Derealisation

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Klassifikation nach ICD-10
F48.1 Depersonalisations- und Derealisationssyndrom
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Derealisation oder besser Derealisationserleben wird eine zeitweilige oder dauerhafte abnorme oder verfremdete Wahrnehmung der Umwelt bezeichnet.

Die Umwelt scheint dabei häufig als Ganzes plötzlich unvertraut, auch wenn jedes Detail problemlos wiedererkannt und eingeordnet werden kann. Sie steht in enger Beziehung zu dem Depersonalisationserleben, bei dem die eigene Person als fremd empfunden wird. Beide Störungsbilder werden unter der Gruppe der Ich-Störungen subsumiert, da letztlich die Integrität, das Einheitserleben und die klare Grenze zwischen Ich und Umwelt gestört sind. Derealisationserlebnisse leichterer Art sind nicht ungewöhnlich und können beim psychisch Gesunden zum Beispiel in Situationen mit großer emotionaler Beteiligung oder bei ausgeprägter Müdigkeit und Erschöpfungszuständen entstehen. Auch werden sie durch psychotrope Substanzen wie beispielsweise Alkohol, Cannabis oder Medikamente hervorgerufen.

Bei der Derealisation (ICD-10-Code ICD-10 F48.1) existiert ein Gefühl der Unwirklichkeit gegenüber der Umwelt. Objekte, Menschen oder die gesamte Umgebung werden als fremd, unvertraut, unwirklich, roboterhaft, fern, künstlich, zu klein oder zu groß, farblos oder leblos erlebt. Viele Betroffene geben an, ihre Umwelt wie „unter einer Käseglocke” oder „in Watte gepackt” zu erleben.

Diagnostische Leitlinie nach ICD 10[Bearbeiten]

Diagnostik nach ICD-10-Klassifikation: Um von einer Derealisation/Depersonalisation sprechen zu können, müssen mindestens eines der ersten beiden Kriterien sowie die letzten beiden Kriterien erfüllt sein.

  • Die eigenen Gefühle werden als fern, fremd und nicht zur eigenen Identität zählend gewertet (Depersonalisationssymptomatik).
  • Die Umgebung wird als fremd, leblos, unwirklich etc. angenommen (Derealisationssymptomatik).
  • Der/die Betroffene akzeptiert, dass es sich hierbei nicht um ein durch äußere direkte Ursachen entstandenes Störungsbild handelt, sondern dass hier ein subjektiver spontaner Wechsel stattgefunden hat (Krankheitseinsicht).
  • Dem/der Betroffenen ist bewusst, dass es sich hierbei nicht um einen toxisch verursachten Verwirrtheits- oder epileptischen Zustand handelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander und Margarete Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens; 1967; 2004-18. A. ISBN 3-492-20168-7 Z. B. Seite 79: Hier wird Derealisation zur Vermeidung von Trauerarbeit verwendet.
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