Europäischer Zürgelbaum

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Europäischer Zürgelbaum
Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis)

Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Hanfgewächse (Cannabaceae)
Gattung: Zürgelbäume (Celtis)
Art: Europäischer Zürgelbaum
Wissenschaftlicher Name
Celtis australis
L.

Der Europäische Zürgelbaum[1] oder Südliche Zürgelbaum[2] (Celtis australis) ist ein mittelgroßer Baum mit meist glatter Stammborke, derben Blättern und essbaren Steinfrüchten. Die Pflanzenart gehört zur Gattung der Zürgelbäume (Celtis), die früher der Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae) zugerechnet wurde, nach neueren Erkenntnissen aber in die Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) eingeordnet wird. Er wird oft unpräzise einfach „Zürgelbaum“ genannt, obwohl der Gattung etwa 100 Arten angehören. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über den Süden Europas, Teile Afrikas und die Türkei. Der deutsche Name Zürgelbaum stammt aus Südtirol, wo die Früchte Zürgeln genannt und in Backwaren und für Süßspeisen verwendet werden. Das harte aber elastische Holz wurde zur Herstellung von Musikinstrumenten, Wagenrädern und Rudern verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration[3]
Blätter

Der Europäische Zürgelbaum ist ein 10 bis 25 Meter hoher Baum mit breit ausladender Krone. Die Stammborke ist grau und glatt und reißt erst im höheren Alter schuppig auf. Die Triebe sind behaart. Die Laubblätter sind wechselständig[4] angeordnet. Der Blattstiel ist 5 bis 10 Millimeter lang und flaumig behaart. Die Blattspreite ist derb und etwas ledrig, elliptisch-länglich, selten ab 4 meist 7 bis 13 selten bis 20 Zentimeter lang und ab 1 meist 2 bis 4 und selten bis 6 Zentimeter breit, lang zugespitzt mit breit keilförmiger oder abgerundeter, schiefer Basis und fast bis zur Basis scharf gesägtem Blattrand. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und durch die kurzen, steifen Haare rau, die Unterseite ist graugrün und weich behaart.[5][6]

Die Blüten sind einhäusig verteilt und überwiegend zwittrig. Die Blüten wachsen einzeln in Blattachseln und erscheinen zusammen mit den Blättern. An jungen Zweigen treten auch eingeschlechtig männliche Blüten in Büscheln auf. Die Blüten sind zart gelbgrün bis blaugrün, fein behaart und lang gestielt. Die Blütenhülle ist vier- bis sechszählig und bräunlich überlaufen. Es werden vier bis sechs kurze Staubblätter gebildet. Der Fruchtknoten ist flaschenförmig, bis zu 1,4 Zentimeter lang und damit zumindest doppelt so lang wie die restliche Blüte. Die Narbe ist weiß, gegabelt und federartig. Die Früchte sind kugelige, 1 bis 1,2 Zentimeter durchmessende, anfangs gelblichweiße und zur Reife violettbraune, süßliche und essbare Steinfrüchte an bis zu 3 Zentimeter langen Stielen. Der Steinkern hat zahlreiche Vertiefungen. Der Europäische Zürgelbaum blüht von März bis Mai, die Früchte reifen im September.[5][4]

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Europa in Portugal, in Spanien mit den Balearen, in Frankreich mit Korsika, in Italien (mit Sardinien und Sizilien) und auf der Balkan-Halbinsel von Slowenien bis Griechenland; in Afrika in Algerien, Marokko und Tunesien und in der Türkei. In der Schweiz, auf Zypern, in Israel, im Libanon, in Syrien, in Australien und in Kalifornien wurde die Art eingebürgert.[7] Der Europäische Zürgelbaum wächst in Steppen und Trockenwäldern auf mäßig trockenen bis frischen, schwach sauren bis alkalischen, sandig-lehmigen bis lehmigen, nährstoffreichen Böden an sonnigheißen Standorten. Die Art ist frostempfindlich und kalkliebend.[6] Das Verbreitungsgebiet wird der Winterhärtezone 6b zugeordnet mit mittleren jährlichen Minimaltemperaturen von −20,5 bis −17,8 °C (-5 bis 0 °F).[5]

Systematik[Bearbeiten]

Der Europäische Zürgelbaum (Celtis australis) ist eine Art der Gattung der Zürgelbäume (Celtis) in der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Früher wurde die Art der Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae) zugerechnet.[7] Sie wurde 1753 von Carl von Linné im Species Plantarum erstmals wissenschaftlich beschrieben.[7] Der Gattungsname Celtis stammt aus dem Lateinischen, celthis oder celtis wurde von Plinius ein in Afrika vorkommendes Gewächs genannt, wahrscheinlich die hier beschriebene Art Celtis australis.[8] Das Artepitheton australis stammt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet südlich. Das Wort leitet sich von Auster, dem lateinischen Wort für einen Südwind ab.[9]

Verwendung[Bearbeiten]

Das Holz des Europäischen Zürgelbaums ist hart und elastisch. Es wurde zur Herstellung von Musikinstrumenten, Wagenrädern, Ruder, Angelruten und Peitschenstielen verwendet. Der Baum wird daher in manchen Gegenden auch als „Peitschenbaum“ bezeichnet. Die Früchte des Zürgelbaums werden in Südtirol für Süßspeisen und in Backwaren verwendet. Die Früchte werden dort Zürgeln genannt, auch der deutsche Name Zürgelbaum stammt aus Südtirol. In Mitteleuropa ist die Art nicht völlig winterhart, sie wird daher nur in wärmebegünstigten Gegenden in Parks und Gärten als Zierpflanze, seltener auch als Straßenbaum verwendet.[4]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für den Europäischen Zürgelbaum bestehen bzw bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bohnenbaum, Nesselbaum, Zirgelbaum, Zirkelbaum und Zürgelbaum (bereits 1597 erwähnt).[10]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 174.
  •  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 552.
  •  Jost Fitschen: Gehölzflora. 12., überarbeitete und ergänzte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 3-494-01422-1, S. 399.
  •  Mark Bachhofer, Joachim Mayer: Der neue Kosmos Baumführer. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-440-11930-3, S. 64.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 88, 138.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Name nach Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 552
  2. Deutscher Name nach Roloff, Bärtels: Flora der Gehölze, S. 174 und Fitschen: Gehölzflora, S. 399
  3. Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885, Gera (online)
  4. a b c Bachhofer, Mayer: Der neue Kosmos Baumführer, S. 64
  5. a b c Roloff et al.: Flora der Gehölze, S. 439–440
  6. a b Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 552
  7. a b c Celtis australis. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 17. November 2012 (englisch).
  8. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 138
  9. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 88
  10. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 86. (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien