Jäger (Militär)

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Jäger der kurhessischen Armee im Angriff.

Jäger steht in deutschsprachigen Streitkräften für „mit der Büchse bewaffnete, vorwiegend zum Einsatz im zerstreuten Gefecht bestimmte Truppengattung der Infanterie“.[1] Die Truppengattung entstand im 17. Jahrhundert in Hessen, und nachfolgend in weiteren deutschen Armeen, als dort Einheiten und Verbände aus ausgebildeten Berufsjägern und Förstern aufgestellt wurden. Diese taten als „Landeskinder“ loyal und freiwillig ihren Dienst, im Gegensatz zu den „gepressten“ Soldaten der Linieninfanterie. Die im jagdlichen und forstlichen Berufsleben bereits selbständig handelnden Jäger konnten im Rahmen einer Auftragstaktik selbständig und ohne direkten Kontakt zur Führung operieren. Sie verfügten berufsbedingt über bessere Schießfertigkeiten und auch ausgeprägtere Fähigkeiten zur Orientierung im und Ausnutzung von Gelände, was im Schützengefecht sowie im Vorposten- und Erkundungsdienst von Vorteil war.

Truppengattung[Bearbeiten]

Die Bedeutung der Jäger als Truppengattung ging im 19. Jahrhundert in dem Maße zurück, wie die Gewehre der Infanterie mit gezogenen Läufen ausgerüstet wurden und sich die Ausbildung für das Schützengefecht allgemein durchsetzte.

Heute gehört die Jägertruppe zur leichten Infanterie. Die Bezeichnung Grenadier, Füsilier und Jäger werden heute für motorisierte, teilweise auch mit Radpanzern ausgestattete mechanisierte Infanterie je nach Land und Militärtradition synonym benutzt. Ähnliche Truppen werden im französischen als Chasseurs à Pied, im englischen als Light Infantry oder Rifles und in Italien als Bersaglieri bezeichnet.

Auftrag heute ist der infanteristische Kampf im bedeckten und durchschnittenen sowie urbanem Gelände im Orts- und Häuserkampf, auch nach Luftlandung mit Hubschraubern.

Der unterste Mannschaftsdienstgrad in der Infanterie in der Bundeswehr wird heute als Jäger bezeichnet.

Geschichte der Jägertruppe in Deutschland[Bearbeiten]

Entstehung bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ein bronzener Preußischer Jäger bewacht das Kriegerdenkmal in Mogilno (Provinz Posen)

Die Bildung der Jägertruppe erfolgte im 17. Jahrhundert aus dem Bestreben, die Wirksamkeit des Feuergefechts der Infanterie zu erhöhen. Die auch als Scharf- oder Büchsenschützen bezeichneten Jäger führten als erste Gewehre mit gezogenem Lauf, die die Treffsicherheit erheblich steigerten. Diese brachten die Jäger in der Anfangszeit der Truppe selber mit. Die aus Jägern und Forstleuten bereits 1631 unter der Regentschaft von Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel aufgestellte Jägertruppe ist die älteste im deutschen Sprachraum. In Bayern wurden im Jahr 1645 und in Brandenburg 1674 ebenfalls erste freiwillige Jäger aufgestellt. Auf das Konzept der hessischen Einheiten gingen die später in Preußen mit dem Garde-Jäger-Bataillon und weiteren Verbänden für jedes preußische Armeekorps als Korpstruppe sowie die in den anderen deutschen Staaten aufgestellten Jäger zurück.

Die Soldaten der Jägertruppe wurden als Aufklärer, Scharfschützen und Plänkler außerhalb der regulären Schlachtordnung eingesetzt. Bei der Leichten Infanterie bildeten sie als Elitekompanien das Gegenstück zu den Grenadieren der Linieninfanterie. Ihr Gegenstück bei der Kavallerie waren die Karabiniers, die mit einem zielgenaueren Karabiner ausgerüstet waren, der mit Zügen versehen war. Nachteil der Büchsen mit ihrer besseren Treffsicherheit, war die längere Zeit für das Laden der Waffe, da die Bleikugel mit dem Ladestock in den gezogenen Lauf gehämmert werden musste.

