Estnisches Nationalmuseum

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58.37790826.711546Koordinaten: 58° 22′ 40″ N, 26° 42′ 42″ O

Karte: Estland
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Estnisches Nationalmuseum
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Estland

Das Estnische Nationalmuseum (estnisch Eesti Rahva Muuseum - ERM) befindet sich im südestnischen Tartu. Es umfasst weltweit die bedeutendste Sammlung zur estnischen Volkskultur und den ländlichen Wurzeln des estnischen Volkes.

Geschichte[Bearbeiten]

Estnische Trachten:
1. Kadrina 2. Mihkli 3.Setumaa 4. Paistu

Das Estnische Nationalmuseum wurde 1909 im livländischen Tartu (deutsch Dorpat) noch unter zaristischer Herrschaft gegründet. Ziel war es, zur Sammlung und Bewahrung der estnischen Volkskultur beizutragen.[1]

Das Museum ist dem Erbe des estnischen Volkskundlers Jakob Hurt (1839-1907) verpflichtet, einem der wichtigsten frühen Sammler estnischer Volkskunst. Die Sammlung ethnographischer Objekte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete den Grundstock des heutigen Museums. Einer der Initiatoren zur Gründung des Estnischen Nationalmuseums war der estnische Diplomat, Volkskundler und Linguist Oskar Kallas (1868-1946).

1913, vier Jahre nach seiner Gründung, stellte die Stadt Tartu dem Museum erste geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung. 1922 zog das Museum in den Tartuer Stadtteil Raadi in ein repräsentatives Herrenhaus um und stellte einen festbezahlten Direktor ein. 1923 wurde die erste ständige Ausstellung eröffnet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Hauptgebäude des Museums durch einen Brand 1944 schwer beschädigt. Es diente während der sowjetischen Besetzung Estlands als Unterkunft für die Rote Armee. Das Museum selbst zog in die Tartuer Innenstadt und wurde als „Staatliches Ethnographisches Museum der Estnischen SSR“ (Eesti NSV Riiklik Etnograafiamuuseum) wiedereröffnet. Die Sammlungen selbst waren über die ganze Stadt verteilt in verschiedenen Gebäuden untergebracht.

1988, im Zeichen von Glasnost und Perestroika, erhielt das Estnische Nationalmuseum seinen ursprünglichen Namen zurück. 2003 wurde in Raadi ein neues Grundstück für das künftige moderne Ausstellungsgebäude des Museums erworben. Die Bauarbeiten haben 2009 begonnen. 2011 soll das neue Haus seine Tore für die Öffentlichkeit öffnen.

Sammlung[Bearbeiten]

Estnische Trachten:
5. Muhu 6. Karja 7. Tõstamaa 8. Pärnu-Jaagupi

Das Museum stellt umfassend die Geschichte, Lebensweise und Traditionen der Esten und anderer finno-ugrischer Völker sowie der in Estland lebenden nationalen Minderheiten dar.

Eine Kollektion estnischer Trachten aus allen Regionen des Landes wird gezeigt. Die verschiedenen bäuerlichen Traditionen, Feste und Feiertage der ländlichen estnischen Bevölkerung des 19. und 20. Jahrhunderts werden anschaulich dargestellt. Daneben zeigt das Museum u.a. Handarbeiten und gewebte Stoffe mit traditionellen Mustern. Photographien, Zeichnungen, Filme und andere Archivalien und Objekte runden die Sammlung ab.

Das Estnische Nationalmuseum veranstaltet regelmäßig Lesungen, Konferenzen und Kolloquien zur estnischen Volkskunde.

Die derzeitige Dauerausstellung „Estland. Land, Volk, Kultur“ (Eesti. Maa, rahvas, kultuur) ist unterteilt in die Bereiche Alltagskultur, Feste und Feiertage, Volkskunst, äußere Einflüsse.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Estnisches Nationalmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eesti Muuseumiühing: Eesti Muuseumid. Tallinn 2003, S. 180