Fachanwalt (Deutschland)

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Die Bezeichnung Fachanwalt ist ein Titel, der einem Rechtsanwalt in Deutschland verliehen werden kann und dem Nachweis dienen soll, auf einem bestimmten Rechtsgebiet über besondere Kenntnisse und Erfahrungen zu verfügen (§ 43c BRAO). Die Voraussetzungen zum Erwerb und Führen der Fachanwaltsbezeichnung sind in der Bundesrepublik Deutschland geregelt in der Fachanwaltsordnung (FAO).

Es gibt derzeit 20 verschiedene Fachanwaltschaften. Nach der Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) wurden per 1. Januar 2014 in Deutschland 49.069 Fachanwaltsbezeichnungen verliehen[1]. Bereinigt man diese Zahl um die Fachanwälte mit zwei oder drei Titeln, so zeigt sich, dass es 40.621 Fachanwälte in Deutschland gibt, das sind 24,97 % aller Rechtsanwälte per 01.01.2014.

Nach einer vom Soldan Institut vorgestellten Studie spielt die Spezialisierung durch Fachanwälte für 80 Prozent der befragten Mandanten bei der Anwaltssuche eine große Rolle.[2] Eine andere Studie des Instituts zeigt, dass Fachanwälte im Durchschnitt um vierzehn Euro höhere Stundensätze berechnen als Kollegen ohne Fachanwaltsbezeichnung.[3]

Fachanwaltsbezeichnung[Bearbeiten]

Die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung wird von der zuständigen Rechtsanwaltskammer nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) verliehen. Hierzu haben die jeweiligen Rechtsanwaltskammern sogenannte Fachausschüsse gebildet, die mit Rechtsanwälten besetzt sind. Diese prüfen die Anträge auf Erlaubnis zum Führen einer Fachanwaltsbezeichnung und geben ein Votum gegenüber dem Vorstand der jeweiligen Rechtsanwaltskammer zur Entscheidung über den Antrag ab. Es gibt Fachausschüsse, die von mehreren Rechtsanwaltskammern gebildet werden.

Ein Rechtsanwalt darf bis zu drei Fachanwaltsbezeichnungen führen. Zu deren Erwerb muss er innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung mindestens drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen sein und nachweisen, auf dem betreffenden Rechtsgebiet über besondere theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen zu verfügen. Als Nachweis der besonderen theoretischen Kenntnisse werden in der Regel die Teilnahme an einem 120 Stunden umfassenden Kurs, drei bestandene Leistungskontrollen (mit in der Regel fünfstündigen Klausuren) gefordert. Von einem zusätzlich notwendigen „Fachgespräch“ (mündliche Prüfung) kann abgesehen werden, wenn dies nach dem Gesamteindruck des Fachanwaltsausschusses nicht notwendig erscheint. Zum Nachweis der praktischen Erfahrungen ist eine bestimmte Anzahl von bearbeiteten Fällen aus dem jeweiligen Fachgebiet nötig. Die Spanne reicht von 50 Fällen im Steuerrecht oder Informationstechnologierecht bis hin zu 160 Fällen im Verkehrsrecht.

Ab dem Jahr des Beginns des Fachanwaltskurses muss sich der Rechtsanwalt jährlich auf dem Gebiet der Fachanwaltsbezeichnung fortbilden, indem er mindestens 10 Seminarstunden (vermutlich ab 1. Januar 2015 jährlich 15 Seminarstunden, wobei 5 Stunden im Selbststudium absolviert werden können, sofern eine Lernerfolgskontrolle erfolgt) hörend oder dozierend nachweist oder den Nachweis durch Veröffentlichungen in entsprechenden Fachzeitschriften erbringt. Die auf den Besuch des Fachanwaltskurses entfallenden Stunden werden auf die Fortbildungsverpflichtung angerechnet.

Rechtsgebiete[Bearbeiten]

Gegenwärtig gibt es zwanzig Fachanwaltsbezeichnungen für die folgenden Rechtsgebiete:[4]

Im Rahmen der Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer am 11. Juni 2007 wurde beschlossen, den Bundestag zu einer Verschärfung des § 43c BRAO aufzufordern. Zur Diskussion steht, den Rechtsanwaltskammern ein Recht zur inhaltlichen Prüfung einzuräumen. Das Bundesjustizministerium hat sich zu diesen Plänen allerdings zurückhaltend geäußert.

Die 4. Satzungsversammlung der Anwaltschaft hat am 25. Juni 2010 beschlossen, das Bundesjustizministerium zur Einleitung eines Gesetzgebungsverfahrens aufzufordern, nämlich in der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) eine Ermächtigungsgrundlage für die Anwaltschaft zu schaffen, die Fachanwaltsordnung zu ändern. Es wird mit der Änderung der Fachanwaltsordnung die bundesweite Vereinheitlichung des Nachweises der besonderen theoretischen Kenntnisse durch ein Klausurensystem gefordert, bei dem die Klausuren bundeseinheitlich durch Aufgabenkommissionen erstellt und bewertet werden.

Die 5. Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer hat am 6./7. Dezember 2013 mit dem Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht die Einführung der 21. Fachanwaltschaft beschlossen, die entsprechenden Regelungen treten frühestens am 1. Mai 2014 in Kraft. Diskutiert wird die Einführung weiterer Fachanwaltschaften, wie dem Fachanwalt für Vergaberecht, Fachanwalt für Opferrecht oder dem Fachanwalt für Migrationsrecht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer(PDF; 37,7 kb)
  2. Soldan Kanzlei-Information JURNAL 2/2007 (PDF; 4,4 MB)
  3. Soldan Institut: Stundensätze (PDF; 3,7 MB) Anwaltsblatt 7/2006
  4. Fachanwaltsordnung vom 1. November 2012 (PDF; 61 kB) Volltext

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fachanwalt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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