Im Gegensatz zu vielen Fremden oder Gepressten der Infanterie der damaligen Zeit handelte es sich um freiwillige Landeskinder, mit besonderer Loyalität zu ihrem Landesherrn. „Die Flinte ins Korn werfen“ war damit bei den Jägerbataillonen so gut wie ausgeschlossen, insbesondere da sie mit Büchsen und nicht mit Musketen ausgerüstet waren.

Deutsche Jäger im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg[Bearbeiten]

Abschied zweier freiwilliger Jäger von ihren Eltern (1813, Heinrich Anton Dähling)

Die im Rahmen des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges auf englischer Seite als Subsidientruppen eingesetzten Jäger vor allem aus Hessen erlangten bei den Amerikanern hohe Bekanntheit und waren gefürchtet. Der Ruf „Erbarme, die Hesse komme“ ist wohl mehr auf die Übergriffe hessischer Grenadiere zurückzuführen als auf ihre Kampfweise. Sie machten nicht selten gefangene Kolonisten nieder, die sie – aus Grenadiersicht regelwidrig aus einer Deckung heraus – in der Linie beschossen hatten.

Ebenso stellte Braunschweig Jägertruppen für den Kampf der Briten in Nordamerika. Hier trafen die deutschen Jäger auf ihre nordamerikanischen Nachfolger – die Ranger. Der früheste militärkundliche Beitrag zum PartisanenkriegAbhandlung über den kleinen Krieg (Kassel 1785) – stammt vom hessischen Feldjägerhauptmann und späteren General Johann von Ewald und verarbeitet vor allem dessen Erfahrungen aus dem amerikanischen Aufstand. Die „Greencoats“ – im Unabhängigkeitskrieg operierende hessische Jägerverbände – waren auf amerikanischer Seite gefürchtet. Nach der britischen Kapitulation wurde auch Johann von Ewald Gefangener der amerikanischen Seite; dennoch wurde ihm die Ehre zuteil, Fort West Point besichtigen zu dürfen.

Militärische Ausrichtung der Jäger[Bearbeiten]

Jäger aus Hessen-Kassel, 1776–1783

Die Jägertruppe hatte in der Frühzeit den Auftrag, der eigenen Armee voraus aufzuklären und im gezielten Schuss vor allem Offiziere und Kanoniere gefechtsunfähig zu machen und so die Gefechtskraft gegnerischer Armeen herabzusetzen. Dazu wurde der Drill, der für die Linientruppen galt, weniger streng angewendet. Bei den Jägern stand nicht das möglichst „automatenhafte“ Ausführen von Schieß- und Ladeabläufen in dichter Formation und ein Aufmarschieren in geschlossener Gefechtskolonne im Mittelpunkt, sondern das selbstständige Ausnutzen des Geländes und der gezielte Schuss auf ausgewählte Ziele. Daher führten die Jäger als Signalinstrument auch nur Jagdhörner und nie Trommeln. Die Jäger sollten in lockerer Aufstellung und kleineren Einheiten operieren, die nicht an geschlossene Formationen gebunden waren, und bewachsenes und durchschnittenes Gelände sowie Deckung möglichst gut ausnützen. So stand naturgemäß der gezielte scharfe Schuss im Vordergrund der Ausbildung. Es wurde häufig auf Zielscheiben geübt, was es zu dieser Zeit bei der Infanterie nicht oder kaum gab.

