Zeesen

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52.27472222222213.64111111111137Koordinaten: 52° 16′ 29″ N, 13° 38′ 28″ O

Zeesen
Höhe: 37 m
Fläche: 9 km²
Einwohner: 4684 (2010)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15711
Vorwahl: 03375
Zeesener See von Senzig aus
Wappen von Zeesen

Die bis 2003 selbständige Gemeinde Zeesen ist ein Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen am Zeesener See. Der Ort wurde im Jahre 1542 erstmals als Czeisen urkundlich erwähnt. Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet Ort, wo Fische mit Netzen gefangen werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

In Zeesen befindet sich die Ruine des Lustschlosses der Familie von Danckelmann, welches um 1688 wohl von Johann Arnold Nering errichtet wurde, der zur gleichen Zeit auch deren Berliner Stadtpalais plante. Nach mehrfachem Besitzerwechsel im 18. Jahrhundert erfolgten Anfang des 19. Jahrhunderts Umbauten, die die Gestalt des Hauses bis heute prägen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts war das Schloss Domizil der Berliner Finanz- und Kulturaristokratie und in den 1930er Jahren schließlich Sommerresidenz des Schauspielers und Regisseurs Gustaf Gründgens und seiner Frau, der Schauspielerin Marianne Hoppe. Nach 1945 wurde es vorwiegend als Kinder- und Ferienheim genutzt und trug bis 1974 den Namen "Kreiskinderheim Albert Richter"[2]. Seit 1999 steht das Gebäude leer und verfällt. Nach der Wende wohnten Mitglieder der linken autonomen Szene im Schloss und in einer Wagenburg auf dem Gelände. Dies führte zu häufigen Auseinandersetzungen mit politisch rechts gerichteten Jugendlichen.

Während des Ersten Weltkriegs baute die Fa. Schütte-Lanz Luftschiffe in Zeesen. Der Werftbetrieb begann im Jahre 1916. Gebaut wurden hier (aber nur) die Kriegsluftschiffe SL 12, SL 17 und SL 21. Wesentlich bedeutender war an diesem Standort der Bau von Flugzeugen (500 bis September 1918) sowie die Entwicklung und der Bau von Torpedogleitern (über 100), einer frühen Form von Marschflugkörpern.

Sender Zeesen[Bearbeiten]

Zeesen war von 1929 bis 1945 ein Standort von Kurzwellenrundfunksendern, wobei erstmals Tannenbaum-Antennen eingesetzt wurden. Daneben existierte bis 1939 auch ein Sendeturm, der aus Holz gebaut war. Von 1927 bis 1939 wurde in Zeesen auch der „Deutschlandsender II“ betrieben, der als Antenne eine T-Antenne besaß, die an zwei 210 Metern hohen abgespannten Stahlfachwerkmasten aufgehängt war. Der westliche dieser Masten stürzte beim Bau im Jahr 1927 ein, als seine Konstruktion eine Höhe von 40 Metern erreicht hatte. Hierdurch verzögerte sich die Fertigstellung der Sendeanlage um drei Wochen, so dass deren Einweihung erst am 20. Dezember 1927 erfolgte. Beim Start des Deutschlandsenders war dieser der stärkste Rundfunksender Europas (Langwelle, 240 kHz).[3][4] Im Jahr 1929 ging hier der Weltrundfunksender auf Sendung.

Von Zeesen aus sendeten die Nationalsozialisten insbesondere in den arabischen Raum als „Voice of Free Arabism“ VFA und als „Radio Berlin“, auch in Arabisch. An den Sendungen inhaltlich beteiligt waren die Kollaborateure Mohammed Amin al-Husseini und Raschid Ali al-Gailani. Die politische Bedeutung der Sendungen sowie die Inhalte hat Jeffrey Herf ausführlich dargestellt. Die Sendemasten wurden 1945 von der Roten Armee demontiert, die Funkhäuser gesprengt.[5]

An die Bedeutung des Senders erinnert ein Museum in den Räumen des jetzt dort betriebenen Lokalradios, das Sendermuseum Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg.

Heute[Bearbeiten]

Zeesen ist seit der Gemeindereform in Brandenburg am 26. Oktober 2003 ein Ortsteil von Königs Wusterhausen[6][7] und hat 4684 Einwohner (2010[8]) auf einer Fläche von etwa neun Quadratkilometern. Die Nähe zu Berlin und die Lage an der Berliner Seenplatte führt zu einem hohen Bevölkerungszuwachs. Körbiskrug ist ein Ortsteil von Zeesen und liegt an der Bundesstraße 179 von Bestensee nach Königs Wusterhausen. Teilflächen der Zeesener Gemarkung gehören zum 1995 gebildeten Naturschutzgebiet Tiergarten, dessen Kern, das alte königliche Jagdrevier Tiergarten, im Norden an das Senziger Luch grenzt. Das Senziger Luch schließt an die Nordspitze des Zeesener Sees an.

