Victoriasee

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Victoriasee
Victoriasee.jpg
Geographische Lage Tansania, Uganda und Kenia
Zuflüsse Kagera-Nil
Abfluss Victoria-Nil
Städte am Ufer Entebbe, Mwanza,
Jinja, Kisumu
Daten
Koordinaten 1° 0′ S, 33° 0′ O-1331134Koordinaten: 1° 0′ S, 33° 0′ O
Karte von Victoriasee
Höhe über Meeresspiegel 1134 m
Fläche 68.870 km²f5
Länge 337 kmf6
Breite 250 kmf7
Volumen 2.760 km³dep1f8
Maximale Tiefe 85 mf10
Mittlere Tiefe 40 mf11
Besonderheiten

größter See in Afrika, Beckensee, umgewandelter Natursee

Der Victoriasee (auch Viktoriasee, Victoria Nyanza, früher Ukerewesee) liegt in Ostafrika und ist Teil der Staaten Tansania, Uganda und Kenia. Er ist der drittgrößte See der Welt (nach dem Kaspischen Meer und dem Oberen See) und der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. Der Victoriasee ist somit der größte See Afrikas, er verfügt über ein Einzugsgebiet von 193.000 km². Er hat eine Oberfläche von 68.800 km², dies entspricht in etwa der Fläche Bayerns oder Irlands. An seinen Ufern lebten 2007 etwa 30 Millionen Menschen.

Geographie[Bearbeiten]

Victoriasee und das Rift
Segeln auf dem Victoriasee
Entwicklung des Wasserpegels des Victoriasees
Bevölkerungsdichte um den Victoriasee
Bevölkerungswachstum um den Victoriasee

Der See befindet sich in der ostafrikanischen Hochebene. Die Fläche des Sees teilen sich die Staaten Tansania (49 % der Seefläche), Uganda (45 %) und Kenia (6 %). Seine Küstenlinie hat eine Länge von 3450 km, davon entfallen 1750 km auf Tansania, 1150 km auf Uganda und 550 km auf Kenia.[1]

Während der Victoriasee im Westen vom Kagera-Nil gespeist wird, befindet sich sein Abfluss im Norden – dies ist der Victoria-Nil (daher wird der See als dessen Quelle betrachtet, nicht aber als die Nilquelle). Die größte Insel ist mit 560 km² Ukerewe vor dem Südufer. Weite Strecken seines Ufers werden von ausgedehnten Papyrussümpfen gesäumt.

Die Region um den Victoriasee ist relativ niederschlagsreich und wird mit durchschnittlich 1015 Millimeter pro Jahr angegeben. 85 % des Seewassers erhält der Victoriasee von Niederschlägen, 15 % von Zuflüssen (u. a. den Flüssen Kagera, Nzoia, Sio und Yala). Die Verdunstung ist hoch und entspricht 85 % des aus dem See abfließenden Wassers.

Vom natürlichen See zum Stausee[Bearbeiten]

Das Stausee-Volumen beträgt 204,8 km³ und sein Gesamt-Volumen 2760 km³. Seine ehemalige natürliche Größe wurde jedoch durch den Bau des Owen-Falls-Damms, der 1954 bei Jinja am Victoria-Nil fertiggestellt wurde, künstlich vergrößert, so dass der natürliche See vom Wasser des dadurch entstandenen Stausees – „Victoria Reservoir“ genannt – überflutet wurde. Seitdem sind auch die etwas nördlich seines ehemaligen Nordufers bis dahin freiliegenden Owen- und Ripon Falls überflutet. Der See, dessen Wasseroberfläche bei Vollstau in 1134 Meter Höhe liegt, ist verschiedenen Angaben zufolge maximal 81 Meter oder 85 Meter tief und durchschnittlich 45 Meter tief.

Nachdem im Jahre 2002 Uganda ein zweites Wasserkraftwerk in diesem Gebiet in Betrieb genommen hatte, erreichte im Jahre 2006 der Wasserspiegel des Sees einen Rekordtiefstand, wie er zum letzten Male vor 80 Jahren gemessen wurde.[2]

Der Victoriasee ist erdgeschichtlich ein sehr junger See, sein Alter wird auf weniger als eine Million Jahre geschätzt. Vor 14.700 Jahren ist er das letzte Mal komplett ausgetrocknet. Er hat einen erstaunlichen Artenreichtum aufzuweisen. Zu den Zuflüssen gehören auch der Pindibo und der Adabo-Fluss (aus Burundi).

