Elisabeth Gaßner

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Elisabeth Gaßner (* 1742 in Biberberg; † 17. Januar 1788 in Oberdischingen) im Volksmund auch die Schwarze Lies genannt, war eine überregional bekannte Diebin und Prostituierte.

Leben[Bearbeiten]

Elisabeth wurde in Biberberg, heute ein Teilort von Pfaffenhofen an der Roth im Landkreis Neu-Ulm geboren. Ihr Vater war ein Veteran der Reichsarmee aus Hirschbach bei Wertingen. Von der Mutter weiß man, dass sie um 1784 in Biberberg gestorben ist. Möglicherweise sind ihre Eltern auch schon im Laufe der Zeit teilweise Obdachlose, damals sagte man vagierende Personen, gewesen.

Elisabeth heiratete in Biberberg 1772 einen Mann namens Johann Gaßner. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. 1787 lebten davon noch Hansjörg, Joseph, Cresenz und Maria Josepha. Es ist bekannt, dass die Kinder teilweise bei Pflegefamilien untergebracht waren.

Diebstähle, Vagantenwesen und Beutelschneiderei[Bearbeiten]

In den 1760er Jahren war sie von der Schwäbische Alb über den Schwarzwald bis in die Schweiz aktiv. Nachgewiesen wurden ihr zahlreiche Diebstähle mit einem Gesamtschaden von 5859 Gulden. Sie wurde auch als Erzdiebin und Vagantin bezeichnet.

Ihr bekanntester Diebstahl ging in die Kriminalgeschichte ein. Beim Besuch eines Großfürsten am Ludwigsburger Hof in der dortigen Hofkapelle entwendete sie dem Reichsgrafen Franz Ludwig Schenk von Castell, dem bekanntesten Gaunerjäger Oberschwabens, einen Geldbeutel mit Goldwährung im Wert von 1700 Gulden. Da der Graf befangen war, führte ein zusätzliches Gutachten eines württembergischen Juristen (Oberamtmann Klein) 1788 zur Verurteilung der Schwarzen Lies. Die Beklagte gab während des Verfahrens an, im schwangeren Zustand zu sein. Im Gutachten vom 5. Juni 1788 wurde daher eine Untersuchung durch drei beeidigte Hebammen angeraten und die Vollstreckung der geforderten Todesstrafe bis zur Geburt des Kindes ausgesetzt. Mit Blick auf das bereits kurz darauf vollstreckte Todesurteil scheint sich allerdings die Angabe als Schwindelei herausgestellt zu haben.

Am 16. Juli 1788 wurde sie von Scharfrichter Xaver Vollmer durch das Schwert in Oberdischingen hingerichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eva Wiebel, Die Schleiferbärbel und die schwarze Lies. Leben und Lebensbeschreibungen zweier berüchtigter Gaunerinnen des 18. Jahrhunderts, in Andreas Blauert/Gerd Schwerhoff (Hg.) Kriminalitätsgeschichte Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne, Konstanz 2000, S. 759-800

Weblinks[Bearbeiten]