Boden (Bodenkunde)

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Erdreich ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu dem US-amerikanischen Rechtsanwalt und Politiker siehe Ben Erdreich.
Schematisches Bodenprofil

Der Boden (von ahd. bodam) ist der oberste, im Regelfall belebte Teil der Erdkruste. Nach unten wird der Boden von festem oder lockerem Gestein begrenzt, nach oben meist durch eine Vegetationsdecke sowie die Erdatmosphäre. Das Substrat am Grund von Gewässern wird hingegen eher als „Sediment“ (fluviales, limnisches oder marines) statt als „Boden“ bezeichnet.

Abhängig davon, ob umgangssprachlich oder als Teil eines Fachvokabulars, und in letzterem Fall wiederum abhängig davon, in welchem Fach, hat der Ausdruck „Boden“ unterschiedliche Bedeutungen:

Im Folgenden wird der Begriff „Boden“ aus Sicht der Geo- und Biowissenschaften, insbesondere aus Sicht der Bodenkunde, behandelt.

Boden aus Sicht der Bodenkunde und des Bodenschutzes[Bearbeiten]

Aus bodenkundlicher Sicht wird als Boden die von bodenbildenden Prozessen geprägte Grenzzone zwischen der Lithosphäre (Gesteinsschicht) und der Biosphäre mit der Erdatmosphäre oder Hydrosphäre bezeichnet. Dieser Bereich (die Pedosphäre) besteht aus der mineralischen Bodensubstanz (ca. 47 %), der organischen Bodensubstanz (ca. 3 %), dem Bodenwasser (ca. 25 %) und der Bodenluft (ca. 25 %).

Der Boden besteht aus anorganischen Mineralien und dem organischen Humus und ist im Raum in einem Bodengefüge angeordnet. Die Hohlräume sind mit Bodenlösungen und Bodenluft gefüllt. Die Gefügestruktur macht den Oberboden für gewöhnlich krümelig, weswegen man in diesem Zusammenhang auch von der Krume spricht. Die wichtigste Rolle spielt der Boden als zentrale Lebensgrundlage für Pflanzen und direkt oder indirekt für Tiere und Menschen.

Die Definition gemäß der Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung lautet: „Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren an der Erdoberfläche entstandene und im Laufe der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation, das in der Lage ist, höheren Pflanzen als Standort zu dienen. Dadurch ist der Boden in der Lage, eine Lebensgrundlage für Tiere und Menschen zu bilden. Als Raum-Zeit-Struktur ist der Boden ein vierdimensionales System.“

„Der Boden ist ein von der Erdoberfläche bis zum Grundgestein reichender Ausschnitt aus der Pedosphäre, das heißt jenes Bereiches der Erdrinde, in dem die Lithosphäre durch Atmosphärilien (Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid, Stickstoff, Niederschlag, Einstrahlung, Ausgasen …) und Organismen (Bakterien, Algen, Pilze) umgewandelt wurde und in dem derartige Umwandlungen weiterhin ablaufen.“

Entstehung von Böden[Bearbeiten]

Siehe auch Hauptartikel Bodenbildung (Pedogenese)

Bodenbildende Faktoren[Bearbeiten]

Böden bilden sich in geologischen Zeiträumen relativ schnell, nach menschlichen Maßstäben jedoch relativ langsam. Die Böden im heutigen Mitteleuropa sind im Laufe der letzten 12.000 Jahre, seit dem Ende der letzten Eiszeit, entstanden.

  • Primäre Voraussetzung für die Bildung eines Bodens ist ein Ausgangsmaterial aus anstehendem Gestein (Festgestein oder Lockersediment).
  • Das Relief darf nicht zu steil sein, da andernfalls das Ausgangsmaterial durch Erosion abgeführt wird, bevor sich daraus ein Boden bilden kann.
  • Es dürfen keine größeren Sedimentmengen in das betreffende Gebiet eingetragen werden, da der sich bildende Boden sonst immer wieder verschüttet wird und die Bodenbildung von neuem beginnen muss.
  • Das Klima sollte humid (feucht) und nicht zu kalt sein, damit einerseits günstige Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere bestehen und andererseits weil Wasser wichtig für Verwitterungsprozesse ist.

