KZ Auschwitz
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Mit KZ Auschwitz wird ein Komplex von zwei deutschen Konzentrationslagern und einem Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus im besetzten Polen am Westrand der von den Besatzern umbenannten Stadt Auschwitz (1939–1945; polnisch Oświęcim) bezeichnet.
Noch vorhandene Teile der Konzentrationslager in Oświęcim sind heute staatliches polnisches Museum bzw. Gedenkstätte. Seit dem 27. Juni 2007 trägt das KZ Auschwitz-Birkenau als UNESCO-Weltkulturerbe die Bezeichnung „Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager“. Damit soll die deutsche Verantwortlichkeit für den im heutigen Polen befindlichen Lagerkomplex verdeutlicht werden. Es handelte sich um die räumlich größte Ansammlung von Konzentrationslagern im Deutschen Reich, in der zwischen 1940 und 1945 über 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden (siehe dazu den Artikel Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz). Dieser Komplex gliedert sich in die drei großen Lager und etwa 40 kleinere Nebenlager auf, die nicht alle von der SS zur gleichen Zeit genutzt wurden. Die Errichtung des Lagers war von dem Reichsführer der SS Himmler am 27. März 1940 angeordnet worden.[1]
Zwischen dem 17. Januar und dem 23. Januar 1945 wurden noch etwa 60.000 Häftlinge von der SS aus dem Gebiet „evakuiert“ und in Todesmärschen nach Westen getrieben. Am 27. Januar 1945 wurden die verbliebenen Häftlinge durch sowjetische Truppen (322. Infanteriedivision der I. Ukrainischen Front) befreit. Von den vorgefundenen lebenden Gefangenen – die Angaben reichen z. B. im Lager Monowitz von 600 bis 850 Personen – starben trotz medizinischer Hilfe 200 in den Folgetagen an Entkräftung.
Inhaltsverzeichnis |
Zugehörige Konzentrationslager
Stammlager Auschwitz I
Das deutsche Konzentrationslager Auschwitz I war das erste Konzentrationslager am Ort und diente als Verwaltungszentrum des gesamten Lagerkomplexes (das war die Bedeutung für das Wort Stammlager).
Es entstand zunächst in einer ehemaligen polnischen Kaserne. Der erste Häftlingstransport kam am 20. Mai 1940 an.
Ursprünglich war das KZ Auschwitz wegen seiner „günstigen verkehrstechnischen Lage“ als Quarantäne- und Durchgangslager für verhaftete polnische Staatsangehörige aus dem neu gebildeten Oberschlesien geplant, die als Zwangsarbeiter weiter nach Deutschland verschleppt werden sollten. Die SS übernahm später Reparaturaufträge für die Wehrmacht und vermietete „ihre“ Häftlinge an Privatunternehmen, die sie als Zwangsarbeiter in zahlreichen Nebenlagern und Außenkommandos in der räumlichen Nähe einsetzten. An der Planung war auch der Vorstand der I.G. Farben, beteiligt, der einen geeigneten Standort für die Buna-Produktion und den dafür erforderlichen Rohstoffen Wasser, Kalk, Salz und Kohle suchte.
Bereits im März 1941 ordnete Himmler eine Vergrößerung des Lagers an. Im Oktober begann der Bau des Vernichtungslagers Auschwitz II–Birkenau. Auch für dessen Verwaltung war es als „Stammlager“ weiter zuständig.
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II)
Das Konzentrationslager A – Birkenau (oder Auschwitz II) fungierte als Vernichtungslager, in dem ungefähr eine Million Menschen, vor allem Juden, Sinti und Roma aus Polen und ganz Europa, ermordet wurden.
Am 26. September 1941 erhielt Höß von Himmler den Befehl, ein zusätzliches Arbeitslager für zunächst 100.000 sowjetische Kriegsgefangene zu bauen. Daraus wurde 1942 das Vernichtungslager. Im ersten Halbjahr 1943 gingen die vier Krematorien in Betrieb, die im Untergeschoss die Gaskammern enthielten.
Teile des 170 Hektar umfassenden Vernichtungslagers wurden Lagerblöcke (A, B, C etc) genannt und dienten nach einander zeitweise verschiedenen Opfergruppen als Haftort („Familienlager“ für Häftlinge aus Theresienstadt, den Opfern der Deportationen aus Ungarn, das Frauenlager (Block B I ) oder der besonderen Verfolgung von so genannten „Zigeunern“.)
KZ Auschwitz-Monowitz (Auschwitz III)
Das Konzentrationslager A – Monowitz (oder Auschwitz III) diente vor allem als KZ für Zwangsarbeiter. Es war zeitweise ebenfalls Stammlager. Es wurde auf Initiative und Kosten eines Industrieunternehmens zusammen mit Fabrikationsstätten ab 1941 in dem Nachbarort errichtet und am 28. Oktober 1942 eröffnet.
