Auswechslung

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In allen Mannschaftssportarten ist die Auswechslung eines oder mehrerer aktiver Spieler mittels Einwechslung eines Ersatzspielers möglich. Die Auswechslung kann im Falle einer Verletzung oder aus taktischen Gründen vorgenommen werden. Die Entscheidung trifft der Trainer. Je nach Sportart gelten zur Anzahl und Durchführung von Wechseln unterschiedliche Regeln, von denen bei Freundschaftsspielen auf Absprache Ausnahmen gemacht werden.

Eine Schiedsrichterin zeigt die Auswechslung der Spielerin mit der Rückennummer 20 an. Die Einwechselspielerin steht bereit.

Sportarten[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Im Fußball kann seit 1967 (nach Änderung der FIFA-Regel III) ein verletzter Spieler pro Mannschaft ersetzt werden. Allerdings gab es bereits 1953/54 eine solche Möglichkeit: bei den Qualifikationsspielen zur WM 1954 durfte jedes Team einen verletzten Spieler ersetzen, aber nur in der ersten Halbzeit.[1] Seit 1995 können drei Spieler – ohne Restriktionen wie Verletzungsbedingtheit – ausgewechselt werden, ausgewechselte Spieler dürfen nicht mehr eingewechselt werden. Sehr selten kommt es hierbei zu Wechselfehlern, indem ein vierter oder nicht spielberechtiger Spieler eingewechselt wird; in diesem Fall wird das Spiel in der Regel nachträglich per Sportgerichtsurteil als 0:3 verloren gewertet.

Vor 1967 waren Auswechslungen in Pflichtspielen nicht möglich. In der Saison 1967/68 durfte ein Trainer einmal im Spiel auswechseln, von 1968 bis 1994 zweimal. In der Saison 1994/95 gab es eine Regelung - wie sie bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA angewendet wurde: Es durften 2 Feldspieler und separat der Tormann gewechselt werden. Der Ersatztormann durfte nur den in der Startaufstellung spielenden Tormann ersetzen. Dies war anscheinend (vor allem in unteren Spielklassen) für die Schiedsrichter (meist gibt es dort nur einen Schiedsrichter, keine Assistenten) schwer zu handhaben und es gab doch auch auf Umwegen die Möglichkeit, die Einschränkung zu umgehen. Ab 1995/96 können daher grundsätzlich drei Spieler getauscht werden.

Im Jugendbereich, sowie in manchen deutschen Verbänden in den niedrigsten Amateurklassen, sind auch Rückwechselungen und bis zu fünf Auswechselungen erlaubt.

Basketball[Bearbeiten]

Im Basketball können bis zu sieben Spieler ein- und wieder ausgewechselt werden, und zwar jederzeit, sofern das Spiel unterbrochen ist.[2]

Hockey[Bearbeiten]

Im Hockey gilt das sogenannte Interchanging, d.h. es kann jederzeit ein- und wieder ausgewechselt werden. Im Feld dürfen insgesamt 16 Spieler eingesetzt werden, von denen jeweils 11 Spieler auf dem Feld sind.[3] In der Halle sind sechs Spieler von insgesamt zwölf auf dem Spielfeld.[4] Während einer Strafecke darf nicht ausgewechselt werden. Wechselfehler werden mit einer Zeitstrafe geahndet.

Reservisten, Ersatzbank und „Zweiter Anzug“[Bearbeiten]

Um erfolgreich an Meisterschaften und Turnieren teilnehmen zu können, brauchen Mannschaften einen Kader, der erheblich größer ist als die zu Spielbeginn antretende Anzahl von Spielern. Um Ersatzspielern, die nur selten eingesetzt werden, die nötige Fitness und Spielpraxis zu ermöglichen, werden Reservemannschaften aufgestellt, die untereinander Spiele austragen. Diese Mannschaften trugen früher auch den Namen ihres Vereins mit dem Zusatz Reserve; heute spricht man von „Zweiter Mannschaft“ oder bei Profivereinen teilweise von Amateuren, obwohl dies heute nicht mehr immer korrekt ist.

Bei zunehmender Leistungsdichte im modernen Mannschaftssport ist die Qualität der Ersatzspieler von großer Bedeutung. Da durch Verletzungen und Formschwankungen eine Mannschaft im Verlauf einer Saison beziehungsweise eines Turniers zwingend verändert werden muss, kann der sogenannte „Zweite Anzug“ für das Endergebnis entscheidend sein. Im Idealfall findet sich auf der Ersatzbank für jede Position auf dem Spielfeld ein gleichwertiger Ersatz. Bei Clubs im Profisport, die über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, sitzen öfters Nationalspieler auf der Ersatzbank, die in schwächeren Mannschaften einen Stammplatz in der Startaufstellung sicher hätten. Solche Spieler werden auch „Edelreservisten“ genannt.

Spezialisten[Bearbeiten]

In Sportarten, die beliebig viele Auswechslungen erlauben, hat sich der Einsatz von spezialisierten Spielern und Mannschaftsteilen eingebürgert. So werden zum Beispiel im Eishockey drei oder vier Sturmreihen komplett gegeneinander ausgewechselt; im Handball kommen einzelne Spieler nur im Angriff oder nur in der Verteidigung zum Einsatz. Am weitesten fortgeschritten ist die Spezialisierung im American Football, wo je nach Ballbesitz fast die ganze Mannschaft ausgewechselt wird.

Joker[Bearbeiten]

Insbesondere Offensivspieler können darauf spezialisiert sein, beziehungsweise vom Trainer dazu ausersehen sein, regelmäßig nur gegen Ende des Spieles und besonders bei ungünstigem Spielstand eingesetzt zu werden. Sie sollen ihre körperliche Frische sofort in den aktuellen Spielverlauf einbringen können. Sind Spieler nach ihrer Einwechslung häufig erfolgreich, gelten sie als Joker.

Im übertragenen Sinn[Bearbeiten]

Da geschlossene aktive Gruppen auch außerhalb des Sports als „Mannschaft“ bezeichnet werden, zum Beispiel die Bundesregierung als „Regierungsmannschaft“, haben alle mit der Auswechslung zusammenhängenden Begriffe Eingang in den übertragenden Sprachgebrauch gefunden. So spricht man von Ministern oder Managern, die „reif für die Auswechslung“ seien, oder von einer schwachen „Ersatzbank“ von Parteien und Firmen, die sich schwertun, Führungspersönlichkeiten adäquat zu ersetzen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Auswechslung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Christian Jessen/Volker Stahl/Erik Eggers/Johann-G. Schlüper: Fußballweltmeisterschaft 1954 Schweiz. AGON, Kassel 2003, ISBN 3-89784-218-1, S. 28; Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.): Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft. Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 136
  2. http://www.kzs.ch/schulsport/spielregeln/ssp_spielreg_basketball.htm
  3. Regeln für Feldhockey 2012/13. Abgerufen am 14. April 2013 (PDF; 517 kB). (PDF)
  4. Regeln für Hallenhockey 2011/12. Abgerufen am 14. April 2013 (PDF; 555 kB). (PDF)