Jägereinheiten operierten vergleichsweise unabhängig, da sie unmittelbar einem höheren Befehlshaber unterstellt waren. Entscheidungen wurden durch das aufgelöste Gefecht auf die untere Führungsebene mit kleinen Jägertrupps verlagert. Der einzelne Jäger sollte im Gegensatz zur Linientruppe, bei deren Kampf es vor allem darum ging, den Gegner aus der dichten Formation mit einem weitgehend ungezielten Kugelhagel einzudecken, in der Lage sein, selbstständig Ziele auszuwählen und mit einem gezielten Schuss zu treffen. Überliefert ist in diesem Zusammenhang ein Ausspruch Friedrich des Großen, als seine Jäger unter dem Oberst Bouton des Granges im Gleichschritt an ihm vorbei paradierten – „wollt ihr wohl auseinander ihr Schäker“. Dieser neuartige Ansatz eines selbständig kämpfenden Soldaten manifestierte sich auch in einem anderen Verhältnis der Offiziere zu ihren Jägern. Wurde der gemeine Soldat in einem Linienregiment als „Hundsfott“ abgetan und auch gelegentlich angeredet, war es in der Jägertruppe üblich, sich im damals als vornehm geltenden Französisch als Monsieur (dt. „Herr“) anzusprechen.

Dieser Ansatz schlug sich auch in der Ausrüstung nieder. Jäger kämpften mit Büchsen, gezogenen Jagdgewehren, die sie in der Anfangszeit selber mitbrachten und die im Gegensatz zu den Musketen der Infanterie ein genaues Zielen ermöglichten. Diese Gewehre waren wie heutige Jagdbüchsen mit einem Stecher versehen. Jägereinheiten verfügten außerdem über eine weitaus geringere Menge an Ausrüstung, was einerseits den weitgehenden Verzicht auf Bagagewagen ermöglichte und damit die Bewegungsfähigkeit im unwegsamen Gelände erhöhte, andererseits Probleme beim Biwak und bei der Versorgung der Truppe aufwarf.

Uniformierung[Bearbeiten]

Da sich die frühen Jäger aus Forstleuten rekrutierten, war ihre Uniform im Gegensatz zur Linieninfanterie grün. Ihr Signalinstrument, das Jagdhorn, findet sich bis heute neben Hirschgeweih, Eichenblatt und Saukopf vielfach in den Bataillonswappen wieder.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Linieninfanterie, welche mit dem Bajonett ausgerüstet war, trugen die Jäger den Hirschfänger als Seitenwehr. Dieser wurde nicht aufgepflanzt, sondern diente nur als blanke Seitenwaffe. Typisch war, dass die Jäger das Gewehr nicht wie die Infanterie übergehängt über die rechte Schulter trugen, sondern in der Jägertrageweise unter dem rechten Arm mit dem Gewehrriemen über der Schulter, so dass die Laufmündung nach vorne zeigte. Diese Trageweise erlaubt eine schnellere Schussbereitschaft oder einen Deutschuss auf überraschend auftauchenden Feind, und ist auch noch heute gebräuchlich.

Traditionell grüßt die Truppe mit Horrido und antwortet mit einem joho. Als Jägerwetter wird militärisch eine Wetterlage mit Starkregen und Kälte bezeichnet, da Jäger besonders unter diesen widrigen Bedingungen kämpfen können. Wollte man die Jägertruppe und ihre Gefechtsweise zur Zeit des Absolutismus mit der heutigen militärischen Zeit vergleichen, so waren die (auch in den Flanken operierenden) Jäger die Sondereinsatzkräfte ihrer Zeit für fast 400 Jahre.

Jäger in Preußen[Bearbeiten]

Preußischer Jäger, 1806

Der spätere königlich-preußische Generalmajor Philipp Ludwig Siegmund Bouton des Granges wurde 1759 Kompaniechef im Jägerkorps und stieg bis 1786 zum Chef des Jägerkorps zu Fuß auf. 1760 wurden die beiden Kompanien bei Charlottenburg von russischen Kosaken durch fehlerhafte Führung und Ausweichen über offenes Gelände aufgerieben, jedoch gleich darauf aber zu vier Kompanien wieder aufgestellt.

