El Hedi ben Salem

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El Hedi ben Salem (* 1936 als El Hedi ben Salem m’Barek Mohammed Mustafa in Tunesien; † 1976 in Nîmes/Frankreich) wurde als Schauspieler durch die Mitwirkung in Filmen von Rainer Werner Fassbinder berühmt. Aufgrund seines marokkanischen Vaters wird er häufig als Marokkaner ausgegeben.[1]

Leben[Bearbeiten]

Salems marokkanischer Vater hatte sich im tunesischen Redeyef angesiedelt. Salem kam dort zur Welt, wuchs für örtliche Verhältnisse wohlhabend auf und erhielt eine gute Schulbildung. Er heiratete mit ca. 15 Jahren eine 13-jährige Algerierin. Mit 18 Jahren wanderte er allein nach Frankreich aus, wo er in Paris einige Zeit als Fabrikarbeiter tätig war. Gelegentlich kehrte er zu Familienbesuchen nach Tunesien und Algerien zurück, wo bei seiner Frau drei Söhne und eine Tochter aufwuchsen.[1]

Freundschaft mit Fassbinder[Bearbeiten]

Bekannt wurde Salem vor allem als zeitweiliger Lebensgefährte von Rainer Werner Fassbinder, unter dessen Regie er in mehreren Spielfilmen agierte. Zusätzlich war er bisweilen auch im Bereich der Requisite und der Aufnahmeleitung tätig. Da Salem wenig Deutsch sprach, sind seine Filmtexte synchronisiert.[1]

Salems Beziehung zu Fassbinder begann 1971, nachdem sie sich angeblich in einer Pariser Schwulensauna kennengelernt hatten und Salem zu Fassbinder in die BRD gezogen war.[1] Fassbinder bezeichnete Salem danach als Kulturwunder. Salems bekannteste Filmrolle wurde die des arabischen Immigranten Ali, der in Fassbinders Melodram Angst essen Seele auf eine Liaison mit einer wesentlich älteren deutschen Putzfrau eingeht, die von Brigitte Mira gespielt wird.

Wohl mit der Absicht der Adoption holten Fassbinder und Salem die beiden Söhne Abd El-Kader und Hamdan in die BRD. Der Jüngere lebte dort nur sechs Monate und kehrte dann wieder nach Algerien zurück. Der Ältere Abd El-Kader blieb mehrere Jahre in unsicheren Verhältnissen bei unterschiedlichen Personen, unter anderem bei Hans Hirschmüller und Kurt Raab.[1]

Die Beziehung von Salem und Fassbinder endete 1973.

Rückkehr nach Frankreich[Bearbeiten]

Nachdem El Hedi ben Salem im Winter 1973/1974 in Berlin angeblich in eine Messerstecherei verwickelt gewesen sein soll, floh er nach Frankreich. Er raubte dort mit seinem Neffen einen Juwelierladen aus, wurde verhaftet und verurteilt. 1976 starb er im Gefängnis beim Fußballspielen an den Folgen eines Herzinfarkts.[1]

Fassbinder, der wahrscheinlich erst 1982 vom Tod des ehemaligen Freundes erfuhr, widmete 1982 seiner Freundschaft zu Salem seinen letzten Film Querelle.[1]

Filmographie[Bearbeiten]

Film über El Hedi ben Salem[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 drehte die deutsch-ägyptische Filmhistorikerin und Regisseurin Viola Shafik den Dokumentarfilm Jannat 'Ali (Ali im Paradies/My Name is not Ali), in dem Zeitzeugen aus Deutschland und Familienangehörige aus Algerien, Tunesien und Frankreich ihre Sicht von Salem, dem Aufenthalt der Kinder in Deutschland und der Beziehung zu Fassbinder schildern.[2] Dabei werden einige Sachverhalte anders dargestellt als in den gängigsten Fassbinder-Biographien, vor allem in Die Sehnsucht des Rainer Werner Fassbinder von Kurt Raab und Karsten Peters, u.a. wird bezweifelt dass er sich 1982 in Frankreich im Gefängnis das Leben genommen haben soll.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Dokumentarfilm Jannat 'Ali (Ali im Paradies/My Name is not Ali) über El Hedi ben Salem, Viola Shafik, Ägypten/Deutschland, 2011
  2. Filmkritik Rudolf Waldemar Brem, Arabisches Filmfestival, Freunde der arabischen Kinemathek, Berlin e.V., 19. November 2011
  3. Die Sehnsucht des Rainer Werner Fassbinder, Kurt Raab und Karsten Peters, Bertelsmann Verlag, München, 1983, ISBN 3-570-03117-9