Dreyse Zündnadelgewehr

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Dreyse Zündnadelgewehr
Zündnadelgewehr m-1841 - Preussen - Armémuseum.jpg
Allgemeine Information
Einsatzland: Preußen
Entwickler/Hersteller: Johann Nikolaus von Dreyse
Produktionszeit: seit 1840
Waffenkategorie: Hinterladerbüchse
Technische Daten
Kaliber: 15,43 mm
Munitionszufuhr: Einzellader
Feuerarten: Einzelschuss
Verschluss: Zylinderverschluss
Listen zum Thema
Patronen aus den 1860ern:
l.: Papierpatrone 15.43 mm Dreyse
m.: Papierpatrone 11 mm Chassepot
r.: Metallpatrone .56-56 Spencer

Das Zündnadelgewehr ist ein von Johann Nikolaus von Dreyse 1827 in Sömmerda entwickeltes Gewehr mit damals neuartigen Zündnadelpatronen, die neben Geschoss und Treibladung auch das Zündelement enthielten. Das Gewehr war das erste in Massen produzierte und zum militärischen Einsatz taugliche Hinterladergewehr. Nach langer Entwicklungszeit begann die Massenproduktion 1840. Das Gewehr wurde in verschiedenen Varianten hauptsächlich von 1848 bis 1876 in der preußischen Armee verwendet. Die preußischen Erfolge im Deutschen Krieg 1866 führten zu einer Umstellung der Infanteriebewaffung auch in anderen Staaten. Das Prinzip der Zündnadelzündung wurde vor allem durch Frankreich als Chassepotgewehr übernommen. Darüber hinaus prägte das Prinzip der Hinterladung des Zündnadelgewehres, der Zylinderverschluss, die Waffentechnik noch auf Jahrzehnte.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Büchsenmacher Samuel Johann Pauli hatte 1810 aufgrund einer Ausschreibung von Napoleon Bonaparte ein Hinterladergewehr entwickelt, bei dem mit Hilfe eines Schlagbolzens eine neuartige Patrone gezündet wurde. Die Patrone enthielt Geschoss, Treibladung und in einem Bodenstück aus Metall die Zündpille aus dem damals neuartigen Knallquecksilber. Das System war sehr fortschrittlich, litt aber an praktischen Problemen; die brisante Zündpille war gefährlich weil ungeschützt und die Gasdichtigkeit der Waffe war wegen des Zündlochs im Boden mangelhaft. Pauli war kein Erfolg gegönnt, sein Schüler Johann Nikolaus von Dreyse war Jahrzehnte später umso erfolgreicher. Dreyses Wanderjahre 1809–1814 führten ihn nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Schlosser aus dem preußischen Sömmerda nach Paris und dort unter anderem in Paulis Werkstatt.[1]

Dreyse kehrte 1814 nach Sömmerda zum väterlichen Betrieb zurück. Er konnte einen verbesserten Herstellungsprozess für Zündhütchen entwickeln und auf dem Patent von 1824 eine erfolgreiche Zündhütchenfabrik gründen.[2] Dreyse entdeckte 1827, dass sich damals verwendete Zündpillen nicht nur durch Schlag, sondern auch durch Stich entzünden lassen und entwickelte daraus die Idee für einen neuartigen Zündmechanismus.[1]

Dreyse entwarf daraufhin seine „Einheitspatrone“ und den dazugehörigen Gewehrprototyp zunächst als Vorderlader. Nach anfänglicher Ablehnung durch preußische Militärbehörden, denen Dreyse seinen Entwurf vorlegte, konnte Dreyse Fürsprecher gewinnen und entwickelte mehrere verbesserte Prototypen.[3] Einer seiner Fürsprecher war der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., dem Dreyse 1829 das Gewehr persönlich vorlegen durfte.[4] 1833 konnte er endlich mit dem Traubengewehr, sogenannt wegen dem Rohrabschluss in Form einer Traube, überzeugen und sich einen Auftrag über 1100 Stück sichern. Mit diesen Gewehren wurden zwei Bataillone ausgerüstet um eine umfassende Erprobung durchzuführen.[5] Da das Traubengewehr als untauglich abgelehnt wurde, entwarf Dreyse 1835 das Zylindergewehr, bei dem die Zündvorrichtung in einem Zylinder, dem Schlösschen, untergebracht war.[6]

Während Patrone und Zündvorrichtung grundsätzlich fertig entwickelt waren, erwies sich die Konstruktion des Vorderladers beim Laden der Patrone als gefährlich, da es immer wieder zu ungewollten Zündungen kam. Bei einem solchen Vorfall hat sich Dreyse an der Hand verletzt.[7] Dreyse entwickelte 1836 aus diesem Grund einen beweglichen Verschluss, den zukunftsweisenden Kammer- bzw. Zylinderverschluss, der es ermöglichte die Waffe von hinten zu laden. Sein Scharfschützengewehr benannter resultierender Entwurf war im Prinzip das spätere Serienmodell, musste aber noch einige Verbesserungsschleifen durchlaufen, um als ausgereift anerkannt zu werden.[8]

Massenproduktion und Einsatz[Bearbeiten]