Wappen[Bearbeiten]

Wappenbeschreibung: Das Wappen ist geteilt und oben in Blau und Gold gespalten. Vorn oben ein goldener Krug; hinten eine grüne Tanne auf einem grünen Berg. Unten in Silber ein blauer Fisch mit Goldauge über einem im Schildfuß gespanntem schwarzen Netz.


Literatur[Bearbeiten]

  • Seth Arsenian: Wartime Propaganda in the Middle East. In: The Middle East Journal. Bd. 2, Nr. 4, Oktober 1948, ISSN 0026-3141, S. 421–429.
  • Jürgen Bleibler, Kim Braun, Fritz Everding (Hrsg.): Der Traum vom Fliegen. Johann Schütte – Ein Pionier der Luftschifffahrt. Florian Isensee, Oldenburg 2000, ISBN 3-89598-693-3 (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Oldenburg 38).
  • Jürgen Bleibler (Red.): „Im Schatten des Titanen“ Schütte-Lanz. Robert Gessler, Friedrichshafen 2001, ISBN 3-86136-063-2.
  • Dorothea Haaland: Der Luftschiffbau Schütte-Lanz, Mannheim-Rheinau. (1909–1925). Die Geschichte einer innovativen Idee als zeitlich-räumlicher Prozess. Institut für Landeskunde und Regionalforschung, Mannheim 1987, ISBN 3-87804-186-1 (Südwestdeutsche Schriften 4), (Zugleich: Mannheim, Univ., Diss., 1987: Die Geschichte einer innovativen Idee als zeitlich-räumlicher Prozeß, dargestellt am Beispiel Johann Schüttes und des historischen Luftschiffbaus Schütte-Lanz in Mannheim-Rheinau (1909–1925).).
  • Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World. Yale University Press, New Haven CT u. a. 2009, ISBN 978-0-300-14579-3 (englisch, Zum Sender Zeesen).
  • Jeffrey Herf: Hitlers Dschihad. Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda für Nordafrika und den Nahen Osten. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 58, 2, April 2010, ISSN 0042-5702, S. 259–286.[9]
  • Robert Lewis Melka: The Axis and the Arab Middle East 1930–1945. University of Minnesota 1966, S. 47 f. (Dissertation).[10]
  • Johann Schütte (Hrsg.): Der Luftschiffbau Schütte-Lanz 1909–1925. Oldenbourg, München u. a. 1926 (Reprint: Johann Friedrich Jahn, Oldenburg 1984).
  • Werner Schwipps, Gerhard Goebel, Deutsche Welle (Hrsg.): Wortschlacht im Äther. Der deutsche Auslandsrundfunk im Zweiten Weltkrieg. Haude und Spener, Berlin 1971, ISBN 3-7759-0147-7 (Geschichte des Kurzwellenrundfunks in Deutschland. 1939–1945).[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 188 (Brandenburgische historische Studien 13).
  2. Renate Franz: Der vergessene Weltmeister. Das rätselhafte Schicksal des Kölner Radrennfahrers Albert Richter. Überarbeitete Brosch.-Ausgabe. Covadonga Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-936973-34-1, S. 170.
  3. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bd. 6, S. 697, Mannheim 1972
  4. Peter Manteuffel: In: Wie der Rundfunk in Deutschland begann. ELRO Verlagsgesellschaft mbH, Königs Wusterhausen 1994, S. 24
  5. Jens Rosbach: Nazi-Propaganda auf Arabisch. Neue Untersuchungen zum Antisemitismus des NS-Auslandsrundfunks. In: Deutschlandradio Kultur, 8. Oktober 2010 (mit Bezugnahme auf den „Weltrundfunksender Zeesen“). Abgerufen am 13. April 2012.
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  7. Kommunalverfassungsbeschwerde Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Beschluss vom 24. Juni 2004 - VfGBbg 20/03
  8. 4684 Einwohner in Zeesen zum 18. Oktober 2010: Basisinformationen Stadt Königs Wusterhausen offizielle Stadtseite abgerufen am 18. März 2011
  9. Abstract im Art. Herf.
  10. In Engl. - Arsenian und Melka zufolge setzte das arabische Programm aus Zeesen schon Anfang 1938 ein.
  11. Sie zählen 1939 nur für die Orient-Redaktion im Sender rund 80 Mitarbeiter incl. Sprecher und Übersetzer.