Auch „fertiger“ Boden ist weiterhin diesen Faktoren unterworfen. Dazu kommen die Bodenlebewesen, als Teil des Bodens, sowie, seit etwa 8.000 Jahren (in Mitteleuropa später) die menschlichen (anthropogene) Einflüsse, wie etwa landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Nutzung oder Schadstoffeinträge.

Bodenbildende Prozesse[Bearbeiten]

Bodenbildende Prozesse werden durch bodenbildende Faktoren ausgelöst. Sie haben zweierlei Effekte: Sie verändern ein Ausgangsgestein und wandeln es in Boden um, aber sie verändern auch einen bestehenden Boden.

Primäre Bodenbildung[Bearbeiten]

Das Ausgangsgestein, wird, unabhängig davon, ob es sich um soliden Fels oder ein Lockersediment handelt, durch Verwitterung physikalisch und chemisch in immer kleinere Teile zerlegt. In einem Festgestein ohnehin vorhandene Klüfte verbreitern sich und bieten Platz für angewehten Staub und Pionierpflanzen.[2][3] Die Minerale des Ausgangsgesteins werden in andere chemische Verbindungen umgewandelt, die Elemente enthalten, die für Pflanzen und Tiere lebensnotwendig sind und von Pflanzen leichter aufgenommen werden können, z. B. Salze des Calciums, des Magnesiums, des Phosphors oder des Eisens (siehe → Silikatverwitterung).[4] Abgestorbene Pionierpflanzen werden unter Beteiligung von Tieren und Mikroorganismen zunächst in organische Verbindungen wie Zucker, Proteine, Zellulose und anschließend in Huminstoffe zersetzt (Humifizierung). Teilweise werden die organischen Verbindungen auch durch Mikroorganismen weiter in einfache anorganische Verbindungen umgewandelt (Mineralisierung).[5] Verschiedene Prozesse (Bioturbation, Kryoturbation, Peloturbation) sorgen für die Durchmischung von organischer und mineralischer Substanz, sowie die Einbringung von Luft in den Porenraum dieses Gemisches (Pedoturbation). So entsteht im Laufe der Zeit ein belebtes, durchlüftetes Gemisch aus mineralischer und organischer Substanz – Boden.

Die Bodenbestandteile dienen Lebewesen zur Energieversorgung und zum Wachstum. Durch Verwitterung entstandene Tonminerale und Huminstoffe verbinden sich, z. B. im Darm eines Regenwurms, zum Ton-Humus-Komplex, der Nährstoffe und Wasser „speichern“ kann und den Boden krümelig macht.

Sekundäre Bodenbildung[Bearbeiten]

Einmal entstandener Boden verändert sich im Laufe der Zeit, insbesondere dann, wenn sich die bodenbestimmenden Faktoren ändern. Es gibt viele Vorgänge, die die Humusbildung beeinflussen oder den Boden anderweitig verändern können. Dazu zählen:

Zudem schreitet in der Regel die primäre Bodenbildung im Grenzbereich von Boden und Ausgangsgestein in die Tiefe fort, sodass sich insgesamt eine Entwicklung von flachgründigen, steinigen, schwach verwitterten, mineralreichen Böden hin zu tiefgründigen, feinkörnigeren, stark verwitterten, ausgewaschenen Böden vollzieht. Aus dem vorhandenen Substrat, der Bodenart, entwickelt sich durch „äußere“ Einflüsse (wie Klima, Vegetation, Nutzungsart) im Laufe der Zeit ein Bodentyp mit spezifischen Eigenschaften. Die Bodenform bildet das Gesamtbild aus Bodenart und Bodentyp.

