Hokkaidō
| 北海道 Präfektur Hokkaidō |
|
|---|---|
| Basisdaten | |
| Verwaltungssitz: | Sapporo |
| Region: | Hokkaidō |
| Insel: | Hokkaidō |
| Fläche: | 83.456,25 km² |
| Wasseranteil: | 6,4 % |
| Einwohner: | 5.444.307 (31. März 2013) |
| Bevölkerungsdichte: | 65 Einw. pro km² |
| Landkreise: | 69 |
| Gemeinden: | 173 |
| ISO 3166-2: | JP-01 |
| Gouverneur: | Harumi Takahashi |
| Website: | www.pref.hokkaido.lg.jp |
| Symbole | |
| Präfekturflagge: | |
| Präfekturbaum: | Picea jezoensis |
| Präfekturblume: | Kartoffel-Rose |
| Präfekturvogel: | Mandschurenkranich |
| Präfekturlied: | Hokkaidō-min no uta (‚Lied der Bürger von Hokkaidō‘) |
| Gymnastik: | Dosanko taisō |
Hokkaidō (
[hokːaidoː] , jap. 北海道 ‚Nordmeerbezirk‘) ist nach Honshū die zweitgrößte Insel Japans.
Bei den auf der Insel lebenden Ainu heißt die Insel Aynu Mosir (アィヌ・モシㇼ ‚Land der Ainu/Menschen‘). Zusammen mit mehreren umliegenden kleinen Inseln bildet sie die nördlichste Präfektur des Landes. Deckungsgleich mit der Präfektur bezeichnet Hokkaidō auch eine Region in Japan.
Die Präfektur zählte Ende 2005 etwa 5,7 Millionen Einwohner, darunter etwa 25.000 der indigenen Minderheit der Ainu. Die größte Stadt und zugleich Sitz der Präfekturverwaltung ist Sapporo.
Die in Hokkaidō geborenen Japaner nennen sich Dosanko (道産子, dt. etwa In Hokkaidō geborenes Kind).
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Hokkaidō ist die Heimat des Volks der Ainu, aus deren Sprache viele geografische Bezeichnungen auf der Insel, zum Beispiel auch der Name der Hauptstadt Sapporo, resultieren.
Erste japanische Siedlungen entstanden im 15. Jahrhundert im Süden der Insel als Handelsposten. Da die in Japan üblichen Formen der Landwirtschaft aber auf der Insel wegen des kühlen Klimas unbrauchbar waren, wurde der größte Teil der Insel erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Japanern besiedelt. Zu dieser Zeit ermöglichten westliche Neuerungen die Landwirtschaft auch hier, zugleich entstand zunehmend ein Bedarf für Verteidigungsstellungen gegen Russland. Die Insel erhielt erst in dieser Zeit ihren heutigen Namen. Die Hauptstadt Sapporo entstand in den 1860er Jahren; in den 1870ern vervierfachte sich die Einwohnerzahl der Insel von 58.000 auf 240.000.
Kurz nach dem Boshin-Krieg 1868 beanspruchte eine Gruppe von Tokugawa-Loyalisten, angeführt von Enomoto Takeaki, die Insel als Republik Ezo. Dieser Aufstand wurde im Mai 1869 niedergeschlagen.
Am 8. Juli 1869 wurde die Entwicklungsbehörde (開拓使 kaitakushi) eingerichtet und am 15. August Hokkaidō in elf Provinzen untergliedert: Chishima, Hidaka, Iburi, Ishikari, Kitami, Kushiro, Oshima, Shiribeshi, Teshio und Tokachi. Am 8. Februar 1882 erfolgte die Auflösung der Entwicklungsbehörde und die Einteilung in die drei Präfekturen Hakodate, Nemuro und Sapporo. Die Präfekturen wurden am 1. Januar 1886 aufgelöst zugunsten der neu gegründeten Hokkaidō-Behörde (北海道庁 Hokkaidō-chō) mit Sitz in Sapporo und Außenstellen (支庁 shichō) in Hakodate und Nemuro. Am 2. November 1897 wurden die heutigen 14 Außenstellen und die Außenstelle Shana eingerichtet. Im Dezember 1903 wird Shana Nemuro zugeschlagen. Am 3. Mai 1947 wurde die Hokkaidō-Behörde aufgelöst und die Präfektur Hokkaidō eingerichtet.
