Flaggensylphe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flaggensylphe
Männchen

Männchen

Systematik
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Flaggensylphen
Art: Flaggensylphe
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Ocreatus
(Gould, 1846)
Wissenschaftlicher Name der Art
Ocreatus underwoodii
(Lesson, 1832)

Die Flaggensylphe (Ocreatus underwoodii) oder Grünscheitel-Flaggensylphe ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Sie ist die einzige Art der damit monotypischen[1] Gattung der Flaggensylphen (Ocreatus) und lebt in den Anden von Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien.

Merkmale[Bearbeiten]

Weibchen

Die Flaggensylphe hat ein grün schimmerndes Federkleid das beim Männchen, mit Ausnahme der auffälligen weißen Hosen an den Beinen, fast einheitlich den gesamten Körper bedeckt. Die Art zeigt einen deutlichen Sexualdimorphismus. Bei den Weibchen ist die Unterseite cremefarben bis weißlich grüngefleckt, bei der Unterart O. u. melanantherus weiß mit einigen grünen Flecken an den Seiten der Brust. Der vordere Oberkopf der Weibchen zeigt eine kupferfarbene Tönung, hinter dem Auge tragen sie einen weißen Fleck.[2]

Die zentralen Schwanzfedern der Männchen sind grün, der Rest blauschwarz. Das äußere Paar ist stark verlängert mit langem, blankem Schaft und an der Spitze flaggenartig verbreitert. Bei O. u. peruanus sind die verbreiterten Enden der langen, äußeren Steuerfedern eher länglich, bei O. u. annae rundlich und oft überkreuzt.[3] Beim Weibchen ist der Schwanz dunkelgrün mit dunklerem terminalen Band und tief gegabelt. Die Unterschwanzdecken der Weibchen sind in der Regel gelbbraun.

Flaggensylphen sind kleine, schlanke Kolibris. Die Männchen erreichen, inklusive Schwanzfedern, eine Körperlänge von etwa 13 cm, die Weibchen etwa 8 cm. Das Gewicht beträgt 3 g. Der Schnabel ist gerade[2] und mit 13 mm sehr kurz.[1]

Lebensraum und Lebensweise[Bearbeiten]

Die Flaggensylphe lebt in Gebirgswäldern und Waldrändern in Höhen von 850 m bis 3100 m.[4] Ihr Flug ist pendelnd und erinnert an den Flug einer Biene. Auf den ersten Blick könnte man sie für ein großes Insekt halten.[1] Ihre Nahrung nimmt sie schwebend oder gelegentlich an der Blüte festhaltend auf. Man findet sie einzeln im Unterwuchs oder in Gruppen in den Kronen blühender Bäume. Unter anderem sucht sie zum Nahrungserwerb Bäume der Gattung Inga und Calliandra sowie andere Hülsenfrüchtler, Rötegewächse und Bromeliengewächse auf.[2][1]

Unterarten[Bearbeiten]

Es sind acht Unterarten beschrieben worden, die sich in ihrer Färbung, den äußeren Steuerfedern und ihrem Verbreitungsgebiet unterscheiden. O. u. addae, O. u. annae und O. u. peruanus werden manchmal als ein bis drei eigenständige Arten angesehen, O. u. ambiguus gilt als Synonym zu O. u. incommodus:[5]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

