Der starke Hans

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Illustration von Anne Anderson (1922)

Der starke Hans ist ein Märchen (ATU 650 A, 301). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 3. Auflage von 1837 an Stelle 166 (KHM 166).

Inhalt[Bearbeiten]

Der zweijährige Hans und seine Mutter werden von Räubern in eine Höhle entführt, wo sie den Haushalt führen muss. Als Neunjähriger fragt Hans die Mutter nach seinem Vater, dann den Räuberhauptmann, der ihn lachend ohrfeigt, dass er hinfällt. Ein Jahr später fragt Hans wieder, verprügelt die betrunkenen Räuber mit seinem Knüppel und geht mit seiner Mutter zum Vater heim. Dort baut er mit ihm von dem mitgebrachten Gold ein neues Haus und arbeitet tüchtig. Er geht mit einem zentnerschweren Stab in die Welt, wo er einem begegnet, der Tannen zu Seil dreht und einem, der sich mit der Faust ein Haus in Fels schlägt. Sie vereinbaren, zusammen zu jagen, wobei immer einer daheim kochen muss. Die zwei anderen werden beim Kochen von einem Männlein heimgesucht, das Fleisch fordert und sie verprügelt. Als die Reihe an Hans kommt, gibt er ihm großzügig. Als es doch auf ihn losgeht, verfolgt er es bis zu seiner Höhle im Berg. Dort lässt er sich am nächsten Tag von den zwei anderen an einem Seil herab und befreit eine Königstochter, indem er den Zwerg tötet. Als die zwei ihn zurücklassen und mit der Königstochter fortsegeln wollen, nimmt er ihm auch einen Wunschring ab, der ihn aus der Höhle bringt. So befreit er die Königstochter erneut und sie heiraten.

Grimms Anmerkung[Bearbeiten]

Grimms hatten das Märchen von Karl Rudolf Hagenbach über Wilhelm Wackernagel. Sie vergleichen KHM 91 Dat Erdmänneken und andere Überlieferungen, wobei Einzelheiten immer abweichen, aber die übernatürliche Stärke wie bei Siegfried gemeinsam ist.

Vergleiche[Bearbeiten]

Das Schweizer Märchen ist märchentypologisch eine Kontamination aus AaTh 650A (wie KHM 90 Der junge Riese) und AaTh 301 (wie KHM 91 Dat Erdmänneken), was oft vorkommt. Laut Hans-Jörg Uther hat diese Fassung weniger nachgewirkt.

Carl-Heinz Mallet deutet psychoanalytisch die Höhle als Uterus, den Räuberhauptmann als Vater, den versteckten Knüppel als Ödipuskomplex, Tannendreher, Felsklipperer und Männchen als Masturbation, Triebabwehr und rohe Sexualität. Die Symbolkomposition aus Räuber, Höhle und Mutter wiederholt sich in Vater, Haus und Wildschwein sowie in Männchen, Höhle und Jungfrau. [1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 700-706. 19. Auflage, Artemis & Winkler Verlag, Patmos Verlag, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 257, 506. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Reclam-Verlag Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. de Gruyter, Berlin 2008. S. 346-347., ISBN 978-3-11-019441-8)
  • Lox, Harlinda: Starker Hans. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 12. S. 1179–1185. Berlin, New York, 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der starke Hans – Quellen und Volltexte
 Commons: Der starke Hans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mallet, Carl-Heinz: Analyse des Grimmschen Märchens „Der starke Hans“. In: Laiblin, Wilhelm (Hrsg.): Märchenforschung und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1969. S. 214-234. (Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Wege der Forschung, Band CII) Zuerst erschienen in: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2, 1953, H. 2/3, S. 53-62.