Karikatur zur Einführung des unkonventionellen Gewehrs aus dem Jahr 1852

Nach erfolgreicher Erprobung durch die preußische Armee erteilte 1840 Friedrich Wilhelm IV., als König von Preußen, den Auftrag für 60.000 Gewehre. Um die Waffe in großer Menge herstellen zu können, errichtete Dreyse mit Hilfe von Staatskrediten eine Fabrik in Sömmerda. Die Produktion lief erst langsam an; die Gewehre wurden im Berliner Zeughaus eingelagert. Zur Tarnung wurde der Name „leichtes Perkussionsgewehr M/41“ gewählt. In der März-Revolution des Jahres 1848 eroberten aufständische Berliner das Zeughaus, wodurch etliche Zündnadelgewehre in ihre Hände fielen. In der Folgezeit gelangten einige Gewehre ins Ausland.[9] 1848 wurde das Zündnadelgewehr erstmals an ein preußisches Füsilierbataillon ausgegeben. Der erste Einsatz erfolgte 1849 bei der Niederschlagung der Aufstände während der deutschen Revolution erst in Dresden, dann der Pfalz und Baden sowie im Schleswig-Holsteinischen Krieg.[9][10] Damit bewies die Waffe ihre Praxisfähigkeit und Wilhelm I. ordnete ihre Einführung in der gesamten Armee an.[9] Da die Fabrik in Sömmerda die hohe Nachfrage nicht decken konnte (bis 1848 waren lediglich 45.000 Gewehre hergestellt), war Dreyse einverstanden, dass auch staatliche Fabriken die Zündnadelwaffen bauten. Dies geschah erstmals 1853 in der Königlichen Preußischen Gewehrfabrique in Spandau danach auch in Danzig, Saarn und Erfurt. Die Produktion wurde, unter Ausnutzung moderner Mittel wie Drehbank und Fräsmaschine, im Laufe der Jahre industrieller und effizienter, was eine Steigerung der produzierten Stückzahlen erlaubte. So produzierte beispielsweise Spandau zuerst 12.000 Waffen jährlich, was 1867 auf 48.000 gesteigert wurde.[11] 1855 erhielt das Gewehr offiziell die Bezeichnung Zündnadelgewehr. Im Laufe der Zeit wurden für verschiedene Anwendungen z. B. Jäger oder Kavallerie, verschiedene Varianten des Zündnadelgewehrs entwickelt.[9] Die Waffe wurde auch von verschiedenen deutschen Kleinstaaten, die sich im Einflussbereich Preußens befanden, beschafft.[12]

Wilhelm Camphausen: Im Deutsch-Dänischen Krieg erklärt ein preußischer Füsilier den verbündeten österreichischen Truppen das Zündnadelgewehr

Das Gewehr wurde im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 benutzt, die Bewertung blieb uneinheitlich. Das lag daran, dass bei dem Krieg nur kleinere Scharmützel auf offenem Feld geführt wurden, da sich die meisten Kampfhandlungen in Verteidigung bzw. Erstürmung von Befestigungen erstreckten.[13] Es kam auch vor, dass einige preußische Einheiten ihre Munition im Geplänkel vergeudet hatten. Dieses Problem haben die Kritiker des Zündnadelgewehrs immer wieder angemahnt. Durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit konnten die Preußen zwar diese Einheiten durch Aufmunitionierte austauschen; bei einem ebenbürtigen Gegner wäre das jedoch nicht so einfach möglich gewesen.[14]

Erst die preußischen Erfolge im Deutschen Krieg, besonders in der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz, im Jahre 1866 über die Österreicher überzeugten andere Staaten über die Vorteile der Gewehre mit Hinterladung.[15] In dem Krieg erwarb sich das Zündnadelgewehr seinen besonderen Ruf.[16] Die Technik war nur ein Teil des Erfolges. Generalfeldmarschall Moltke, der brillante preußische Stratege, setzte die Eigenschaften des Zündnadelgewehres in ein neues taktisches Konzept um. Statt einem Sturmangriff mit aufgepflanzten Bajonetten sollte der Angriff durch schnelles Gewehrfeuer erfolgen. Die festen, dicht gepackten Formationen wurden zugunsten einer aufgelockerten Aufstellung kleinerer Verbände aufgegeben. Dies minderte das Risiko, den eigenen Kameraden in den Rücken zu schießen.[17] Neben der üblichen Salve, bei der die Soldaten einer Einheit gleichzeitig feuerten, kam das „Schnellfeuer“ hinzu, bei dem jeder einzelne Soldat so schnell schießen durfte, wie er laden konnte.[18] Die neue Taktik wurde von konservativen Militärs wie Friedrich von Wrangel als unehrenhaft kritisiert, da ein Nahkampf von Angesicht zu Angesicht so vermieden wurde.[14] Preußen investierte auch deutlich mehr in die Schießausbildung jedes Soldaten. Die Schützen lernten dabei mit dem Visier umzugehen, um die wenig rasante Flugbahn der Geschosse (eine negative Eigenschaft des Zündnadelgewehrs) zu kompensieren.[19] Die Österreicher konnten sich auf das Zündnadelgewehr und Taktik der Preußen nicht einstellen. Letztendlich waren nicht nur die Bewaffnung sondern auch die ausbildungstechnische, organisatorische und taktische Unterlegenheit der Österreicher für den Ausgang des Krieges entscheidend.[20]

In Frankreich, Italien und Russland und anderen Staaten wurde das Zündnadelprinzip geprüft und durch eigenständige Lösungen verbessert.[21] Die Preußen versuchten, die Mängel ihrer technisch in die Jahre gekommenen Waffe zu mindern, um die Zeit zur geplanten nächsten Generation der Gewehre zu überbrücken.[22] Ab 1869 wurde eine Aptierung nach dem Vorschlag des Werkmeisters Johannes Beck der Königlichen Preußischen Gewehrfabrik in Spandau gestartet, um die mangelhafte Gasdichtigkeit in den Griff zu bekommen (siehe Aptierung nach Beck).[23] Zu dem Umbau gehörte eine geänderte Papierpatrone. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges im Jahre 1870 waren jedoch nur wenige Einheiten mit den geänderten Zündnadelgewehren ausgerüstet. Wegen einheitlicher Munitionsausrüstung mit der alten Munition mussten diese Einheiten die umgerüsteten Waffen aber umtauschen.[24] In dem Krieg erwies sich das Zündnadelgewehr dem über 20 Jahre später konstruierten französischen Chassepotgewehr, ebenfalls einem Gewehr mit Zündnadelzündung, unterlegen. Das Chassepotgewehr hatte eine größere Reichweite als das preußische Zündnadelgewehr. Damit konnten die Franzosen den deutschen Truppen schon auf große Entfernung hohe Verluste zufügen. Die Deutschen waren gezwungen sich unter Feuer den französischen Linien zu nähern, bis der Reichweitenunterschied ausgeglichen war. Dadurch wuchs die Bedeutung der deutschen Artillerie, die der französischen überlegen war, in der Angriffsvorbereitung für die Infanterie.[25]