Bodenfunktionen[Bearbeiten]

Die Funktion des Bodens ist im deutschen Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) beschrieben. Sie umfasst demnach die „Lebensgrundlage“ und den „Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen“. Boden ist „Bestandteil des Naturhaushalts“ und „Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen auf Grund der Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungs­eigenschaften, insbesondere auch zum Schutz des Grundwassers“, das heißt unter anderem, dass er Giftstoffe binden oder neutralisieren kann, die dann nicht mehr ins Grundwasser geraten können. Auch dient er als Archiv für Natur- und Kulturgeschichte sowie zur vielfältigen Nutzung durch den Menschen. [6]

Boden-Bestimmung und Eigenschaften[Bearbeiten]

Verschiedene Bodenarten aus Baden-Württemberg

Die Erkennung eines Bodens kann in vielen Fällen auf Grund einiger weniger Eigenschaften wie Bodenart, Bodenartenschichtung, Ausgangsmaterial usw. erfolgen. In manchen Fällen sind jedoch weitergehende physikalische und chemische Analysen zur Identifikation eines Bodens notwendig.

Wichtige charakteristische Eigenschaften eines Bodens sind:

  • die Bodenhorizonte (oft verwechselt mit Schichten): sind Bereiche innerhalb des Bodens, die einheitlich ähnliche Merkmale und Eigenschaften besitzen, durch gleiche Prozesse geprägt worden sind bzw. werden und sich von darüberliegenden oder darunterfolgenden Bereichen unterscheiden. Erkennbar sind sie meistens durch Gefüge, Bodenart, Farbe, Fleckung u. a. Sie sind das Ergebnis bodenbildender Prozesse, die auf den Boden und das Ausgangsgestein einwirken, innerhalb der Bodenhorizonte und zwischen den Horizonten ablaufen. Ihre Aufeinanderfolge und Entstehung bestimmt die bodensystematische Zuordnung.
  • die Bodenart: gekennzeichnet durch die Korngrößenzusammensetzung des mineralischen Bodenmaterials. Sie reicht von reinem Ton bis zu Großblöcken.
  • die Bodenfarbe: hierbei werden nach standardisierten Munsell-Farbtafeln die Farben des Bodens nach Farbe, Helligkeit und Intensität bestimmt.
  • der Humusgehalt: Dieser stellt den Anteil an organischer Substanz (außer Kohle und anthropogenen Kohlenstoffverbindungen) im Boden dar. Er resultiert aus den Ausscheidungen lebender und den Rückständen abgestorbener Organismen und unterliegt einem stetigem Auf-, Um- und Abbau.
  • der Kohlegehalt: Dieser gibt bei bestimmten Böden wie z. B. auf Kippen, Halden und Spülbecken den Anteil der Kohle an.
  • der Karbonatgehalt: Bei Mineralböden wird dabei im Wesentlichen der Gehalt an Calcium- und Calcium-Magnesiumcarbonaten (Calcit und Dolomit) verstanden. Die Bestimmung im Gelände erfolgt mit 10 %iger Salzsäure und den daraus resultierenden optisch und akustisch erkennbaren Reaktionen.
  • das Bodengefüge: hierunter versteht man die räumliche Anordnung der festen Bodenbestandteile, welche maßgeblich den Wasser- und Lufthaushalt, die Durchwurzelbarkeit, die Nährstoffverfügbarkeit und ähnliche Eigenschaften beeinflussen.
  • der Wasserhaushalt (Bodenfeuchte): Der Wassergehalt eines Bodens im Gelände wird indirekt durch den Bodenfeuchtezustand erfasst. Bei bindigen Böden wird vorwiegend die Konsistenz (mittels Schrumpf-, Ausroll-, Fließgrenze), bei nichtbindigen Böden das Verhalten in Bezug auf Färbung und Wasseraustritt aus dem Boden (Klopfprobe) ermittelt.
  • der Lufthaushalt (Bodenluft):
  • der Pufferbereich: stellt im Boden ein chemisches Puffersystem dar, das den Säuregehalt des Bodens reguliert.
  • der Boden-pH:
  • das Porenvolumen: als Volumen der nichtfesten Bodensubstanz, unterteilt sich in Primärporen (abhängig von der Korngrößenverteilung der mineralischen Substanz sowie von Art und Zusammensetzung der organischen Bestandteile) sowie in Sekundärporen (abhängig vom Bodengefüge und damit von chemischen Eigenschaften der Minerale, vom Einfluss der Pflanzen (Wurzelröhren) und Tiere (Gänge)).
  • die Effektive Lagerungsdichte:
  • das Ionen-Austauschverhalten:
  • die Durchwurzelung: Diese umfasst die beobachtete (reale) Durchwurzelungstiefe und die Durchwurzelungsintensität (mittlere Anzahl der Feinwurzeln (Durchmesser <2 mm) pro dm²).
  • die Zeigerarten:
  • die Körnung (Sieblinie):

