Frauenschrift

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女書nǚshū

Frauenschrift (chinesisch 女書 / 女书Pinyin nǚshū oder chinesisch 江永女書 / 江永女书Pinyin Jiāngyǒng nǚshū) ist ein Schriftsystem, das in der südchinesischen Provinz Hunan im 15. Jahrhundert entwickelt und ausschließlich von Frauen benutzt wurde.

Mit dieser Schrift, die – anders als die auf Logogrammen aufbauende chinesische Standardschrift – auf phonetischen Syllabogrammen aufbaut, wurden vor allem Briefe geschrieben und Erzählungen aufgezeichnet. Jedes der etwa 600-700 Zeichen repräsentiert eine Silbe des lokalen Chéngguān-Dialekts.

Bedeutung[Bearbeiten]

In chinesischen Dörfern hatten Frauen jahrhundertelang wenig Rechte und wurden von ihren Eltern zwangsverheiratet. Um diese Unterdrückung abzuschwächen und Kontakt mit anderen Frauen halten zu können, entwickelten sie eine eigene Schrift. Diese nutzten sie zum Beispiel für den Austausch über tägliche Sorgen und Geschichten über ihre Ehemänner und Schwiegereltern. Während religiöser Treffen wurde nǚshū als Sprache für Gesang und Gebet verwendet.[1]

Schriftbild[Bearbeiten]

Schriftbeispiel

In mancher Weise erinnert nǚshū an die chinesische Schriftsprache, als wären deren Zeichen abgeändert und langgezogen. Auch nǚshū wird von oben nach unten in Reihen von rechts nach links geschrieben. Doch bei näherer Betrachtung erschließt sich die grundlegende Differenz: während chinesische Zeichen auf Morphemen basieren, ist nǚshū phonetisch – die Zeichen repräsentieren also Laute, und zwar die des Cheng-Guan-Tuhua-Dialekts der Region.

Erforschung der Frauenschrift[Bearbeiten]

Seit 1982 werden die auf Hanzi-Schriftzeichen basierenden nǚshū-Schriftzeichen von chinesischen Sprachwissenschaftlern erforscht. Es wird angenommen, dass die Frauen die nur von Männern erlernten Schriftzeichen kopierten und für den eigenen Bedarf veränderten, wie durch Vereinfachung oder aber künstlerische Ausgestaltung. Heute sind ungefähr 1.500 nǚshū-Zeichen und 20.000 Wörter bekannt.

Es gibt kaum Funde von nǚshū-Texten, da diese traditionell mit den Toten vergraben oder verbrannt wurden. Auch wurden in den 1930er-Jahren viele Familienerbstücke durch japanische Soldaten zerstört. Im Laufe der Kulturrevolution wurde Frauen religiös-spirituelle Betätigung verboten und durch die Roten Garden wurden viele Dokumente zerstört.

Durch die Umwälzungen in China seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gingen immer mehr Mädchen auch in ländlichen Gegenden zur Schule und die nǚshū-Schrift starb langsam aus. Die letzte Anwenderin der Frauenschrift starb am 20. September 2004, in einem von Nachbarn geschätzten Alter von 98 Jahren.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lisa See: Der Seidenfächer („Snow flower and the secret fan“). Blanvalet Verlag, München 2007, ISBN 978-3-442-36757-3 (übersetzt von Elke Link).
  • Alma Alexander: Die Drachenkaiserin. Historischer Roman („The secrets of Jin Shei“). Rowohlt Verlag, Reinbek 2006, ISBN 978-3-499-23609-9 (übersetzt von Christiane Bergfeld).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nüshu auf randomhouse.de, abgerufen am 17. Januar 2010

Weblinks[Bearbeiten]