Dichte Beschreibung

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Dichte Beschreibung ist ein vom US-amerikanischen Anthropologen Clifford Geertz entwickeltes theoretisches Konzept zum Verständnis einer Kultur.

Ausgehend von einer Kritik am Eklektizismus des Kulturbegriffs entwickelte Geertz die dichte Beschreibung als eine besondere Form der geistigen Anstrengung im Rahmen der deutenden Ethnologie. Diese geistige Anstrengung bezieht sich vor allem darauf, dass der Forscher seine eigene Rolle und Herangehensweise mit in die Beschreibung und Interpretation aufnimmt. Es gibt nach Geertz keine „reinen“ Daten, sondern in diese Daten sind schon immer unsere Erwartungen und unser Hintergrundwissen eingeflossen. Zwar sammelt der Ethnologe sehr viele Daten, jedoch darf nicht der Eindruck entstehen, dass das Sammeln von Daten die Hauptaufgabe des Ethnologen ist, dies ist vielmehr die Interpretation dieser Daten und Artefakte.

Ethnologie bedeutet für Geertz stets eine dichte Beschreibung. Ziel der Ethnologie ist bei ihm die Erweiterung des menschlichen Diskurs-Universums. Eine dichte Beschreibung hat nicht das Ziel, zu allgemeinen Aussagen zu gelangen, die sich auf verschiedene Fälle beziehen, sondern es werden nur Generalisierungen im Rahmen des Einzelfalls versucht. Die ethnographische Analyse deutet den Ablauf des sozialen Diskurses. Das Deuten besteht darin, das Gesagte der Vergänglichkeit des Augenblicks zu entreißen.

Die Aufgabe des Ethnologen besteht nach Geertz einerseits im Aufdecken von Vorstellungsstrukturen, die das Handeln der Subjekte im jeweiligen Kontext bestimmen und andererseits in der Entwicklung eines analytischen Begriffssystems, das geeignet ist, die typischen Eigenschaften der Strukturen gegenüber anderen Determinanten menschlichen Verhaltens herzustellen. Geertz entwickelte die dichte Beschreibung auf der Grundlage eines semiotischen Kulturbegriffs.

Literatur[Bearbeiten]

Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003 (zuerst 1983).

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Weblinks[Bearbeiten]