Fahrradschalthebel

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herkömmlicher Rahmenschalthebel

Schalthebel ist ein Sammelbegriff für Schalter unterschiedlicher Bauform zur Betätigung einer Gangschaltung an Fahrrädern oder Mofas.

Geschichte[Bearbeiten]

Fahrradschaltungen wurden in den 1930er Jahren erfunden. Sie wurden direkt betätigt. Der so genannte Kettenwerfer hatte eine Metallstange mit einem Hebel am anderen Ende. Dieser wurde mit den Händen oder dem Fuß betätigt. Der Schalthebel war im Grunde nur eine Metallstange, mit der man den Kettenkäfig direkt hin- und hergedreht hat.

Erst in den frühen 1960er Jahren ging man dazu über, die Hebel näher an den Händen des Radfahrers zu platzieren. Die Betätigung erfolgte – bis heute – über einen Bowdenzug. Mittels eines Hebels zieht man am Bowdenzug, der das Schaltwerk oder den Umwerfer verstellt. Lockert man den Bowdenzug, bewegt eine Feder den Schaltkäfig in die entgegengesetzte Richtung.

Darüber hinaus gibt es auch hydraulisch betätigte Systeme sowie elektrische Schaltungen.

Reibungs- oder Indexschalthebel[Bearbeiten]

Bei Reibungshebeln sorgt eine gewisse Schwergängigkeit (Reibung) dafür, dass die Feder im Schaltwerk oder Umwerfer die Schaltung nicht selbständig verstellt. Der Fahrer muss nicht nur beim Ziehen am Bowdenzug eine gewisse Kraft aufwenden, sondern auch, wenn er den Bowdenzug lockern will.

Indexschalthebel rasten in mehreren Stellungen ein, was die Wahl des Gangs vereinfacht. Bei den Hebeln für das Schaltwerk entspricht bei korrekter Einstellung jede Raststellung einem Zahnkranz. Diesen Mechanismus des Einrastens bezeichnet man als Indizierung. Bei den Hebeln für den Umwerfer gibt es mehr Raststufen als Kettenblätter, weil durch den Schräglauf der Kette (abhängig vom verwendeten Zahnkranz) Zwischenstufen erforderlich sind. Mit Ausnahme der Rohloff Speedhub 500/14 erfolgt bei allen heute üblichen Schaltungen die im Schalthebel. Dies ist einfacher zu realisieren und billiger. Die Rohloff indiziert in der Nabe.

Um 1990 gab es eine Reihe Kettenschaltungen, die direkt hinten am Schaltwerk indexierten. Zu nennen ist hier etwa die Shimano Positron (mit Ausnahmen) und die Sachs Commander. Einige verwendeten einen Bowdenzug, der auch Druck übertrug, andere hatten Schnellverschlüsse zwischen Schaltwerk und entsprechend konfektioniertem Bowdenzug. Teils hoher mechanischer Aufwand, manchmal fehlende Einstellmöglichkeiten und eine auf Dauer oft höhere Empfindlichkeit gegenüber Schmutz sind anzumerken. Diese Schaltwerkstechnologie konnte sich trotz langer Verbreitung nicht durchsetzen.

Der pro Gang zurückgelegte Weg des Bowdenzugs unterscheidet sich je nach Hersteller und Modell. Es ist bei der Auswahl eines indizierten Schalthebels daher darauf zu achten, dass er zum Schaltwerk, zur Kassette bzw. zum Umwerfer passt. Einige Gruppen (etwa von SRAM) verwenden eine Verdopplung.

Nabenschaltungen waren schon immer indizierte Systeme, da durch ungenaue Hebelstellung leicht die Mechanik beschädigt werden kann. Eine Ausnahme ist systembedingt das stufenlose Nabengetriebe NuVinci. Bei Kettenschaltungen waren bis Mitte der 1980er Jahre Reibungsschalthebel gebräuchlich, bei welchen die richtige Stellung des Schalthebels abgeschätzt, "erfühlt" oder durch einen Blick auf die Kette kontrolliert werden musste.

Drehgriff[Bearbeiten]

Drehgriff einer 7-Gang-Nabenschaltung
Drehschaltgriff Campagnolo Bullet
nicht indizierter Schaltgriff

Das ist die älteste Bauform der Schalthebel, sie war auch an motorbetriebenen Fahrrädern (Mofas) gebräuchlich. Jahrzehntelang geriet sie in Vergessenheit, 1990 wurden sie von der Firma Campagnolo in der Bauform „Bullet“ für ATBs (All Terrain Bike) wiederentdeckt. Während die Bullet-Griffe insgesamt gedreht werden, ist eine andere Bauart durch einen geteilten Griff gekennzeichnet. Eine Renaissance erleben diese Griffe momentan an Mountainbikes und Tourenrädern. Die Artikelbezeichnung „Grip Shift“ der Firma SRAM ist zum Synonym für Drehgriffe geworden.

Andere Firmen (z. B. Rohloff) verwenden ebenfalls Drehschaltgriffe, bei denen nur ein Teil des Lenkergriffes gedreht wird.

Drehgriffe lassen sich sehr einfach aufbauen und herstellen und sind daher im Niedrigpreissektor fast ausschließlich anzutreffen. Sie können hauptsächlich aus gegossenen Kunststoffen und vier oder im einfachsten Fall sogar nur aus zwei Teilen bestehen. Eine sichtbare Ganganzeige ist durch einfaches Aufdrucken der Gangzahlen auf dem Drehgriff zu erreichen.

Es gibt auch hochwertige Ausführungen, die langfristig präzise Schaltvorgänge ermöglichen.

Drehgriffschalter gibt es als Reibungsschalter sowie in indizierten Ausführungen. Bei vielen heutigen Schaltungen erfolgt die Indizierung im Griff, was diesen entsprechend kompliziert und fertigungsaufwendig macht. Bei dieser Ausführung müssen die Bowdenzüge genauer gefertigt sein, da sie mit für die Schaltpräzision zuständig sind. Einzige Ausnahme ist momentan eine Schaltnabe von Rohloff, bei der die Indizierung in der Schaltung geschieht.

Drehgriffe sind bedeutend weniger störungsanfällig als andere Schalthebelkonstruktionen, weil an ihnen keine vorstehenden Teile sind, die hängenbleiben, verbiegen oder abbrechen können. Die teilweise vorhandene Feinmechanik ist gut gekapselt im Inneren des Griffes verbaut und nicht schmutzanfällig. Schaltvorgänge sind intuitiver durchführbar, da es nur ein Bedienelement je Schaltung gibt und man kann alle Gänge hintereinander schalten.

Rahmenschalthebel[Bearbeiten]

Diese Bauart war an Rennrädern verbreitet, ist heute aber nicht mehr üblich. Ein oder zwei Schalthebel sind im oberen Drittel des Unterrohres auf Anlötsockeln oder einer Schelle angebracht. Die Benutzung dieser Griffe setzt Routine voraus, da man mit den Fingern leicht in die Speichen geraten kann. Zudem dauert der Schaltvorgang vergleichsweise lang, da man zur Bedienung erst eine Hand vom Lenker nehmen und nach unten greifen muss. Es existieren Bauformen als Reibungsschalter und indizierte Systeme (seit etwa 1985). Diese Schalter haben ein gegenüber heute üblichen Systemen geringeres Gewicht, so dass Rennfahrer vereinzelt auch heute noch den Umwerfer über einen solchen Schalthebel betätigen. Ein Vorteil ist, dass die Bowdenzüge ohne Hülle verlegt werden können und damit sehr reibungsarm laufen.

Schalthebel am Vorbau[Bearbeiten]

In den 1980er bis Mitte der 1990er Jahre wurden diese Schalthebel vor allem bei indexierten Kettenschaltungen eingesetzt. Sie ähneln den Rahmenschalthebeln und sind heute i.d.R. nicht mehr neu erhältlich.

Lenkerschalthebel
Daumenschalter Campagnolo Bullet

Daumenschalter am Lenker[Bearbeiten]

Mit den ersten MTBs kamen indexierte, umschaltbare und nicht indexierte Daumenschalthebel auf, die ein Umgreifen zum Schalten nicht mehr nötig machten. Die vergleichsweise kompakten, stabilen und meist feinfühlig schaltbaren Hebel befanden sich über dem Lenker. Einfache Daumenschalthebel sind bis heute im Zubehörmarkt erhältlich.

Schalthebel am Lenkerbügel[Bearbeiten]

Zusammen mit den Drehgriffen ist das die am weitesten verbreitete Bauform. Die Betätigung erfolgt über kleine Hebel oder über Knöpfe, die mit dem Daumen bzw. dem Zeigefinger bedient werden. Schalthebel dieser Bauform sind grundsätzlich indiziert. Oftmals sind sie mit Bremshebeln kombiniert, die mit dem Mittel- und dem Ringfinger bedient werden. So ist es in gewissen Grenzen möglich, gleichzeitig zu bremsen und zu schalten. Shimano nennt diese Form Rapid Fire.

Schalthebel für den Triathlon-Lenkeraufsatz[Bearbeiten]

Triathlon-Fahrräder verfügen über einen Aufsatz am Lenker zur Ablage der Unterarme, sodass der Fahrer über einen längeren Zeitraum in stark gebückter Haltung fahren kann. Es gibt spezielle Schalthebel für den Lenkeraufsatz. Ebenso lassen sich per Schelle angebrachte Rahmenschalter verwenden.

Lenkerend-Schalthebel[Bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren an Cyclocrossrädern üblich. Später auch an Reise- und Rennrädern verbreitet – dort vor allem an Triathlon-Lenkeraufsätzen. Seit den 1980ern gibt es sie auch als Indexhebel (Bsp. SunTour XC-Pro etc.). Die Indizierung ist bei manchen Hebeln (Shimano) abschaltbar.

Bremsschaltgriff

Bremsschaltgriff[Bearbeiten]

Diese Bauart hat die Rahmenschalthebel abgelöst und sich am Rennrad und ähnlichen Fahrrädern durchgesetzt. Seit dem Modelljahr 2003 wird diese Schaltmöglichkeit von Shimano auch für Mountainbikes angeboten. Die Schaltung wird durch seitliches Kippen der Bremsgriffe oder durch einen zusätzlichen Hebel unmittelbar hinter dem Bremshebel betätigt. Bremsschaltgriffe sind vergleichsweise teuer und haben ein komplexes Innenleben. Reparaturen sind daher aufwändig, zum Teil auch unmöglich. Das Schalten ist sehr komfortabel, aber auch ungenauer als mit einfachen Schalthebeln. Wegen der längeren Bowdenzüge und Hüllen wurden Modifikationen der Geometrie der Parallelogramme der Schaltwerke nötig. Das hat zur Folge, dass ältere Schaltwerke mit Bremsschaltgriffen nur bedingt oder gar nicht funktionieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rob van der Plas: Die Fahrradwerkstatt – Reparatur und Wartung Schritt für Schritt. 1. Auflage, BVA Bielefelder Verlaganstalt, Bielefeld, 1995, ISBN 3-87073-147-8
  • Jörg Urban, Jürgen Brück: Fahrradreparaturen Wartung und Pannenhilfe. 1. Auflage, Gondrom Verlag GmbH, Bindlach, 2007, ISBN 978-3-8112-2938-9
  • Richard Hallet: Fahrrad-Wartung-Pflege-Reparatur. 1. Auflage, BVA Bielefelder Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld, 2003, ISBN 3-87073-308-X

Weblinks[Bearbeiten]