Franziskaner der Immakulata

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Franziskaner der Immakulata bei einer Priesterweihe des Instituts in der Allerheiligenkirche Florenz
Priesterweihe durch Franc Kardinal Rodé

Die Franziskaner der Immakulata (lat. Congregatio Fratrum Franciscanorum Immaculatae, FFI oder FI), sind ein Institut des geweihten Lebens in der römisch-katholischen Kirche.

Gründung und Spiritualität[Bearbeiten]

Das Institut wurde von zwei Franziskanern, P. Stefano Maria Manelli und P. Gabriel Maria Pellettieri, am 2. August 1970 gegründet. Die Franziskaner von der Immakulata leben nach der bullierten Regel des hl. Franziskus von Assisi. Papst Johannes Paul II. bestätigte das Institut bischöflichen Rechts am 1. Januar 1998. Das Institut ist marianisch ausgerichtet und steht daher unter dem Patronat der unbefleckt empfangenen Gottesmutter.

Zur Ordensfamilie der Franziskaner der Immakulata gehören auch die Franziskanerinnen der Immakulata (mit einem aktiven und einem kontemplativen Zweig), die Klarissen von der Immakulata, die Franziskaner-Tertiaren der Immakulata und die Franziskanischen Schwestern des dritten Ordens der Immakulata.[1]

Den Franziskanern der Immakulata gehören etwa 400 Mitglieder mit feierlicher Profess an, den Schwestern etwa 350. 120 Männer sind im Postulat. Die Franziskaner der Immakulata haben Klöster auf allen Kontinenten, in England, Frankreich, Indien, Italien, Portugal, Kasachstan, Nigeria, Benin, Brasilien, Kamerun, dem Tschad, den Philippinen, Argentinien, Australien und den Vereinigten Staaten. Im deutschsprachigen Raum sind die Franziskaner der Immakulata in Kitzbühel in Österreich ansässig. Das Mutterhaus befindet sich im italienischen Frigento, das Generalat in Rom.

Die Brüder sind nach dem Vorbild des Franziskaners und Märtyrers Maximilian Kolbe in der Mission tätig. Sie tragen einen blaugrauen Habit mit einem daran befestigten Abbild der wundertätigen Medaille. Sie geben unter anderem eine periodisch erscheinende Missionszeitschrift heraus. Der Sakristeidienst an der päpstlichen Basilika Santa Maria Maggiore wird von einigen Ordensbrüdern geleistet.

In der Folge des Motu proprio Summorum Pontificum Papst Benedikts XVI. fasste das Generalkapitel der Franziskaner der Immakulata 2008 den Beschluss, dass alle Priester des Ordens die Feier der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus erlernen sollen.

Orden unter der Leitung eines Apostolischen Kommissars[Bearbeiten]

Am 11. Juli 2013 wurde durch die vatikanische Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens angeordnet, dass jeder Ordenspriester der Franziskaner der Immakulata angehalten sei, die Liturgie nach der ordentlichen Form des Römischen Rius zu zelebrieren und der Gebrauch der außerordentlichen Form ausdrücklich von den zuständigen Stellen für jeden Ordensangehörigen genehmigt werden müsse. Diese Regelung trat am 11. August 2013 in Kraft.[2] Zeitgleich wurde der Orden einem Apostolischen Kommissar (dem Kapuziner Fidenzio Volpi) unterstellt. Als Grund für diese Maßnahmen werden ordensinterne Konflikte vermutet, die bei einer apostolischen Visitation zutage traten.[3] [4] So habe die bisherige Ordensleitung die Priester des Ordens zur Verwendung der vorkonziliaren Liturgieform gedrängt, die vom Gründer und seinerzeitigen Generaloberen zumindest für die Ausbildungshäuser (Seminare und Noviziate) zwingend vorgeschrieben worden sei[5], was aufgrund der Altersstruktur des Institutes verhältnismäßig viele Ordensleute betroffen und den kirchenrechtlichen Vorgaben nicht entsprochen habe.

Zum Patronatsfest des Ordens am 8. Dezember 2013 veröffentlichte der Apostolische Kommissar erstmals ein offizielles Rundschreiben, in dem er seine Aufgaben und deren bisherige Umsetzung beschreibt, zur Situation des Ordens Stellung nimmt und seine disziplinarischen Maßnahmen erläutert und begründet.[6] Darin beklagt er Widerstände gegen seine von der vatikanischen Ordensbehörde verfügte Tätigkeit als provisorischer Leiter des Ordens, die vielfältig zutagegetreten und durch traditionalistische Gruppierungen und Einzelpersonen innerhalb und außerhalb der Kirche, darunter auch den Leiter der traditionalistischen Piusbruderschaft Bischof Bernard Fellay, unterstützt und angefacht worden seien. Den Grund dafür sieht Volpi darin, „dass der Orden zum Schlachtfeld für einen Kampf zwischen unterschiedlichen Strömungen an der Kurie und vor allem der Opposition gegen das neue Pontifikat von Papst Franziskus geworden“ sei. Als Unterstützern dieser Linie sieht Volpi „keineswegs nur ‚einfache Angestellte, gewöhnliche Hausfrauen und ganz normale Bauarbeiter‘, […] sondern auch Industrielle“ sowie „einflussreiche Journalisten“ aus dem Umkreis des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.[5]

