Drehtür-Effekt

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Der Begriff Drehtür-Effekt bezeichnet als eine Metapher den schnellen Wechsel zwischen zwei Zuständen („rein/raus“). Er ist negativ besetzt und stellt typischerweise bildhaft eine Veränderung dar, die nach kurzer Zeit zum Ursprungszustand zurückkehrt. Er prangert entsprechend die Nutzlosigkeit bzw. Verwerflichkeit dieser Veränderung an.

Beispiele[Bearbeiten]

Abhängigkeitserkrankungen[Bearbeiten]

Alkoholiker „... in der Suchthilfe gelten sie als schwierige Gruppe. Obwohl sie oft ganz unten sind, halten sie eine konsequente Abstinenz-Behandlung nur in den seltensten Fällen durch. Sie melden sich im Krankenhaus zum so genannten Entzug an, werden rückfällig, probieren es erneut, werden wieder rückfällig, melden sich wieder zum Entzug an und so fort. „Drehtür-Effekt“ nennen das die Experten. Die Entgiftungsstationen und stationären Therapieeinrichtungen, die die Behandlung Suchtkranker nach dem körperlichen Entzug fortführen, sind voll mit solchen Rückfall-Patienten.“[1]

Insolvenzverfahren[Bearbeiten]

Im Insolvenzrecht wird ebenfalls von einem Drehtür-Effekt gesprochen, wenn der (private) Schuldner z. T. noch während des laufenden Insolvenzverfahrens erneut Schulden produziert.[2][3]

Erwerbsleben/Zeitarbeit[Bearbeiten]

Zeitarbeit stellt für viele Behörden und Menschen eine kurzfristig gangbare „Tür“ aus der Erwerbslosigkeit in eine bezahlte Beschäftigung dar. Da aber die Arbeitsplatzsicherheit bei Zeitarbeitsunternehmen gering ist und Zeitarbeiter im Konjunkturabschwung als Erste von Entlassungen bedroht sind, bezeichnen Kritiker Zeitarbeit als eine Drehtür von der Erwerbslosigkeit in Jobs und wieder zurück.[4][5] Im weiteren Kontext wird das Wechseln ehemals festangestellter Mitarbeiter in Zeitarbeitsverhältnisse, z. B. bei konzerninternen Zeitarbeitsunternehmen, zu schlechteren Konditionen und die anschließende dauerhafte Ausleihung ebenfalls als Drehtür-Effekt bezeichnet.[6][7]

Gesundheitswesen: „Verweildauerverkürzung“[Bearbeiten]

Im Krankenhausbereich ist der Begriff ein Synonym für die Kritik an Maßnahmen der so genannten „Verweildauerverkürzung“. Es wird argumentiert, dass durch frühzeitige Entlassungen das Risiko bestehe, dass sich der Gesundheitszustand der (nicht vollständig ausgeheilten) Patienten schnell wieder soweit verschlechtern könne, dass der Patient nach kurzer Zeit erneut in das Krankenhaus eingewiesen werden müsse: Der Patient verlässt das Krankenhaus durch die Drehtür und kehrt nach kurzer Zeit wieder zurück.[8][9] Siehe hierzu: Kritik an der Verweildauerverkürzung.

Insolvenzverfahren[Bearbeiten]

Im Insolvenzrecht wird ebenfalls vom Drehtür-Effekt gesprochen, wenn der (private) Schuldner z. T. noch während des laufenden Insolvenzverfahrens erneut Schulden produziert.[10][11]

Politik/Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Begriff wird auch dazu verwendet, um den fliegenden Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft zu beschreiben. Hier hebt das Bild weniger auf den Wechsel hin und zurück als auf die Eigenschaft der Drehtür, eine schnelle Verbindung darzustellen, ab. Politiker sind in der kritisierenden Verwendung dieses Begriffs zu eng mit der Wirtschaft verbunden. Der schnelle Wechsel von der Politik in die Wirtschaft birgt das Risiko von Interessenkonflikten. Der deutsche Begriff entstammt dem englischen „Revolving Door“, im Französischen wird für einen ähnlichen Sachverhalt die Metapher „Pantouflage“ (übersetzt in etwa: „große Pantoffeln anziehen“) und im Japanischen der Begriff „Amakudari“ verwendet.

Resozialisierung von Straffälligen[Bearbeiten]

Nach Meinung von Kritikern unzureichenden Maßnahmen der Resozialisierung führen dazu, dass hohe Rückfallquoten entstehen und Strafgefangene kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis wieder zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Die Gefängnistür wird hier bildhaft zur Drehtür, die umgehend wieder zurück ins Gefängnis führt.[12]

Wohnungslosenhilfe[Bearbeiten]

Ein vergleichbares Phänomen wird in der Wohnungslosenhilfe beschrieben. Die Integration und insbesondere die Nachsorge sind oftmals so wenig nachhaltig, dass Wohnungslosigkeit erneut auftritt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trockenübungen. Neue Wege aus der Alkoholsucht (PDF; 91,05 kB), zur Sendung von SWR2 Wissen vom 23. April 2009.
  2. Ulrich Schmerbach: 1. Deutscher Privatinsolvenztag in München. In: VIA 2010, 89, 90.
  3. Ulrich Schmerbach: Leitlinien einer Reform der Insolvenzverfahren natürlicher Personen. In: NZI 2011, 131, 133.
  4. vgl. Gerhard Krug: Paradoxe Folgen finanzieller Anreize zur Arbeitsaufnahme für die Beschäftigungsstabilität. Eine handlungstheoretische Analyse nach Boudon. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 2010, S. 194 f.
  5. vgl. Bettina Daser: Mensch oder Kostenfaktor? Über die Haltbarkeit psychologischer Verträge im Outsourcing-Prozess. 1. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16543-1, S. 119 f.
  6. Volker Teigelkötter: Gastkommentar: Von Strohmännern und Drehtüren. In: Der Betrieb, Heft 07/2010, S. M01.
  7. Leif H. Hansen/Regina Ragnit: Neue Regeln für die Zeitarbeit. In: Arbeit und Arbeitsrecht, Heft 1/2011, S. 8–12.
  8. vgl. Jörg-Dietrich Hoppe: Gesundheitspolitik: Zuwendung statt kalter Betriebswirtschaft. In: Deutsches Ärzteblatt 3/1999, S. A-79.
  9. vgl. K. Singler/M. Christ/C. Sieber/M. Gosch/H. J. Heppner: Geriatrische Patienten in Notaufnahme und Intensivmedizin. In: Der Internist, 2011, S. 935.
  10. Ulrich Schmerbach: 1. Deutscher Privatinsolvenztag in München. In: VIA 2010, 89, 90.
  11. Ulrich Schmerbach: Leitlinien einer Reform der Insolvenzverfahren natürlicher Personen. In: NZI 2011, 131, 133.
  12. vgl. Widmaier/Weider: Münchener Anwaltshandbuch Strafverteidigung. 1. Auflage 2006, § 45, Rn. 63.