Außenlager
In der Region gab es etwa 50 Außenlager der Konzentrationslager Auschwitz I und III, in denen ebenfalls KZ-Häftlinge aufgrund der inhumanen Arbeits- und Lebensbedingungen zu Tode kamen. Die Außenlager unterstanden den Stammlagern als Sammel- oder Arbeitslager und wurden uneinheitlich als Arbeitslager, Außenlager, Außenkommando, KZ, SS-Arbeitslager oder Zweiglager bezeichnet. Zu den Außenlagern zählten unter anderem das KZ Althammer in Stara Kuźnia, das KZ Blechhammer in Sławięcice, Brno (Brünn), das KZ Eintrachthütte in Świętochłowice, das KZ Fürstengrube in Wesoła bei Mysłowice, Hindenburg in Zabrze, Janinagrube in Libiąż, das KZ Jawischowitz, das SS-Arbeitslager Neu-Dachs in Jaworzno sowie das KZ Plaszow beziehungsweise das Arbeitslager in Kraków-Płaszów. In einigen Außenlagern mussten die Häftlinge in Bergwerken arbeiten.
Nach der Befreiung - Abbruch des Lagers
Nach der Befreiung des KZ Auschwitz wurden bewegliche Gegenstände, darunter auch Maschinen aus den Fabrikhallen, durch die sowjetische Militäradministration in die Sowjetunion verbracht. Bei der Auslagerung ganzer Lagermagazine gelangten auch Dokumente, darunter 46 Sterbebücher, in die Sowjetunion und wurden erst 1992 an das Staatliche Museum in Auschwitz zurückgegeben. Wahrscheinlich ab Anfang 1946 wurde durch polnische Behörden ebenfalls bewegliches Lagergut aus dem ehemaligen Konzentrationslager geschafft. Allein 1946 wurden etwa 200 Holzbaracken in Birkenau abgerissen. Auch Einwohner aus der Umgebung beschafften sich dort Baumaterial und anderes bewegliches Gut.[2]
Nach der Befreiung - Internierungslager
Spätestens im April 1945 wurden im Stammlager des ehemaligen KZ Auschwitz und im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau durch die Sowjets Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene eingerichtet, die bis Herbst 1945 (Stammlager) beziehungsweise Frühjahr 1946 (Birkenau) in die Sowjetunion überstellt wurden. Zudem waren dort auch deutsche Zivilisten, und solche die deutscher Nationalität verdächtigt wurden, interniert. Zwischen April 1945 und Mai 1946 starben etwa 150 der im ehemaligen KZ Auschwitz internierten Menschen.[3]
Gedenkstätte, Mahnmale, Museen
Neben verschiedenen Mahnmalen befindet sich auf dem Gelände der Hauptlager Auschwitz I und Auschwitz II heute eine polnische Gedenkstätte, das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, in dem auch historisch geforscht wird.
In der Stadt Oświęcim befindet sich das Jüdische Zentrum Oświęcim/Auschwitz als Gedenkort und als Museum der ehemaligen jüdischen Kultur in der Region.
Geographische Lage
Die Reste der verschiedenen Konzentrationslager befinden sich in Südpolen bei Oświęcim. Das Stammlager Auschwitz (später A I) wurde am Westrand der Stadt Oświęcim in und bei einer ehemaligen polnischen Kaserne errichtet. Oświęcim und die darum befindlichen Gedenkorte liegen etwa 60 km westlich von Kraków (dt. Krakau), südlich von Katowice (dt. Kattowitz) und nördlich von Bielsko-Biała (dt. Bielitz-Biala). Die Region gehörte damals zum Grenzgebiet des Deutschen Reiches mit dem Generalgouvernement und der Slowakei.
Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurde 1941 drei Kilometer entfernt nordwestlich vom Stammlager Auschwitz I neu errichtet. Namensgebender Ort ist Brzezinka.
Das Konzentrationslager Monowitz im Ort Monowice (dt: Monowitz), auch als Konzentrationslager Auschwitz III bezeichnet, wurde Ende Oktober 1942 durch die I.G. Farben AG eingerichtet. Es lag sechs km östlich vom Stammlager Auschwitz I entfernt auf dem Gelände der Buna-Werke der IG Farben AG, wo zumeist jüdische Häftlinge zur Zwangsarbeit herangezogen wurden.[4]
Die Außenlager der Konzentrationslager Auschwitz I und III befanden sich zum Teil im weiteren Umkreis, auch außerhalb des Landkreises, in dem durch die Flüsse Soła und Weichsel umgrenzbaren etwa 40 Quadratkilometer großen „Interessengebiet KL Auschwitz“ des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (SS-WVHA).
Die Anbindung des Bahnhofs von Auschwitz an den internationalen Schienenverkehr erfolgte nach Norden über eine Strecke in die Richtungen Warschau und Breslau (weiter nach Berlin), nach Süden in die Richtungen Prag, Budapest, Wien und Bratislava. Zwei Strecken führten in östlicher Richtung nach Kraków (dort über Przemyśl weiter in die UdSSR, Ukraine).
Literatur
- Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945 Rowohlt, Hamburg 1989, ISBN 3-498-00884-6
- Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“. Katalog zur ständigen Ausstellung im Block 13. Heidelberg, 2001.
Einzelnachweise
- ↑ Deutsche Welle: Der Zweite Weltkrieg im Überblick, abgefragt am 26. März 2009
- ↑ Andrzej Strzelecki: Endphase des KL Auschwitz - Evakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau 1995, ISBN 83-85047-48-4, S. 271f.
- ↑ Andrzej Strzelecki: Endphase des KL Auschwitz - Evakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau 1995, ISBN 83-85047-48-4, S. 273f.
- ↑ KZ Buna/Monowitz auf www.wollheim-memorial.de