Frontlader (Traktor)

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Unter einem Frontlader versteht man eine bewegliche Schwinge (Arm des Radladers) aus Stahlrohren, die an einen Traktor montiert werden können. Frontlader werden in der Landwirtschaft oder im kommunalen Bereich, zum Heben und Bewegen von Lasten (Heu- und Strohballen, Mist,...) eingesetzt. Ein Traktor der mit einem solchen Frontlader ausgestattet ist, wird Frontlader-Traktor genannt und hat dann die Funktion eines Radladers.

Klinklader - nur Hubfunktion und Ausklinken des Werkzeugs mittels Seilzug
Industriefrontlader ohne Parallelführung
Industriefrontlader mit Parallelführung und Euro-Schnellwechselrahmen
Industriefrontlader mit mechanischer Parallelführung, Euro Schnellwechselrahmen, Multikupplung und weit auskippender Schaufel. Am Schlepper Heckbalastierung als Gewichtsausgleich.

Bedienung[Bearbeiten]

Ältere Frontlader werden über separate Hebel für jede Funktion bedient, also ein Hebel zum Heben und Senken, einer zum Füllen und Leeren der Schaufel und einer für eventuelle Zusatzfunktionen. Dies erforderte ein häufiges Umgreifen während der Arbeit. Moderne Frontlader verfügen über eine Steuerung per Joystick oder Kreuzhebel, wobei die Bewegung nach hinten und vorn die Schwinge des Frontladers hebt und senkt und die Bewegung zur Seite die Schaufel verkippt. Weitere Druck- und Kippschalter steuern die zusätzlichen Funktionen. Dadurch sind bis zu drei Bewegungen, zum Beispiel Einkippen der Schaufel, Heben der Schwinge und Schließen des Mistgreifers gleichzeitig ausführbar.

Funktionen[Bearbeiten]

Folgende Funktionen sind bei Frontladern verfügbar:

  • Heben und Senken
  • Abkippen und Schöpfen
  • Eilgang
  • Zusätzlichen Hydraulikanschlüsse
  • Parallelführung
  • Euro Schnellwechselrahmen
  • Schwingungsdämpfung

Heben und Senken[Bearbeiten]

Das Heben erfolgt über die Hydraulikpumpe des Traktors indem das Öl in zwei Hubzylinder gepumpt wird. Beim Senken wird dieses Öl meist durch die Schwerkraft wieder aus dem Zylinder verdrängt. Bei Modellen mit doppelt wirkenden Hubzylindern erfolgt auch das Senken mit hydraulischem Druck. Diese können das Gewicht des Schleppers auf das Werkzeug bringen und die Vorderachse anheben.

Ein Gasdämpfer im Hydraulikkreis der Hubzylinder kann die mechanische Störung der Schwinge durch Bodenunebenheiten dämpfen.

Bewegung des Werkzeuges (Bauarten)[Bearbeiten]

Bei einfachen Frontladern (auch Klinkladern) werden die Frontladerwerkzeuge (z. B. Erdschaufel) durch das Öffnen einer Klinke mit Hilfe eines Elektromagneten oder eines Seilzugs vom Fahrzeug aus betätigt. Diese ermöglicht jedoch lediglich das Ausleeren der Schaufel. Ein Schöpfen ist nicht möglich.

Bei so genannten Industriefrontladern steht ein weiteres Paar von dann doppelt wirkenden Zylindern zur hydraulischen Gerätebetätigung zur Verfügung. Diese neuere Bauform erlaubt es dem Fahrzeugführer, von der Kabine aus über die Hydraulik die Schaufel auszuleeren und wieder heranzuziehen. Außerdem gibt es Varianten mit Eilgang zum schnellen Schütten. Hierbei wird durch ein spezielles Ventil das Öl aus der "Ankippkammer" des Hydraulikzylinders nicht wie üblich in den Hydrauliköltank verdrängt, sondern mit in die "Abkippkammer" geleitet.

Zusätzliche Hydraulikanschlüsse können für Werkzeugfunktionen (Greifen, Drehen, Schneiden...) oder für die Werkzeugverriegelung zur Verfügung stehen. Je nach Hersteller und Ausstattungsvariante sind bis zu vier weitere doppelt wirkende Steuergeräte verfügbar.

Euro-Schnellwechselrahmen[Bearbeiten]

Industriefrontlader verfügen häufig über einen genormten Rahmen mit zwei Haken und zwei Ösen, bei dem die Montage der Kippzylinder am Werkzeug entfällt.

Anbaugeräte/Werkzeuge[Bearbeiten]

Standardwerkzeuge sind Mistgabel, Schaufel, Palettengabel, Gabel mit Schwerlastzinken (Rundballengabel) und Rübenkorb.

Bewegte Werkzeuge sind Siloschneidzange, Kistendrehgerät, Greifwerkzeuge zum Beispiel für Folienballen, Festmist oder Stammholz.

Parallelführung[Bearbeiten]

Bei Frontladern mit einer Parallelführung ändert sich der Winkel zwischen Werkzeug und Boden während des Hebens kaum. Eine Parallelführung ermöglicht es, eine Palettengabel zu verwenden. Aufgrund der Drehbewegung der Schwinge würde die Palette ohne Parallelführung beim Anheben nach hinten kippen. Die Parallelführung gleicht dies aus, indem durch die Parallelogrammbewegung der Zusatzarme die Gabel entsprechend nach vorne oder nach hinten gedrückt wird. Die Parallelführung kann mechanisch (Parallelogramm) oder hydraulisch erfolgen.

Industriefrontlader mit hydraulischer Parallelführung, Euro Schnellwechselrahmen, Werkzeug: Ballenzange für Folienballen

Anforderungen an den Schlepper[Bearbeiten]

Der Schlepper muss über eine Hydraulikanlage verfügen, die vom Fahrersitz aus gesteuert wird. Dazu können die bordeigenen Steuergeräte (Ventile, die den Ölfluss für die einzelnen Funktionen regeln) verwendet werden.

Soweit der Schlepper nicht mit einer ausreichenden Zahl an hydraulischen Steuergeräten ausgestattet ist, müssen Frontladereigene, zumeist elektromagnetisch betriebene Steuerblöcke den Ölstrom entsprechend umleiten.

Der elektrische Anschluss erfordert eine 12V-Stromversorgung, die über Druckschalter weitergeleitet wird.

Darüber hinaus muss der Traktor über eine Anbaukonsole für den Frontlader verfügen. Diese besteht aus zwei Aufnahmen, die sich links und rechts vor der Kabine am Traktor befinden. Meist sind diese Konsolen so konzipiert, dass sich das Gewicht des ausgehobenen Laders möglichst weit über die gesamte Länge des Traktors verteilt. Moderne Konsolen sind so ausgelegt, dass der An- und Abbau des Laders in wenigen Minuten erfolgen kann. Frontladerkonsolen sind heute noch nicht so genormt, dass verschiedene Typen montierbar wären.

Frontlader belasten die Vorderachse des Traktors bei intensivem Einsatz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frontlader – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Frontlader – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen