Dziennik

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Dziennik
Beschreibung polnische Tageszeitung
Verlag Axel Springer Polska
Erstausgabe 18. April 2006
Chefredakteur Tomasz Wroblewski
Weblink http://www.dziennik.pl/

Dziennik (poln. = Tageszeitung) ist eine überregionale polnische Tageszeitung und besteht seit dem 18. April 2006 als Gründung der polnischen Tochtergesellschaft der Axel Springer AG, Axel Springer Polska.

Organisation und Programm[Bearbeiten]

Die Zeitung hat ihren Redaktionssitz in Warschau und sieht sich selbst als „moderne Qualititätszeitung“, die sich selbst an eine „junge und gebildete Leserschaft, die sich gleichermaßen für polnische, europäische und internationale Themen interessiert“, richtet.[1] Die Tageszeitung erscheint außer am Sonntag an jedem Tag zum Preis von 1,50 Złoty seit Mai 2006 in einer Auflage von rund 259.000 Exemplaren.[2]

Als Chefredakteur wurde Robert Krasowski eingesetzt, der bis zu diesem Zeitpunkt als einer der leitenden Redakteure bei der ebenfalls zur Springer-Familie gehörenden Fakt arbeitete. Grzegorz Jankowski, der auch Chefredakteur von Fakt ist, ist der Herausgeber von Dziennik. Überhaupt entstammen die meisten Redakteure dem gut ausgebildeten Team des seit zwei Jahren bestehenden Fakt, das gewissermaßen ein polnisches Gegenstück zur Bild darstellt. Dziennik soll eher das liberal-konservative, gebildetere Publikum ansprechen und somit das Portfolio des expandierenden Springer-Verlags abrunden. Damit trat die Zeitung direkt in Konkurrenz zur Gazeta Wyborcza (Zeitung der Wahl) und der Rzeczpospolita (Republik). Dabei orientiert sich Dziennik weniger an deutschen als an britischen Vorbildern: Im Independent und Guardian mag man eher Parallelen erblicken.

Das handlichere Tabloidformat der Zeitung wird vom Nachrichtenteil dominiert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete Dziennik gar als „eine urbane Autofahrer- und Aktienbesitzerzeitung“ der konservativen Zufriedenen.[3]

Auf ihre potenzielle Leserschaft bereitete sich die Redaktion akribisch vor, indem man bereits Monate zuvor mit 200 Mitarbeitern etliche Nullnummern vorproduzierte, die man dann Testlesern zur Auswertung vorlegte.

Die Einführung von Dziennik wurde von einer landesweiten Image-Kampagne begleitet, die vier Tage vor der ersten Ausgabe startete; dazu gehörten Werbung in den klassischen Printmedien, im Hörfunk, Fernsehen und Plakate im Außenbereich sowie andere Promotionaktionen.

Wettbewerbsfolgen[Bearbeiten]

Folge des Wettbewerbs war bisher, dass es bei der Gazeta Wyborcza zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Gehaltserhöhung gab, um Mitarbeiter zu halten, und der Preis der Zeitung fast halbiert wurde – sie kostet nun statt 2,80 Złoty ebenfalls nur 1,50 Złoty, d.h. ungefähr 40 Cent. Eine Erweiterung des Sport- und TV-Teils zeigte ebenfalls den Wettbewerb beider Kontrahenten.

Kampagnen und Umfragen[Bearbeiten]

Am 5. Januar 2007 veröffentlichte Dziennik eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage zum bereits designierten Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus wegen dessen Kontakten zum Geheimdienst. Demnach meinten 67 Prozent der Befragten, Wielgus sollte von seinem Amt zurücktreten. Der 67-jährige ehemalige Bischof von Plock soll jahrelang als Informant für den kommunistischen Geheimdienst Amtsbrüder bespitzelt haben. Nur 20 % hätten ihn als Erzbischof akzeptiert. Wielgus bot zwei Tage später seinen Rücktritt vor der feierlichen Amtseinführung an, den die päpstliche Nuntiatur als angemessene Lösung in Vertretung Papst Benedikts XVI. annahm.[4]

In der Zwischenzeit geriet auch Kardinal Jozef Glemp, der Primas der katholischen Kirche Polens, verstärkt in die Kritik der Zeitung,[5] die sich offenbar als kritisches Sprachrohr der modernen konservativen Kräfte Polens ansieht und dabei auf der Titelseite Kommentar und Nachrichten zu einem Urteil vermengt: „Der große Fehler des Primas: [er] (...) stand vor den Gläubigen, um klar zu sagen: Wenn es von mir abhinge, wäre Wielgus Erzbischof.“[6]

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Im Juni 2009 kündigte Axel Springer Polska an, Dziennik in ein Joint Venture mit der polnischen Infor Biznes Sp.z o.o., einer Tochtergesellschaft der Verlagsholding Infor PL.SA einzubringen, an dem Springer 49 Prozent halten wird. Die defizitäre Dziennik sowie die von Infor Biznes publizierte profitable Wirtschafts-Tageszeitung Gazeta Prawna sollen ab Herbst 2009 zu einer neuen Qualitäts-Tageszeitung verschmolzen werden. Diese Transaktion steht noch unter Vorbehalt der Kartellbehörden.[7]. Die Fachpresse sieht in diesem Schritt das Eingeständnis eines Scheitern von Springers' Qualitätszeitungs-Ambitionen in Polen[8].

Belege[Bearbeiten]

  1. www.axel-springer.ag
  2. www.axelspringer.pl
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatOlaf Sundermeyer, Warschau: Springer in Polen. In: faz.net. 17. April 2006, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  4. www.netzeitung.de
  5. www.dziennik.pl
  6. zitiert nach linkszeitung.de
  7. Pressemitteilung der Axel Springer AG vom 2. Juni 2009
  8. Artikel in Mediadb.eu

Weblinks[Bearbeiten]