Deutschlandsender

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Dieser Artikel behandelt den Deutschlandsender, der zwischenzeitlich auch Stimme der DDR hieß. Der Deutschlandsender ist nicht zu verwechseln mit dem Deutschlandfunk.
Die Funktürme des Deutschlandsenders in Königs Wusterhausen (1926)
Das DDR-Funkhaus in der Nalepastraße, Berlin (1958)

Der Deutschlandsender (DLS beziehungsweise DS) war einer der ersten deutschen Hörfunksender und später Hauptsender der DDR. Der Name „Deutschlandsender“ war von 1926 bis 1971 und von 1990 bis 1993 in Gebrauch. Zwischen 1971 und 1990 hieß der Sender Stimme der DDR. Danach ging er im Deutschlandsender Kultur auf, und dieser 1994 im Deutschlandradio.

Weimarer Republik und NS-Zeit[Bearbeiten]

Radioprogramm der Reichssender und des Deutschlandsenders am 28. Februar 1936[1]

Der Begriff „Deutschlandsender“ wurde bereits ab 1926 in den Abendstunden als Senderkennung im Programm der Deutsche Welle GmbH benutzt. Am 1. Januar 1933 wurde dieser Sender offiziell in Deutschlandsender GmbH umbenannt.

Die Sendeanlage in Königs Wusterhausen hieß „Deutschlandsender I“. Der „Deutschlandsender II“ begann am 20. Dezember 1927 aus Zeesen zu senden. Zu der Zeit war er der stärkste Rundfunksender Europas (Langwelle, 240 kHz).[2][3] Bis 1934 wechselte die Sendefrequenz von 184 auf 191 kHz.

Während Adolf Hitlers Machtübernahme 1933 führte Hermann Schubotz den Sender und verweigerte sich der nationalsozialistischen Propaganda-Maschinerie.[4]

Am 19. Mai 1939 erfolgte die Inbetriebnahme des Deutschlandsender III in Herzberg auf der Frequenz 191 kHz. Die Sendeanlage wurde durch die Bombardements des Zweiten Weltkriegs 1945 zerstört oder abgebaut.

DDR[Bearbeiten]

Im Jahr 1947 nahm der Deutschlandsender IV seinen Betrieb auf der Langwelle 191 KHz auf. Als Senderstandort diente zuerst Königs Wusterhausen, später Zehlendorf bei Oranienburg.

1949 wurde der Deutschlandsender ein Hörfunkprogramm des Rundfunks der DDR. Es startete am 1. Mai 1949 mit einem für Westdeutschland bestimmten Programm, das über Langwelle (185 kHz) und Kurzwelle ausgestrahlt wurde. Die DDR-Zeitung Neues Deutschland beschrieb im Oktober die politische Zielrichtung des Senders:

„In seiner Aufklärungsarbeit bekämpft er die Lügenhetze und widerlegt sie durch Tatsachen aus dem Leben der Werktätigen im östlichen Deutschland.“

Der Programmablauf eine Woche nach seinem Start auf der Frequenz 191 kHz war folgender:[5]

15.30–18.40 Uhr: Musik, dazwischen Bericht vom Boxkampf Hucks gegen Stretz
18.40–19.00 Uhr: Welt im Funk
19.00–19.15 Uhr: Nachrichten und Porträt der Woche
19.15–21.00 Uhr: Sinfonisches Konzert: Liszt, Tschaikowskij, Frank
21.00–21.50 Uhr: Vom Weltfriedenskongreß, Originalaufnahmen aus Paris und Prag. Sie hören u. a. Paul Robeson, Konstantin Simonow, Arnold Zweig und Edith Hauser[6]

Im Zuge der Zentralisierung in der DDR im Jahre 1952, bei der auch die fünf Länder aufgelöst wurden, trat im Rundfunkwesen eine Änderung ein. Inzwischen war in Berlin-Oberschöneweide das neue Funkhaus Nalepastraße entstanden. Dort wurde ab 1952 fast das gesamte Hörfunkangebot für die DDR produziert.