In der Bodenkunde werden die physikalisch-chemischen und ökologischen Eigenschaften der verschiedenen Bodenformen untersucht, beispielsweise die Fähigkeit, in den entstehenden Hohlräumen je nach Porengröße eher Wasser oder Luft zu speichern und in Abhängigkeit von der Porengröße die Pflanzenverfügbarkeit des gespeicherten Wassers.

Klassifikation von Böden[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bodenklassifikation

Böden können auf verschiedene Weise klassifiziert werden. Zwei der wichtigsten internationalen Systeme sind die USDA-Bodenklassifikation und die WRB (World Reference Base for Soil Ressources). Die früher wichtige FAO-Bodenklassifikation wurde von der WRB abgelöst und hat nur noch wissenschaftshistorischen Wert. Für die deutsche Klassifikation siehe → Bodentyp.

Bodenwertzahl[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bodenwertzahl

Die Bodenwertzahl (BWZ) oder Bodenzahl ist ein Index für die Bodenfruchtbarkeit. Sie wird im Rahmen einer Bodenschätzung für den Boden einer bestimmten Region bestimmt. Die Bodenzahl setzt den erzielbaren Reinertrag eines Bodens zum fruchtbarsten Schwarzerdeboden der Magdeburger Börde in Beziehung, dessen Wert auf 100 gesetzt wurde. Basierend auf der Bodenzahl wird die Ackerzahl oder Ackerwertzahl ermittelt, in deren Berechnung auch klimatische und topographische Standortfaktoren einfließen.

Schadstoffe im Boden[Bearbeiten]

Unter Schadstoffen werden hier Stoffe verstanden, die das Wachstum der Kulturpflanzen, das Bodenleben, die Tiergesundheit (Futtermittel) oder die menschliche Gesundheit (Nahrungsmittel, Trinkwasser) beeinträchtigen können. Die wichtigsten Schadstoffgruppen im Boden sind Schwermetalle und organische Schadstoffe. Die schädliche Wirkung eines Stoffes hängt von seiner Konzentration ab.

Schadstoffe können u. a. in den Boden gelangen

Die Beseitigung der Schadstoffe ist mit Verfahren der Bodensanierung möglich.

Schwermetalle[Bearbeiten]

Eine besondere Gruppe von potentiellen Schadstoffen sind die Schwermetalle. Einige (z. B. Eisen, Mangan, Zink, Kupfer) gehören zu den unentbehrlichen (essentiellen), wenn auch nur in kleinen Mengen benötigten Pflanzennährstoffen (Spurenelemente). Im Überfluss wirken sie giftig (toxisch). Zu den bedenklichen Schwermetallen im Boden zählen Arsen, Blei, Cadmium, Zink, Kupfer, Chrom, Nickel, Quecksilber, Thallium.

Für alle Schwermetalle gilt:

  • Sie können im Boden nicht abgebaut werden und sind fast unbeweglich. Eine Schwermetallanreicherung im Boden ist deshalb kaum rückgängig zu machen. Man kann sie nur durch Vorbeugemaßnahmen verhindern.
  • Lange bevor es zu Wachstumsstörungen kommt, kann eine zu hohe Schwermetallaufnahme Pflanzen für Futter- oder Nahrungszwecke unbrauchbar machen. Dies gilt besonders für das Element Cadmium.
  • Die Einlagerung von Schwermetallen in den einzelnen Pflanzenteilen ist unterschiedlich hoch. Wurzeln speichern mehr als Sprossorgane, Stängel und Blätter mehr als Samen. Die Aufnahmerate steigt im Prinzip mit der Höhe der Schwermetallbelastung der Böden, wobei aber nicht die Gesamtkonzentration im Boden entscheidend ist für die Verfügbarkeit und damit die Aufnahme durch Pflanzenwurzeln oder durch Bodenorganismen, sondern die chemische Speziierung.
  • Auf bereits belasteten Böden lässt sich die Schwermetallaufnahme durch Anheben des pH-Wertes mit einer Kalkdüngung vermindern.

