Die Aeroplane in Brescia

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Die Aeroplane in Brescia ist ein Artikel von Franz Kafka, der im September 1909 in der Zeitung Bohemia erschien. Geschildert wird eine Flugschau in der Stadt Brescia, an der Kafka mit zwei Freunden (Max und Otto Brod) während einer Italienreise teilnahm.[1] Es handelt sich um die erste Beschreibung von Flugzeugen in der deutschen Literatur.[2]

Inhalt[Bearbeiten]

Das Umfeld des Ereignisses

Kafka schildert die mediterrane Betriebsamkeit vor und in dem Aerodrom, die sonnendurchglühten weiten Stätten und die stimmungshebende Wirkung der südlichen Sonne. Zuschauer bei dem Spektakel sind u. a. Personen mit hochklingenden italienischen Namen, Damen, die ihre modernen, z. T. seltsamen Roben präsentieren. Auch zwei prominente Künstler sind im Publikum, nämlich Giacomo Puccini und Gabriele D'Annunzio, letzterer begleitet von seinem Übersetzer Karl Gustav Vollmoeller.

Die Fliegerei

Es nehmen die berühmten Flieger Henri Rougier, Glenn Curtiss, Louis Blériot (der Überflieger des Ärmelkanals) und Alfred Leblanc teil. Sie bereiten sich ganz unterschiedlich auf den Start vor: Rougier ist unruhig, Curtiss sitzt allein und liest intensiv Zeitung. Bleriots Flugmaschine ist erst nach intensiven Bemühungen der Arbeiter in Gang zu bekommen. Bleriot nimmt es stoisch hin. Nun steigen die Flugzeuge auf. Bleriot hat gewisse Schwierigkeiten, landet aber heil.

Curtiss gewinnt mit einer vollkommenen Leistung den Großen Preis von Brescia. Rougier steigt weit hinauf, es scheint, bis zu den Sternen. Kafka und seine Freunde – ebenso wie das andere Publikum – brechen aber bereits auf, bevor die Flüge zu Ende sind, um einen Wagen für die Rückfahrt zu ergattern. Der himmelsstürmende Rougier, der noch seine Runden dreht, wird zwar noch bewundert, die Gesellschaft ist aber im Gedanken nicht mehr wirklich bei ihm.

Hier zeigt sich schon andeutungsweise ein späteres literarisches Thema Kafkas: die Einsamkeit des Künstlers, der entfernt und unbeachtet vom Publikum nur seiner Berufung folgt.

Form[Bearbeiten]

In diesem Artikel führt Kafka die Technik der Bewegungsdarstellung vor, die er später in Der Verschollene besonders zum Einsatz bringt. Als Koordinaten des Sehens verlieren hier Nähe und Distanz ihre Unterscheidungsmerkmale. Der Blick in die Weite des Horizonts bei der Beschreibung der in den Himmel aufsteigenden Flugzeuge lässt alle Grenzen zerfließen.[3] Der Text ahmt eine menschliche Wahrnehmungspraxis nach, die Ruhepunkte sucht, um Bewegungseindrücke verarbeiten zu können.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Franz Kafka: Drucke zu Lebzeiten. Herausgegeben von Wolf Kittler, Hans-Gerd Koch und Gerhard Neumann. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 1996, S. 401–412.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unseld S. 29
  2. Wagenbach S. 73
  3. Alt 2009, S. 73