Evangelische Militärseelsorge in Deutschland

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Logo der Evangelischen Militärseelsorge

Die Evangelische Militärseelsorge in Deutschland dient nach eigenen Angaben der seelsorgerischen Betreuung von Soldaten durch die Evangelische Kirche. Ihre Arbeit basiert auf einer Rechtsvereinbarung zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Bundesrepublik Deutschland und wird vom Bundesministerium der Verteidigung und der EKD gemeinsam verantwortet. Hintergrund sei die Gewährleistung des Rechtes der Soldaten, auch unter den besonderen Bedingungen des soldatischen Dienstes ihre Religion frei auszuüben.

Der Staat sorgt für die Organisation und trägt durch allgemeine Steuern den größten Teil der Kosten der Militärseelsorge. Ein kleinerer Teil der Kosten wird durch die Kirchensteuern der Soldaten finanziert. Sie umfasst derzeit (Stand: 24. November 2009) 104 Militärpfarrer und zusätzlich etwa gleich viele Pfarrhelfer, die vor Ort als Ansprechpartner bereitstehen und teilweise auch für mehrere Standorte zuständig sind. Neben Gottesdiensten wird zur berufsethischen Unterstützung der Soldaten auch Lebenskundlicher Unterricht erteilt. An den Auslandsstandorten der Bundeswehr, an denen die Soldaten teilweise mit ihren ganzen Familien leben, gibt es ein komplettes Gemeindeleben. Die Angebote der Militärseelsorge richten sich ausdrücklich nicht nur an Kirchenangehörige, sondern an alle Militärangehörigen.

Die Arbeit der evangelischen Militärseelsorge steht unter dem Motto Domini Sumus (deutsch: Wir gehören dem Herrn).

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Geschichte der Evangelischen Militärseelsorge in Preußen siehe Militärseelsorge (Deutschland)-

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Vorläufer der Militärseelsorge in der Bundeswehr war die Seelsorge bei den kasernierten zivilen deutschen Labor Service-Einheiten der US-amerikanischen Streitkräfte in Deutschland, die im Juni 1951 begann.[1] [2]

Die evangelische Militärseelsorge in der Bundeswehr wurde in den 1950er Jahren mit einem Militärseelsorgevertrag etabliert. Dieser soll einerseits die geistliche Unabhängigkeit, andererseits die größtmögliche Nähe zu den Soldaten gewährleisten. Ab dem 1. Januar 2004 gilt der Militärseelsorgevertrag (MSV) in allen Landeskirchen der EKD als Grundlage der "Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr" (nach dem „Kirchengesetz zur Regelung der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr“ die gültige Sprachregelung).

Die evangelische Militärseelsorge war von Anfang an heftig umstritten und wurde besonders von Vertretern der aus der Bekennenden Kirche kommenden Bruderschaften abgelehnt. So erklärte der systematische Theologe Hans Joachim Iwand in einem Referat auf der Ersten Tagung der internationalen Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in Prag 1958:

Mir ist meist erst unter Hitler aufgegangen, daß man dieses blutige Handwerk nicht mitmachen darf. Und man darf auch die Vorbereitung zu diesem blutigen Handwerk nicht mehr rechtfertigen. An der Christenheit hängt heute ein riesiges Gewicht.[3]

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten]

In der DDR gab es keine Militärseelsorge. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands waren die ostdeutschen Landeskirchen zunächst nicht bereit, den Militärseelsorgevertrag und die westdeutsche Praxis der Militärseelsorge zu übernehmen. Sie befürchteten eine zu große Staatsnähe und machten Bedenken geltend gegen den Bundesbeamtenstatus der Militärpfarrer, die Stellung des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr und seine Eingliederung in den Organisationsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung, die Doppelstellung des Militärgeneraldekans und die Mitwirkungsrechte des Staates bei der Ernennung des Militärbischofs. Erst nach einer Übergangsregelung trat der Militärseelsorgevertrag Anfang 2004 auch in den neuen Bundesländern in Kraft.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr (Hrsg.): Oasen. Worte, Bilder, Begegnungen aus der evangelischen Seelsorge im Auslandseinsatz der Bundeswehr. Im Auftrag des Evangelischen Militärbischofs, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 978-3-374-02401-8.
  • Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr (Hrsg.): Zum Frieden berufen. Notizen aus der evangelischen Militärseelsorge [Heinz-Georg Binder zum 60. Geburtstag]. Lutherisches Verlagshaus, Hannover 1989, ISBN 3-7859-0593-9.
  • Jens Müller-Kent: Militärseelsorge im Spannungsfeld zwischen kirchlichem Auftrag und militärischer Einbindung. Analyse und Bewertung von Strukturen und Aktivitäten der evangelischen Militärseelsorge unter Berücksichtigung sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen (= Hamburger theologische Studien. Band 1). Steinmann und Steinmann, Hamburg 1990, ISBN 3-927043-09-5.
  • Ines-Jacqueline Werkner: Soldatenseelsorge versus Militärseelsorge. Evangelische Pfarrer in der Bundeswehr (= Forum innere Führung. Band 13). Nomos, Baden-Baden 2001, ISBN 3-7890-7392-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katholische Militärseelsorge, abgerufen am 30. Januar 2012
  2. Die Protokolle des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bd. 5: 1951. Bearbeitet von Dagmar Pöpping, Göttingen: Vandenhoeck % Ruprecht, 2005, S. 164 ff.
  3. Ökumenisches Institut der Comenius-Fakultät in Prag (Hg.): Aufgabe und Zeugnis. Christliche Friedenskonferenz Prag 1. bis 4. Juni 1958, Praha 1958, S. 46
  4. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), abgerufen am 30. Januar 2012