Füsilier

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Uniformen des preußischen Füsilier-Regiments Prinz Heinrich No. 35 (1757), Farbtafel von Richard Knötel
Uniformen der preußischen Füsilier-Bataillone No. 1 und 2 (1792), Farbtafel von Richard Knötel
Das Füsilier-Bataillon des 1. Garde-Regiment zu Fuß in der Schlacht bei Großgörschen (1813), Gemälde von Carl Röchling
Füsiliere der Schweizer Armee bei einer Übung während der Armeetage 2007 in Thun

Füsiliere waren ursprünglich mit einem Steinschlossgewehr (französisch fusil) bewaffnete Infanteristen. Ab dem späten 18. Jahrhundert verstand man darunter in deutschen Heeren meist Leichte Infanterie, bis sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Unterscheidung zur Linieninfanterie verlor. Der Begriff wird heute noch in einigen Streitkräften verwendet, hat aber meist nur mehr traditionelle Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Aufkommen des Steinschlossgewehrs um 1670 bezeichnete man in Frankreich die damit bewaffneten Soldaten in Abgrenzung zu den mit Luntenmusketen ausgerüsteten Musketieren als Füsiliere. Nachdem in europäischen Heeren das Steinschlossgewehr bis 1700 die Luntenmuskete völlig verdrängt hatte, gab es technisch gesehen nur noch Füsiliere, auch wenn man überwiegend am Begriff Musketier festhielt und auch das Steinschlossgewehr weiter als Muskete bezeichnete. Im französischen Sprachraum setzte sich jedoch der Begriff Füsilier durch.

Das erste Füsilierregiment wurde 1671 von Ludwig XIV. in Frankreich errichtet.

In Preußen lautete der unterste Dienstgrad in den 32 vor 1740 aufgestellten Regimenter zu Fuß „Musketier“, während dieser in den danach von Friedrich II. neuaufgestellten Regimenter Füsiler-Regimenter konsequenterweise als „Füsilier“ bezeichnet wurde. Uniform, Bewaffnung und Auftrag war mit den Musketieren identisch, jedoch trugen sie mit Ausnahme der Offiziere statt des Zweispitzes eine Füsiliermütze. Man akzeptierte bei ihrer Werbung auch kleinere Rekruten und verwendete diese Regimenter meist nur für das zweite Treffen. 1783 stellte man drei sogenannte Füsilier-Freiregimenter auf, deren Bataillone 1787 als Füsilierbataillone selbständig wurden. Ihr Auftrag war der der Leichten Infanterie, jedoch führten sie nicht das zerstreute Gefecht des Jäger zu Fuß, auch wenn sie wie diese eine grüne Uniform trugen. Nach der Katastrophe von 1806 wurden die Füsiliere bei den Scharnhorstschen Reformen nicht mehr als selbständige Bataillone aufgestellt, an ihre Stelle traten die dritten oder Füsilier-Bataillone der Linieninfanterie-Regimenter. Sie trugen die gleiche Uniform wie die Musketiere der ersten beiden Bataillone, jedoch mit schwarzem Koppelzeug und Tornisterriemen statt weißem und konnten sowohl als Tirailleure als auch als Linieninfanterie eingesetzt werden. Die zwischen 1815 und 1820 aufgestellten Infanterieregimenter Nr. 32 bis 40 und das Garde-Füsilier-Regiment wurden als Füsilerregimenter bezeichnet, unterschieden sich jedoch in Ausrüstung und Auftrag nicht von der normalen Infanterie. Die Füsilierebataillone waren gegen Ende der 1840er Jahre die Ersten, die mit dem Zündnadelgewehr ausgerüstet wurden, mit dessen Einführung im ganzen Heer in den 1850er Jahren fiel dieses Unterscheidungsmerkmal jedoch weg, so dass ab dann bis zum Ende der Alten Armee 1919 die Bezeichnung von Verbänden als Füsiliere nur mehr traditionelle Gründe hatte. Eine Ausnahme bildete das Schützen-(Füs.)-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108, das das einzige Linieninfanterie-Regiment in grüner Jäger-Uniform war. Der Unterschied zwischen Leichter Infanterie und Linieninfanterie war ansonsten weggefallen. Nachdem es zwischen 1919 und 1943 keine Füsiliere im deutschen Heer gegeben hatte, führte die Wehrmacht 1943 Füsilierbataillone ein, die infanteristische und Aufklärungsaufgaben anstelle der aufgelösten Aufklärungsabteilungen übernahmen.

Füsiliere in heutigen Streitkräften[Bearbeiten]

In der Schweiz werden leichte Infanteristen als Füsiliere bezeichnet. Sie sind meist mit Radschützenpanzern ausgerüstet und weisen eine hohe Beweglichkeit auf dem Gefechtsfeld auf. Diese lassen sich leichter über weite Strecken im Lufttransport transportieren als Kettenpanzer. Füsiliere tragen überall dort die Hauptlast des Kampfes, wo der Gegner seine Überlegenheit an mechanisierten Kräften nicht voll zur Wirkung bringen kann. Sie sind daher besonders geeignet, in bedecktem, durchschnittenem oder dicht bebautem urbanen Gelände zu kämpfen.

In Frankreich werden infanteristische Komponenten von Marine und Luftwaffe als Füsiliere bezeichnet.

In Portugal und Uruguay führt die Marineinfanterie den Namen Fuzileros Navales bzw. Fusileros Navales.

Bei der Britischen Armee geht das heutige Royal Regiment of Fusiliers aus einem 1685 zum Schutz der Artillerie mit Steinschlossgewehren bewaffneten Infanterieregiment hervor.

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Knötel, Herbert Knötel, Herbert Sieg: Farbiges Handbuch der Uniformkunde. Die Entwicklung der militärischen Tracht bis 1937.
    • Band 1: Die deutschen Staaten, Österreich-Ungarns und der Schweiz Neuauflage, Weltbild, Augsburg 1994.
    • Band 2: Die europäischen und aussereuropäischen Staaten mit Ausnahme der in Band 1 behandelten Streitkräfte der deutschen Staaten, Österreich-Ungarns und der Schweiz. Neuauflage, Spemann, Stuttgart 1994.
  • Liliane und Fred Funcken, Historische Uniformen:
    • Band 1, 18. Jahrhundert, französische Garde und Linieninfanterie, britische und preußische Infanterie. Mosaik-Verlag, München 1977, ISBN 3-570-04361-4;
    • Band 2, 18. Jahrhundert, französische, britische und preußische Kavallerie und Artillerie, Infanterie, Kavallerie und Artillerie der übrigen europäischen Länder. Mosaik-Verlag, München 1978, ISBN 3-570-01865-2;
    • Band 3, Napoleonische Zeit, 1. französische Linienregimenter, britische, preußische und spanische Truppen der Zeit des Ersten Kaiserreiches. Mosaik-Verlag, München 1978; ISBN 3-570-06389-5;
    • Band 4, Napoleonische Zeit, 2. französische Kaisergarden, die Truppen der Alliierten, die schwedische, österreichische und russische Armee zur Zeit des Ersten Kaiserreichs. Mosaik-Verlag, München 1979, ISBN 3-570-05449-7;
    • Band 5, 19. Jahrhundert, 1814-1850: Frankreich, Großbritannien, Preußen. Infanterie, Kavallerie, technische Truppen und Artillerie. Mosaik-Verlag, München 1982, ISBN 3-570-04961-2;
    • Band 6, 19. Jahrhundert, 1850-1900: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Österreich, Rußland. Infanterie, Kavallerie, technische Truppen, Artillerie. Mosaik-Verlag, München 1983, ISBN 3-570-01461-4;