Einhüllende

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwarz: Geradenschar;
Rot: zugehörige Enveloppe
Einhüllende (rote und grüne Kurven) einer Schwebung

In der Mathematik bezeichnet Enveloppe (nach franz. enveloppe, Umhüllung, auch Hüllkurve oder Einhüllende) eine Kurve, die eine Kurvenschar einhüllt. Das heißt, die Enveloppe berührt jede Scharkurve einmal. Hüllkurven entstehen unter anderem bei bewegten Objekten, z. B. beim Öffnen und Schließen eines Garagentores. Jede ebene Kurve ist Hüllkurve ihrer Tangenten.

Die Evolute E einer ebenen Kurve C ist Hüllkurve ihrer Normalen. C ist dann die Evolvente von E. [1]

Definition[Bearbeiten]

Eine Kurve H ist Enveloppe einer Kurvenschar K_t, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  1. Die Kurve H wird in jedem ihrer Punkte von einer der Kurven K_t berührt.
  2. Die Kurve H berührt jedes Element der Kurvenschar K_t an einer Stelle xh.

Berechnung von Hüllfunktionen[Bearbeiten]

  1. Man leitet die Funktion f(x,t) nach t ab und bestimmt die Nullstellen t0 in Abhängigkeit von x dieser Ableitung.
  2. In f(x,t) setzt man t0 für t ein und erhält einen Kandidaten h(x) für die Hüllfunktion.
  3. Man ermittelt alle xh, für die H ein Element von Kt berührt.
  4. Man weist nach, dass alle Elemente von Kt die Kurve H an mindestens einer Stelle berühren.

Beispiele[Bearbeiten]

Dreidimensionale Hüllkurve[Bearbeiten]

Schwarz: einige der Geraden aus der Geradenschar; Rot: Enveloppe; Grün: Konturlinie der durch (x,t)\mapsto (x,t,y) = (x,t,f(x,t)) definierten Fläche; Violett: Schnittkurve dieser Fläche mit einer der Ebenen x = \text{konst.};

Gegeben sei die durch t parametrisierte und die Gleichung


y = f(x,t) := tx-t^2

definierte Geradenschar.

Wie oben dargestellt wurde, ist die Enveloppe dieser Geradenschar durch die Gleichungen


\begin{matrix}
y&=& f(x,t) &=& tx-t^2\\
0&=&\partial_t f(x,t) &=& x-2t
\end{matrix}

gegeben. Elimination von t liefert die parameterfreie Darstellung der Enveloppe:


y = \frac{x^2}4

Wurfparabeln[Bearbeiten]

Hüllkurve der Wurfparabeln mit gemeinsamer Anfangsgeschwindigkeit.

Ein weiteres Beispiel ist die Hüllkurve von Wurfparabeln. Details sind unter Einhüllende Wurfparabel angegeben.

Anwendung[Bearbeiten]

Hüllkurven eignen sich gut, um den benötigten Platz für bewegte Gegenstände zu beschreiben. Man kann also mit Hüllkurven feststellen, ob man einen Schrank um eine Ecke im Flur bekommt [2], oder wie schmal eine Straße in einer Kurve sein darf, und wie diese aussehen muss, damit ein LKW sicher auf ihr fahren kann. Für die meisten technischen Anwendungen eignen sich numerische Verfahren am besten.

In den Wirtschaftswissenschaften wird bei sich über die Zeit ändernden Kostenfunktionen auch von oberer und unterer Einhüllender gesprochen. D. h. zwischen diesen beiden liegt das gesamte Spektrum der Kostenverlaufskurven, oder anders: zu jedem beliebigen Zeitpunkt realisiert sich innerhalb der oberen und unteren Einhüllenden die wahre Kostenfunktion.

Einhüllende von Flächen[Bearbeiten]

Flächen lassen sich auch als Einhüllende von Flächenscharen beschreiben. z. B.:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vergleiche hierzu: PDFoder als Kaustik in einer Kaffeetasse.
  2. Vergleiche hierzu: http://jan.orend.lg-bs.de/~jan.orend/Presentation/html/slide_15.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Courant, Fritz John: "Introduction to Calculus and Analysis II/1", Reprint of the 1989 Edition, Springer-Verlag Berlin, 1991, ISBN 3-540-66569-2.
  • Michael Spivak: "A Comprehensive Introduction to Differential Geomatry". Vol. 3, 2. ed., Publish or Perish, Inc. Houston, Texas 1979, ISBN 0-914098-82-9.
  • W. I. Smirnow: "Lehrgang der höheren Mathematik", Teil II. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1990, ISBN 3-326-00029-4.

Siehe auch[Bearbeiten]