Fliegerass

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Als Fliegerasse werden in der Fliegersprache Militärpiloten bezeichnet, die bei Jagdeinsätzen mindestens fünf feindliche Militärflugzeuge abgeschossen haben.[1]

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Ass für einen Piloten geht auf den Franzosen Adolphe Pégoud zurück. Dieser wurde von der französischen Presse als „Ass“ betitelt, nachdem er im Ersten Weltkrieg fünf deutsche Gegner im Luftkampf besiegt hatte.

Umgangssprachlich war der englische Begriff fighter ace in der englischsprachigen Propaganda seit dem Ersten Weltkrieg eingeführt, der direkt übersetzt Kämpfer-Ass lautet, sinngemäß im Zusammenhang mit Luftkrieg aber Jagdflieger-Ass. In der deutschsprachigen Presse fand der Begriff kaum Verwendung, auch war er im militärischen Rang- und Auszeichnungssystem nicht relevant. Die Propaganda des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg stilisierte ihre Protagonisten zu heldenhaften Einzelpersonen.

Verwendung des Begriffes und Kriterien[Bearbeiten]

Seit dem Aufkommen von Jagdflugzeugen und nach der Einführung starr nach vorne gerichteter Bordbewaffnung stehen Piloten, die nun gleichzeitig Steuernde und Bordschützen sind, im Blickfeld der Propaganda. Teilweise wurde die Tradition der romantischen Heldenverklärung des Mittelalters auf die „Ritter der Lüfte“ übertragen. Tatsächlich wurden die ersten militärischen Kampffliegereinheiten aus Kavallerieeinheiten gebildet und übernahmen deren Verbandsbezeichnungen wie Rotte, Staffel und Geschwader. Die Übernahme ritterlicher Tugenden in eine Zeit des industrialisierten Krieges entsprach offenbar dem Bedürfnis, der entmenschlichten modernen Kriegsführung etwas entgegenzusetzen. Nicht selten wurden Luftkämpfe als fairer Zweikampf dargestellt, bei dem der zur Gegenwehr weniger fähige Gegner pardoniert wurde.

Solche Darstellungen, wie zum Beispiel der von Ernst Udet beschriebene Luftkampf gegen Georges Guynemer 1917, hielten zwar der historischen Prüfung nicht stand, wurden aber von der Presse und der Filmindustrie der Zwischenkriegszeit aufgenommen.

Im englischen, französischen und italienischen Sprachgebrauch hielt sich der Begriff fighter ace (englisch), as (französisch) oder Asso dell'aviazione (italienisch) für Jagdpiloten, die mindestens fünf Abschüsse, in Frankreich auch Beteiligungen an Abschüssen, verbuchen konnten.

Die Art der Anerkennung von Abschüssen waren von Land zu Land verschieden. Während für die deutsche Luftwaffe eine strenge „Ein Pilot – ein Abschuss“-Regel galt, konnte bei alliierten Luftwaffen auch Anteile an einem Abschuss (engl.: kill) zuerkannt werden. Neben Einsatzberichten, Aussagen von Beobachtern, Bordkameras oder Schießkameras galt unter Umständen auch das Ehrenwort des Piloten.

Die japanischen Luftstreitkräfte verzichteten ab 1943 auf individuelle Anerkennung von Abschüssen, die sowjetischen Luftstreitkräfte unterschieden zwischen individuellen und kollektiven Abschusserfolgen.

Die meisten individuelle Abschüsse der Geschichte erzielte der Deutsche Erich Hartmann, dem im Zweiten Weltkrieg 352 Abschüsse zuerkannt wurden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Fliegerasse innerhalb der Luftwaffe als „Experten“ bezeichnet,[2] wobei die Anzahl der bestätigten Abschüsse in ein Punktesystem einfloss, welches für die Verleihung von Auszeichnungen und für Beförderungen relevant war. Bekannte deutsche Jagdpiloten wurden für Propagandazwecke benutzt.[3] Fliegerasse wurden von der nationalsozialistischen Propaganda vor allem Jugendlichen von 12 bis 13 Jahren als Imponierfiguren angeboten; bei ihnen waren daher Porträtzeichnungen der Fliegerasse weit verbreitet.[4]

Die Veröffentlichung der Abschusszahlen des Gegners und der eigenen Kräfte durch die Presse, beispielsweise während der Luftschlacht um England, wurde von den Luftstreitkräften toleriert, jedoch nicht präzisiert.