Am 28. Juni 2008 beschloss das Präfekturparlament die Ersetzung der 14 Außenstellen durch neun Sōgō Shinkō-kyoku (総合振興局 ‚Samtförderamt‘) und fünf nachgeordnete Shinkō-kyoku (振興局 ‚Förderamt‘), was zum 1. April 2010 dann erfolgte.
Name[Bearbeiten]
Bis zur Meiji-Restauration wurden die Ainu auch als Ezo (in deutsch veraltet: Jezo, Jesso[1] oder Iesso[2]) bezeichnet. Hokkaidō wurde damals folglich Ezochi (蝦夷地 ‚Ezo-Land‘), was jedoch auch Sachalin und die Kurilen mit einbezog, oder Ezo-ga-shima (蝦夷ヶ島 ‚Insel der Ezo‘) genannt.
Mit der Einrichtung der Entwicklungsbehörde wollte die Meiji-Regierung den Namen ändern. Der Forscher Matsuura Takeshirō machte diese sechs Namensvorschläge: Kitakaidō (北加伊道 ‚Nord-Kai-Bezirk‘), Kaihokudō (海北道 ‚Meeresnordbezirk‘), Kaitōdō (海東道 ‚Meeresostbezirk‘), Hitakamidō (日高見道), Tōhokudō (東北道 ‚Nordostbezirk‘) und Chishimadō (千島道 ‚1000-Inseln-Bezirk‘). Schließlich wurde als Kompromiss zwischen Kitakaidō und Kaihokudō sowie in Anlehnung an die historischen Regionen des Gokishichidō Tōkaidō (‚Ostmeerbezirk‘) Nankaidō (‚Südmeerbezirk‘) und Saikaidō (‚Westmeerbezirk‘) der Name Hokkaidō gewählt. Matsuura schlug Kitakaidō vor, weil die Ainu die Region Kai nannten. Auch historisch wurden die Ainu und ihre Inseln als Kuyi, Kuye, Qoy usw. bezeichnet, welche mit dem frühmodernen Kai in Verbindung stehen könnten. Kai ähnelt außerdem stark der sinojapanischen Lesung der Zeichen 蝦夷 /ka.i/ – üblichere Kun-Lesung /emisi/ – die über tausend Jahre lang in China und Japan zur Bezeichnung der Ainu und verwandter Völker verwendet wurden. Es ist möglich, dass Matsuuras Kai eine durch diese sino-japanische Lesung beeinflusste Variante des Niwchisch-Exonyms Qoy für die Ainu war.
Geographie[Bearbeiten]
Die Präfektur bestand neben der Hauptinsel mit 77.984,39 km²[3] aus vielen vorgelagerten Inseln in den angrenzenden Meeren, dem Japanischen Meer, dem Pazifischen Ozean und dem Ochotskischen Meer. Die direkt nordöstlich anschließenden Kurilen werden seit Kriegsende von Russland verwaltet; Japan sieht die Südkurilen jedoch als Teil Hokkaidōs und verlangt bis heute vergeblich die Rückgabe. Die höchste Erhebung bildet der Asahi mit 2291 Meter über Normalnull. Im Süden grenzt Hokkaidō an die Tsugaru-Straße, die die Insel von der japanischen Hauptinsel Honshū trennt.
Hokkaido befindet sich in einer gemäßigten Monsunzone, jedoch mit recht kalten Wintern. Auf der Insel gibt es aktive Vulkane.
Von Hakodate und Tomakomai besteht eine Fährverbindung nach Honshū. Außerdem werden beide Inseln durch den zweitlängsten Tunnel der Welt verbunden, den 54 Kilometer langen Seikan-Eisenbahn-Tunnel unter dem Meer. Häfen an der Nordseite sind Wakkanai und Abashiri, an der Ostküste Kushiro und Akkeshi.
Politik[Bearbeiten]
Gouverneurin von Hokkaidō ist in dritter Amtszeit Harumi Takahashi. Sie beendete 2003 eine seit 1983 anhaltende Siegesserie sozialistischer und mitte-links-gestützter Gouverneurskandidaten. Das Parlament mit 104 Mitgliedern aus 48 Wahlkreisen wurde zuletzt bei den einheitlichen Regionalwahlen im April 2011 gewählt.
Hokkaidō ist zwar überwiegend ländlich geprägt und in einigen Gegenden ist die LDP dominant, allerdings war besonders Sapporo in der Nachkriegszeit eine Hochburg der Sozialistischen Partei Japans (SPJ) und die Präfektur galt insgesamt als kakushin ōkoku (‚progressives Königreich‘), also als Hochburg der linken Opposition zur LDP. Nach der Neuformierung der Parteienlandschaft in den 1990er Jahren konnte die DPJ bei nationalen Wahlen in Hokkaidō oft gut abschneiden; sie war dort bereits 1996 stärker als die LDP und die NFP, die damals landesweit zweitstärkste Partei war. Im Shūgiin, dem Unterhaus des nationalen Parlaments, gewannen Liberaldemokraten 2012 elf der zwölf Shūgiin-Wahlkreise, der zwölfte ging an die verbündete Kōmeitō. Die Demokratische Partei verlor alle ihre Mandate. Für die Verhältniswahl zum Shūgiin ist Hokkaidō neben Tokio die einzige Präfektur, die alleine einen Block bildet. Dort werden acht Abgeordnete gewählt; 2012 wurde die LDP mit 26,4 % der Stimmen erstmals stärkste Partei und gewann drei Verhältniswahlsitze. Im Oberhaus, dem Sangiin, wurde die Sitzzahl Hokkaidōs in den 1990er Jahren von acht auf vier halbiert, die Präfektur wählt nun also zwei Abgeordnete pro Wahl und verteilt diese wie die meisten Zweimandatswahlkreise auf beide große Parteien.
Die flächenmäßig größte Präfektur Hokkaidō gehört trotz ihrer vergleichsweise großen Bevölkerungszahl zu den finanzschwächeren Präfekturen des Landes. Viele ländliche Gebiete sind zusätzlich zur landesweit ohnehin abnehmenden Bevölkerung stark von Abwanderung in die Städte betroffen; mit der ehemaligen Bergbaustadt Yūbari liegt in Hokkaidō heute die einzige insolvente Stadt Japans.
Erdbeben[Bearbeiten]
Am 25. September 2003 wurde der Südwesten der Insel von einer Erdbebenserie – 54 Erdstöße bis zum 18. Oktober über Stärke 4,5 Mw – betroffen. Das Hauptbeben (Tokachi-oki Jishin ‚Tokachi-Seebeben‘) am 25. September 19:50 Uhr UTC hatte eine Stärke von 8,3 Mw. Es war bis dahin das stärkste Beben in Japan seit Anfang 2001 und das insgesamt drittstärkste in dieser erdbebenreichen Region.
Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]
Die Präfektur Hokkaidō ist in 9 Sōgō Shinkō-kyoku (総合振興局, dt. wörtlich Samtförderamt, englisch General Subprefectural Bureau) und fünf nachgeordnete Shinkō-kyoku (振興局, dt. wörtlich Förderamt, engl. Subprefectural Bureau) aufgeteilt. Diese wurden zum 1. April 2010 eingerichtet, gehen aber direkt auf die vorherigen 14 Shichō (支庁 engl. Subprefecture) zurück. Als Verwaltungsebene ähneln sie den bundesdeutschen Regierungsbezirken und ermöglichen eine effektive Verwaltung, auch in den für japanische Verhältnisse sehr weitläufigen und im Winter unzugänglichen Teilen der Präfektur.
