Edgar Savisaar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Edgar Savisaar

Edgar Savisaar (* 31. Mai 1950 in der Gemeinde Harku) ist ein estnischer Politiker. Er war von 1990 bis 1992 Ministerpräsident der Republik Estland.

Kindheit[Bearbeiten]

Edgar Savisaar wurde im Frauengefängnis von Harku geboren. Die Eltern waren im Sommer 1949 von den sowjetischen Besatzungsbehörden verhaftet worden. Der Vater wurde zu siebenjähriger Deportation und Verbannung nach Sibirien verurteilt, die Mutter zu einer Gefängnisstrafe.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1968 schloss Edgar Savisaar 1973 sein Studium der Geschichte an der Universität Tartu ab und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. 1980 machte er ein zweites Examen im Fach Philosophie. Von 1980 bis 1988 war Savisaar in den staatlichen Planungskomitees der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik beschäftigt. 1988/89 war er Direktor der Consulting-Firma Mainor.

Politiker[Bearbeiten]

In der Zeit der Perestroika setzte sich Savisaar für die Loslösung Estlands von der Sowjetunion und die Achtung von Demokratie und Menschenrechten ein. 1989 wurde Edgar Savisaar stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der Estnischen SSR und 1990 Wirtschaftsminister. Am 3. April 1990 wurde er Vorsitzender des Ministerrats der Republik Estland und damit Regierungschef. Mit der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit am 20. August 1991 wurde er estnischer Ministerpräsident. Er hatte das Amt bis Januar 1992 inne.

Von 1992 bis 1995 war Savisaar stellvertretender Präsident des estnischen Parlaments (Riigikogu) und von April bis Oktober 1995 Innenminister. Er musste wegen eines Abhörskandals zurücktreten. Von 1996 bis 2001 war Savisaar Vorsitzender des Stadtrats von Tallinn und von 2001 bis 2004 Oberbürgermeister der Stadt. Er war ab April 2005 Wirtschaftsminister im Kabinett von Ministerpräsident Andrus Ansip. In den Riigikogu-Wahlen im März 2007 wurde die Keskerakond zweitstärkste Partei, eine Koalition mit der Reformpartei kam allerdings nicht mehr zustande. Aus diesem Grunde hat Savisaar 2007 die Stelle als Oberbürgermeister von Tallinn wieder angetreten.

Savisaar ist Vorsitzender der 1991 gegründeten Estnischen Zentrumspartei (Keskerakond).

Privatleben[Bearbeiten]

Edgar Savisaar war drei Mal verheiratet und hat vier Kinder. Seine letzte Frau Vilja Savisaar (geb. Laanaru), mit der er von 1996-2009 verheiratet war, ist ebenfalls politisch in der Zentrumspartei aktiv. Bei den Europawahlen in Estland wurde sie 2009 in das Europäische Parlament gewählt.

Wichtigste Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Eesti Õpilasmaleva areng, Tallinn 1980
  • Võitlus noorsoo pärast, Tallinn 1987
  • Revolutsioon jätkub, Tallinn 1988
  • Kõned, Tallinn 1990 (seinen Reden)
  • Usun Eestisse, Tallinn 1999
  • Peaminister: Eesti lähiajalugu 1990–1992, Tallinn 2004 (Memoiren seiner Zeit als Ministerpräsident)
  • Rahvarinne 1988: (kakskümmend aastat hiljem), Tallinn 2008
  • Majanduspoliitika, Tallinn, Hongkong 2008
  • Kuidas ületada kriis?, Tallinn 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Munzinger Internationales Biographisches Archiv 14/2002 vom 25. März 2002 (lm)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edgar Savisaar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien