Gaijin

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Das japanische Wort gaijin (japanisch 外人, wörtlich: „Mensch von draußen“) ist eine im Unterschied zum formellen gaikokujin (外国人, „Mensch aus dem Ausland“) mit negativen Konnotationen belastete Bezeichnung für Nichtjapaner, besonders westliche Ausländer[1][2], die inzwischen von den Medien vermieden wird und auch in der Alltagssprache im Schwinden begriffen ist.[3] Das Wort kann im ethnischen Sinne wie auch zur Bezeichnung einer anderen Nationalität verwendet werden.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Historisch gesehen handelt es sich bei gaijin nicht um eine Kontraktion von gaikokujin. Die ältesten Belege für das aus dem Chinesischen übernommene Wort gaijin finden sich in Texten der Heian-Zeit[4]. Bis in die Frühe Neuzeit bezeichnete man damit Personen, die nicht zur Familie, zur lokalen Gemeinschaft gehörten, die fremd waren, gelegentlich auch als Bedrohung empfunden wurden. [5]

Dem 1603 von portugiesischen Jesuiten in Nagasaki gedruckten „Vocabulario da Lingoa de Iapam“ zufolge schloss „Guaijin“ semantisch auch Menschen aus anderen Ländern ein, doch benutzte man seit dem 16. Jahrhundert in Anlehnung an sinozentrische Konzepte für die als fremd empfundenen Europäer eine Reihe spezifischer Termini wie „Südbarbaren“ (nambanjin), „Rotschöpfe“ (kōmōjin oder kōmō) oder „Rot-Barbaren“ (kōmōi oder kōi). Diese wurden im Zuge der Öffnung des Landes gegen Ende der Edo-Zeit durch ijin („anderer bzw. andersartiger Mensch“), ihōjin („Mensch aus einer anderen Region“) oder ikokujin („Mensch aus einem anderen Land“) abgelöst. Seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Form gaikokujin. Nach 1872 wurde diese von der neuen Meiji-Regierung in offiziellen Dokumenten verwendet. Zugleich entstand der Terminus naikokujin („Mensch aus dem Inland“), um nicht-japanische Volksgruppen innerhalb des rasch expandierenden Territoriums zu kennzeichnen (siehe: Taiwan unter japanischer Herrschaft, Korea unter japanischer Herrschaft).

Die meisten dieser Termini verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem allgemeinen Sprachgebrauch. Nambanjin und kōmōjin dienen heute als Fachtermini der Geschichtsschreibung; ersterer hat im Alltagsjapanisch durch das Andenken- und Kunstgewerbe inzwischen gar eine romantisierende Konnotation erhalten. Mit der Zunahme der ausländischen Wohnbevölkerung in Japan stieg auch unter den Einheimischen nach und nach das Bewusstsein für den pejorativen Beiklang von gaijin. Diverse Zwischenfälle und Prozesse beschleunigten diesen Vorgang.[6] Die Bezeichnung erscheint noch heute in Publikationen westlicher Autoren - zumeist, um auf die exponierte Stellung westlicher Ausländer in Japan hinzuweisen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Edwin O. Reischauer: Japan: the Story of a Nation. Alfred A. Knopf, 1981.
  2. Endymion Wilkinson: Japan versus Europe: a History of Misunderstanding. Penguin Books, London 1980.
  3. Liste der Funk- und Druckmedien verbotenen Wörter (japanisch)
  4. Nihon kokugo daijiten. Shogakukan, 2000-2002. Einige im 16. Jahrhundert redigierte Versionen des klassischen Zeichenlexikons Setsuyōshū ersetzen das zweite Schriftzeichen (Mensch) durch das gleichlautende (Menschlichkeit) und schreiben gaijin als 外仁.
  5. Vgl. auch Georg Simmels „Exkurs über den Fremden“ (1908)
  6. Großes Aufsehen erregte vor allem der Fall des in den USA geborenen japanischen Staatsbürgers Debito Arudou und seiner Familie, dem in Otaru (Hokkaidō) der Zugang zu einer Therme verweigert wurde. Arudo und zwei weitere Kläger führten einen Prozess bis zum Obersten Gerichtshof, in dem der Betreiber der Therme zu einer Schadensersatzzahlung von jeweils einer Million Yen (ca. 8000 Euro) an jeden der Kläger verurteilt wurde.
  7. Siehe z.B. Martin B. Stanzeleit: Neugierig auf Japan: Entdeckungen und Erlebnisse eines Gaijin im Land der aufgehenden Sonne. Wiesenburg, 2013, S. 32-36.