Im September 1952 wurde die DLS-Kurzwelle zum Programm Berlin I mit politischem Schwerpunkt und die DLS-Langwelle zum Programm Berlin II mit dem Schwerpunkt Kultur und Gesellschaft umgewandelt. Doch wurde bereits im August 1953 der Deutschlandsender wieder neu errichtet. Chefredakteur war 1953 bis 1955 Erich Selbmann. Der Sender strahlte künftig ein gesamtdeutsches Programm aus und war neben Langwelle (177 kHz) und Mittelwelle über UKW (ab 1953) zu empfangen.

Von 1957 bis 1960 war Heinz Geggel, von 1960 bis 1967 Kurt Ehrich Intendant des Senders. Das Staatliche Rundfunkkomitee legte 1971 den Deutschlandsender mit der Berliner Welle zu dem neuen Programm zusammen: der Stimme der DDR, die am 14. November 1971 startete.[7]

DDR-Programme fanden nur selten ihren Weg in die westliche Rundfunkwelt. Jedoch fanden gelegentlich Übernahmen leichter Musik statt, etwa 1966 im Schlagersender WRVR (Memphis) morgens von 9.30 bis 10 Uhr das Estraden Orchester des Deutschlandsenders.[8]

Im Februar 1990 wurde Stimme der DDR in Deutschlandsender rückbenannt und im Mai 1990 mit Radio DDR 2 zu Deutschlandsender Kultur (DS Kultur) vereinigt, der zum 1. Januar 1994 im Deutschlandradio aufging.

Einige Personalia.

  • 1949 war der Intendant des Landessenders Schwerin Alfred Zahn mit dem Aufbau des Deutschlandsenders betraut.
  • Erster Intendant (bis 1951) war Rudolf Pfützner, von 1951 bis 1955 stellvertretender Intendant.
  • Erster Chefredakteur (1949 bis 1950) war Leo Bauer.
  • Erster Chefkommentator war bis 1958 Karl-Eduard von Schnitzler, abgelöst 1959 von Gerhard Dengler.
  • Von 1950 bis 1952 war Richard Otto Schaible Korrespondent in Hamburg.
  • Von 1957 bis 1960 war Heinz Geggel Intendant.
  • von 1960 bis 1967 war Kurt Ehrich Intendant.
  • Markante Nachrichtensprecherstimme von 1957 bis 1961 war Klaus Feldmann.
  • 1953 bis 1958 war Fritz Selbmann Chefredakteur.
  • 1962 bis 1965 war Georg Grasnick Chefredakteur.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Arnold: Kalter Krieg im Äther. Der Deutschlandsender und die Westpropaganda der DDR. Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-6180-5.
  • Ansgar Diller: Rundfunk in Deutschland III. Die Rundfunkpolitik nach 1945 I. 1945 - 1962. DTV, München 1989, ISBN 3-423-03185-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Deutschlandsender-Programmlisting dieses Tags findet sich hier.
  2. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bd. 6, Mannheim 1972, S. 697.
  3. Peter Manteuffel: In: Wie der Rundfunk in Deutschland begann. ELRO Verlagsgesellschaft, Königs Wusterhausen 1994, S. 24.
  4. Die Wochenschrift des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer e. V. "Der Deutsche Sender", Ausgabe 9/1933 vom 26. Februar 1933, S. 3.
  5. Was bringt der FUNK? Neues Deutschland, 8. Mai 1949, S. 5.
  6. Edith Hauser, später Zorn, war Funktionärin des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands
  7. Ansgar Diller vermutet als Grund für die Verabschiedung von dem alten Namen „Deutschlandsender“, dass die SED-Führung sich in der Zeit darum bemühte, das Wort „deutsch“ möglichst aus amtlichen Organisationen zu entfernen.
  8. Radioprogramm der New York Times, zum Beispiel vom 26. Februar 1966: „Heiteres Vorspiel (Kohler), Goldener Sand (Gatzka), Notturno (Arndt), Grand Ouvert (Brand), Zirkus-Ballet (Kuhl“)
  9. Alle Personalia aus Wer war wer in der DDR (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)