimo incontro) – Regie: Gianni Franciolini
  • 1952: Die von der „Liebe“ leben (Il mondo le condanna) – Regie: Gianni Franciolini
  • 1952: Die Liebenden von Toledo (Il tiranno di Toledo) – Regie: Henri Decoin
  • 1953: Wir Frauen (Siamo donne) – Regie der 2. Episode: Gianni Franciolini
  • 1954: Sehnsucht (Senso) – Regie: Lucchino Visconti
  • 1957: Heiße Küste (La diga sul pacifico) – Regie: René Clément
  • 1957: Die große blaue Straße ; auch: Das Leben ist ohne Gnade (La grande strada azzurra) – Regie: Gillo Pontecorvo
  • 1957: Der Schrei (Il grido) – Regie: Michelangelo Antonioni
  • 1957: In ihren Augen ist immer Nacht (Les bijoutiers de clair de lune) – Regie: Roger Vadim
  • 1958: Der Mann in den kurzen Hosen (L’uomo dei calzoni corti) – Regie: Glauco Pellegrini
  • 1959: Augen ohne Gesicht (Les yeux sans visage)
  • 1959: Opfergang einer Nonne (Le dialogue des carmelites) – Regie: R. L. Bruckberger
  • 1959: Gezeichnet: Arsène Lupin (Signé Arsène Lupin) – Regie: Yves Robert
  • 1960: Der Gigolo (Le gigolo) – Regie: Jacques Deray
  • 1960: Noch nach Jahr und Tag (Une aussi longue absence) – Regie: Henri Colpi
  • 1961: Verwirrung (Il disordine) – Regie: Franco Brusati
  • 1962: Rendezvous in Madrid (The Happy Thieves) – Regie: George Marshall
  • 1962: Die Kastilier (The Castilian) – Regie: Javier Seto
  • 1963: Ophélia - Regie: Claude Chabrol
  • 1967: Edipo Re: Bett der Gewalt (Edipo Re) – Regie: Pier Paolo Pasolini
  • 1969: Pilzgift (L’assassin frappe à l’aube) – Regie: Marc Simenon
  • 1969: Die Strategie der Spinne (Strategia del ragno) – Regie: Bernardo Bertolucci
  • 1972: Oktober in Rimini (La prima notte di quiete) – Regie: Valerio Zurlini
  • 1973: Tagebuch eines Italieners (Diario di un italiano) – Regie: Sergio Capogna
  • 1974: Die Macht des Stärkeren (No es nada, Mama, solo un juego) – Regie: José Maria Forqué
  • 1974: Der Antichrist (L’Anticristo) – Regie: Alberto de Martino
  • 1974: Das Fleisch der Orchidee (La chair de l’orchidée) – Regie: Patrice Chéreau
  • 1975: Der liebe Victor (Ce cher Victor) – Regie: Robin Davis
  • 1975: Der Teuflische (El casa dell escorcismo) – Regie: Mario Bava
  • 1976: 1900 (Novecento) – Regie: Bernardo Bertolucci
  • 1976: Suspiria (Suspiria) – Regie: Dario Argento
  • 1977: Ein schlichtes Herz (Un cuore semplice) – Regie: Giorgio Ferrara
  • 1978: Geständnis einer Nonne (Suor omicidi) – Regie: Giulio Berruti
  • 1979: Der Landvogt von Greifensee – Regie: Wilfried Bolliger
  • 1979: La Luna (La Luna) – Regie: Bernardo Bertolucci
  • 1980: Horror Infernal (Inferno) – Regie: Dario Argento
  • 1981: Friedenszeit in Paris (Sezona mira a Parizu) – Regie: Predrag Golubovic
  • 1981: Eine mörderische Karriere (Indagine su un delitto perfetto) – Regie: Aaron Leviathan
  • 1982: Ein pikanter Traum (Sogni monstruosamente proibiti) – Regie: Neri Parenti
  • 1987: Zwei Witwen für eine Leiche (A nôtre regretable époux) – Regie: Serge Korber
  • 1991: Liebe ohne Worte (La bocca) – Regie: Mario Bronzone, Luca Verdone
  • 1993: Mord in der Toskana
  • 1993: Zeit des Zorns (Il lungo silenzio) – Regie: Margarethe von Trotta
  • 1995: Ein Sommer am See (A month by the lake) – Regie: John Irvin
  • 1999: Vino Santo: Es lebe die Liebe, es lebe der Wein (Vino Santo) – Regie: Xaver Schwarzenberger
  • 2002: Semana Santa – Die Bruderschaft des Todes (Semana Santa) – Regie: Pepe Danquart

Fernsehen[Bearbeiten]

  • 1959: I Figli di Medea
  • 1961: Il caso Mauritius
  • 1963: Combat! (Fernsehserie, 1 Episode)
  • 1964: Desencuentro (Fernsehserie)
  • 1964: Dr. Kildare (Fernsehserie, 3 Episoden)
  • 1974: Il consigliere imperiale
  • 1978: Les grandes conjurations: Le tumulte d'Amboise
  • 1979: L'altro Simenon (Fernsehserie)
  • 1980: L'eredità della priora (Fernsehserie)
  • 1983: Dramma d'amore (Fernsehserie)
  • 1989: Piccolo mondo antico (Fernsehserie)
  • 1992: Una vita in gioco 2 (Fernsehserie)
  • 1993: Mord in der Toskana

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Plass: Alida Valli. Alida Valli. Abgerufen am 19. September 2010.
  2. Text und Melodie: http://www.alidavalli.net/malamoreno_dt.htm
  3. Die Tote am Strand. Faz.Net. 27. April 2006. Abgerufen am 19. September 2010.
  4. La dolce vita – Dirk Jasper FilmLexikon. Djfl.de. Abgerufen am 19. September 2010.