Militärgeistlicher

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Pfarrer während der ISAF-Mission
Britischer Pfarrer in der Royal Navy im Zweiten Weltkrieg

Militärgeistliche sind mit der Seelsorge an Soldaten betraute Geistliche. Unter dem Begriff Militärseelsorger sind alle Personen zusammengefasst, die in der Seelsorge an Soldaten beteiligt sind.

Je nach Gepflogenheit wurden sie auch als Feldprediger (protestantisch) bzw. Feldkaplane (katholisch) bezeichnet. Es waren dies neben anderen, Begriffe für die die bei einem militärischen Verband zur Militärseelsorge zugeteilten christlichen Geistlichen.

In der heutigen katholischen und evangelischen Militärseelsorge sind Militärseelsorger zumeist Militärpfarrer und ihre Vorgesetzten wie z. B. Militärordinarius oder Militärdekan/Militärgeneraldekan bzw. Militärbischof für die religiöse Betreuung der Soldaten zuständig.

Bei jüdischen Soldaten werden diese Aufgaben von Feldrabbinern, bei muslimischen von Militärimamen wahrgenommen.

Deutschland[Bearbeiten]

Feldprediger unterstanden dem Feldpropst ihrer Konfession. In der NS-Zeit hießen sie Feldseelsorger bzw. Wehrmachtpfarrer. Sie unterstanden ab dem Reichskonkordat von 1933 ihrem kath. bzw. ev. „Militärbischof“. Im Zweiten Weltkrieg wurden die aufgrund freiwilliger Meldung oder der Wehrpflicht dienenden Geistlichen als Kriegspfarrer a.K. (auf Kriegsdauer) bezeichnet.[1]

In der Bundeswehr wirken Priester, Pastoralreferenten und Pastore als Militärseelsorger. Sie sind im Haupt- oder Nebenamt zuständig für die kirchliche Betreuung der Soldaten und ihrer Ehegatten und Kinder. Dieser Personenkreis gehört zum Jurisdiktionsbezirk des Militärbischofs und daher nicht zur örtlichen Gemeinde, sondern zur jeweiligen regionalen Militärkirchengemeinde, die von einem Militärseelsorger geleitet wird. Der Militärseelsorger hat keinen militärischen Rang, ist kein Soldat bzw. Kombattant und steht unter dem besonderen Schutz des Kriegsvölkerrechts. Er ist Angehöriger der Bundeswehr im Organisationsbereich Militärseelsorge, Bundesbeamter auf Zeit und wird daher aus dem Bundeswehr-Haushalt besoldet. Im Einsatz trägt er – wie die Soldaten – den Feldanzug mit einem Kreuz anstelle von Dienstgradabzeichen.

Um dem Militärseelsorger eine unabhängige und ungehinderte Amtsführung zu ermöglichen, ist er in keiner Weise in die Hierarchie der Streitkräfte eingebunden. Zu seiner Unterstützung ist ihm ein Pfarrhelfer zur Seite gestellt. Vorgesetzter des Militärgeistlichen ist der Militärdekan im jeweiligen Wehrbereich, der wiederum dem Militärgeneralvikar (katholisch) bzw. Militärgeneraldekan (evangelisch) unterstellt ist. Beamtenrechtlich folgt dann nur noch der Bundesminister der Verteidigung, der jedoch die kirchliche Selbstbestimmung zu wahren hat. An der Spitze der Militärseelsorge steht kirchlicherseits der jeweilige Militärbischof, der diese Funktion im Nebenamt ausübt. Die katholische Militärseelsorge ist unter ihm als Quasi-Diözese organisiert.

Die Militärseelsorger werden (in der Regel für mindestens 6 Jahre) von ihren Landeskirchen bzw. Diözesen für diesen Dienst freigestellt. Dadurch soll eine intensivere Betreuung der Soldaten und ihrer Familien vor Ort gewährleistet werden. Sie nehmen an Übungen und Auslandseinsätzen der Bundeswehr teil.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich resp. Österreich-Ungarn gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg für alle wichtigen Glaubensrichtungen (römisch-katholisch, griechisch-orthodox, griechisch-katholisch, protestantisch, israelitisch, islamisch) Militärgeistliche.

Glasfenster der Four Chaplains, anglikanische Priester des Zweiten Weltkrieges im US-Pentagon

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweizer Armee war Feldprediger (Fpr) die frühere Bezeichnung für Armeeseelsorger (Asg).

Frankreich[Bearbeiten]

Die „Aumôniers militaires“ gehören zum Offizierkorps ihres Verbandes/Stabes und werden gemäß dem Reglement im Schriftverkehr generell als « Monsieur (oder Madame) l’aumônier » angesprochen. Sie sind auch mit besonderen Rangabzeichen ausgestattet.

  • Katholische Militärgeistliche der Land- und Luftstreitkräfte werden gemäß Reglement als « Padre »angesprochen, gewöhnlich wird jedoch « Mon père » verwendet. An Bord von Schiffen wird der Geistliche als « Monseigneur » oder « Bohut » tituliert.
  • Protestantische Militärpfarrer werden « Pasteur » genannt.
  • Israelitische Seelsorger heißen « Monsieur le rabbin »
  • Islamische Geistliche werden als « Monsieur » angesprochen, bis eine Regelung erfolgt ist, die auf traditionellen Gepflogenheiten fußt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Praktisches Handbuch für Feldprediger, oder, Belehrung über den ganzen Umfang ihrer Pflichten und Rechte, Himburgischen Buchhandlung, 1802, 501 Seiten, Vollständige Ansicht in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dagmar Pöpping: Die Wehrmachtseelsorge im Zweiten Weltkrieg, in: Zerstrittene "Volksgemeinschaft". Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus. Hg. von Manfred Gailus und Armin Nolzen, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, S. 258 ff, ISBN 9783525300299

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Militärgeistliche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]