Im Inneren des Instituts habe sich bedingt durch den bisherigen Führungsstil „eine große spirituelle Verarmung und psychologische Abhängigkeit offenbart, die mit jener ‚Freiheit der Kinder Gottes‘, welche die Voraussetzung für die Ganzhingabe an den Herrn durch die religiöse Weihe im Ordensleben darstellt, unvereinbar“ sei. So sei insbesondere „die Person des Gründers mit einer Art Aura der Unfehlbarkeit umgeben“ gewesen. Vor allem in der Ausbildung der Ordensbrüder habe es Missstände gegeben; auch sei die Ordensleitung ihrer Fürsorgepflicht teilweise nicht nachgekommen, sodass sehr junge und unerfahrene Brüder in weit abgelegenen Missionsgebieten, so auf den Philippinen, ohne Unterkunft auf sich allein gestellt geblieben seien.[5] Er berichtete zudem von angeblich irregulären Vermögensverschiebungen, Immobiliengeschäften und Geldzahlungen, mit denen Familienangehörige und dem Gründer des Ordens, P. Stefano Manelli, nahestehende Personen unrechtmäßig begünstigt worden seien. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die Tätigkeiten der dem Orden angeschlossenen Laienverbände. Der Apostolische Kommissar veröffentliche im Februar 2014 eine Richtigstellung. Darin erklärt er, dass die Familie des Ordensgründers der Franziskaner der Immakulata Pater Stefano Maria Manelli „absolut nichts“ mit irgendwelchen Besitz- oder Verfügungsumschreibungen von Immobilien des Ordens zu tun habe. Der Anwalt der Familie Manelli hatte strafrechtliche Konsequenzen angedroht und von Kommissar Volpi eine Klarstellung verlangt. Dieser gestand nun ein, dass es sich um eine Verleumdung handelte, die von „irgendjemand“ auf der Internetplattform der Franziskaner der Immakulata veröffentlicht worden sei. [7]

In der Konsequenz dieser Zustände ordnete der Kommissar in seinem Dekret unter anderem an, die Studienordnung des Ordens zu überarbeiten, alle an auswärtigen Standorten studierenden Junioren und Studenten im Mutterhaus zusammenzuziehen und sämtliche für Mitglieder des Ordens geplanten Weihen um ein Jahr zu verschieben. Er verlangte von allen Ordensmitgliedern, die Rechtmäßigkeit der ordentlichen Form des römischen Ritus der katholischen Kirche und die Geltung der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils anzuerkennen, und verfügte, alle Mitglieder müssten eine Erklärung unterschreiben, mit der sie bestätigen, unter diesen Voraussetzungen in der Ordensgemeinschaft verbleiben zu wollen. Für die Verwaltung der Güter des Ordens wurde ein neuer Verwalter bestellt, der zur Aufarbeitung der Unregelmäßigkeiten mit externen Wirtschaftsprüfungssachverständigen zusammenarbeitet.[5] Außerdem hob P. Volpi die Laienvereinigungen Mission Immaculate Mediatrix (MIM) und Dritter Orden der Franziskaner der Immakulata (TOFI) vorläufig auf und verbot die Mitarbeit von Angehörigen des ihm unterstellten Männerordens an den Publikationen der mit dem Orden verbundenen Schwesterngemeinschaften, die nicht seiner kommissarischen Leitung unterstehen.

Gegen den Gründer und bisherigen Generaloberen wurde kein Verfahren eröffnet und er steht nicht unter einer kirchenrechtlichen Anklage. Den an ihn gerichteten Fragenkatalog des Kommissars habe er nach dessen Angaben nicht oder nur ausweichend beantwortet. Er befinde sich aufgrund einer schweren Erkrankung seit Oktober 2013 in stationärer Behandlung in einer Privatklinik, wo er auf ärztliche Anordnung keine Besuche empfangen und keinen Schriftverkehr unterhalten solle. Dies wurde durch Dekret des kommissarischen Ordensleiters vom 18. November 2013[8] mit Einverständnis P. Mannellis durch ein kanonisches Verbot bekräftigt, das seinen Kontakt zur Außenwelt im medizinisch notwendigen Umfang beschränkt[5].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurze Darstellung der Gemeinschaft auf der Webpräsenz der päpstlichen Basilika Maria Maggiore.
  2. Artikel vom 31. August 2013 auf katholisches.info
  3. Franziskaner der Immakulata: Maßnahmen wegen interner Konflikte (kath.net-Artikel)
  4. Ein Dekret zu einer inneren Spaltung einer Ordenskongregation (kath.net-Artikel)
  5. a b c d e Offener Brief des Apostolischen Kommissars vom 6. Dezember 2013 auf der Internetseite des Institutes (ital.)
  6. Rundschreiben des Apostolischen Kommissars P. Volpi an die Oberen des Instituts vom 8. Dezember 2013 (ital.)
  7. Precisazione del Commissario Apostolico(aggiornamenti) (Italienisch) 31. Januar 2014. Archiviert vom Original am 22. Juni 2014. Abgerufen am 22. Juni 2014.
  8. Schreiben des Apostolischen Kommissars P. Volpi vom 18. November 2013 an den behandelnden Arzt P. Stefano Mannellis (ital.)

Weblinks[Bearbeiten]