Felice Schragenheim

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Stolperstein vor dem Haus, Friedrichshaller Straße 23, in Berlin-Schmargendorf

Felice Rachel Schragenheim (* 9. März 1922 in Berlin; †  vermutlich Anfang 1945 auf dem Transport nach Bergen-Belsen) war eine deutsche Journalistin, die als Jüdin dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer fiel. Postum erlangte sie Bekanntheit als eine der beiden Hauptfiguren des Buches Aimée und Jaguar von Erica Fischer und des gleichnamigen Films Aimée und Jaguar.

Leben[Bearbeiten]

Gedenkstein für Schragenheim auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen

Felice Schragenheim war Jüdin und arbeitete, neben ihrem Beruf als Journalistin, im Widerstand. Überliefert ist ihr Talent, gute Gedichte schreiben zu können, „im Stil von Mascha Kaléko“, wie Helga Brinitzer erinnert. Im Sommer 1942 lernte sie Lilly Wust kennen und lieben. Felice nannte Lilly Aimée und Lilly nannte Felice Jaguar. Nach vier Monaten zog Felice bei der Geliebten ein.

Am 21. August 1944 wurde Felice Schragenheim von Männern der Gestapo abgeholt und ins KZ verschleppt. Laut der Yad-Vashem-Datenbank ist sie mit dem Transport I/116 am 8. September 1944 von Berlin nach Theresienstadt deportiert worden. Am 9. Oktober 1944 folgte dann mit dem Transport Ep die Deportation von Theresienstadt ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Ihr Todestag und -ort sind unbekannt, vielleicht ist sie auf einem Todesmarsch vom KZ Groß-Rosen nach Bergen-Belsen umgekommen. Am 14. Februar 1948 wurde Felice Schragenheim vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg für tot erklärt, als Todesdatum wurde der 31. Dezember 1944 festgelegt.

Buch und Film „Aimée und Jaguar“[Bearbeiten]

Elemente aus der Lebensgeschichte der beiden Frauen flossen in das 1994 erschienene Buch Aimée & Jaguar von Erica Fischer ein, das später Grundlage für den 1998 erschienenen Film Aimée und Jaguar wurde [1][2]. Das Buch stützt sich auf Erinnerungen und Tagebuchauszüge von Lilly Wust sowie auf Berichte von Zeitzeugen und enthält wechselseitige Briefe und Gedichte des Paares. Im Gegensatz zum Film wird keine dramaturgische und teilweise fiktive Handlung kreiert, sondern es steht die Schilderung der Ereignisse im Erleben der Erzählenden im Vordergrund. Im Nachwort der Autorin werden einige Aspekte kritisch beleuchtet.

Einige Zeitzeugen übten Kritik an Buch und Film. So sei die angebliche Liebesbeziehung von Felice Schragenheim zu Lilly Wust in Wahrheit durch Abhängigkeit geprägt gewesen. Elenai Predski-Kramer, eine Zeitzeugin, die mit Felice Schragenheim befreundet war, äußerte den Verdacht, Lilly Wust selbst könnte Felice Schragenheim an die Gestapo verraten haben, wofür es allerdings keine Belege gibt.[1]

Zitat[Bearbeiten]

Der abgeschossene Pfeil...

Der abgeschossene Pfeil kehrt nie zurück.
Das ist kein Gott, der seine Spitze wendet-
und was man kühn für ein "Vielleicht" verschwendet,
ist oft das Glück...

Es ist zu viel, zu viel, was du verlangst!
Und feige wie ein schlechter Komödiant,
so klammre ich mich fest an deine Hand
und habe Angst...

Ein Blender und ein Vagabund bin ich-
werd ich mich halten ohne Selbstbetrug,
und bin ich dann, für andre gut genug,
es auch für dich?

Und doch: Du hast mit Recht so viel verlangt,
im Leben hat wohl alles Ziel und Sinn.-
Wenn ich einmal ein Mensch geworden bin,
sei du gelobt, geliebt, bedankt!

März 1941[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

Maria Schrader, die Felice Schragenheim in Aimée und Jaguar verkörperte, widmete ihr 2007 ihr Regiedebüt Liebesleben („For Felice“).

Oskar Ansull gestaltete Felices Bücher – Die Bücher der Felice Schragenheim, 1922–1945 als Vorstellung und Lesung aus den Büchern, die Felice Schragenheim bei ihrer geplanten Ausreise mitzunehmen gedachte. Hierbei wird der gedankliche und kulturelle Hintergrund der jungen Frau im Berlin der 30er und 40er Jahre deutlich. Diese Produktion wurde deutschlandweit über einhundert Mal gezeigt.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Felice Schragenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.berlin-judentum.de/frauen/predski.htm
  2. http://www.hagalil.com/archiv/99/10/jaguar.htm
  3. Erica Fischer (Hrsg.): Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2002.
  4. Martin Z. Schröder: Eine Lesung aus dem Koffer. Oskar Ansull stellt Felice Schragenheims Bücher vor. In: Berliner Zeitung vom 14. April 1999.