Eustachi-Röhre

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Zeichnung des Mittelohrs; 12: Eustachi-Röhre

Die Eustachi-Röhre (oder Eustachi’sche Röhre), auch Ohrtrompete (lat.-anat. Tuba auditiva Eustachii oder Tuba pharyngotympanica), ist eine bei Erwachsenen etwa 3,5 Zentimeter lange paarige, röhrenartige Verbindung zwischen dem Mittelohr – genauer: der Paukenhöhle (Cavum tympani) – und dem Nasenrachen (Nasopharynx). Sie zieht durch die hintere Etage des Canalis musculotubarius und ist nach dem italienischen Anatomen Bartolomeo Eustachi benannt, der sie als Erster beschrieb.

Die Ohrtrompete kommt bei allen Vögeln, Reptilien und Säugetieren (einschließlich dem Menschen) vor. Bei Pferden (Equidae) und einigen anderen Unpaarhufer-Familien sowie dem Klippschliefer besitzt sie zudem eine ausgedehnte sackartige Erweiterung, den Luftsack.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Beschreibung etwa 500 v. Chr. wird Alkmaion zugeschrieben, der jedoch darin bei Ziegen eine zusätzliche Atemöffnung über die Ohren vermutete.[1] Eustachius stellte das Organ erstmals 1562 mit Beschreibungen und einem Kupferstich in seinem Werk Epistula de auditus organis detailreich dar.[2] Für Verfahren und Untersuchungen namengebende Forscher beschäftigten sich mit der Röhre: Antonio Maria Valsalva, Joseph Toynbee und Adam Politzer, die unterschiedliche Details zu Funktion und Aufgabe des Organs untersuchten und darstellten.

Funktion[Bearbeiten]

Über die Ohrtrompete kann ein Luftdruckausgleich stattfinden, so dass der Druck im Mittelohr dem im Nasenrachenraum und somit dem Außendruck angeglichen wird. Diesen Druckausgleich ermöglichen v. a. der Schluckakt und das Gähnen, da sich die rachenseitige Öffnung der Tuba pharyngotympanica, das Ostium pharyngicum tubae auditivae, dabei öffnet. Durch Schließen oder Zuhalten von Mund und Nase und gleichzeitigen Ausatmungsversuch kann der Druck im Nasen-Rachen-Raum erhöht und ein passives Öffnen der Eustachischen Röhre erreicht werden (Valsalva-Manöver). Damit wird ein Druckausgleich zwischen Außenluft und Mittelohr möglich. Ähnliches gilt sinngemäß auch für Unterdruck: Eine rasche Drucksenkung der Außenluft – z. B. in einem Flugzeug, das sich im Steigflug befindet – kann bei nicht ausreichender Belüftung des Mittelohrs zu einer schmerzhaften Auswölbung des Trommelfells nach außen führen. Ein Zahlenbeispiel mag die Kräfteverhältnisse bei Druckveränderungen verdeutlichen: Das Ohr kann bereits Druckdifferenzen von 20 µPa in Höreindrücke umsetzen. Verkehrsflugzeuge senken den Kabinendruck während der Reise um etwa 20 000 Pa. Durch Verschließen von Mund und Nase und vorsichtiges „Ziehen“ gegen diesen Widerstand kann man den Druckausgleich selbst herstellen, und als angenehme Entspannung des Trommelfells erleben. Beim Druckanstieg im Sinkflug bringt entsprechend ein Drücken der Atemluft gegen die verschlossenen Atemöffnungen Entspannung. Dies gilt sinngemäß in allen Situationen, in denen sich der Außendruck ändert, also bei Berg- und Talfahrten im Gebirge, bei Aktivitäten unter Wasser oder beim Durchfahren von Tunneln mit nicht luftdichten Kabinen. Dabei sollte allerdings nicht zu viel Druck angewendet werden, weil das Trommelfell sonst einreißen könnte; sobald Schmerzen entstehen, sollte der Versuch abgebrochen werden. Der natürliche Weg zur Unterstützung des Druckausgleichs besteht im Anspannen bestimmter Rachenmuskeln (Musculus tensor veli palatini und Musculus levator veli palatini), die beim Schlucken und Gähnen den Eingang zur Eustachischen Röhre öffnen und dabei den typischen „Klick“ im Ohr verursachen (das verlangt eventuell Übung).

Eine weitere Funktion der Eustachischen Röhre besteht im Ableiten von Sekreten aus dem Ohr. Bei Erkrankungen der oberen Atemwege kann die Eustachische Röhre durch eine Schwellung der Schleimhäute verengt werden oder insbesondere bei Kindern als Transportkanal für eine aufsteigende bakterielle Infektion dienen und damit eine Mittelohrentzündung (Otitis media) auslösen. Dafür können in selteneren Fällen auch Viren oder Pilze die Ursache sein, so dass Antibiotika nicht immer die richtige Therapie sein müssen. Ist die Eustachische Röhre nicht wie üblich geschlossen, sondern bleibt sie geöffnet, kommt es zur Autophonie, dem lauten Hören der eigenen Stimme, und schlimmstenfalls zu einer klaffenden Tube.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Eustachische Röhre bildet sich gemeinsam mit der Paukenhöhle, dem Hohlraum des Mittelohrs, aus der ersten Schlundtasche, wobei die erstgenannte aus deren distalem (äußerem) Anteil, die Eustachi-Röhre aus dem proximalen (inneren) Anteil entsteht.

Referenzen[Bearbeiten]

  1.  Charles Joesph Singer: A short history of anatomy from the Greeks zu Harvey. 2. Auflage. New York, Dover 1957.
  2.   (http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/5044394, abgerufen am 19. Juni 2013).