Die übliche Bewirtschaftung verursacht meist nur einen geringen Bodeneintrag von Schwermetallen. Kritisch ist hingegen eine starke Anwendung kupferhaltiger Spritzmittel im Wein- und Hopfenbau. Auch bei langjährig starker Düngung mit Schweinegülle kann eine bedenkliche Anreicherung von Kupfer entstehen. Kupfer wird von Organismen wie Regenwürmern v. a. dann rasch aufgenommen, wenn es leicht verfügbar ist (erkennbar an der leichten Extrahierbarkeit aus Böden, z. B. schon mit 2,5%iger Essigsäure)[7]; stärker adsorptiv an oder in Bodenpartikel oder gar in Mineralien gebundene Kupfer- oder auch andere Schwermetallionen sind weniger verfügbar und wenig toxisch.

Cadmium-Einträge durch P-Düngemittel auf Rohphosphatbasis haben bisher zu keiner nachweisbaren Bodenbelastung geführt. Dementsprechend gering ist die mittlere Schwermetallbelastung landwirtschaftlich genutzter Böden. Auch die Einträge aus der Luft sind in ländlichen Gebieten im Allgemeinen gering.

Organische Schadstoffe[Bearbeiten]

Im intensiven Pflanzenbau werden mögliche Schadstoffe als Pflanzenschutzmittel gezielt zur Bekämpfung von Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen eingesetzt. Damit Pflanzenschutzmittel nicht zu Schadstoffen werden, sind sie mit besonderer Umsicht anzuwenden. Bei unsachgemäßer Anwendung von Herbiziden können Nachbauprobleme auftreten. Einige Fungizide und Insektizide können das Bodenleben schädigen. Unter ungünstigen Bedingungen können Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wind verfrachtet werden und andernorts mit dem Niederschlag wieder auf den Boden gelangen. In Extremfällen kann die Verflüchtigung des Wirkstoffs mehr als 90 % betragen. Zu den Stoffen mit den weltweit größten Problemen gehören die Chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW). In der Land- und Forstwirtschaft hat der frühere langjährige Einsatz von schwer abbaubaren (persistenten) Insektiziden wie DDT, Lindan, Heptachlor, Aldrin, Dieldrin und von Fungiziden wie dem Saatgutbeizmittel Hexachlorbenzol (HCB) örtlich zu Belastungen geführt. Aufgrund ihres langsamen Abbaus können sich die Stoffe über dem Pfad Boden-Pflanze-Tier-Mensch in der Nahrungskette anreichern. Im tierischen und menschlichen Organismus werden sie vorrangig in der Leber gespeichert. Aus der Luft und mit Abfällen (z. B. Klärschlamm, Bioabfallkompost) können Spuren hochgiftiger organischer Schadstoffe wie Polychlorierte Biphenyle (PCB), Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) in den Boden gelangen. Viele von ihnen können durch die Bodenmikroorganismen nur sehr schwer abgebaut werden. Nach bisheriger Kenntnis werden sie aber von den Pflanzenwurzeln kaum aufgenommen. Sie werden auch nicht ausgewaschen, können jedoch durch Verschmutzung der Ernteprodukte in die Nahrungskette gelangen.

