Equatorius africanus

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Equatorius africanus
Zeitliches Auftreten
mittleres Miozän
15,5 bis 14,0 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)
Gattung: Equatorius
Art: Equatorius africanus
Wissenschaftlicher Name
Equatorius africanus
Louis Leakey 1967[1]

Equatorius africanus ist eine ausgestorbene Art der Primaten, die während des mittleren Miozäns in Ostafrika vorkam. In Kenia, am Rande des Großen Afrikanischen Grabenbruchs in den Tugen Hills entdeckte Fossilien stammen, der 1999 publizierten Erstbeschreibung der Gattung Equatorius zufolge, aus Erdschichten, die 15,5 bis 14 Millionen Jahre alt sind.[2]

Als Holotypus wurde in der Erstbeschreibung durch Steve Ward et al. das Fragment eines Oberkiefers mit dem erhaltenen Vorderbackenzahn P3, dem benachbarten großen Backenzahn M1 und einer vom Backenzahn M2 erhaltenen Zahnwurzel ausgewiesen (Archivnummer BMNH M 16649). Equatorius africanus ist zugleich die Typusart und die bislang einzige Art der Gattung Equatorius. Diese Bezeichnung ist abgeleitet vom Fundort Maboko Island im Victoriasee, unweit des Äquators, sowie von lateinisch africanus (= „afrikanisch“).

Auslöser für die Beschreibung der Gattung Equatorius war laut Erstbeschreibung der Fund des teilweise erhaltenen Skeletts eines vermutlich männlichen Individuums (Archivnummer KNM-TH 28860), dem ein Alter von 15,58 bis 15,36 Millionen Jahren zugeschrieben wurde. Es stammt von der Fundstelle BPRP 122 bei Kipsaramon, Baringo District, im nordwestlichen Kammgebiet der Tugen Hills. Geborgen wurden von diesem Fossil unter anderem der fast vollständig erhaltene, teilweise bezahnte Unterkiefer, mehrere Schneidezähne des Oberkiefers, Fragmente des Schulterblatts, des Brustbeins und mehrerer Rippen, Fragmente beider Oberarmknochen, beider Speichen und Ellen, diverse Knochen der Hände sowie ein vollständig erhaltener Rückenwirbel.

Aus der Analyse der Zähne und der Körperknochen wurde gefolgert, dass deren Merkmale große Ähnlichkeiten mit jenen Fossilienfunden aufweisen, die bis dahin der 1967 von Louis Leakey eingeführten Art Kenyapithecus africanus zugeordnet worden waren;[1] jene Funde stammen gleichfalls ausschließlich aus Kenia, teils aus den Tugen Hills, teils aus dem Samburu District. Steve Ward et al. kamen 1999 demgegenüber zu dem Schluss, dass – im Lichte des von ihnen entdeckten Teilskeletts KNM-TH 28860 – so erhebliche Unterschiede zwischen den bisher als Kenyapithecus africanus bezeichneten Fossilien und denen der Typusart der Gattung Kenyapithecus, Kenyapithecus wickeri, bestehen, dass alle diese Fossilien einer eigenen Gattung – der Gattung Equatorius – zugeschrieben werden sollten. Aufgrund dieser Festlegung gehören auch jene Fossilien zu Equatorius, die in der älteren Fachliteratur als Proconsul africanus, Sivapithecus africanus, Dryopithecus sivalensis, Sivapithecus sivalensis und Griphopithecus africanus bezeichnet worden waren, da jene Funde zuvor in der Art Kenyapithecus africanus vereinigt worden waren. Ausführlich beschrieben wurde das Teilskelett KNM-TH 28860 erst Anfang 2002.[3]

Gegen dieses Vorgehen wurde schon im Jahr 2000 unter anderem eingewandt, bei der Definition von Equatorius habe man in der Erstbeschreibung unter anderem versäumt, eine genaue Abgrenzung von Griphopithecus vorzunehmen, zu dem eine große Ähnlichkeit bestehe und dessen etablierter Gattungsname Priorität gegenüber der Einführung einer neuen Gattungsbezeichnung hätte.[4] Zudem divergieren die Beschreibungen von einzelnen, später zu Equatorius gestellten Fossilien so erheblich, dass eine klare Abgrenzung von Kenyapithecus bislang nicht erfolgt zu sein scheint,[5] obwohl später am gleichen Fundort in den Tugen Hills weitere Fossilien entdeckt wurden.[6]

Equatorius africanus gilt der Erstbeschreibung zufolge im Vergleich zu Kenyapithecus wickeri hinsichtlich diverser Merkmale als ursprünglicher; herausgestellt werden ferner anatomische Merkmale, die diese Art mit Proconsul und Afropithecus teile. Allerdings sei Equatorius bereits stärker an eine terrestrische Lebensweise angepasst gewesen als Proconsul.[7] Aufgrund der Maße seiner Knochen wurde geschätzt, dass das Körpergewicht des Individuums KNM-TH 28860 zu Lebzeiten ungefähr 27 Kilogramm betragen habe.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b L. S. B. Leakey: An Early Miocene Member of Hominidae. In: Nature, Band 213, 1967, S. 155–163, doi:10.1038/213155a0
  2. Steve Ward, Barbara Brown, Andrew Hill, Jay Kelley und Will Downs: Equatorius: A New Hominoid Genus from the Middle Miocene of Kenya. In: Science, Band 285, Nr. 5432, 1999, S. 1382–1386, doi:10.1126/science.285.5432.1382
  3. Richard J. Sherwood et al.: Preliminary description of the Equatorius africanusnext term partial skeleton (KNM-TH 28860) from Kipsaramon, Tugen Hills, Baringo District, Kenya. In: Journal of Human Evolution, Band 42, Nr. 1–2, 2002, S. 63–73, doi:10.1006/jhev.2001.0502
  4. David R. Begun: Middle Miocene Hominoid Origins. In: Science, Band 287, Nr. 5462, 2000, S. 2375, doi:10.1126/science.287.5462.2375a
  5. Carol V. Ward: Postcranial and locomotor adaptations of Hominoids. In: Winfried Henke, Ian Tattersall (Hrsg.): Handbook of Paleoanthropology. Springer Verlag, Berlin 2007, S. 1020, ISBN 978-3-540-32474-4
  6. Jay Kelley et al.: Dental remains of Equatorius africanus from Kipsaramon, Tugen Hills, Baringo District, Kenya. In: Journal of Human Evolution, Band 42, Nr. 1–2, 2002, S. 39–62, doi:10.1006/jhev.2001.0504
  7. B. A. Patel et al.: Terrestrial adaptations in the hands of Equatorius africanus revisited. In: Journal of Human Evolution, Band 57, Nr. 6, 2009, S. 763–772, doi:10.1016/j.jhevol.2009.08.005

Siehe auch[Bearbeiten]