Fangseil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
F/A-18E „fängt“ mit dem Fanghaken das Fangseil
F/A-18E im Fangseil nach der Landung

Fangseile (engl. Arrestor cables oder Arrestor wires) werden bei Seilfanganlagen genutzt, um Flugzeuge auf kurzer Strecke sicher abzubremsen. Verwendet wird das System bei Flugzeugträgern mit CATOBAR (Catapult Assisted Take Off But Arrested Recovery) und STOBAR (Short Take Off But Arrested Recovery) System sowie auf militärischen Landebahnen als Notlandesystem.

Als Fangseil bezeichnet man auch einen Teil der Notbremsvorrichtung an üblichen Aufzugsanlagen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bei den sehr begrenzten Längen der Flugdecks von Flugzeugträgern stellte sich vom Beginn der ersten Landungen auf Trägern an die Frage der Abbremsung der landenden Flugzeuge. Erste Fangseilversuche wurden mit über die Landefläche auf dem Flugdeck gespannten Seilen gemacht, die an ihren Enden Sandsäcke befestigt hatten, um das landende Flugzeug, das mit seinem Fanghaken die Seile aufgriff, durch das Gewicht der Sandsäcke abzubremsen. Diese Versuche erwiesen sich als nicht erfolgreich und so wurden an den Rädern der Trägerflugzeuge Bremsen eingebaut, mit denen der Pilot das Flugzeug bei den Landung abbremste. Bei den leichten Flugzeugen in den ersten Jahren der Trägerfliegerei reichte diese Technik. Mit der Weiterentwicklung der Flugzeuge wurden diese aber immer schwerer und ihre Landegeschwindigkeit erhöhte sich, sodass eine neue Lösung für das Abbremsen der Flugzeuge gefunden werden musste. Zurückgreifend auf die Versuche mit den Fangseilen mit Sandsäcken wurden nun die Fangseile an Rollen festgemacht, die weitere Seillänge abrollten, wenn ein Flugzeug mit seinem Fanghaken das Seil erfasste, und gleichzeitig einen Widerstand gegen die bewegte Masse des landenden Flugzeuges leisteten, um es abzubremsen. Der erste Einsatz dieser Fangseiltechnik fand auf dem britischen Flugzeugträger HMS Courageous im Juni 1931 statt. Von da an wurden alle Flugzeugträger weltweit mit dieser neuen Technik ausgerüstet.

Moderne Flugzeugträger[Bearbeiten]

Auf Flugzeugträgern der Nimitz-Klasse sind bis zu vier Stahlseile quer im Abstand von 12 m über das Achterdeck gespannt und mit einem hydraulischen System verbunden. Das Hydrauliksystem wird entsprechend dem Landegewicht des Flugzeuges eingestellt und sorgt durch eine Gegenkraft für den sicheren Stillstand des Flugzeuges.

Die Fangseile bremsen in 2 sec. ein 30 t schweres Flugzeug von 240 km/h auf 0 km/h − dabei legt das Flugzeug noch eine Strecke von 96 m zurück. Aufgrund ihrer enormen Belastungen sind die Fangseile maximal für 100 Landungen zugelassen. Das gesamte Fangsystem ist dagegen für eine Lebensdauer von 54.000 Landungen konzipiert.

Flughafen[Bearbeiten]

Auf militärischen Flughäfen werden Fangseile dazu genutzt, Flugzeugen mit Bremsversagen oder anderen technischen Defekten das sichere Landen zu ermöglichen. Dazu wird das Seil an einem Ende der Landebahn über die Bahn gespannt. Das landende Flugzeug setzt vor dem Fangseil auf, greift es wie bei Trägerlandungen mit seinem Fanghaken und wird dadurch gebremst. Bei diesen Fangseilen gibt es Varianten, die vom Tower aus bündig in der Pistenoberfläche versenkt werden können, damit kleine Flugzeuge ohne Problem darüberrollen und landen können. Das Fangseil betätigt beim Abspulen eine Pumpe, die einen Druck so auf eine Scheibenbremse an der Spule ausübt, dass die sich im Seil aufbauende (resultierende) Kraft das Flugzeug am Haken erträglich bis auf Stillstand verzögert. Zuletzt bewirkt die elastische Dehnung des Seils beim Stopp noch ein wenig Zurückziehen des Flugzeugs und dadurch völliges Entspannen des Seils. Nach dem Ausklinken des Hakens vom Seil wird dieses motorisch rasch wieder in Position gezogen.

F/A-18C kurz vor dem Einhängen in das Fangseil auf Sion AFB

Unfälle[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 durchtrennte eine F/A-18F SuperHornet der Staffel VFA-102 Diamondbacks bei einer Landung ein Fangseil. Das Seil schnellte zurück und verletzte einige der Deckmannschaften.