Deutsche Technische Hochschule Brünn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Deutsche Technische Hochschule Brünn war eine 1849 gegründete deutschsprachige Universität in Brünn.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung der Hochschule geht zurück auf die Gründung einer Akademie für die ritterlichen Übungen, einschließlich vorzüglich ersprießlicher Ingenieurskunst im Jahre 1724 an der Universität Olmütz. Im Mai 1843 wurde die Akademie nach Brünn verlegt, 1849 die Hochschule ins Leben gerufen.[1]Im Jahre 1899 wurde parallel dazu die Tschechische Technische Hochschule Brünn (Vysoké učení technické v Brně) gegründet, weil sich der ursprünglich geplante zweisprachige Lehr- und Forschungsbetrieb als nicht praktikabel herausgestellt hatte (vergleiche Deutsche und Tschechische Technische Hochschule in Prag und siehe auch Hauptartikel Österreichisch-Tschechischer Ausgleich). Im Oktober 1899 wurde aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums ein Erweiterungsbau vollendet.[2] Anfang November 1910 wurde durch Schlusssteinlegung ein von dem seit 1896 zur lokalen Professorenschaft gehörenden Architekten Ferdinand Hrach (1862–1946)[3] entworfener Erweiterungsbau eröffnet.[4]

Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 blieb die DTH Brünn trotz einiger Auflösungspläne erhalten. Die aus der k.k.-Zeit stammende Selbstverwaltung der Hochschulen wurde weitestgehend beibehalten. Die DTH Brünn umfasste folgende „Lehrkanzeln“ (= Fakultäten): Mathematik, Physik, Mineralogie, Maschinenlehre, Land-, Wasser- und Straßenbau, Chemie, Landwirtschaftslehre, Buchhaltung und Warenkunde. Die Studenten repräsentierten in ihrer Herkunft und Religion den alten Vielvölkerstaat der Habsburgmonarchie und deren kulturelles Einzugsgebiet.

Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren und somit der gewaltsamen Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich sollte die DTH Brünn nach Linz verlegt werden, was jedoch durch den Kriegsausbruch unterblieb. Die Einführung der Hochschulordnung nach Berliner Muster wurde in Brünn (und Prag) als Rückschritt empfunden. Nach Kriegsende 1945 wurde die DTH Brünn geschlossen. Ihre Einrichtungen wurden von der Tschechischen Technischen Hochschule übernommen, die während der Protektoratszeit (bereits ab 1939) aufgelöst war.

Bekannte Professoren[Bearbeiten]

  • Ludwig Anschütz (1889–1954), o. Professor organische Chemie
  • Vinzenz Baier (1881–1955), Professor (Ordinarius) für Baukunst
  • Rudolf Beyrich, Professor (Ordinarius) für Mathematik
  • Berthold Bretholz (1862–1936), Historiker und Archivar
  • Ernst Chwalla (1901–1960), o. Professor Bautechnik
  • Rudolf Czepek, o. Professor für Elektrotechnik
  • Josef Dell (1859-1945), o. Professor für Architektur
  • Heinrich Fanta (1877–1941), Professor (Ordinarius) für Hochbau und Architektur
  • Franz Frimmel (1888–1957), Professor (Ordinarius) für Landwirtschaftslehre
  • Ernst Galle, o. Professor für Chemische Technologie
  • Rudolf Girtler (1877-1952), Professor (Ordinarius) für Elastizitäts- und Festigkeitslehre sowie Baustofflehre
  • Alfred Habel, o. Professor für Betonbau
  • Georg Hamel (1877–1954), o. Professor für Mechanik
  • Alfred Havranek, o. Professor für Brückenbau und Stahlhochbau
  • Gustav Jaumann (1863–1924), Professor für Physik
  • Viktor Kaplan (1876–1934), Professor für Maschinenbau
  • Lothar Koschmieder (1890–1974), Professor (Ordinarius) für Mathematik
  • Erdmann Kothny (1882–1958), o. Professor für mechanische Technologie
  • Karl Kriso (1887–1972), Professor (Ordinarius) für Mechanik
  • Karl Kühn (1884–1945), Professor (Ordinarius) für Architektur und Kunstgeschichte
  • Anton Lissner (1885–1970), o. Professor für Chemische Technologie
  • Erwin Lohr (1880–1951), Professor (Ordinarius) für Physik
  • Hans Löschner, o. Professor für Geodäsie
  • Hannes (Johann) Mohr (1882–1967), Professor (Ordinarius) für Geologie und Mineralogie
  • Alfred von Musil, Professor für Maschinenbau (Vater von Robert Musil)
  • Oswald Richter, Professor (Ordinarius) für Botanik
  • Armin Schocklitsch, o. Professor für Wasserbau
  • Oskar Srnka, o. Professor für Schwachstromtechnik
  • Alfred Strnischtie, Professor (Ordinarius) für Figurenzeichnen
  • Emil Tranquillini (1884–1955), Professor (Ordinarius) für Baukunst
  • Rudolf Ulbert, o. Professor Eisenbahnbau
  • Josef Weinhold (1906–1994), o. Professor für Elastizitäts- und Festigkeitslehre
  • Joseph Wolfschütz (1860-1933), Professor für Flussbau, Wasserstraßen und Binnenschifffahrt

Alumni[Bearbeiten]

Studentenverbindungen an der TH Brünn

Literatur[Bearbeiten]

  • K. k. Deutsche Franz Joseph-Technische Hochschule in Brünn. Jahres-Bericht über das Studienjahr … K. k. Deutsche Franz Joseph-Technische Hochschule, Brünn 1916/17, ZDB-ID 2349847-X.
  • Lothar Selke: Die Technische Hochschule zu Brünn und ihr Korporationswesen. Einst und Jetzt, Bd. 44 (1999), S. 71-112 (Profunde Geschichtsdarstellung der Hochschule).
  • Pavel Šišma, Josef Smolka (Übers.): Zur Geschichte der Deutschen Technischen Hochschule Brünn. Professoren, Dozenten und Assistenten 1849–1945. Schriftenreihe Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Band 13, ZDB-ID 2134119-9. (Herausgegeben von Franz Pichler und Gerhard Pohl). Universitätsverlag Rudolf Trauner, Linz 2009, ISBN 978-3-85499-451-0. – Inhaltsverzeichnis (PDF; 8 KB).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Festschrift der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn zur Feier ihres fünfundsiebzigjährigen Bestandes im Mai 1924. Herausgegegen vom Professorenkollegium. Verlag der Deutschen Technischen Hochschule, Brünn 1924.
  2. Festschrift der K.K. Technischen Hochschule in Brünn zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens und der Vollendung des Erweiterungsbaues im October 1899. Herausgegegen vom Professorenkollegium. Kaiserlich-Königliche Technische Hochschule Brünn, Brünn 1899.
  3. Ferdinand Hrach. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
  4. Erweiterungsbau der deutschen technischen Hochschule in Brünn. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 16598/1910, 6. November 1910, S. 12, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSablatnig, Joseph. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. Abgerufen am 6.7.10 (PDF; 172 kB).