Flechet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Beispiele einiger Flechettes von Kleinkaliber-Waffen. (Skala in Zoll.)

Das Flechet, von frz. Fléchette (deutsch Pfeilchen), ist ein pfeilförmiges Projektil (Pfeilmunition). Flechets besitzen am hinteren Ende in der Regel ein Leitwerk. Die Spitze ist meistens konisch oder ogival ausgeformt.

Flechets weisen auf Grund ihrer langgestreckten Form eine hohe Querschnittsbelastung auf, wodurch die Abbremsung durch den Luftwiderstand geringer ist als bei kürzeren, gleichschweren Geschossen mit größeren Durchmessern. Diese außenballistisch günstigen Eigenschaften ermöglichen eine höhere Reichweite. Die hohe Querschnittsbelastung verbessert in Bezug auf die zielballistische Wirkung die Durchschlagskraft.

Unterkalibrige Flechets[Bearbeiten]

Ein APFSDS-Geschoss, dessen Mantel sich kurz nach dem Verlassen des Laufes ablöst.

Aus Rohrwaffen werden Flechets mittels Treibspiegeln verschossen. Durch den leichten Treibspiegel wird die Querschnittsbelastung innenballistisch günstig gesenkt, wodurch bei gegebener Treibladungsmenge und Rohrlänge eine höhere Mündungsgeschwindigkeit erreicht wird. Nach dem Verlassen des Rohres trennt sich das Geschoss vom Treibspiegel und erhält so die außenballistisch günstige hohe Querschnittsbelastung. Treibspiegelgeschosse werden aus zuglosen Rohren verschossen, wodurch der Rohrverschleiß, der bei gezogenen Rohren bei hohen Mündungsgeschwindigkeiten stark anwächst, deutlich reduziert werden kann. Flechets für Rohrwaffen werden meist aus harten Materialien mit hoher Dichte gefertigt.

Vereinzelt wurde Flechet-Munition für Handfeuerwaffen konstruiert, die zum Beispiel bei Waffen im Kaliber 5,56 mm eine Mündungsgeschwindigkeit von etwa 1.500 m/s ermöglichte. Die Treffergenauigkeit war, wie Versuche mit dem Steyr ACR zeigten, allerdings geringer als bei anderen Sturmgewehren. Die effektive Reichweite vergrößert sich auf etwa das Drei- bis Vierfache gegenüber Normalmunition gleichen Kalibers.

Wirkung[Bearbeiten]

Flechets führen zu schwerwiegenden Verletzungen, da sie im Körper des Opfers instabil sind und sich verformen. So verbog sich die Spitze bei Tests angelhakenförmig oder das gesamte Geschoss nahm eine U-Form an. Darüber hinaus neigen Flechets auch dazu, sich im Ziel quer zu stellen.

Bei Tests wurden alle gängigen Schutzwesten und Helme durchschlagen. Dabei zog das Geschoss oftmals Teile dieses Schutzes oder auch normaler Kleidung in den Wundkanal. Insbesondere Schutzwestenteile führten dabei zu schweren Sekundärverletzungen.

Der Verlauf des Wundkanals ist nicht vorhersagbar. So fliegt das Geschoss relativ gerade durch Stahl, verformt sich aber in weichem Gewebe und kann dadurch seine Bewegungsrichtung ändern.[1]

Verwendung in anderen Waffensystemen[Bearbeiten]

Fliegerpfeile der Schweizer Armee aus dem Ersten Weltkrieg.

Teilweise wurde von den US Navy Seals im Vietnamkrieg Flechette-Munition in Flinten verwendet. Diese Munition erreichte eine höhere wirksame Reichweite als die sonst üblichen Kugelschrote. Eine Patrone enthielt 14 bis 40 Flechettes. Aufgrund der ungenügenden Wirkung im Ziel konnte sich diese Munition aber nicht durchsetzen.

Flechets werden auch als Splitterkörper in Granaten und Sprengköpfen eingesetzt:

Artillerie:

105-mm-Granaten, die im Ziel mehrere tausend Flechettes freisetzen (zum Beispiel M494 105 mm APERS-T). 120-mm-Granaten sind gerade in der Entwicklung.

Flugzeuge:

Flechette-Raketengefechtsköpfe, die beispielsweise auf Hydra-Raketen montiert werden. Sie enthalten über tausend Flechettes und werden gegen Infanterieverbände eingesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patrone 5,56 mm Steyr Flechette auf WaffenHQ.de