Das Bekanntwerden von Abschusszahlen der Gegner oder der eigenen Kameraden führte mitunter zu der Auffassung, dass die Piloten einen sportlichen Wettkampf bestritten. Der an individuellen Abschusszahlen gemessen erfolgreichste Jagdflieger der Royal Air Force, James Edgar Johnson, rechtfertigt sich in seinem autobiografischen Buch Wing Leader zu Verdächtigungen, er hätte sich zu Lasten seiner Einheit zu sehr um seine Abschusszahl gekümmert. Durch das von der Presse betriebene Heroisieren kam es bei den Alliierten Luftstreitkräften teilweise zur Entsolidarisierung mit anderen Bestandteilen der Streitkräfte. Bomberbesatzungen fühlten sich teilweise im Lichte der Öffentlichkeit zu wenig beachtet, es entstand der Spruch: „Fighter pilots make movies, bomber pilots make history.“ (Deutsch: „Jagdflieger machen Kinofilme, Bomberpiloten machen Geschichte.“).

Ein berühmter französischer Jagdflieger berichtete schockiert über Beschimpfung durch Gäste eines Pariser Cafés nach Kriegsende. Er hätte sich aus dem Staub gemacht und den „feinen Herren“ gespielt, während seine Landsleute im Widerstand kämpften und starben.

Tatsächlich war die Aussicht auf Überleben für Flugzeugbesatzungen gering. Über 60 % aller Besatzungen fanden den Tod, nur die Besatzungen deutscher U-Boote hatten eine höhere Verlustrate. Um Kriegsmüdigkeit und Erschöpfung zu bekämpfen, wurden sowohl von den Alliierten als auch von den Achsenmächten den Piloten Amphetamine mit der Absicht der Leistungssteigerung bis hin zum Missbrauch verabreicht.

Nach 1945[Bearbeiten]

In einer Reihe von Kriegen nach 1945 wurden mehreren Piloten verschiedener Länder über fünf persönliche Abschusserfolge zuerkannt. Die Bedeutung des Begriffes „Fliegerass“ und der damit verbundene Mythos wurde aber mit Einführung von Lenkwaffen zusehends abgeschwächt. Auch liegt es nicht im Sinne der Streitkräfte, Racheakte an Kriegshelden durch deren namentliche Nennung zu fördern.

Öffentliches Andenken an deutsche Jagdpiloten im Zweiten Weltkrieg, etwa in Form von Kranzniederlegungen durch Veteranenvereine, dient mitunter als Plattform für Geschichtsrevisionisten und Neonazis und führt zu dementsprechenden Kontroversen, etwa in Österreich im Falle von Walter Nowotny.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Niels Klussmann: Fliegerass. In: Lexikon der Luftfahrt. 2004, S. 75.
  2.  Edward H. Sims: Jagdflieger. Die großen Gegner von einst. 16. Auflage. Motorbuch, Stuttgart 1996, ISBN 3-87943-115-9, S. 33 („Nur wer überlegene jagdfliegerische Fähigkeiten bewies, galt als „Experte“…“).
  3.  Jakob Knab: Falsche Glorie. 1. Auflage. Ch. Links, Berlin 1995, ISBN 3-86153-089-9, S. 76 („Göring sonnte sich im Glanz des Flieger-Asses Marseille“).
  4.  Rolf Schörken: „Schülersoldaten“. In: R.D. Müller, H.E. Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. München/Oldenburg 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 466 (im Auftrag des MGFA).

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Clostermann: The Big Show. The Greatest Pilot's Story of World War II. London: Weidenfeld & Nicolson 2004, ISBN 0-297-84619-1 (engl.)
  • Hermann Hagena: Jagdflieger Werner Mölders. Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-66-3
  • Edgar James Johnson: Wing Leader. Eastbourne: Gardners Books 2000, ISBN 0-907579-87-6 (engl.)
  • Raymond F. Toliver, Trevor J. Constable: Das waren die deutschen Jagdflieger-Asse 1939–1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1972, ISBN 3-87943-216-3.
  • Edward H. Sims: Jagdflieger. Die großen Gegner von einst. 1939–1945. Luftwaffe, RAF und USAAF im kritischen Vergleich. Stuttgart: Motorbuch Verlag 1979
  • Walter Schuck: Abschuss! - Von der Me 109 zur Me 262. Erinnerungen an die Luftkämpfe beim Jagdgeschwader 5 und 7. Helios-Verlag, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-44-1
  • Chris Chant: Austro-Hungarian Aces of World War 1., 2002 ISBN 1-84176-376-4 (engl.)
  • Norman Franks: Albatros Aces of World War I. , 2000 ISBN 1-85532-960-3
  • Norman L. R. Franks; Frank W. Bailey: Over the Front: A Complete Record of the Fighter Aces and Units of the United States and French Air Services, 1914–1918: Complete Record of the … States and French Air Services, 1914-18 1992, 978-0948817540