Franz Ergert

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Franz Ergert, auch Ergerth (* 24. November 1758 in Gabel; † 16. Juni 1831 auf Schloss Neu Falkenburg bei Gabel) war ein österreichischer Fabrikant und Pionier der Industrialisierung.

Leben[Bearbeiten]

Ergert erhielt seine erste Ausbildung in der Kattun-Manufaktur seines Vaters. Ende der 1790er Jahre baute er den väterlichen Betrieb durch Einführung mechanischer Webstühle zu einer frühindustriellen Baumwollfabrik aus. Zu seinem Unternehmen gehörten neben der Fabrik in Gabel noch Textildruckereien sowie Niederlassungen in Prag und Wien.

Seine Fabrik - damals die einzige in Gabel - wurde in den folgenden Jahren zu einer der Hauptproduktionsstätten für Baumwollwaren in Böhmen.[1] Ergert steigerte die Kapazität seiner Fabrik bis zur enormen Zahl von 140 Webstühlen und machte sich damit zu einem der bedeutendsten Baumwollfabrikanten Böhmens und Industriellen seiner Zeit.[2] Sein Unternehmen erregte selbst das Interesse von Kaiser Napoleon I., der bei seinem Aufenthalt in Gabel am 19. August 1813 die Fabrik inspizierte. Während der Napoleonischen Kriege wurde Ergerts Unternehmen jedoch derart in Mitleidenschaft gezogen - Soldaten zerstörten den Großteil seiner Webstühle -, dass es seine Stellung vor dem Krieg nicht wiedererlangen konnte.

Ergert leistete als Ratsherr der Stadt Gabel und als Förderer des öffentlichen Wohls viel Gutes; beispielsweise unterhielt er ein Armenhaus. 1809 förderte er den Freiheitskampf gegen Napoleon, indem er gefärbte Uniformstoffe für kaiserliche Husaren und das Schwarze Korps des Herzogs von Braunschweig lieferte; zudem spendete er einen beträchtlichen Geldbetrag in die Kriegskasse.[3] Ebenso unterstützte er das Schützenkorps seiner Heimatstadt.

Nach seinem Tode wurde sein Unternehmen von seinen Nachkommen weitergeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Collegium Carolinum, Bohemia: Jahrbuch des Collegium Carolinum, Band 6, 1965
  • Anton Ernstberger, Böhmens freiwilliger Kriegseinsatz gegen Napoleon 1809, 1963
  • Bernhard Urban, Deutsch Gabel in der Zeit Napoleons I., 1937
  • Gustav von Kortzfleisch, Geschichte des Herzoglich Braunschweigischen Infanterie Regiments und seiner Stammtruppen 1809-1867, Limbach, 1896
  • Stephan von Keess (Hrsg.), Darstellung des Fabriks- und Gewerbswesens im österreichischen Kaiserstaate, Band 1, Wien 1820
  • Stephan von Keess (Hrsg.), Darstellung des Fabriks- und Gewerbswesens in seinem gegenwärtigen Zustande, Band 4, Anhang und Register zur Darstellung des Fabriks und Gewerbswesens im österreichischen Kaiserstaate, Wien 1824

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. von Keess 1820, Seite 188
  2. von Keess 1824, Seite 40
  3. Ernstberger 1963, Seite 103