Nach dem Krieg wurde die Aptierung wieder aufgenommen und die Zündnadelgewehre blieben bis 1876 im Dienst, ehe das Gewehr M/71, ein Hinterlader mit Metalleinheitspatrone, an die Truppe komplett ausgegeben war.[26] Der Zylinderverschluss des Zündnadelgewehres wurde weiter entwickelt und blieb auf Jahrzehnte, bis zu Aufkommen der Selbstladegewehre, das vorherrschende Verschlusssystem.[27]

Wirkprinzip[Bearbeiten]

Patrone und Prinzip der Zündung
1.Hülle 2.Geschoss 3.Treibspiegel 4.Anzündmittel 5.Treibladung 6.Zündfunken für Treibladung 7.Zündnadel

Das Zündnadelgewehr von Dreyse enthält drei wesentliche Neuerungen in der damaligen Waffentechnik:

  • Die Patrone enthält Geschoss, Treibladung und Zündmittel als Einheit. Das Geschoss aus Blei (2 in der Abbildung) sitzt in einem Treibspiegel aus Pappe (3). Unterhalb des Treibspiegels befindet sich das Anzündmittel (4), die Treibladung aus Schwarzpulver (5) ist darunter. Zusammengehalten werden die Komponenten der Patrone durch eine starke Papierhülle (1).
  • Die Patrone wird von hinten in den Lauf geladen; die Waffe ist ein Hinterlader. Die bewegliche Kammer wird fest an das Rohr gedrückt und somit nach hinten gasdicht abgeschlossen.
  • Im Gegensatz zu dem außen angebrachten Stein- bzw. Perkussionsschloss, befindet sich das Schlösschen innerhalb der Waffe (Innenzündung). Die Zündung erfolgt mit einer Zündnadel, die beim Abzug durch eine gespannte Spiralfeder in die Patrone hineingetrieben wird. Die lange Zündnadel muss erst die Papierhülle und das Treibmittel durchstoßen, um zu der Zündpille gelangen.[28]

Technik[Bearbeiten]

links: Verschluss offen
rechts: Verschluss geschlossen, Schlösschen gespannt

Das Zündnadelgewehr besteht aus den Hauptteilen Lauf, Entladestock, Schloss und Schaft. Die äußere Form entspricht weitestgehend dem Stand der damaligen Waffentechnik.

Der Schaft besteht aus Nussbaum- oder Ahornholz. Die Vereinigung des Laufes und Schaftes ist durch Ringe aus Messing bewerkstelligt. Bei den meisten Varianten kann ein Bajonett aufgepflanzt werden. Der Entladestock aus Stahl ist unterhalb des Laufs abgebracht. Er wird benutzt um eine Patrone, z. B. nach einem Zündversager aus dem Patronenlager zu stoßen sowie beim Putzen des Gewehres als Wischstock.[29]

Lauf[Bearbeiten]

Der Lauf wurde anfangs aus dem damals üblichen Schmiedeeisen hergestellt. Später wurde zum ersten Mal in der militärischen Waffenfabrikation der damals moderne Gussstahl[30] angewendet, der eine höhere Qualität aufwies.[31] In beiden Fällen wurde der Lauf aus Halbzeugen wie Blechen oder Knüppeln geschmiedet und anschließend aufgebohrt (siehe Laufherstellung). Er besteht aus dem Patronenlager und dem gezogenen Teil. In den gezogenen Teil des Laufes sind vier Züge mit einem Drallwinkel von 3°45′ eingeschnitten. Um das Patronenlager befindet sich ein Gewinde, mit dem der Lauf fest mit der Kammerhülse verbunden ist. Am Ende des Patronenlagers befindet sich das konisch geformte Mundstück, welches sich an die verschiebbare Kammer anlehnt und dadurch den Verschluss des Laufes nach hinten bewirkt.[29]

Schloss[Bearbeiten]

Schloss in Draufsicht und Querschnitt
1.Lauf 2.Kammerhülse 3.Kammer 4.Kammerstängel 5.Sperrfeder 6.Schlösschen 7.Nadelbolzen mit Zündnadel 8.Spiralfeder 9.Abzugszüngel 10.Abzugsfeder 11.Nadelrohr 12.Patrone

Die technische Neuerung des Zündnadelgewehrs war das Schloss; es verschließt den Lauf nach hinten und beherbergt den innen liegenden Mechanismus zur Entzündung der Patrone. Die Basis der Konstruktion sind drei ineinander geschobene Hohlzylinder, die Kammerhülse, die Kammer und das Schlösschen.[32]

Kammerhülse[Bearbeiten]

Die Kammerhülse (Nr. 2 in Abbildung) nimmt sämtliche Schlossteile auf und sorgt für Verbindung mit dem Lauf (1) und dem Schaft. In ihrem vorderen Teil befindet sich das Innengewinde für den Lauf, dahinter die Patroneneinlage. Die Ausschnitte auf der Oberseite der Kammerhülse führen den Kammerstängel (4) der Kammer (3). Zuerst sorgt ein etwas schiefer Einschnitt dafür, dass die Kammer beim Herunterdrücken des Kammerstängels an den Lauf gepresst wird, dann folgt der Einschnitt bis zum sogenannten Knie, welches die Rückwärtsbewegung des Kammerstängels beim Ladevorgang stoppt und dann zum Einschnitt zum vollständigen Herausziehen der Kammer.[29]