Bodenerosion[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bodenerosion

Als Bodenerosion wird der Prozess bezeichnet, durch den insbesondere der fruchtbare Oberboden abgetragen wird. Hierbei wirken natürliche Erosionsmechanismen. Da Böden nur dort entstehen können, wo niedrige Erosionsraten herrschen, sind naturbelassene oder zumindest dauerhaft von dichter Vegetation bestandene Flächen in der Regel nicht von Bodenerosion betroffen. Bodenerosion ist stattdessen ein in erster Linie anthropogen, durch ungeeignete Methoden bei der Landnutzung verursachtes Phänomen, durch das die natürlche Erosionsrate drastisch erhöht wird. Durch Bodenerosion und die damit verbundene Bodendegradation gehen jährlich etwa 25 Millionen Tonnen Oberboden verloren.[8]

Internationales[Bearbeiten]

Bodenatlas der Europäischen Union[Bearbeiten]

2005 hat die EU-Kommission erstmals einen Bodenatlas für Europa herausgegeben. In diesem werden der Zustand der und potenzielle oder reale Gefahren für die europäischen Böden beschrieben. Die damals für Wissenschaft, Forschung und Umwelt zuständigen Kommissionsmitglieder Janez Potočnik und Stavros Dimas präsentierten dem Europäischen Parlament den Atlas während der Informationstage zu den Aktivitäten der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission (GFS). Die Kommission hatte die Erstellung des ersten Bodenatlas Europa koordiniert, indem sie führende europäische Pedologen zusammengeführt hatte. Die Forscher stammen aus über 40 Ländern und sind an Nationalen Bodenkundlichen Forschungsinstituten tätig, die alle im „Netzwerk Europäische Büros für Böden“ der GFS vertreten sind.[9] Bereits vor der eigentlichen Gründung dieses Netzwerkes im Jahre 1996, hatte in den 1970er Jahren die damalige Europäische Gemeinschaft erstmals eine Bodenkarte, seinerzeit im Maßstab 1 : 1 000 000, herausgegeben.[10]

Der Soil Atlas of Europe enthält Bodenkarten von hoher Qualität sowie leicht verständliche Texte, die durch Fotos ergänzt werden, und beruht auf dem europäischen Bodeninformationssystem MEUSIS,[11][12] das von der Kommission entwickelt wurde und die gesamte EU mitsamt den angrenzenden Ländern erfasst.[9]

Global Soil Map[Bearbeiten]

Die International Union of Soil Sciences (IUSS), der internationale Dachverband nationaler und regionaler bodenwissenschaftlicher Vereinigungen, hat eine Initiative ins Leben gerufen, die, analog zum Bodenatlas der Europäischen Union, eine weltweite digitale Bodenkarte erstellen soll. Offizieller Start des Projektes war am 17. Februar 2009.[13]

Internationales Jahr des Bodens und Weltbodentag[Bearbeiten]

Um auf die Bedeutung der Böden für die natürliche Kreisläufe und für die menschlichen Gesellschaften aufmerksam zu machen, wurde das Jahr 2015 von der FAO (der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation) zum „Internationalen Jahr des Bodens“ (The International Year of Soils) ausgerufen.[14]

Den gleichen Hintergrund hat der Weltbodentag (World Soil Day), der jedes Jahr am 5. Dezember begangen wird.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Scheffer, P. Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde. Spektrum Akademischer Verlag. 15. Auflage, 2002, ISBN 3-8274-1324-9.
  • D.L. Rowell: Bodenkunde. Untersuchungsmethoden und ihre Anwendungen. Springer, Berlin 1997, ISBN 3-540-61825-2.
  • W. Zech, G. Hintermaier-Erhard: Böden der Welt. Spektrum Akademischer Verlag 2002, ISBN 3-8274-1348-6.
  • G. Hintermaier-Erhard, W. Zech: Wörterbuch der Bodenkunde. Enke 1997, ISBN 3-432-29971-0.
  • H.-P. Blume, P. Felix-Henningsen, W.R. Fischer: Handbuch der Bodenkunde. Ecomed Verlag, Landsberg 2002, ISBN 3-609-72232-0.
  • H. Kuntze, G. Roeschmann, G. Schwerdtfeger: Bodenkunde. UTB, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-8076-4.
  • Winfried E.H. Blum: Bodenkunde in Stichworten. (Hirts Stichwortbücher) Borntraeger, Berlin/Stuttgart 2006, ISBN 3-443-03103-X.
  • David R. Montgomery: Dreck – Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert. oekom-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86581-197-4.
  • Ad-hoc-AG Boden: Bodenkundliche Kartieranleitung. 5. Auflage, Hannover 2005. In Kommission: E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-510-95920-5.
  • Martin H. Gerzabek: Bodendegradation und -verluste: Böden – gefährdete Haut der Erde? In: Biologie in unserer Zeit. Bd. 36, Nr. 2, 2006, S. 82–90, doi:10.1002/biuz.200610304, ISSN 0045-205X.
  • European Soil Bureau Network: Soil atlas of Europe European Commission, DG Joint Research Centre. Office for Official Publications of the European Communities, Luxemburg 2005, ISBN 92-894-8120-X, EUR 21676 EN (online auf eusoils.jrc.ec).
Zeitschriften