Im Jahre 1780 übernahm der damalige Major und spätere Generalfeldmarschall Ludwig Yorck von Wartenburg (1759–1830) das Feldjägerregiment und entwickelte unter Nutzung der Erfahrungen aus den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) und dem Einsatz von Tirailleuren in Frankreich Grundsätze für die Gefechtsausbildung der Truppe. Bei Altenzaun, nördlich von Stendal, lieferten die Yorckschen Jäger am 26. Oktober 1806 französischen Truppen erfolgreich Rückzugskämpfe. Die nach 1806 noch vorhandenen neun Jägerkompanien bildeten den Stamm für die in und nach dem nationalen Unabhängigkeitskrieg 1813/14 entstandene Jäger- bzw. Schützenbataillone. Einige Einheiten formierten sich wegen der größeren Beweglichkeit als berittene Infanterie.

Mit einem Erlass des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zum Kriegsbeginn 1813 wurden zahlreiche freiwillige Jägerdetachements gebildet. Diese mussten selbst für Ausrüstung und Bewaffnung sorgen, waren im Gegenzug jedoch auch dazu ermächtigt, sich ihre Offiziere selbst zu wählen. Bei den Linien- und Gardetruppen trugen die Freiwilligen Jäger die Uniform im Schnitt und mit den Abzeichen des jeweiligen Regiments, jedoch von dunkelgrüner Grundfarbe, lediglich beim Lützowschen Freikorps trugen auch die Jäger schwarze Uniformen. Eine weitere Besonderheit bestand darin, dass auch Juden diesen Detachements beitreten durften, die zum damaligen Zeitpunkt keinen Waffendienst leisten konnten.

Die Freiwilligen Jäger und die Judenemanzipation[Bearbeiten]

Eine besondere Beachtung wert ist auch der erstmalige Eintritt von Juden in die preußische Armee. Zwar war 1812 die Judenemanzipation verkündet, der Militärdienst vorerst aber ausdrücklich ausgenommen. Friedrich Wilhelm III. sah die Juden nicht gern in der Armee und nahm den Loskauf von der Militärpflicht mehrerer Kreise gern an. Trotzdem meldeten sich 1813 auch Juden zu den freiwilligen Jägern, wurden anfangs aber zurückgewiesen, da keine entsprechenden Befehle vorlagen. Aber schon Ende Februar entschied man sich, jüdische Freiwillige grundsätzlich anzunehmen, jedoch gaben sich viele von ihnen aber gar nicht zu erkennen. Im Fall des Meno Burgs, musste dieser, nachdem seine Religion bekannt geworden war, die freiwilligen Garde-Jäger verlassen. Eine Studie von Martin Phillipson versuchte jüdischen Freiwilligen zu erfassen und führt über 400 namentlich auf, von denen einige mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet sowie zu Offizieren beförderte wurden. Sie alle verließen nach dem Krieg die Armee, mit einer Ausnahme, dem späteren Major an der Artillerie-Schule Meno Burg, und dies auch nur nach persönlichem Eingreifen des Prinzen August zugunsten Burgs, nachdem er ihn bereits 1813 zur Artillerie geholt hatte. Ausgeschlossen wurden diese weiterhin bei der nach dem Aufruf von 3. Februar 1813 geänderten Gesetzgebung bei der Besetzung von Stellen im Staatsdienst, nach der ehemalige freiwillige Jäger bevorzugt Berücksichtigung finden konnten.[2]

Jägerbataillone der preußischen und anderer deutscher Armeen bis 1919[Bearbeiten]

Jäger in Felduniform, 1914

Die Bedeutung der Jäger als Truppengattung nahm im späten 19. Jahrhunderts in dem Maße ab wie die Kolonnentaktik durch das Schützengefecht bei der Infanterie ersetzt und die gesamte Infanterie mit gezogenen Waffen ausgerüstet wurde. Die Jägerbataillone in Deutschland wurden nach 1871 als unmittelbare Kampftruppe auf Korpsebene für Schwerpunkte des Gefechts oder für ungünstigen Geländebedingungen eingesetzt. In Österreich mit den k.u.k. Feldjägerbataillonen sowie in anderen Staaten mit den leichten Bataillonen geschah dasselbe.

Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs bestanden im deutschen Feldheer ein Gardejägerbataillon, ein „Gardeschützenbataillon“ und 18 Jägerbataillone. Diese waren jeweils den Korps als Korpstruppen unterstellt. Aus ihnen wurden während des Krieges vereinzelt „Jägerregimenter“ und Jägerdivisionen wie die Jäger-Division formiert. Wesentliche Teile stellten sie auch in der Ostsee-Division, die im Baltikum oder im Asien-Korps das in Palästina eingesetzt wurde. Solche Jäger-Großverbände stellte man auch im Zweiten Weltkrieg auf.

Von der abweichenden Kampfweise der Jägerverbände gingen wiederholt Innovationsschübe für die Infanterietaktik aus, die jedoch in einen stagnierenden Gesamtkontext in der damaligen preußischen Armee mit ihren Kaisermanövern einzuordnen ist. So wurden 1899 das Maschinengewehr in eigenen Maschinengewehr-Abteilungen mit gleicher Ordnungsnummer und ab 1913 das Fahrrad, als die Infanterie noch zu Fuß marschierte, bei den Jägertruppen erprobt und eingeführt. 1913 wurden beide in die Bataillone als 5./Maschinen-Gewehr-Kompanie und 6./Radfahrer-Kompanie eingegliedert. Wie beim Hannoversches Jäger-Bataillon Nr. 10 in Goslar wurde um 1900 mit der Skiausbildung begonnen. Scharfschützen wurden planmäßig erst 1915 während des Ersten Weltkriegs in die Jäger-Bataillone eingeführt. Ab Beginn führten einige Jäger aus eigener Initiative Zielfernrohrgewehre. 1916 wurden je eine Minenwerfer-Abteilung eingegliedert.

Im deutschen Heer hatte jedes Jägerbataillon 10 bis 12 abgerichtete Kriegshunde, deren Einsatz im 19. und 20. Jahrhundert infolge der durch den Grabenkrieg statisch werdenden Kriegführung wieder wichtig wurde. Sanitätshunde halfen beim Auffinden von Verletzten. Vorpostenhunde unterstützten Wachen und trugen Meldungen von Feldposten oder Patrouillen zurück. Ziehhunde wurden eingesetzt, um die Frontsoldaten mit Munition zu versorgen.

Diese Gliederung und Ausrüstung hat sich bis in die heutige Zeit als die Grundgliederung der Infanterie allgemein, zusammen mit dem neuen Gefechtsdienst im Angriff durch das Stoßtruppverfahren, bewährt.

Über die besondere Art der Gefechtsführung der Jägertruppe verfasste Erwin Rommel das Buch „Infanterie greift an“. Es beschäftigt sich mit seinen Kriegserlebnissen im Ersten Weltkrieg als Kompaniechef des Württembergischen Gebirgsbataillons, dem WGB. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden Jägerverbände häufig in Verbindung mit Kavallerie zur Flankensicherung und in offenen Geländeräumen zwischen Großverbänden sowie voraus als Schützenschleier eingesetzt; sie sicherten so den eigenen Großverband, dem sie unterstellt waren, gegen Umfassung ab. Gleichzeitig wurden sie immer als infanteristischer Schwerpunktverband insbesondere in schwierigem Gelände (wie dem Hartmannsweiler Kopf in den Vogesen) herangezogen. Mit Aufkommen der Stoßtrupptaktik dienten Teile der Jägerverbände zur Bildung von Sturmbataillonen. Major Willy Rohr entwickelte diese Taktik am Hartmannsweiler Kopf, General Oskar von Hutier an der Ostfront.

Von 1895 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs existierten im königlich-preußischen Heer außerdem Jäger zu Pferd. Diese, ab 1899 als Detachements für Kurier- und Verbindungsdienste aufgestellten Verbände wurden ab 1909 zu Regimentern vergrößert und der regulären Kavallerie zugeordnet.

In Deutschland ging aus der Jägertruppe durch eine erweiterte Ausbildung im Ersten Weltkrieg die Gebirgsjägertruppe hervor. Die 1936 aufgestellte Fallschirmjägertruppe trägt die Bezeichnung ebenso wie die im Zweiten Weltkrieg aufgestellte Panzerjägertruppe im Namen. Beide haben aber andere Aufträge. Die Feldjäger gehen auf das Reitende Feldjägerkorps zurück.