Kammer[Bearbeiten]

Die Kammer (3) verschließt den Lauf und nimmt die inneren Schlossteile auf. Das eingeschraubte Nadelrohr (11) führt die Zündnadel (7) stets in Richtung der Seelenachse. Um den Vorderteil des Nadelrohrs gibt es einen freien Raum, die sogenannte Luftkammer. Diese sollte die Verbrennung des Hülsenpapiers begünstigen und Verbrennungsrückstände aufnehmen, war aber in der Summe nachteilig und entbehrlich.[33] Der vordere Teil der Kammer schließt den Lauf mit dem Kammermund ab. An der Kammer ist der Kammerstängel befestigt und über diesen kann die Kammer in der Kammerhülse vom Schützen bewegt werden. Der hintere Teil nimmt das Schlösschen (6) auf.[29]

Schlösschen[Bearbeiten]

Zündnadel, Nadelbolzen und Schlösschen

Das Schlösschen (6) dient zur Aufnahme einiger Schlossteile, zur Leitung der Bewegungen des Nadelbolzens (7) und im Zusammenspiel mit der Sperrfeder (5) und der Kammer zum Spannen und Entspannen des Gewehrs. Es besteht aus zwei zylindrischen Hauptteilen; im vorderen bewegt sich der Nadelbolzen begrenzt durch die beiden Nadelbolzenköpfe, im hinteren wird die Spiralfeder (8) beim Spannen zusammengedrückt. Die Spiralfeder bewirkt das Vorschnellen der Zündnadel. Im Boden des Schlösschens befindet sich das Loch für den Nadelkopf. Somit kann die Zündnadel ausgewechselt werden, ohne dass dazu das Schloss zerlegen zu müssen.[34] Die Sperrfeder (5) hält durch den Ansatz den Nadelbolzen mit der Spiralfeder im Schlösschen und durch ihre Spannung und die beiden Nasen das Schlösschen in der Kammer fest. Mit Hilfe des Sperrfedergriffs lässt sie sich herunterdrücken und ausrasten um die Waffe zu entspannen. Der Nadelbolzen nimmt die Zündnadel auf. Im hinteren Teil befindet sich das Muttergewinde für die Zündnadel, vorne das Lederplättchenlager. Die beiden Nadelbolzenköpfe dienen zur Leitung der Bewegung des Nadelbolzens mitsamt der Zündnadel. Das Lederplättchen sperrt die Pulvergase von den inneren Schlossteilen ab. Die Zündnadel führt durch den Stich in die Zündpille die Entzündung derselben herbei. Sie besteht aus der Nadel, dem Schaft und dem Kopf mit Gewinde über welches sie mit dem Nadelbolzen befestigt ist. Die Nadel ist aus Stahl in den Schaft und dieser ebenso in den Kopf gelötet; der Schaft und der Kopf sind aus Messing.[29]

Abzugsgruppe[Bearbeiten]

Die Abzugsfeder (10) dient zum Halten und Abdrücken des Schlosses. Der Abzugszüngel (9) bewegt die Abzugsfeder. Dieser geht in das Druckstück mit den drei Drucknasen über. Durch Spannen des Abzugszüngels wird der Schuss ausgelöst. Wird der Abzugszüngel komplett durchgedrückt, dann entriegelte das die Kammer um diese aus der Kammerhülse herauszuziehen.[33]

Zubehör- und Ersatzteile[Bearbeiten]

Die wichtigsten Zubehörteile sind Kammer- und Nadelrohrreiniger. Diese dienen auch gleichzeitig als Werkzeug z. B. um die Zündnadel zu wechseln. Als wichtige Ersatzteile gelten Zündnadeln, Spiralfedern und Lederplättchen. Diese wurden von den Soldaten im Einsatz mitgeführt.[29]

Ladevorgang[Bearbeiten]

Der Ladevorgang mit den nötigen Handgriffen des Schützen spielt sich folgendermaßen ab:

1. Entspannen des Schlösschens

Der Daumen drückt den Sperrfedergriff nieder, dadurch tritt die hintere Nase der Sperrfeder aus der Kammerrast und wird das Zurückziehen des Schlösschens mit dem Daumenstollen möglich. Durch diese Bewegung wird der hintere Nadelbolzenkopf an den Abzugsfederstollen gebracht, welcher durch eine geringe Verstärkung der angewendeten Kraft zum Ausweichen gezwungen wird. Ist der hintere Nadelbolzenkopf über den Abzugsfederstollen hinweggezogen, so tritt der letztere wieder in das Innere des Schlösschens hinein. Ein komplettes Herausziehen des Schlösschens z. B. um dieses zu reinigen wird durch die vordere Nase der Sperrfeder verhindert. Die Nadel geht durch das Zurückziehen des Schlösschens so weit zurück, dass nur die Spitze derselben aus der Mündung des Nadelrohrs heraussteht.


2. Öffnen der Kammer

Ein Schlag der rechten Hand von unten an den Knopf führt den Kammerstängel von der schiefen Fläche in den Hülseneinschnitt und dreht die Kammer so, dass der Abzugsfederstollen in den Längeneinschnitt derselben kommt. Durch Zurückziehen des Kammerstängels bis an das Knie wird der Lauf geöffnet und die Patroneneinlage frei.


3. Einstecken der Patrone

Die Patrone wird durch die Patroneneinlage in das Patronenlager eingeschoben. Dabei muss die Patrone mit dem Daumen ganz nach vorne ins Patronenlager geschoben werden, um ein Verklemmen beim späteren Schließen der Kammer zu verhindern.


