Editta braun company

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Die editta braun company ist eine 1989 in Salzburg (Österreich) von der österreichischen Choreographin, Bühnentänzerin und Tanzpädagogin Editta Braun gegründete Tanzkompanie.

Die Gründung der Kompanie folgte dem Schaffensprozess der Choreographin im Rahmen der von ihr und Beda Percht gegründeten Künstlergruppe Vorgänge, die bis 1990 wirkte. Seit ihrer Gründung entwickelt die aus einem Team internationaler Tänzer, Komponisten, Dramaturgen und Lichtdesigner bestehende Company jährlich neue Tanz- und Theaterstücke, mit denen sie weltweit zu erleben ist. Wegen ihres außergewöhnlich expressiven und theatralischen Stils hat die editta braun company internationales Ansehen erworben und mehrere künstlerische Auszeichnungen erhalten.

Entwicklung[Bearbeiten]

Aus einer Truppe politisch engagierter StudentInnen entwickelte sich ab 1982 das Kollektiv Vorgänge (Beda Percht, Editta Braun, Wolf Junger, Ekke Hager, Anna Hauer, Annette Mäser, u.a.), das mit seinen Arbeiten die Entwicklung der zeitgenössischen österreichischen Tanzlandschaft entscheidend mitgeprägt hat. Das Kollektiv Vorgänge gilt in Österreich als Gründergeneration und hat mit seiner Form des Bewegungstheaters in Österreich Tanzgeschichte geschrieben. Nach Auflösung des Kollektivs gründete Editta Braun 1989 ihre eigene Company, die editta braun company, die bis heute weltweit auf Festivals unterwegs ist.

Von Anfang an prägte die Arbeit der Company zwei unterschiedliche Richtungen. Einerseits ein explizit politisch engagierter Ansatz rund um Themenkomplexe wie interkulturelle Kommunikation, z.B. Voyage à Napoli (1994), manifest (2002), Coppercity 1001 (2007), schluss mit kunst (2011) und feministische Fragestellungen, z.B. La vie, c’est contagieux (1994, mit Jean Babilée), Eurydike (2004). Andererseits entspringt dem Bewegungsstil der Company, in dem kraftvoll-sportlich-dynamische mit lyrisch-poetisch-zarten Bewegungsqualitäten verbunden werden, eine tiefgehende Suche nach den Grenzen der physischen Möglichkeiten des menschlichen Körpers. Mit Lufus suchten schon die Vorgänge in der Reduktion auf einzelne Körperteile den menschlichen Körper vergessen zu lassen, mit Luvos, vol. 2 (2001), dem Evergreen der editta braun company, und dann planet LUVOS (2012) wurde diese Art des Körperillusionstheaters perfektioniert und auf die Spitze getrieben.

Ab 2002 wendet sich die Company auch der Sprache auf der Bühne zu, die Darsteller beginnen zu sprechen und wagen sich an unterschiedlichste Textsorten heran: so zum Beispiel an einen soziologischen, wissenschaftlichen Text von Manfred Wöhlcke über Soziale Entropie (manifest, 2002) oder an literarische Texte über den Artus-Mythos (2010). Für Eurydike (2004) schrieb die österreichische Schriftstellerin Barbara Neuwirth für das Ensemble ein Theaterstück, das als Dreispartenstück (Kammerorchester, Schauspielensemble, Tänzerensemble) vom Brucknerfest Linz beauftragt wurde. Die Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Regisseur Mahmoud Aboudoma und seinem Ensemble ägyptischer Schauspieler mündete in das sparten- und kulturenübergreifenden Stück Coppercity 2001, eine Bearbeitung einer der Geschichten aus 1001 Nacht, das in den darauffolgenden Jahren zu Festivals im Nahen und Mittleren Osten, in den Maghreb und auch nach Pakistan eingeladen wurde.

Auf der Suche nach neue Kooperations- und Ausdrucksformen, erweiterte die Company ab 2004 die Besetzung der künstlerischen Leitung durch Zusammenarbeit mit Regisseuren und Choreographinnen (Arturas Valudskis, Rebecca Murgi, Shlomo Bitton, Teresa Ranieri, Mahmoud Aboudoma, Robert Pienz).

Seit 1996 begleitet der französische Komponist und Musiker Thierry Zaboitzeff alle Produktionen der editta braun company und kreiert Klanggemälde, die auch als eigenständige musikalische Werke bestehen und zum größten Teil auf Alben veröffentlicht wurden. Die Lichtdesigner Thomas Hinterberger und Peter Thalhamer schaffen sehr spezifische Licht- und Farbräume (zum Beispiel unabdinglich für das Funktionieren der Stücke in Luvos, vol. 2, planet LUVOS und König Artus).

Luvos, vol. 2[Bearbeiten]

2012, Planet, editta braun company

Das Tanzstück über die Folgen von Genmanipulation Luvos, vol. 2 erlebte ca. 100 Aufführungen in rund 30 Jahren, von Lufus des Kollektivs Vorgänge (Titel der Uraufführung 1985) über Luvos, vol.2 (von der editta braun company 2001 uraufgeführt) zu planet LUVOS entwickelte. Die neueste Bearbeitung wurde am 27. September 2012 in Linz im Rahmen des Brucknerfests zur Premiere gebracht. Das Stück wurde zwischen 2001 und 2012 vor insgesamt ca. 15.000 ZuseherInnen aufgeführt. Da es im Bereich des zeitgenössischen Bühnentanzes eher ungewöhnlich ist, dass eine Produktion über einen derart langen Zeitraum aufgeführt wird, ist der Kompanie mit Luvos vol. 2 somit ein außergewöhnlicher Erfolg geglückt. Einige der Stationen des von der Presse gefeierten Tanzstückes waren: Jerusalem und Tel Aviv, Thessaloniki, Nowosibirsk und Moskau, Marseille, Limassol und Nicosia, Brüssel, Tallinn, Kaunas, Riga, Wien, Salzburg, Linz.

Ensemble[Bearbeiten]

1997, Heartbeat, editta braun company

Der kreative Arbeitsprozess der editta braun company ist bestimmt durch die Zusammenarbeit von KünstlerInnen unterschiedlicher Disziplinen: Tanz, Schauspiel, Komposition, Regie, Schriftstellerei, Dramaturgie, Video, Lichtdesign.

In den langen Jahren des Bestehens der Company haben viele herausragende KünstlerInnen ihr kreatives Potential beigesteuert: In den Anfängen insbesondere Céline Guillaume und Georg Blaschke; die Zusammenarbeit mit Jean Babilée, Jean Cocteau und Roland Petit Le jeune homme et la mort, war ein besonderes Ereignis für die internationale Akzeptanz der Company, der Komponist Peter Valentin steuerte in dieser Zeit die Kompositionen bei.

Ab 1997 basierte ein guter Teil der Unverwechselbarkeit der Company auf den Kompositionen Thierry Zaboitzeffs, Komponist der Linzer Klangwolke 2011, die trotz aller Vielfalt eine spezifische und wiedererkennbare Farbe beitragen und die für die Company so typische Kommunikation zwischen Musik und theatralem, bewegtem Bild erst ermöglichen.

Zehn Jahre lang trug die Tänzerin Barbara Motschiunik alle Produktionen mit, ab 2006 stießen Anna Maria Müller und Tomaz Simatovic zur Gruppe, gemeinsam mit Juan Dante Murillo Bobadilla sind sie für einen Schub an internationaler Bedeutung und damit ausgedehnten Tourneereisen verantwortlich.

Ab 2010 verjüngt sich das Profil der DarstellerInnen, mit Spela Vodeb und anderen wächste eine junge Generation nach. Stilbildend für die editta braun company sind auch die kraftvollen Lichtdesigns von Thomas Hinterberger und Peter Thalhamer, sowie die dramaturgische Betreuung durch Gerda Poschmann-Reichenau.

Künstlerischer Stil[Bearbeiten]

Der Stil der editta braun company ist zum einen dynamisch-sportlich sowie zum anderen politisch engagiert (hierbei könnte man eine Verwandtschaft Wim Vandekeybus oder Alain Platel erkennen). Es stehen große theatrale Gesten und die Schaffung starker, bewegter Bilder neben humoristischen Einwürfen. Die emotionale Nähe zum Publikum wird mit den unterschiedlichsten Mitteln der darstellenden Kunst gesucht: Musik, Aufbau und Bruch von Spannungsbögen, zuweilen opulente Kostüme, Lichtdesign, wobei auch Verständlichkeit und "Lesbarkeit" des Bühnengeschehens in unterschiedlichen kulturellen Kontexten wichtig erscheint. Musik und Lichtdesign sind somit stets wesentlicher Bestandteil einer Produktion und gestalten den künstlerischen Ausdruck eines jeden Stückes zu einem sehr großen Teil mit.