Jägertruppe der Reichswehr und der Wehrmacht[Bearbeiten]

In der Reichswehr wurden keine eigenen leichten Infanterieverbände aufgestellt, da das Infanteriegefecht allgemein in offener Ordnung erfolgte. Einzelne Bataillone in den Infanterie-Regimentern der Reichswehr übernahmen die Tradition der Jägerbataillone der vormaligen Armeen. Nur der Kampf im Gebirge sollte von Großverbänden geführt werden, die in den bayrischen Alpen stationiert waren. Der Kampf der Infanterie sollte im Angriff im Stoßtrupp geführt werden, wie dies schon während des Ersten Weltkriegs durch die Sturmbataillone erfolgte. Ein Skiausbildung erfolgte in entsprechendem Gelände auch durch die Infanterie-Regimenter wie das in Goslar stationierte 17. Infanterie-Regiment.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden zum Kampf in waldreichen Gebieten und im Winter auf Ski sowie zum Kampf in urbanem Gelände Jäger-Divisionen aufgestellt, die im Gegensatz zur regulären Gliederung einer Infanterie-Division der Wehrmacht mit drei Infanterie-Regimentern nur über zwei Jäger-Regimenter verfügten. Sowohl eine Infanterie-Division als auch eine Jäger-Division war nicht motorisiert, und marschierte zu Fuß in den Einsatz oder wurde über weite Strecken im Eisenbahntransport bewegt. Die sonstige Gliederung richtete sich nach der Gliederung einer Infanterie-Division der Wehrmacht. Das Divisions-Artillerieregiment wies jedoch keine schwere Artillerieabteilung auf. Aufgestellt wurden meist durch Umgliederung in der 12. Aufstellungswelle die 5. Jäger-Division, 8. Jäger-Division, 28. Jäger-Division, 97. Jäger-Division, 100. Jäger-Division, 101. Jäger-Division, 104. Jäger-Division sowie die 1. Skijäger-Division. Ein wesentlicher Unterschied in den Aufträgen und Einsätzräumen zu normalen Infanterie-Divisionen ergab sich im Verlauf der Operationen im Osten jedoch nicht.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jägertruppe der Bundeswehr

Die Jägertruppe ist eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Die Jägertruppe zählt zu den Kampftruppen des Heeres und bildet zusammen mit der Fallschirmjägertruppe und der Gebirgsjägertruppe die Infanterie des Heeres. Auftrag der Jägertruppe ist der Kampf gegen Infanterie in Mittelgebirgen, Wäldern und urbanem Gelände.

Seit der Heeresstruktur III waren jeder Division als Divisionstruppen u.a. zwei gekaderte Jägerbataillone unterstellt. Nur der 6. Panzergrenadierdivision waren mit den Jägerbataillonen 66 und 67 aktive Verbände unterstellt.

Ab 1972 wurden im Territorialheer in den Wehrbereichskommandos zunächst je eines der teilaktiven Heimatschutzkommando 13 bis 18 aufgestellt und u.a. Jägerbataillone unterstellt. Diese wurden 1982 in die Heimatschutzbrigaden 51 bis 56 umbenannt und aktive Jägerbataillone unterstellt u.a. das Jägerbataillon 511 der Heimatschutzbrigade 51. Alle anderen Verbände waren mobilmachungsabhängig.

Traditionen der Jägerverbände wie die Kasseler Jäger und die Marburger Jäger in Hessen wurden unter diesen Bezeichnungen in der preußischen Armee und auch in den Jägerbataillonen des Territorialheeres der Bundeswehr fortgeführt.

Die Deutsch-Französische Brigade wurde 1989 aufgestellt. Ihre deutschen infanteristischen Anteile bestehen aus den Jägerbataillonen 292 und 291 (TPz).