René Primevère Lesson erhielt von Underwood im Auftrag von Charles Stokes (1783–1853) eine Zeichnung des Kolibris zugesandt und beschrieb die Art unter dem Namen Ornismya underwoodii.[13] Später wurde sie der Gattung Ocreatus zugeordnet. Dieser Name ist lateinischen Ursprungs und bedeutet »mit Beinschienen bekleidet«.[14] »Polystictus« ist aus den griechischen Worten »polys ἕτερος« für »viele« und »stiktos, stigmē στικτός, στιγμή« für »gefleckt, fleckig, Flecken« zusammengesetzt.[15] »Melanantherus« ist ein griechisches Wortgebilde aus »mélas μέλας« für »schwarz« und »antherōn ανθερων« für »Kinn«.[16] »Peruanus« bezieht sich auf das Land Peru. »Incommodus« ist das lateinische Wort für »unangenehm, unbequem«.[17] »Discifer« setzt sich aus den lateinischen Worten »discus« für »Diskus, Scheibe« und »ferre« für »tragen« zusammen.[17] »Annae« ist Anna Branicka, der Frau von Baron Xavier Branicki gewidmet.[7] »Addae« ist zu Ehren von Adda Wilson, der Frau von William Savory Wilson (-1870) vergeben worden.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Steven Leon Hilty, John A. Gwynne, Guy Tudor: Birds of Venezuela. Princeton University Press, Princeton 2002, ISBN 978-0-691-09250-8.
  •  Steven Leon Hilty, William Leroy Brown: A guide to the birds of Colombia. Princeton University Press, Princeton 1986, ISBN 978-0-691-08372-8 (online, abgerufen am 10. Juni 2014).
  •  Thomas Scott Schulenberg, Douglas Forrester Stotz, Daniel Franklin Lane, John Patton O'Neill, Theodore Albert Parker III: Birds of Peru. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2007, ISBN 978-0-713-68673-9.
  •  Charles Gald Sibley, Burt Leavelle Monroe, Jr: Distribution and Taxonomy of Birds of the World. Yale University Press, Princeton, New Jersey 1991, ISBN 978-0-300-04969-5.
  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  William Jardine, 7. Baronet of Applegarth: Trochilus (Spathura) Melananthera. Samuel Highley, London 1851, S. 111-112 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).
  •  Jules Bourcier: Description de nouvelles espèces de Trochilidèe. In: Revue Zoologique par La Société Cuvierienne. Bd. 9, 1846, S. 312-314 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).
  •  Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, Jan Sztolcman: Descriptions de quelques Espèces nouvelle d'Oiseaux du Pérou central. In: The Ibis (= 6. Bd. 6). 1894, S. 385-405 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).
  •  Ferdinand Heine junior: Trochilidica. In: Journal für Ornithologie. Bd. 11, Nr. 63, 1863, S. 173-217 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).
  •  Otto Kleinschmidt: Katalog meiner ornithologischen Sammlung. Kommissionsverlag Gebauer Schwetschke A.-G., Halle (Saale) 1935-1943 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).
  •  John Gould: A monograph of the Trochilidæ, or family of humming-birds. Bd. 3, Nr. Lieferung 1, Taylor and Francis, London 1849 (online, abgerufen am 18. Juli 2011).
  •  Walter Edmond Clyde Todd: List of the hummingbirds in the collection of the Carnegie Museum. In: Annals of the Carnegie Museum. Bd. 29, 1942, S. 271-370.
  •  René Primevère Lesson: Les Trochilidées ou les Colibris et Les Oiseaux-Mouches Suivis d'un index général dans lequel sont décrites et classées méthodiquement toutes les races et espèces du genere Trochilus. Ouvrage orné de planches dessinées et gravées par les meilleurs artistes. Arthus Bertrand, Paris 1834-1835 (online, abgerufen am 9. Juni 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flaggensylphe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Steven Leon Hilty u.a. (2002), S. 429
  2. a b c Steven Leon Hilty u.a. (1986), S. 290
  3. Thomas Scott Schulenberg u.a., S. 240
  4. Charles Gald Sibley u.a., S. 161
  5. IOC World Bird List Hummingbirds
  6. Jules Bourcier, S. 312
  7. a b Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u.a., S. 398
  8. Ferdinand Heine junior, S. 210
  9. Otto Kleinschmidt, S. 225
  10. William Jardine, 7. Baronet of Applegarth, S. 111
  11. John Gould, Tafel 164 plus Text
  12. Walter Edmond Clyde Todd, S. 347
  13. a b René Primevère Lesson, S. 105
  14. James A. Jobling, S. 279
  15. James A. Jobling, S. 313
  16. James A. Jobling, S. 246
  17. a b James A. Jobling, S. 204
  18. Jules Bourcier, S. 313