4. Schließen der Kammer

Die Kammer wird mittels Kammerstängel mit ihrer Schlussfläche bis an die Schlussfläche des Laufes vorgeschoben, der Kammerstängel auf die schiefe Fläche gedreht. Durch einen kräftigen Schlag auf den Kammerstängel wird dieser auf die schiefe Fläche gedrückt. Das bewirkt, dass die beiden Schlussflächen der Kammer und des Laufs an einander gepresst werden und so den Lauf nach hinten abschließen.


5. Spannen des Schlösschens

Das Schlösschen wird durch einen Druck auf die hintere Fläche des Daumenstollens so weit in die Kammer hineingeschoben, bis die hintere Sperrfedernase in die Kammerrast eingreift. Der Nadelbolzen, mit seinem hinteren Kopf gegen den Abzugsfederstollen gestützt, bleibt dabei stehen, tritt also mit dem Nadelkopf und dem hinteren Ende seines Schaftes aus dem im Boden des Schlösschens befindlichen Loch heraus. Die Spiralfeder wird durch den Boden des Schlösschens auf den festliegenden hinteren Nadelbolzenkopf gedrückt und dadurch gespannt.[29][34]

Abschussvorgang[Bearbeiten]

Zum Abfeuern zieht der Zeigefinger den Abzugszüngel zurück, bis der Abzugsfederstollen so weit aus dem Schlösschen herausgezogen ist, dass der hintere Nadelbolzenkopf nicht mehr blockiert wird. Die gespannte Spiralfeder entspannt sich und treibt den nicht mehr durch den Abzugsfederstollen aufgehaltenen Nadelbolzen mit seinem vorderen Kopf bis an das hintere Ende des Nadelrohrs. Dadurch gleitet die Nadel durch das Nadelrohr und deren Spitze durchsticht zuerst die Papierhülle der Patrone, dann das Treibladungspulver und dringt schließlich in die Zündpille ein und entzündet diese. Die Zündpille entzündet daraufhin das Treibladungspulver und die Verbrennungsgase treiben den Treibspiegel samt Geschoss aus dem Lauf.

Bewertung der Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Das Zündnadelgewehr wurde in etwa gleichzeitig mit gezogenen Vorderladern, oftmals System Minié, ab Mitte 19 Jahrhundert eingeführt. Dabei wurden Vor- und Nachteile des Zündnadelgewehrs als Hinterlader gegenüber den gezogenen Vorderladern von der militärischen Fachwelt diskutiert.[9]

Vorteile[Bearbeiten]

Traditionelle Militärs sahen einen großen Vorteil in der leichteren Reinigung des Laufs durch Zugang von beiden Seiten. Die damaligen Vorderlader verkrusteten nach 25–30 Schuss so stark, dass ein Laden nicht mehr möglich war. Bei gezogenen Vorderladern mit Minié-System war das Problem allerdings nicht mehr so gravierend.[35]

Bei einem Hinterlader war die Gefahr eines versehentlichen mehrfachen oder falschen Ladens viel geringer als bei Vorderladern. Dieses kam bei Vorderladern im Gefecht unter Stress immer wieder vor und konnte sich für den Schützen fatal auswirken. Weitere kleinere Vorteile waren Schonung der Züge im Lauf, da kein Stopfen mit eisernem Ladestock erforderlich war und eine größere Unempfindlichkeit gegen nasse Witterung.[9]

Die ausschlaggebenden Vorteile waren allerdings die Möglichkeit des Nachladens im Liegen und die höhere Schussfrequenz. Durch das Nachladen im Liegen bot der mit dem Zündnadelgewehr ausgerüstete Schütze eine deutlich kleinere Trefferfläche als der Schütze mit einem Vorderlader. Bei einem Vorderlader musste der Schütze stehen oder mindestens knien.[9] Die Schussfrequenz des Zündnadelgewehrs betrug etwa 3–5 Schuss pro Minute unter Gefechtsbedingungen, je nachdem ob Salvenfeuer oder freies Feuergefecht, auf dem Schießstand sogar bis zu 12 pro Minute.[36][35] Somit ist sie in etwa 3 mal höher als bei einem Minié-Vorderlader.[37]

Zu Beginn wurde die hohe Schussfrequenz allerdings als Gefahr der Munitionsverschwendung angesehen.[38] Mit der schnellen Schussfolge konnte ein Soldat seinen gesamten Munitionsvorrat von 60 Patronen in etwa 12 Minuten verschießen.[39]

Nachteile[Bearbeiten]

Das Zündnadelgewehr hatte aber auch ernsthafte Mängel. So ergab sich eine schlechtere Trefferleistung und Reichweite gegenüber anderen gezogenen Gewehren. Gegen Massenziele betrug die Reichweite etwa 600 Meter, Einzelziele konnten hingegen nur bis etwa 200 Meter mit großer Wahrscheinlichkeit getroffen werden.[40][41][42] Beispielsweise hatten die österreichischen gezogenen Vorderlader von Typ Lorenz hingegen eine Reichweite von etwa 750–900 m[43][44] Das französische Chassepotgewehr, ein gezogener Hinterlader, hatte gar eine Reichweite von 1200 Metern.[45]

Für die schlechteren Schussleistungen waren mehrere Konstruktionsmängel verantwortlich.

Da war der nicht ganz dichte Verschluss, der einen Teil der Pulvergase entweichen ließ.[38] Die Luftkammer sammelte zwar Verbrennungsrückstände, führte aber zu einem ungünstigen Verhältnis von Pulvermenge und Verbrennungsraum; somit wurde kein hoher Gasdruck erreicht.[46] Ein Nachteil war das Festhalten am traditionell großen Kaliber, obwohl schon zu dieser Zeit eine Kaliberverkleinerung empfohlen wurde. Durch den Treibspiegel hatte das Unterkalibergeschoss zwar nicht das Laufkaliber von 15,43 mm aber 13,6 mm waren immer noch ballistisch nachteilig.[47] Bei dem etwa 20 Jahre später konstruierten französischen Chassepotgewehr betrug das Kaliber nur noch 11 Millimeter.