Im Zuge der Gliederung des Heeres der Bundeswehr in der Struktur Neues Heer im Zeitraum von 2003 bis 2010 wurde die Jägertruppe umgegliedert, die Masse der wenigen aktiven und alle nicht aktiven Jägerbataillone aufgelöst. Im Jahr 2006 hat die Bundeswehr, in Anlehnung an die Tradition der Jägertruppe, bei der Aufstellung des neuartigen luftverlegbaren Jägerregiment 1, dessen Hauptkontigent und Stab in Schwarzenborn, Nordhessen stationiert. Es wurde bewusst eine Garnison gewählt, die im historischen Ursprungsraum der Jägertruppe liegt.

Die Jägertruppe – Jägerbataillon 91, Rotenburg (Wümme), Jägerbataillon 1, Schwarzenborn und Jägerbataillon 413, Torgelow – wird mit der Neugliederung HEER2011 zur mit Radpanzern GTK ausgestatteten Infanterie umgegliedert. Je ein Bataillon wird, wie vormals die Grenadiere MTW innerhalb der Panzergrenadierbataillone, einer der mechanisierten Brigaden der 1. Panzerdivision unterstellt. Die Jägerbataillone 291 und 292 bleiben weiterhin der Deutsch-Französischen Brigade unterstellt, und sind ebenfalls mit TPz Fuchs und GTK ausgestattet.

Die Dienstgradbezeichnungen Oberjäger und Stabsoberjäger für die Dienstgrade Unteroffizier und Stabsunteroffizier wurden noch bis 1959 in Jäger- und Luftlandetruppenteilen der Bundeswehr verwendet.

In der deutschen Bundeswehr werden Soldaten im niedrigsten Dienstgrad der Truppengattungen Fallschirmjäger, Gebirgsjäger und Jäger, bis 1991 auch Soldaten im Wachbataillon, als Jäger bezeichnet.

NVA[Bearbeiten]

In der Nationalen Volksarmee der DDR wurde keine Jägertruppe aufgestellt. Als Einheitsinfanterie kannte man nur die Truppengattung der mechanisierten Infanterie, die als Mot-(orisierten) Schützen bezeichnet wurden und die hinsichtlich Stärke und Ausrüstung sich an das Vorbild der Sowjetarmee anlehnten. Sie stellten – zusammen mit der Panzertruppe – das Rückgrat des Heeres dar.

Bundesgrenzschutz[Bearbeiten]

Auch aus der Geschichte des Bundesgrenzschutzes (heute: Bundespolizei) ist eine „Variante“ des Jägers bekannt. Die Grenzjägerlaufbahn mit den Amtsbezeichnungen Grenzjäger, Grenztruppjäger, Grenzoberjäger und Grenzhauptjäger bezeichnete die Laufbahn des einfachen Dienstes. Mit dessen Abschaffung beim Bundesgrenzschutz im Rahmen der Grenzschutzdienstrechtsreform 1976 wurden die Angehörigen dieser Dienstgradgruppe in den mittleren Dienst überführt und unabhängig von ihrem vorherigen Dienstgrad zu Polizeioberwachtmeistern ernannt.

Streitkräfte andere Länder[Bearbeiten]

England[Bearbeiten]

Leichte Infanterie, die mit der Baker Rifle ausgestattet waren, wurden im 18. und 19. Jahrhundert in der British Army erstmals mit dem King’s Royal Rifle Corps (60th Regiment of Foot) und dem 95th Rifles Regiment sowie der Rifle Brigade aufgestellt.

Scharfschützen traten erstmals in den Rangerkompanien auch unter Robert Rogers während des Siebenjähriger Krieges in Nordamerika sowie im später nachfolgenden Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges auf. Im Napoleonische Kriege auf der Iberischen Halbinsel setzte die dort operierende British Army mit der King’s German Legion 1807 bis 1814 Rifles ein.

Russland[Bearbeiten]

Eine Besonderheit ist der Feldjäger in russischen Streitkräften, der im 18. Jahrhundert über preußischen Feldjägeroffizier, die in russische Dienste traten, eingeführt wurde. Der Begriff hat in Wortbildungen wie beispielsweiser Feldjägerkurierdienst (russisch Фельдъегерская почстовая связь / de: feldjägerskaja potschtowaja swjas) die Zeiten bis heute überdauert.