Der Victoriasee wurde 1858 vom britischen Entdecker John Hanning Speke neu für die westliche Welt entdeckt und nach der damaligen Königin von Großbritannien, Victoria, benannt. 1875 bereiste Sir Henry Morton Stanley den See mit einem Schiff, wobei er ihn einmal komplett umrundete.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Neben dem Flusspferd gibt es im Victoriasee ca. 550 verschiedene Fisch-Arten in zwölf Familien und in 28 Gattungen. Demgegenüber leben in ganz Europa nur etwas mehr als 200 Süßwasserfischarten. Ein großer Teil des Artenreichtums betraf die Buntbarsche (Cichliden), die gemessen an der relativ kurzen Zeit seit der letzten Austrocknung einen außerordentlich hohen Artenreichtum aufwiesen. Dieser war deshalb auch ein beliebtes Forschungsobjekt der Evolutionsbiologie. Für die 1970er schätzte man die Zahl der Buntbarscharten auf etwa 500. Bis 1995 wurden mehr als 400 Buntbarscharten im Victoriasee beschrieben. Viele Arten waren damals noch nicht beschrieben oder hatten erst vorläufige Namen erhalten.

Ökologisches Desaster[Bearbeiten]

Ausbreitung der Wasserhyazinthen
Hafen von Kisumu mit Wasserhyazinthen

In den 1960ern wurde der Nilbarsch (Lates niloticus) als allochthone Art gezielt im Victoriasee angesiedelt, um einen kommerziell gut verwertbaren Speisefisch zu züchten. Auf seine rasante Vermehrung folgte zwar der erwartete Aufschwung der exportorientierten Fischindustrie, sie endete allerdings in einem unerwarteten Desaster, da der Nilbarsch für das Aussterben eines Großteils der Buntbarscharten mitverantwortlich war und die einheimische Trockenfischindustrie ruinierte. Heute ist der Nilbarsch als „Viktoriabarsch“ im internationalen Fischhandel erhältlich. Die Hintergründe dieser Entwicklung thematisiert der Film Darwin’s Nightmare. Durch konsequenten Konsum wurde allerdings auch der Nilbarsch stark dezimiert, was den anderen Fischarten wieder mehr Lebensraum zugesteht.

Ein weiteres Problem ist die ebenfalls nicht natürlich im Victoriasee vorkommende Wasserhyazinthe, die heute weite Flächen überwuchert. 1995 waren 90 % der ugandischen Küste mit dieser Pflanze bedeckt. Auch hier würde eine konsequente Nutzung zur ökologischen Entlastung beitragen.

Durch die dichte Besiedlung an seinen Ufern hat der See heute mit massiven Umweltproblemen wie z. B. Verschmutzung und Sauerstoffmangel zu kämpfen. Diese Krisenerscheinungen bewogen den Global Nature Fund, den Lake Victoria zum „bedrohten See des Jahres 2005“ zu erklären.

Inseln im Victoriasee[Bearbeiten]

Literatur und Film[Bearbeiten]

  • Tijs Goldschmidt: Darwins Traumsee. Nachrichten von meiner Forschungsreise nach Afrika. C.H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42881-9
  • Film: Darwin’s Nightmare, Regie: Hubert Sauper, 2005 (auch als DVD erhältlich). Der vielfach preisgekrönte Film dokumentiert die ökologische und wirtschaftliche Katastrophe am ostafrikanischen Victoriasee durch das Aussetzen des Nilbarsches.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Küste vor Munyonyo, Kampala
 Commons: Victoriasee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

zur Ökologie

zur Fauna

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lars Wirkus, Volker Böge: Afrikas internationale Flüsse und Seen. Stand und Erfahrungen im grenzüberschreitenden Wassermanagement in Afrika an ausgewählten Beispielen. (PDF; 1,4 MB) Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Gutachten, 2005 S. 29
  2. „Uganda pulls plug on Lake Victoria“, New Scientist, 9. Februar 2006