| Shichō (1903–2010) |
Sitz | Sōgō Shinkō-kyoku und Shinkō-kyoku (ab 2010) |
||
|---|---|---|---|---|
| Name | Kanji | Name | Kanji | |
| Sorachi | 空知支庁 | Iwamizawa | Sorachi1 | 空知総合振興局 |
| Ishikari | 石狩支庁 | Chūō-ku, Sapporo | └ Ishikari | 石狩振興局 |
| Shiribeshi | 後志支庁 | Kutchan | Shiribeshi | 後志総合振興局 |
| Iburi | 胆振支庁 | Muroran | Iburi | 胆振総合振興局 |
| Hidaka | 日高支庁 | Urakawa | └ Hidaka | 日高振興局 |
| Oshima | 渡島支庁 | Hakodate | Oshima | 渡島総合振興局 |
| Hiyama | 檜山支庁 | Esashi | └ Hiyama | 檜山振興局 |
| Kamikawa | 上川支庁 | Asahikawa | Kamikawa | 上川総合振興局 |
| Rumoi | 留萌支庁 | Rumoi | └ Rumoi2 | 留萌振興局 |
| Sōya | 宗谷支庁 | Wakkanai | Sōya | 宗谷総合振興局 |
| Abashiri | 網走支庁 | Abashiri | Ochotsk | オホーツク総合振興局 |
| Tokachi | 十勝支庁 | Obihiro | Tokachi | 十勝総合振興局 |
| Kushiro | 釧路支庁 | Kushiro | Kushiro | 釧路総合振興局 |
| Nemuro | 根室支庁 | Nemuro | └ Nemuro | 根室振興局 |
Größte Orte[Bearbeiten]
| Gemeinde | Einwohner 1. Oktober 2000 |
Einwohner 1. Oktober 2005 |
Einwohner 1. Oktober 2006 |
|---|---|---|---|
| Sapporo | 1.822.368 | 1.880.875 | 1.888.953 |
| Asahikawa | 359.536 | 354.988 | 353.540 |
| Hakodate | 305.311 | 294.212 | 290.927 |
| Kushiro | 201.566 | 190.477 | 188.653 |
| Tomakomai | 172.086 | 172.755 | 173.013 |
| Obihiro | 173.030 | 170.586 | 170.064 |
| Otaru | 150.687 | 142.165 | 140.089 |
| Kitami | 132.125 | 129.365 | 128.630 |
| Ebetsu | 123.877 | 125.589 | 125.497 |
| Muroran | 103.278 | 98.373 | 97.322 |
| Iwamizawa | 96.302 | 93.677 | 93.155 |
| Chitose | 88.897 | 91.439 | 92.124 |
| Eniwa | 65.239 | 67.614 | 67.955 |
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Rolf-Harald Wippich: Japan als Kolonie? Max von Brandts Hokkaido-Projekt 1865/67. Abera Meyer, Hamburg 1997, ISBN 3-931567-53-2.
- ↑ Jesso. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 9. Band, S. 905.
- ↑ Japanisches Meer. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 9. Band, S. 872.
- ↑ 島面積. Kokudo Chiriin, 1. Oktober 2011, abgerufen am 8. November 2012 (PDF; 32 kB, japanisch).
- ↑ Präfekturparlament Hokkaidō: Abgeordnete nach Wahlkreis und Fraktion (PDF; 15 kB)
Weblinks[Bearbeiten]
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Nordjapan: Hokkaidō (Ost, Nord, Mitte, Süd, „Nördliche Territorien“ (Südkurilen)) | Tōhoku (Nord, Süd)
Ostjapan (im engeren Sinne): Kantō (Nord, Süd, Tokio, Kantō-Kōshin’etsu) | Chūbu (Kōshin’etsu, Kantō-Kōshin’etsu, Shin’etsu, Kantō-Kōshin)
Zentraljapan: Chūbu (Hokuriku, Tōkai, zentrales Hochland, San’ennanshin, Nōbi)
Westjapan (im engeren Sinne): Kinki (Nord, Keihanshin, Nanki) | Chūgoku (San’in, San’yō, Setouchi, Chūgoku-Shikoku) | Shikoku (Setouchi, Nord, Süd, Chūgoku-Shikoku)
Südjapan: Kyūshū (Nord, Süd, Zentral, West, Ost) | südwestliche Inseln (Satsunan-Inseln, Okinawa, Sakishima, Daitō)
43.283333333333143.08333333333Koordinaten: 43° N, 143° O