Österreich[Bearbeiten]

Österreich-Ungarn (1867–1918)[Bearbeiten]

In der österreichisch-ungarischen Armee gab es traditionell ebenfalls eine Jägertruppe bestehend aus den

Der unterste Dienstgrad (auch bei den nicht zu den Jägern zählenden k.k. Landesschützen) war Jäger, der Korporal als unterster Unteroffiziersdienstgrad wurde „Unterjäger“ genannt. Dies ist analog zu sehen mit der Dienstgradbezeichnung Oberjäger für den Unteroffizier, der als Unteroffiziersdienstgrad über dem Korporal steht. Im der österreichischen Armee stand an seiner Stelle der Zugsführer.


Ein Aufstellung der österreichischen Jäger findet sich in der Liste der k.u.k. Kampftruppen.

Bundesheer[Bearbeiten]

Das österreichischen Bundesheer bezeichnet seine Infanterie als Waffengattung Jäger. Traditionell tragen diese die grüne Waffenfarbe am Revers und ein grünes Barett. Diese sind aber wie Grenadiere mechanisiert und kämpfen zusammen mit der Panzertruppe das Gefecht der verbundenen Waffen. Auch nach Umsetzung der Bundesheerreform bis 2010 werden Jäger mit ca. 10.000 Soldaten (acht Jägerbataillone und das Gardebataillon) den größten Teil des Bundesheeres ausmachen. Neben diesen aktiven Einheiten werden ferner zehn Mob-Jägerbataillone (eines pro Bundesland, zwei in Wien) existieren.

Bestandteile der österreichischen Jägertruppe sind auch die

Belgien[Bearbeiten]

Die Ardenenjäger sind heute mit einem Bataillon Teil des belgischen Heeres. Das ursprüngliche Regiment wurde 1933 unter diesem Namen aufgestellt. Im dreisprachigen Belgien gab es in der Armee mit dem 3. Bataillon der Ardenenjäger in Vielsalm bis 1994 auch einen deutschsprachigen Verband. Eblem des Bataillons und ursprünglichen Regiments ist ein Eberkopf eines Wildschweins.

Frankreich[Bearbeiten]

Die Armée de terre verfügt traditionell über Jägertruppen. Im neuen Heer sind diese noch als mechanisierte Jäger gleich den Füsilieren anderer Heeresstreitkräfte in der 2e brigade blindée – (2. Gepanzerte Brigade) mit dem 16e bataillon de chasseurs – (16. Jägerbataillon) mit „VBCI“ in Bitche eingebunden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. 1. Auflage. Militärverlag ... Berlin 1985, S. 334.
  2. Die freiwilligen Jäger der Befreiungskriege Vortrag gehalten auf einem Kolloquium am 16. Oktober 1993 in Plauen aus Anlaß des 180. Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht
  3. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Münter: Kurzgeschichte der deutschen Jägertruppe. Festschrift Jägertage 1986, Deutscher Jägerbund e. V.
  • Erwin Rommel: Infanterie greift an. Voggenreiter, Potsdam 1937, http://d-nb.info/575884878.
  • K.-u.-K.-Heer: Technischer Unterricht für die k.u.k. Infanterie- und Jägertruppe. (T.U.J.). Anhang. Technische Ausrüstung der Infanterie und Jägertruppe.
  • Schießinstruktion für die Infanterie und die Jägertruppe.
  • Ulrich Schiers: Fahnenflüchtig oder königstreu? Die Jäger des Herzogtums Lauenburg, in: AufBruch & BürgerKrieg. Schleswig-Holstein 1848–1851. Band 2, hrsg. von Jens Ahlers und Jan Schlürmann, Kiel 2012, S. 437–442, ISBN 978-3-941713-10-9.
  • Carl Friedrich Gumtau, Die Jäger und Schützen des Preussischen Heeres, Band 1, Band 2

Weblinks[Bearbeiten]