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Böden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Inhalt des Absatzes stammt zum Großteil aus der Schlussdiskussion der ersten GeoLIS-Tagung: Geowissenschaftliche/Geotechnische Daten in Landinformationssystemen. In: Geowissenschaftliche Mitteilungen. (Hrsg.: G. Gerstbach) Bd. 27, TU Wien, Wien 1986.
  2. Schlagwort Bodenentstehung und Bodenbildung auf HyperSoil – Lern- und Arbeitsumgebung zum Themenfeld „Boden“ im Unterricht. Westfälische Wilhelms-Universität Münster.
  3. Schlagwort Bodenentwicklung auf HyperSoil.
  4. Schlagwort Mineralneubildung auf HyperSoil.
  5. Schlagwort Zersetzung auf HyperSoil.
  6. Bundes-Bodenschutzgesetz - BBodSchG (Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten), § 2 Begriffsbestimmungen
  7. Bruno Streit: Effects of High Copper Concentrations on Soil Invertebrates (Earthworms and Oribatid Mites): Experimental Results and a Model. In: Oecologia (Berlin). Bd. 64, Nr. 3, 1984, S. 381–388, doi:10.1007/BF00379137 (alternativ: JSTOR).
  8. Lucian Haas: Schwarze Revolution – Die Rückeroberung der Ackerkrume. Beitrag auf Deutschlandfunk vom 13.Mai 2012, abgerufen am 8. September 2014.
  9. a b Atlas zeigt Böden Europas. EU-Kommission stellt ersten Bodenatlas Europas vor. In: scinexx.de – Das Wissensmagazin. MMCD NEW MEDIA GmbH, 2. Mai 2005, abgerufen am 8. September 2014.
  10. ESBN History. Website der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Center) der Europäischen Komission, abgerufen am 8. September 2014.
  11. MEUSIS (Multi-Scale Soil Information System). Website der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Center) der Europäischen Komission, abgerufen am 8. September 2014.
  12. Panos Panagos, Marc Van Liedekerke, Luca Montanarella: Multi-scale European Soil Information System (MEUSIS): a multi-scale method to derive soil indicators. In: Computational Geosciences. Bd. 15, Nr. 3, 2011, S. 463–475, doi:10.1007/s10596-010-9216-0.
  13. Pedro A. Sanchez, Sonya Ahamed, Florence Carré, Alfred E. Hartemink, Jonathan Hempel, Jeroen Huising, Philippe Lagacherie, Alex B. McBratney, Neil J. McKenzie, Maria de Lourdes Mendonça-Santos, Budiman Minasny, Luca Montanarella, Peter Okoth, Cheryl A. Palm, Jeffrey D. Sachs, Keith D. Shepherd, Tor-Gunnar Vågen, Bernard Vanlauwe, Markus G. Walsh, Leigh A. Winowiecki, Gan-Lin Zhang: Digital Soil Map of the World. In: Science. Bd. 325, 2009, S. 680–681 (PDF 111 kB)
  14. Thomas Scholten: UN-Year of the Soils 2015. Website der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, abgerufen am 8. September 2014.
  15. World Soil Day. Website der IUSS, abgerufen am 8. September 2014.