Touring[Bearbeiten]

editta braun company tourt in Europa, Asien, Afrika und ist bei renommierten und auch ungewöhnlichen Festivals zu Gast. Herauszuhebende Stationen sind u.a.:

manipulate Festival Edinburgh, Tallinn Treff, Brucknerfest Linz, World Performing Arts Festival Lahore/Pakistan, Amman International Theater Festival/Jordanien, tanz_house Festival Salzburg, Festival Österreich tanzt, St. Pölten, 24 heures de spéctacle de Kef, Tunesien, Creative Forum for Independant Theatre Groups Europe Mediterranean, Art Carnuntum Welttheater Festival, ARGE Kultur Salzburg, Kaay Fecc Festival, Théâtre National Daniel Sorano, Dakar/Senegal, Théâtre 140 Brüssel, Cairo International Festival for Experimental Theater, Théâtre Toursky Marseille, Szene Salzburg, Posthof Linz, Internationales Tanzfestival Bielefeld, International Dance Festival Thessaloniki, National Theatre, 5. Sib-Altera Festival Nowosibirsk/Sibirien, Israelfestival - Jerusalem Theatre/Rebecca Crown Hall, Suzanne Dellal Center Tel Aviv, Brotfabrik Bonn, International Contemporary Dance Festival Moscow Pushkintheater, International Contemporary Dance Festival Limassol und Nicosia/Zypern, Festival Cour des Capucins Luxemburg, Intern. Festival of Contemporary Dance Chania/Griechenland, IMMT - International Meeting of Moving Theater Budapest, Tokyo International Choreography Competition, Théâtre Jean Vilar der Vitry Paris, Odeon Theater Wien, „estival danses“ Théâtre du Gymnase Paris, Impuls Tanzfestival Wien, Suzanne Dellal International Choreography Competition Tel Aviv, Eurodanse Festival Mulhouse u.a.

Werke[Bearbeiten]

  • 1989: Die Jagd - Tanzquintett.
  • 1990: Materialien für Tanz & Musik - Tanz und Live-Musik.
  • 1991: Collision - Duett
  • 1992: but kind old sun will know ... - Tanztheater.
  • 1993: La Vie, c’est contagieux - Tanztheater
    • Collision - Tanzkurzfilm
  • 1994: Voyage à Napoli - Tanz & Rock’n roll live.
    • La Vie, c’est contagieux - Videodokumentation zum Entstehungsprozess des Bühnenstücks
  • 1995: Titania – Suchbild in Bewegung zu Sisi, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn
  • 1996: Im Dschungel des Pianisten - Tanzfabel für junge Gemüter.
  • 1997: Heartbeat – concerto for dance & music, op. 1 - Duo Musik und Tanz.
  • 1998: India
  • 1999: Miniaturen - Tanz und Live-Musik.
  • 2000: Nebensonnen - Quartett.
  • 2001: Luvos, vol. 2 - Körperillusionstheater.
  • 2002: manifest - Schauspiel, Martial Arts, Tanz.
    • editta braun company in Dakar - Videodokumentation zum Entstehungsprozess des Bühnenstücks manifest
  • 2003: Tajine - Improvisationsprojekt mit Tanz, Schauspiel, Live-Musik
  • 2004: Eurydike - Symbiose aus drei Sparten zum Theaterstück Eurydike von Barbara Neuwirth.
  • 2005: oXalis
  • 2006: Matches of Time - Tanztheater.
  • 2007: Coppercity 1001 - Tanz und Schauspiel.
    • e.poration - Kurzfilm
  • 2008: Wenn ich einmal tot bin, komme ich ins Paradies - Tanz und Gesang.
  • 2009: Abseits
  • 2010: König Artus
  • 2011: schluss mit kunst
  • 2012: planet LUVOS

Preise[Bearbeiten]

  • 1986: Zweiter Preis und Preis für die Innovativste Choreographie beim Concours Chorégraphique International de Bagnolet in Paris für Lufus des Kollektivs Vorgänge
  • 1995: Bronzemedaille beim New York Film Festival for Collision, Regie Othmar Schmiderer
  • 2001: Preis für die beste Regie beim Cairo International Festival for Experimental Theatre für Nebensonnen

Literatur[Bearbeiten]

  • Tanz Kunst Leben. 20 Jahre editta braun company. Hrsg. von Gerda Poschmann-Reichenau und gestaltet von Bettina Frenzel. Book on Demand. 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Editta braun company – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien