Gangschaltung

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Dieser Artikel erläutert den Begriff der Fahrradtechnik, zu dem der Kraftfahrzeuge siehe Wählhebel und Fahrzeuggetriebe.
Gangschaltungshebel am Lenker eines Fahrrades
Die Zahnräder am Rad ermöglichen eine unterschiedliche Übersetzung und damit unterschiedliche Gänge
Super Champion-Schaltung aus den 1930er Jahren
Diamant-Fahrrad-Hinterrad.jpg
Diamant-Fahrrad-Ganghebel.jpg
Alte Kettenschaltung von Fichtel & Sachs mit Ganghebel am Oberrohr

Die Gangschaltung beim Fahrrad besteht aus einem zwischen Tretkurbel-Antrieb und getriebenem Hinterrad befindlichen schaltbaren Getriebe und den zugehörigen Bedienelementen. Dadurch kann die Geschwindigkeit an die vom Radfahrer erbrachte Leistung angepasst werden.

Gangschaltungen sind bei allen modernen Fahrrädern üblich. Eine noch existierende Ausnahme ist das sogenannte Eingangrad ohne Gangschaltung, das vorzugsweise als Kinderfahrrad gebaut, aber auch von wenigen erwachsenen Puristen bevorzugt wird. Fahrräder ohne Schaltung sind auch noch vereinzelt bei Billigrädern anzutreffen. Eingangräder werden auch für das Kunstradfahren und bei Bahnrädern verwendet.

Technik[Bearbeiten]

Bauarten[Bearbeiten]

  • Kettenschaltung (seit 1940), bei der mehrere Ritzel am Hinterrad und oft zusätzlich mehrere Kettenräder (gemeinsamer Begriff: Zahnräder) vorne vorhanden sind und die Fahrradkette mittels eines Schaltwerks (hinten) oder Umwerfers (vorne) auf die unterschiedlichen Zahnräder gelegt werden kann.
    • Anstatt der Kette kann auch das Ritzelpaket quer verschoben werden: „Ultra-Shift“.
    • Eine Besonderheit war das in den 1920er-/1930er-Jahren gebaute Retrodirect, bei dem durch Umkehrung der Tretrichtung zwischen zwei Übersetzungsverhältnissen gewählt wurde. Das Schalten übernehmen zwei in zueinander entgegengesetzter Drehrichtung wirkende Freiläufe.
  • Nabenschaltung (seit 1902), bei der mit einem oder mehreren Umlaufrädergetrieben die unterschiedlichen Übersetzungsverhältnisse eingestellt werden können.
    • Eine Besonderheit ist die stufenlose Nabenschaltung NuVinci mit einem Umlaufrädergetriebe mit Reib- anstatt Zahnrädern.[1]
  • Kombination aus Ketten- und Nabenschaltung: wesentlich größere Gangzahl.
  • Tretlagerschaltung, bei der mit einem Getriebe im Tretlager das Übersetzungsverhältnis – zwischen Kurbel und Kettenrad – geändert werden kann; diese können als Umlaufrädergetriebe oder als zweiachsiges Getriebe ausgeführt sein (seit den 1930er-Jahren)[2]

Bedienelemente[Bearbeiten]

Die Schaltung wird in der Regel durch geeignete Schalthebel an Lenker oder vorderem Rahmen über Bowdenzüge betätigt. Neben den üblichen Schalthebeln sind auch Drehgriffe und Zweihebelgriffe (Triggergriffe, je ein Hebel für Aufwärts und Abwärts) produziert worden. Daher wird das Wort auch im Zusammenhang mit der Veränderung von Getriebeübersetzungen von Maschinen und Automobilen verwendet. Damit ist umgangssprachlich die Möglichkeit bzw. der entsprechende Hebel der Einrichtung zur Änderung der Getriebeübersetzung gemeint.

  • elektrische/elektronische Schaltung: reguläre Schaltung mit Betätigung des Schaltwerks durch eine elektrische Schaltung statt Bowdenzug; in einem Einzelfall statt vorderem Umwerfer eine Art Zahnkranzweiche
  • elektrisch betätigte Kettenschaltung mit im vorderen Kettenblatt eingebauten „Weichen“

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2006, ISBN 3-8085-2291-7.
  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld 1999, ISBN 3-87073-131-1.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Stiftung Warentest: Schalten ohne Gänge in: test.de, 27. Juli 2007 (abgerufen am 4. Februar 2013)
  2. zur rahmenintegrierten Tretlagerschaltung siehe Hans-Heinrich Pardey: Die Schaltbox fürs Rad. FAZ vom 28. Dezember 2012 [1]

Weblinks[Bearbeiten]