Auch die komplizierte und dadurch fehleranfällige Herstellung der Einheitspatrone hatte eine negative Wirkung auf die Genauigkeit und Reichweite. Bei etwa 10 % der Patronen war das Geschoss nicht exakt im Treibspiegel ausgerichtet. Bei manchen Patronen kam es zu einer zu späten oder gar keiner Trennung von Geschoss und Treibspiegel. Beides führte zu taumelnden Bewegungen und abgebremsten Flugbahnen.[48]

Der Verschluss war schwergängig, besonders bei heißgeschossener Waffe. Zum Öffnen und Schließen war ein kräftiger Schlag mit der Hand auf den Kammerstängel nötig, was nach mehrfacher Wiederholung Schmerzen bereitete. So kam es im Gefecht zuweilen vor, dass aufgelesene Steine zum Schlagen verwendet wurden, was aber wiederum das Gewehr beschädigen konnte.[49]

Die Zündpille befand sich mitten in der Patrone, was auf der einen Seite die Gefahr einer ungewollten Zündung minimierte. Auf der anderen Seite musste deshalb die Zündnadel lang und dünn sein und sie befand sich dazu nach der Zündung mitten in den heißen Explosionsgasen. Dieses führte zu einer schnellen Materialermüdung und somit zum Verbiegen oder Brechen der Zündnadel.[47]

Auch die kompliziertere Herstellung gegenüber Vorderladern wurde als Nachteil angesehen.[9]

Die Konstruktionsmängel blieben grundsätzlich bis zum Produktionsende; lediglich Optimierungen an der Munition und eine Verkürzung der Luftkammer bei späteren Modellen wurden vorgenommen.[50] Erst am Ende des Produktlebenszyklus wurde die Aptierung nach Beck vorgenommen, welche einige Mängel behoben hat (siehe Aptierung nach Beck).[51]

Varianten[Bearbeiten]

  • Zündnadelgewehr M/41
    Ursprungsmodell, welches als Basis für andere Varianten diente. Die Visiereinrichtung wurde jeweils für die verbesserten Patronen M/47 und M/55 angepasst.[52]
  • Zündnadelbüchse M/49
    Der Verschluss wurde von 25,3 cm auf 15 cm gekürzt. Die Luftkammer wurde halbiert und nun Kompressionskammer genannt. Die Verschlussflächen waren anders geformt, was aber keinen Vorteil brachte, da so trotzdem austretende Pulvergase nicht mehr vom Gesicht des Schützen abgelenkt wurden. Auch wurde die Visierung geändert. Die Waffe wurde beim Garde-Schützen-Bataillon und Garde-Jäger-Bataillon in kleiner Stückzahl eingeführt, mit der Zielsetzung verschiedene Änderungen einem Truppenversuch zu unterziehen.[53]
Zündnadelbüchse M/54
Zündnadelkarabiner M/57
  • Zündnadelbüchse (Pikenbüchse) M/54
    Ab diesem Modell wurde der Lauf als Gussstahl hergestellt. Der Verschluss wurde auf 17 cm verkürzt. Der Entladestock konnte ausgefahren und arretiert werden und diente als dreikantiges Pikenbajonett. Zum ersten Mal bei einem preußischen Gewehr wurde die Visierung mit Entfernungszahlen beschriftet. Eingeführt bei Jägerbataillonen und der Preußischen Marine.[54]
  • Zündnadelkarabiner M/55 und M/57
    Stark verkürzt um als Karabiner von Kavallerieeinheiten, den Dragonern und Husaren, geführt zu werden. Eine Bajonetthalterung war nicht vorhanden. Die Patrone unterschied sich von anderen Zündnadelgewehren; sie war kürzer und enthielt somit eine geringere Menge Treibladung um den Rückstoß kontrollierbarer zu machen. Die beiden Varianten M/55 und M/57 unterscheiden sich lediglich im Lauf. Der Lauf der früheren Variante M/55 ist aus Gussstahl, der Lauf der späteren Variante M/57 ist aus Stahl.[55][56]
  • Füsiliergewehr M/60
    Gegenüber M/41 um 12 cm verkürzter Lauf. Es gab Schäfte in zwei, um 2 cm verschiedenen, Längen. Eingeführt bei Füsilier-Regimentern inklusive dem Garde-Füsilier-Regiment[57]
  • Zündnadelgewehr M/62
    Das Zündnadelgewehr M/62 löste das M/41 als Standardgewehr ab. Gegenüber dem M/41 unterschied es sich in einem um 6,5 cm verkürzten Lauf, verbesserter Visiereinrichtung und zwei Schaftversionen wie beim Füsiliergewehr M/60.[58]
  • Zündnadelbüchse M/65
    Die Variante für die Jägertruppen verfügte über einen zusätzlichen Stecherabzug mit verstellbarem Abzugsgewicht. Der Abzug sollte bei einem gezielten Schuss zu mehr Präzision führen.[59][60]
  • Zündnadelpioniergewehr U/M (umgeändertes Modell)
    Diese Variante für die Pioniere entstand durch Umänderung der Zündnadelbüchse M/54 im Jahre 1865. Das integrierte Bajonett wurde entfernt, dafür eine Bajonetthalterung angebracht und der Lauf gekürzt.[61]
  • Zündnadelpioniergewehr M/69
    Neuanfertigung nach dem Vorbild des Zündnadelpioniergewehrs U/M mit nur geringfügigen Unterschieden.[61]
Technischer Vergleich[62]
Modell Bajonett Visier bis
(Schritt (m))
Länge (m) Gewicht (kg)
Zündnadelgewehr M/41 (für Patrone M/47) Tüllenbajonett M/41 600 (452) 1,43 4,9
Zündnadelgewehr M/41 (für Patrone M/55) 700 (527)
Zündnadelbüchse M/49 Hirschfänger M/49 600 (452) 1,25 4,7
Zündnadelbüchse M/54 integriert 800 (603) 1,25 4,5
Zündnadelkarabiner M/57 - 300 (226) 0,81 2,9
Füsiliergewehr M/60 Füsilier-Seitengewehr M/60 800 (603) 1,31 4,7
Zündnadelgewehr M/62 Tüllenbajonett M/62 700 (527) 1,34 4,8
Zündnadelbüchse M/65 Hirschfänger M/65 900 (678) 1,25 4,6
Zündnadelpioniergewehr U/M Pionierfaschinenmesser M/65 300 (226) 1,10 3,7
Zündnadelpioniergewehr M/69 Pionierfaschinenmesser M/69 300 (226) 1,11 3,9

Aptierung nach Beck[Bearbeiten]

Aptierung nach Beck,
oben: Ruhestellung,
unten: beim Abschuss
1.Gummiring 2.Halteschraube 3.abgeschnittenes Nadelrohr 4.neues Nadelrohr 5.Hohlzylinder

Die Zündnadelgewehre Füsiliergewehr M/60, Zündnadelgewehr M/62, Zündnadelbüchse M/65 und Zündnadelpioniergewehr M/69 wurden ab 1869 nach dem System Beck aptiert. Dieses hatte der Werkmeister Johannes Beck der Königlichen Preußischen Gewehrfabrik in Spandau vorgeschlagen um die Gasabdichtung zu verbessern. Als Vorbild diente das Chassepotgewehr, von dem das Prinzip der Abdichtung übernommen wurde. Das starre, vorstehende Nadelrohr (3 in Abbildung) wurde gekürzt, ein Hohlzylinder (5) in die Luftkammer eingeführt und ein neues, etwas bewegliches, stempelartiges Nadelrohr (4) eingebaut. Hinter dem Metallplättchen des Nadelrohrs befindet sich ein Gummiring (1). Beim Abschuss wird das Nadelrohr durch den Gasdruck etwas nach hinten gegen den Hohlzylinder gedrückt und somit der Gummiring gestaucht, dadurch verbreitert sich dieser und dichtet das Patronenlager ab. Gleichzeitig wurde die Handhabung verbessert. Zum einen entfiel das händische Hereindrücken der Patrone in das Patronenlager, denn das neue Nadelrohr macht das selbstständig beim Schließen der Kammer. Zum anderen wurde die rampenartige Fläche an der Kammerhülse, die ein festes Anziehen des Verschlusses bewirkte, nicht mehr benötigt und so lässt sich die Kammer wesentlich leichter öffnen und schließen; der bisher erforderliche Schlag mit dem Handballen auf den Kammerstängel konnte entfallen. Die neue Munition verfügt über ein 10 Gramm leichteres, ballistisch günstigeres Geschoss. Die Änderungen bewirkten eine Verdopplung der Reichweite auf etwa 1200 m, was der Leistung des Chassepotgewehr entspricht.[63][64][65]

Sonstige Dreyse Zündnadelwaffen[Bearbeiten]

Dreyse war noch in die Produktion von weiteren Zündnadelwaffen involviert. Da Preußen auf einen Krieg mit Frankreich vorbereitet sein wollte, wurden in den Jahren 1868–1871 mindestens 80.000 alte Vorderladergewehre z. B. erbeutete Lorenz-Gewehre auf den Zündnadelmechanismus umgestellt.[66] Das System der Zündnadelgewehre fand auch bei Jagdgewehren unter den verschiedenartigsten Modifikationen Anwendung.[29] Aber es gab auch Waffen die sich deutlich von den Gewehren unterschieden. Als Faustfeuerwaffen wurden die in der preußischen Armee eingeführte Zündnadelpistole M65[55] und der Zündnadelrevolver[67] produziert. Die Dreyse Zündnadel-Wallbüchse M65 funktioniert ebenfalls nach dem gleichen Prinzip, hat aber mit 23,5 mm ein deutlich größeres Kaliber und unterscheidet sich auch in Verschluss und Schloss.[68][69]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Werner Eckhardt, Otto Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. H. G. Schulz, Hamburg 1957.
  •  Georg Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871. Bechtermünz, Augsburg 2005 ( Originalausgabe: 1990), ISBN 3-8289-0521-8.
  •  Heinrich von Loebell: Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten: Vortrag, gehalten in der Versammlung der militairischen Gesellschaft zu Berlin am 30. Nov. 1866. Mittler-Verlag, Berlin 1867 (online).
  •  John Walter: Rifles of the World. Krause Publications, Iola WI 2006, ISBN 0-89689-241-7, S. 102–106 (online).
  •  Geoffrey Wawro: The Austro-Prussian War: Austria's War with Prussia and Italy in 1866. Cambridge University Press, Cambridge 1997, ISBN 0-521-62951-9 (online).
  •  Manfred R. Rosenberger, Katrin Hanné: Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss: die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01541-2, S. 71–72.
  •  Wilhelm von Ploennies: Neue Studien über die gezogene Feuerwaffe der Infanterie: Das Zündnadel-Gewehr: Beiträge zur Kritik der Hinterladungswaffe. Zernin, Darmstadt u. a. 1865 (online).
  •  Zündnadelgewehr. In: Pierer's Universal-Lexikon. Bd. 19, H. A. Pierer, Altenburg 1865, S. 729–730 (online).
  • Artikel in Polytechnisches Journal.
    •  Anonymus: Das preußische Zündnadelgewehr. Bd. 123, 1852, S. 91–103 (online).
    •  Henry Darapsky: Englische und amerikanische Mittheilungen über das preußische Zündnadelgewehr. Bd. 183, 1867, S. 8–13 (online).
    •  Anonymus: Das aptirte Zündnadelgewehr. Bd. 196, 1870, S. 426–429 (online).
    •  Anonymus: Kriegswaffen auf der Ausstellung in Antwerpen und dazu Gehöriges. Bd. 294, 1894, S. 193–199 [2].
  •  Wolfgang Finze: Nadelprobe. Schießen mit dem Zündnadelgewehr. In: Visier. Bd. 5, 2014, S. 52–59.
  •  Rolf Wirtgen, Wehrtechnische Studiensammlung des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (Hrsg.): Das Zündnadelgewehr. Eine militärtechnische Revolution im 19. Jahrhundert. Mittler, Herford u. a. 1991, ISBN 3-8132-0378-6 (Ausstellungskatalog).
  •  Karl von Helldorff: Buschbeck's preussisches Feld-Taschenbuch für Offiziere aller Waffen zum Kriegs- und Friedens-Gebrauch. Hempel, Berlin 1869, S. 17–28 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zündnadelgewehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b M. R. Rosenberger, K. Hanné: Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss. 1993, S. 71–72
  2. Ploennies: Neue Studien über die gezogene Feuerwaffe der Infanterie, 1865, S. 23
  3. Loebell: Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten, 1867, S. 11–13
  4. Ploennies: Neue Studien über die gezogene Feuerwaffe der Infanterie, 1865, S. 29
  5. Loebell: Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten, 1867, S. 21–22
  6. Ploennies: Neue Studien über die gezogene Feuerwaffe der Infanterie, 1865, S. 32
  7. M. R. Rosenberger, K. Hanné: Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss. 1993, S. 72
  8. Ploennies: Neue Studien über die gezogene Feuerwaffe der Infanterie, 1865, S. 33–35
  9. a b c d e f g h Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 60
  10. Loebell: Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten, 1867, S. 42
  11. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 28–29
  12. Loebell: Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten, 1867, S. 48
  13. Geoffrey Wawro:The Austro-Prussian War, 1997, S. 34–35
  14. a b Geoffrey Wawro:The Austro-Prussian War, 1997, S. 23
  15. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 64
  16. Wilhelm Rüstow: Der Krieg um die Rheingrenze 1870, Verlag Schulthess, 1870
  17. Geoffrey Wawro:The Austro-Prussian War, 1997, S. 22–24
  18. Geoffrey Wawro:The Austro-Prussian War, 1997, S. 130
  19. Geoffrey Wawro:The Austro-Prussian War, 1997, S. 24
  20. Peter Broucek, Erwin A. Schmidl: Militär, Geschichte und politische Bildung. Böhlau, Wien 2003, ISBN 3-205-77117-6, S. 331–332
  21. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 61, 65
  22. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 131
  23. M. R. Rosenberger, K. Hanné: Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss: die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition. 1993, S. 74
  24. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 63
  25. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 181, 183, 186
  26. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 131–132
  27. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 140–141
  28. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 57–59
  29. a b c d e f g h Pierer's Universal-Lexikon, Band 19, 1865, S. 729–730
  30. Damals übliche Bezeichnung. Nicht zu verwechseln mit dem modernen Stahlguss.
  31. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 116–117
  32. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 112–114
  33. a b Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 59
  34. a b W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 114
  35. a b W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 103
  36. Autorenkollektiv: Prometheus, Band 29. Mückenberger, 1917, S. 158 (bei Google-books)
  37. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871. 1990, S. 145
  38. a b Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 60, 145
  39. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 102
  40. Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit, (Hrsg.): Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Ares-Verlag, Graz 2009, ISBN 978-3-902475-69-5, S. 231 (bei Google-books)
  41. Karl Heinz Metz: Ursprünge der Zukunft: die Geschichte der Technik in der westlichen Zivilisation. F. Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 3-506-72962-4, S. 402 (bei Google-books)
  42. Von Berthold Seewald:Pickelhaube – Symbol für preußischen Militarismus. In Die Welt. vom 15. Februar 2011, zuletzt abgerufen am 27. September 2014.
  43. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871. 1990, S. 144
  44. Theodor Fuchs: Geschichte des europäischen Kriegswesens. Band 3, Lehmann, 1972, S. 78 (bei Google-books)
  45. Hans Meier-Welcker: Handbuch zur deutschen Militärgeschichte, 1648–1939. Band 9, Bernard u& Graefe, Freiburg i. Br. 1979, S. 335 (bei Google-books)
  46. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 116
  47. a b W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 107
  48. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 108–109
  49. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 115
  50. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 108, S. 116
  51. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 130
  52. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 118
  53. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 120–121
  54. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 121–122
  55. a b W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 126
  56. Walter: Rifles of the World, 2006, S. 104
  57. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 122–123
  58. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 123
  59. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 124
  60. Walter: Rifles of the World, 2006, S. 105
  61. a b W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 125–126
  62. Walter: Rifles of the World, 2006, S. 102–105
  63. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945, 1957, S. 130–131
  64. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871, 1990, S. 62–63, 68
  65. Reinhold Günther: Allgemeine Geschichte der Handfeuerwaffen, Leipzig, 1909, Johann Ambrosius Barth Verlag, S. 64 [1]
  66. Walter: Rifles of the World, 2006, S. 105–106
  67. Sarah Evans: Henry's Attic: Some Fascinating Gifts to Henry Ford and His Museum. Wayne State University Press, Detroit 1995, ISBN 0-8143-2642-0, S. 238 (in Google-books)
  68. Ortenburg: Waffen der Einigungskriege 1848–1871. 1990, S. 70
  69. W. Eckhardt, O. Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640–1945. 1957, S. 127–130
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